Edition:
Bergziegen


Gründer: Dino_Thunder | Mitglieder: 17 | Beiträge: 8
29.06.2016 | 5311 Aufrufe | 1 Kommentare | 2 Bewertungen Ø 10.0
Die erste Saisonhälfte
Die Bergziegen - Der Radsporttalk #1
Die erste Saisonhälfte

Die Fernseh-Bergziegen haben es wie jedes Jahr nicht leicht. Auf dem heimischen Sofa (50 Höhenzentimeter sind zu überwinden bei einer durchschnittlichen Steigung von 90%) schafft Dino_Thunder wieder den Anschluss zur Spitzengruppe mit Bart_Simpson, DavidSilva und king_james_1FCK herzustellen. Bevor jemand wieder eine Attacke startet wurde diese drei im Windschatten ausgefragt.

Schön dass ihr euch Drei Zeit genommen habt, wir wollen nun über die erste Saisonhälfte sprechen.
Wie hat euch bisher die Radsportsaison gefallen, welche Rennen waren toll (Paris-Roubaix selbst für seine Verhältnisse dieses Jahr überragend), welche waren eher meh (wie mittlerweile konstant das Amstel Gold Race)?

DavidSilva:
Die offensichtlichen Rennen hast du schon genannt. Ich fand eigentlich alle drei Nordklassiker dieses Jahr extrem spannend und gut anzuschauen. Da wurde über mehr als nur die letzte Rennstunde wirklich alles geboten, was man sich als Zuschauer nur wünschen konnte. Abgesehen davon fand ich die Baskenlandrundfahrt noch sehr gut gerade wegen der sehr geringen Abstände.
Enttäuscht war ich mal wieder von den Ardennenklassikern. Außer den letzten 5-10km (bei Amstel und Flèche auch nur der letzte km) war das absolut nichts.

Bart_Simpson:
Ich kann mich nur anschließen, Paris - Roubaix war sicherlich das Highlight der bisherigen Radsportsaison. Ein tolles Rennen, das alle Facetten gezeigt hat, welche den Radsport so interessant machen. Die Nordklassiker an sich waren und werden immer interessanter. Die Klassiker in den Ardennen hingegen, fallen von Rennverlauf und Spannung doch sehr stark ab im Vergleich. Ich persönlich fand die Katalonienrundfahrt noch sehenswert bisher.


king_james_1FCK:
Zu den Nordklassikern ist alles gesagt, ich fand San Remo noch recht spannend auch wenn es darüber ja im Anschluss genug Diskussionen gab. Ansonsten waren es eher mal spannende Etappen als dass mich eine Rundfahrt komplett überzeugen konnte.



Im März waren leider die ersten beiden großen Rundfahrten Paris - Nizza und besonders Tirrenno - Adriatico (dort strich man die Königsetappe ganz) aufgrund der Wetterkapriolen nicht besonders aussagekräftig, dann folgte ein eher mäßiges Mailand - San Remo mit einem überraschenden Sieger mit der angesprochenen Diskussionswürdigkeit: Arnaud Demare (FDJ).
Zwei italienische Radprofis bezeugen dass sich Demare nach einem Sturz am Cipressa durch Festhalten am Teamwagen hochziehen lassen hat und dadurch den Kontakt zur Spitzengruppe wieder herrgestellt. Laut Strava-Daten war er für seine Verhältnisse schon extrem gut, aber nicht außerirdisch gut dass er zwingend gezogen wurde; Kamerabilder gibt es nicht. Also hat er oder hat er nicht?

David Silva:
Ich glaube ehrlich gesagt schon. Erstens: Warum sollte Tossato sich das ausdenken und zweitens die Daten sind einfach zu gut. Dèmare an so einer Steigung schneller als alle anderen die zu dem Zeitpunkt Vollgas gefahren sind, weil Kwiatkowski (ein absoluter Experte auf diesem Terrain) rausgefahren ist ? No Way.

Bart_Simpson:
Wenn man sich die Daten und Rennen von Demare im ersten Halbjahr anschaut, dann gibt es mittlerweile eigentlich keine großen Zweifel mehr dass der Sieg bei Mailand - San Remo wohl nicht ganz fair war. Hier ist sicher auch die UCI gefordert um solche Dinge zukünftig ausschlißenen zu können. Ich kann auch ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen wie keiner der Funktionäre im Rennen dies übersehen konnte. Es sind so viele offizielle Fahrzeuge im Rennen, da muss so etwas einfach gesehen werden.


king_james_1FCK:
Leider muss auch ich sagen dass ich nicht dran glauben kann dass dies ein fairer Sieg war, vorallem wenn man die Daten dazu betrachtet und er sieht dass er schneller war als ALLE Experten auf auf diesen Terrain. Seine Ergebnisse in den vorherigen und nachfolgenden Rennen lassen auch nicht darauf vermuten das er zu dem Zeitpunkt eine absolute Topform hatte.


Es folgten die Paves Klassiker (E3, Gent-Welvegen, Flandern, zu Paris-Roubaix kommen wir später) in denen es die Peter-Sagan-Show gab.
Äußerst Pech hatten allerdings zwei Fahrer: Sep Vanmarcke (Lotto-NL), der allerdings noch ein paar Jahre vor sich hat und Fabian Cancellara in seinem letzten Klassikerfrühjahr seiner großen Karriere.
Ist es richtig von "Platten, Pech und Pannen" bei ihm zu sprechen oder hätte es in diesem Jahr auch ohne Pech für ihn nicht gereicht?

DavidSilva:
Schwer zu sagen, aber es lief schon alles sehr unglücklich. Bei Roubaix hätte es sicher nicht gereicht. Davor hat man allerdings gesehen dass die Form da war. Spartacus war zusammen mit Sagan der klar stärkste Fahrer im Feld und das haben die beiden auch gezeigt. Bei der Flandern Rundfahrt hat er einfach den Moment verpasst als Sagan mit Kwiatkowski attackierte, stark genug war er auf jeden Fall. Dazu einfach nochmal angucken wie er den Oude Kwaremont hochgefahren ist und wie die Fahrer um ihn herum, das war einfach beeindruckend.

Bart_Simpson:
Vanmarcke hat es sowas von verdient endlich einen Klassiker zu gewinnen, schaut man sich alleine seine Platzierungen bei Paris - Roubaix seit 2013 an (2013 2ter Platz, 2014 4ter Platz, 2015 11ter Platz, 2016 4ter Platz) sollte es einem klar sei dass er einer der absoluten Spezialisten für diese Klassiker ist. Ich hoffe es bleibt eine Frage der Zeit bis er den großen Wurf landet. Sagan ist dieser große Wurf nun schon einge mal öfter gelungen, ein unglaublicher Rennfahrer der bei fast allen Rennen im Kalender Siegchancen hat.
Bei Cancellara ist es ganz einfach so dass alle anderen Rennfahrer wussten er will diese Rennen gewinnen. Da schaut dann quasi ein ganzes Peloton auf ihn und ist in seinem Windschatten, es können andere attackieren und die Rennen gewinnen.

king_james_1FCK:
Ich würde es nicht nur auf Pech und Pannen schieben. Bei Flandern hat er einfach geschlafen als Sagan attackiert hat. Ansonsten hat er sich halt wie Bart schon schrieb vorher in eine schwierige Position gebracht, wenn jeder weiß das du unbedingt gewinnen willst fährt keiner mit dir. Auch das war ein Problem bei Flandern das keiner mit Trek zusammen den Ausreißern um Sagan hinterher wollte.


Kommen wir nun zum jetzt schon Rennen des Jahres: Paris-Roubaix. Nicht dass die Hölle des Nordens jedes Jahr ein unfassbares tolles Rennen ist, dieses Jahr toppte es alles und hatte es so viele Geschichten zu erzählen: Schon 100 Kilometer vor dem Zielstrich gign die Post richtig ab, Ettix mit Atmeister Bonnen mit einer ganz wilden aber letzlich erfolgreichen Taktik und die verzweifelte Aufholjagd von Sagan und Cancellara die leider mit dem Sturz des Schweizers beendet war. Gekrönt wurde das Ganze noch vom Sieg des 38jährigen Außenseiters Matthew Hayman (Orica), der sich die ganze Zeit in der Ausreißergruppe des Tages befand und den selbst im Velodrome niemand auf der Rechnung hatte. Mehr geht nicht oder?

DavidSilva:
Absolut. Das war ganz großes Kino was uns da geboten wurde. Die Attacke von Etixx so früh war auch einfach sehr gut gemacht. Dazu vielleicht später nochmal mehr. Über 100km und 3h Radrennen in seiner reinsten Form - mehr geht nicht.

Bart_Simpson:
Die Königin der Klassiker, mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. Waren die Jahre zuvor schon toll und man hoffte darauf dass das Rennen ähnlich spannend wird, dieses Jahr hat es alles getoppt. Außenseitersiege sind natürlich auch immer noch die Sahne auf dem Kuchen.


king_james_1FCK:
Es war einfach ein unglaubliches Rennen das so ein bisschen über die danach folgenden eher mäßigen Ardennenklassiker hinwegtröstet. Was will man mehr als ein offener Kampf der Favoriten über 100km und am Ende gewinnt der Außenseiter?


Trotz des 2.Platzes von Boonen bei PR legte ausgerechnet Etixx seiner Paradedisziplin Kopfsteinpflaster dieses Jahr eine enttäuschende Saison hin. Etixx hat ein tolles Helferteam aber bis auf Boonen (und der auch nur noch punktuell, ist aber sowieso im Spätherbst seiner Karriere und vielleicht im nächsten Jahr nicht mehr im Team) befindet sich kein Siegfahrer im Team, mal abgesehen von ziemlich miesen taktisches Entscheidungen die die sportliche Leitung in den Rennen getroffen hat. Stimmt ihr mir dazu und wie wirds da weitergehen?

DavidSilva:
Das sehe ich ganz genauso aber ich habe im Vorfeld auch nichts anderes erwartet. Taktisch hat sich das Team in den letzten Jahren bei den Klassikern sowieso schon oft genug blamiert, das ist eigentlich schon nicht mehr lustig, Dieses Jahr war Tomeke nochmal nah dran, aber am Ende sah man auch dass er nicht mehr der Fahrer früherer Zeiten ist. Immerhin muss man das Team aber auch mal loben für seine Taktik bei Roubaix. Da schienen sie endlich kapiert zu haben dass sie in der Spitze nicht gut genug sind um gegen Cancellara/Sagan/Vanmarcke zu gewinnen. Das war taktisch wirklich gut und man hat die Stärke der Mannschaft sehr gut genutzt, wofür man auch als Zuschauer am Ende dankbar sein muss denn ohne Etixx hätte es dieses tolle Rennen so nicht gegeben.
Wie es weitergeht kann man schwer sagen. Ich denke man wird sich weiter auf die Klassiker fokussieren wie man das immer gemacht hat. Terpstra ist ja auch kein Schlechter und mit Alaphilippe hat man auch einen Mann für die Ardennen.

Bart_Simpson:
Ich sehe die Zukunft von Etixx nicht so schwarz, sicher als Belgisches Team gilt es Siege in Flandern oder Roubaix zu holen, aber ich sehe das Team auch nach Boonen dazu in der Lage. Wie schon geschrieben ist das Team als Ganzes einfach stark in solchen Rennen. Was die Renntaktik betrifft stimme ich euch allerdings zu, da gibt es sicher bessere Teams als Etixx. Für den neutralen Fan war die Taktik bei Paris - Roubaix sicher toll, aber warum Boonen 100km vor dem Ziel praktisch ohne Unterstützung des Teams einen Angriff initiert ist doch sehr diskussionswürdig.


king_james_1FCK:
Ettix hat halt viele Helfer und Edelhelfer die mit Glück mal eine Pavé-Etappe gewinnen können, aber der absolute Star der gegen ein Sagan oder Vanmarcke mithalten kann fehlt mittlerweile da Boonen doch nicht mehr die Form von vor 3-4 Jahren hatte. Aber ob man jetzt nach einem 2. Platz beim wichtigsten Klassiker von Enttäuschung sprechen kann?
Für die Zukunft erwarte ich Ettix vor allem bei den Ardennen Klassikern sehr weit vorne, Alaphilippe hat dieses Jahr ja gezeigt das er seine Krankheit gut überwunden hat und da wieder voll angreifen können sollte im nächsten Jahr.



Kommen wir noch zu den Ardennen-Klassikern: Das Amstel Gold Race bleibt das Lieblingsrennen von Enrico Gasparotto (Wanty-Gobert), Fleche Wallone heißt wohl bis zu seinem Karrieende Fleche Valverde, immerhin war LBL bei miesem Wetter etwas interessanter.

DavidSilva:
Hatte ich ja vorhin schonmal erwähnt, für mich klar die unattraktivsten Rennen und ich sehe auch nicht was sich daran in Zukunft ändern wird. Immerhin positiv: Die Streckenänderung im Finale von LBL mit der dieses Jahr erstmalig befahrenen Kopfsteinplaster-Passage kurz vor dem Ziel.

Bart_Simpson:
Ich würde sogar behaupten die Klassiker in den Ardennen haben ein generelles Problem wenn man sich die Fahrerlisten anschaut, da fahren längst nicht mehr alle großen Fahrer mit. Diese scheinen mittlerweile lieber irgendwo im Süden Rennkilometer zu sammeln oder zu trainieren. Ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung dieser Rennen.


king_james_1FCK:
Finde es extrem schwer die Ardennenklassiker zu bewerten und vielleicht spannender zu machen. Es haben ja schon die Favoriten gewonnen (außer LBL), daher kann man ja auch nicht sagen das die Teams was anders machen müssten um Erfolg zu haben. Wie die Organisatoren es hinbekommen das man in den nächsten Jahren nicht mehr nur die letzten 800m schauen muss kann ich aber leider auch nicht sagen denn es haben ja Fahrer wie Wellens es vorher probiert; aber man konnte in der flachen Anfahrt zur letzten Wand auch nicht gegen das Peloton ankommen.

Zumindest beim Amstel Gold Race sollte man nach meiner Meinung die Schlussrunde abschaffen, ohne diese war das Rennen früher deutlich besser. Aber wir ziehen weiter von den Beneluxländern nach Südeuropa.
Wie fandet ihr den Giro und welche könnt ihr für Erkenntnisse aus ihm ziehen?

Bart_Simpson:
Der Giro hatte in diesem Jahr etwas darauter zu leiden dass mit Ausnahme von Nibali alle anderen großen Rundfahrer sich auf die Tour de France und Olympia konzentrieren. Vom Profil war der Giro wieder einmal sehr gelungen. Mit 7 Etappensiegen war es auch erneut ein Hinweis wie stark im speziellen die deutschen Sprinter sind. Die Erkenntnis die sich für mich klar gezeigt hat war, dass die Rennen immer mehr bergab entschieden werden und somit noch ein weiterer Faktor zum Radsport hinzukommt.


king_james_1FCK :
Der Giro war spannend, vielleicht nicht ganz so hochklassig wie die letzten Jahre weil einfach auch viele große Namen gefehlt haben oder früh aussteigen mussten, aber er wusste bis zur vorletzten Etappe durch absolute Spannung zu überzeugen. Dadurch dass es viele hügelige Etappen gab haben wir wenig Sprints gesehen, man konnte aber auch nicht zwangsläufig Tage ausmachen wo man nur für die letzten 5km einschalten muss. Der zusätzliche Ruhetag hat den langen Transport am Anfang auch besser gelöst als die letzten Jahre wo man zwischen ersten und zweiten Ruhetag sehr viel Zeit hatte. Ansonsten ist natürlich herausragend das die Deutschen alle Flachetappen gewonnen haben, vor allem Kluge's Sieg war beeindruckend. Kruijswijk´s verzweifelter Kampf alleine ohne Team während alle anderen noch Helfer hatten war beeindruckend und der todgeschriebene Nibali gewinnt am Ende doch noch, man hätte es ja kaum besser planen können.

DavidSilva:
So mittel. Im Hochgebirge hat man schon gemerkt dass die ganz Großen nicht dabei waren, dafür war das Rennen offener (auch begünstigt durch Kruiswjks Sturz). Mir hat vor allem die erste Woche sehr gut gefallen. Gerade die Etappen wo es ähnlich wie bei der Strade Bianche teilweise über Schotterpisten ging sind für den Zuschauer schon sehr spektakulär. Das ist auf jeden Fall ein Element, welches hoffentlich auch in Zukunft mit einbezogen wird. Wie gesagt die Etappen im Hochgebirge haben mich nicht wirklich geflasht. Erst hat Kruiwijk klar dominiert und dann war mehr oder weniger klar dass Nibali es doch noch macht. Taktisch hat sich da auch kaum ein Team wirklich mit Ruhm bekleckert, wobei man auch sagen muss dass bis auf Astana und Movistar die Teams dafür auch nicht wirklich vorhanden waren. Von Majka hatte ich mir allerdings mehr erhofft, dafür hatte Etixx hier wirklich eine absolute Sahnerundfahrt, viel besser gings da wirklich nicht.


Kommen wir zu den drei deutschen Profiteams, zunächst das Flagschiff Giant-Alpecin was eine turbulente Saison hinter sich hat: Zunächst der fürchterliche Trainingsunfall mit u.a. Degenkolb, dadurch gab es im Frühjahr keine Ergebnisse; Im Giro hat man sich etwas rehabilitiert.
Wie es die Spatzen von den Dächer pfeifen hat Giant Matthews verpflichtet der wohl Degenkolb, welcher mit Trek in Verbindung gebracht wir, ersetzen soll. Entgegen anderer Aussagen bleibt Alpecin doch am Ball. Das Team hat sich innerhalb von zwei Jahren gewandelt, von zwei Sprinter und Nordklassikerexperten zu Rundfahrspezialisten (Barguil, Dumoulin) und endschnellen Hügelfahrer (Matthews): Was haltet ihr davon?

Bart_Simpson:
Grundsätzlich ist es ja nicht verkehrt wenn sich ein Team neu ausrichtet. Es halt immer die Frage: Was sind wir im Stande zu zahlen? Welche Fahrer bekommen wir zu diesem Preis und was sind die Stärken dieser Fahrer? Sicher ist es für die normalen deutschen Fans schade dass Degenkolb aller Vorraussicht nach nicht mehr für Alpecin fahren wird, aber nun ist es an Dumolin und Matthews mit Siegen diese Lücke zu füllen.

DavidSilva:
So richtig viel halte ich davon nicht. Für einen Sponsor sind 4 Etappensiege bei der TDF + evtl Sieg auf der Champs-Elysee und Gelbes Trikot in der ersten Woche doch eigentlich auch viel wertvoller als das was man mit Dumoulin/Barguil im GC erreichen kann. Ganz ehrlich wen außer uns Hardcore Junies juckt es denn wer am Ende 7 oder 8. in Paris wurde? Da bist du auch nirgendwo in den Schlagzeilen. Was hat Michael Matthews denn bitte bisher für große Rennen gewonnen? Degenkolb gibt dir jedes Jahr die Chance bei den großen Monumenten im Frühjahr den Sieg zu holen. Ist für mich auch mehr wert als ein oder zwei Etappensiege bei schwierigeren Sprintankünften von einwöchigen Rundfahrten oder Giro/Vuelta.

king_james_1FCK :
Muss hier David zustimmen es interessiert am Ende kaum einen wer auf Platz 4-10 ankommt und das ist die Region wo ich Dumoulin und Barguil sehe. Letzterer könnte zumindest mit dem weißen Trikot bei der Tour dieses Jahr für aufsehen sorgen.
Matthews halte ich aber für eine solide Verpflichtung, der kann ähnlich wie Dege bei den Frühjahrsklassikern bei fast allem rein halten, allerdings eher bei den hügeligen Klassikern statt den Paves. Denke er kann Rennen wie LBL oder San Remo schon gewinnen. Auch Etappen wie die erste Woche der Tour dieses Jahr könnte ihm liegen und solche Etappen hat jede Grand Tour. Sein Problem ist nur das es Sagan gibt der ähnliche Stärken hat nur meistens ein Tick besser ist.
Insgesamt ist es für Giant im allgemeinen meiner Meinung nach eher ein kleiner Schritt zurück, da Dege aber wohl weg wollte hat man versucht das Beste aus der Situation zu machen und das solide hinbekommen.

Bora18 möchte 2017 in die Worldtour und ist ohne Frage einer der besseren ProConti-Teams, aber nach meiner Meinung fehlt das gewisse Etwas - Siegfahrer die mal eine Etappe bei einem besser besetzten Radrennen gewinnen (4 Siege dieses Jahr, Criterium International war noch ziemlich hochwertig gegenüber den anderen drei).
Liege ich da richtig und besteht da nicht die Gefahr in der Worldtour (auch wenn es da noch Verpflichtungen gibt) etwas unterzugehen?

Bart_Simpson:
Momentan fehlt Bora sicherlich der oder besser die Siegfahrer. Man profitiert davon als deutsches Team in einem Markt zu Hause zu sei der sich für den Radsport wieder vermehrt interessant wird. Aber wenn Bora die World Tour Lizenz erhält generiert das Team natürlich automatisch mehr Interesse für Sponsoren und auch höherklassigere Rennfahrer. Ich habe keine Angst dass Bora beim Erhalt einer World Tour Lizenz in allen Rennen hinterherfährt.

DavisSilva:
Wenn sie in die Worltour gehendann sicher nicht ohne finanzkräftigen Co-Sponsor. Es gibt da ja Gerüchte um Specialized, begrüßen würde ich das auf jeden Fall. Ein deutsches Worldtour Team welches auch wirklich seine Wurzeln in Deutschland hat gab es schon seit Milram nicht mehr. Giant zähle ich da auch nicht wirklich, das ist eigentlich ein holländisches Team, eine deutsche Basis haben die nicht. Das wäre bei Bora sicher anders und würde vllt auch dazu führen dass dann deutsche Nachwuchstalente nicht direkt zu Teams wie Katusha (Politt) gehen "müssen", sondern auch in einem deutschen Team bleiben wo sie sicher mehr Freiheiten hätten große Rennen fahren können. Aber ja, wenn sie die Lizenz ziehen werden sie auch aufrüsten, wobei Bennett auch kein ganz schlechter ist.

king_james_1FCK :
Puh, schwierig, ich denke wenn man wirklich in die Worldtour möchte braucht man auch einen Fahrer der zumindest bei einigen größeren Rennen Siegchancen hätte. Gerüchte um ein Deal mit Sagan oder ähnlichen Fahrern liest man ja immer wieder, auch Specialized als Co-Sponsor wird immer wieder genannt. Lassen wir uns überraschen aber das klingt nicht so schlecht was die Herren bei Bora machen.

[Update: Nach dem Schreiben dieser Zeilen hat Bora verkündet einen neuen Co-Sponsor gefunden zu haben. Dies ist nund ein deutscher Sponsor, Specialized stellt die Räder und am Ende ist man über die geforderten 12 Millionen Euro für die Welttour. Da IAM und sehr wahrscheinlich Tinkoff-Saxo aus der WT ausscheiden werden sind zwei Plätze frei.]


Das dritte und kleinste deutsche Team Stölting fährt zum ersten Mal in der Profiriege mit. Wie ich finde ist es sehr interessant mit hochbegabten jungen Fahrern (Pedersen, Kämna) und alten Haudegen (Gerdemann, Wegmann, Ciolek), große Erfolge konnte man wie erwartet natürlich noch nicht einfahren.
Glaubt ihr dass das Team zumindest mittelfristig eine Zukunft hat oder bleibt es bei einem kurzfristigen Projekt und Stölting wird wieder ein Continentalteam?

Bart_Simpson:
Wie in jedem anderen Profisport entscheidet letztendlich das Geld darüber, was für Stölting in Zukunft möglich ist. Ich kann mir aber nicht vorstellen dass Talente wie Kämna bei Stölting bleiben und somit verliert das Team in Zukunft an Wert für die Profirennen und zugleich auch an Wert für Sponsoren. Als Continentalteam und Talentschmiede sehe ich Stölting aber auch in Zukunft gut aufgestellt.


king_james_1FCK:
Kann mich Bart da wieder nur anschließen, Kämna wird das Team dieses oder nächstes Jahr verlassen und Stölting wird wieder ein Continentalteam. Wichtig ist bis dahin bei den größeren Rennen für die man eingeladen wird aufzufallen und in Ausreißergruppen zu kommen. Hier der übliche Vermerk dass es gerade für kleinere Teams schade ist das es keine große deutsche Landrundfahrt gibt wo sie per Wildcard auffallen können.

DavisSilva:
Ich denke vieles hängt davon ab ob man einen Co Sponsor findet. Zunächst einmal ist es ja schon so dass von Seiten Stöltings kein geringes Interesse daran besteht als Pro-Conti Team an den Start zu gehen. Klar wird Kämna nicht lange zu halten sein und wohl schon nächstes Jahr bei einem der großen World Tour Teams fahren (wenn er das denn will), aber davon alleine hängt ja nicht die Zukunft des Teams ab. Ich glaube man hat sich in den letzten Jahren schon einen guten Namen gemacht als Sprungbrett für talentierte deutsche Neoprofis, das sollte auch für potentielle Co-Sponsoren nicht uninteressant sein, wünschenswert wäre es allemal.


Allgemein, außer die Fahrern und Teams die wir schon besprochen haben: Welche Fahrer/Teams udn Teams haben euch positiv bzw. negativ im Frühjahr überrascht?

Bart_Simpson:
Kruijswijk hat bis zu seinem Sturz den Giro dominiert, man kann fast davon ausgehen dass er ihn auch gewonnen hätte. Dies kann man gut und gerne als Überraschung bezeichnen.
Enttäuscht bin ich bisher von BMC, sicher waren auch hier viele wichtige Rennfahrer verletzt, aber bisher war das eine sehr überschaubare erste Saisonhälfte von einem Team mit Spitzenetat.


king_james_1FCK:
Bei BMC und Kruijswijk kann ich dir nur zustimmen, mich hat LottoNLJumbo aber bisher überhaupt sehr positiv überrascht. Bei den Klassikern durch Vanmarcke geglänzt, bei Giro hat es dann Kruijswijk nur ein wenig an Unterstützung gefehlt. Ich bin gespannt wie sich sich mit Gesink, Kelderman und co bei der Tour schlagen.
Ansonsten muss ich hier noch Pinot als Überraschung nennen, der kann ja plötzlich Zeitfahren und auch halbwegs gut Abfahren. Falls er in Form ist ein Kandidat fürs Tour-Podium dieses Jahr.
Neben BMC fand ich auch die Saison von Katusha bisher relativ schwach, außer Siege bei kleineren Rennen und einer Giro Etappe hätte ich da mehr erwartet, auch wenn man sagen muss das der Stürz von Zakarin das Gesamtbild nicht besser aussehen lässt.

[Amerkung: Auch hier hat uns die Zeit überholt, der angesprochene Robert Gesink wird leider verletzungsbedingt bei der Tour fehlen]

DavidSilva:
Ich kann mich da nur anschließen. Die Art und Weise wie Sagan bei den Nordklassikern gefahren ist fand ich, auch wenn seine Stärke nichts neues ist trotzdem extrem beeindruckend. Stark fand ich auch Bouhanni bisher. Das ist vielleicht der Einzige der in einem Massensprint mit Kittel und Greipel halbwegs mithalten könnte, auch wenn seine Siege nicht immer gegen die Top Konkurrenz zustande kamen.
Stellvertretend für Katusha hat mich in erster Linie auch Kristoff enttäuscht. Das war wirklich wenig was da bisher kam.


Dino_Thunder: Ich möchte noch zwei Fahrer positiv erwähnen: Evald Boasson Hagen (Dimension Data) und Bryan Coquard (Direct Energie).
Boasson Hagen war schon letztes Jahr besser in Form, dieses Jahr kann wieder er aber endgültig fast an alte Zeiten anknüpfen. Coquard ist zwar hauptsächliche kleinere französche Rennen gefahren, dort ist er aber der Konkurrenz davongesprintet und elf Saisonsiege sprechen für sich, die holt man auch bei Continentalrennen nicht durch pures Glück.
Bei Enttäuschungen und der Name Katusha bin ich ganz bei euch, hier sollte man aber vor allen Rodriguez noch nennen. Kristoff war zwar bei den großen Rennen schwach, er hat aber immerhin noch ein Saisonsiege auf dem Konto - bei Purito steht die Null vorne und manchmal hat man erst beim Durchstöbern der Fahrerlisten bemerkt dass er mitgefahren ist.

To France, hier gehts zum zweiten Teil

http://www.spox.com/myspox//group-blogdetail/die-bergziegen-:2D:-der-radsporttalk-:23:2,221111.html

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Dino_Thunder
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29.06.2016 | 23:15 Uhr
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29.06.2016 | 23:15 Uhr
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