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Von: StateFarm
05.06.2017 | 2717 Aufrufe | 0 Kommentare | 1 Bewertungen Ø 10.0
Saisonanalyse VfL Bochum
An manchen Schrauben muss gedreht werden
von Timo Janisch

Vor der Saison 2016/2017 war einiger los ,,anne Castroper". Der VfL Bochum 1848 verlor zahlreiche Leistungsträger, darunter die gesamte Stamm-Offensive. Doch darüber wurde genügend gesprochen und geschrieben. Schließlich gelang es dem VfL, eine runderneuerte, aber konkurrenzfähige Truppe auf die Beine zu stellen.

Die ursprüngliche VfL-Mannschaft mit den Neuzugängen Kevin Stöger, Johannes Wurtz, Nils Quaschner, Tom Weilandt und Marco Stiepermann wurde vor Saisonbeginn dem (oberen) Mittelfeld der zweiten Liga zugeordnet. Die jüngste Mannschaft der Liga hat Qualität und Potenzial, allerdings wurde damit gerechnet, dass sie ob ihrer Unerfahrenheit auch Lehrgeld bezahlen müsse.

Pustekuchen. Nach wenigen Spieltagen mussten sämtliche Prognosen verworfen werden. Das Verletzungspech, das dem VfL die Saison zuvor nicht heimgesucht hatte, hatte das Team voll im Griff. Stöger und Eisfeld zogen sich Verletzungen zu, die Monate zur Verheilung brauchen sollten. Timo Perthel, Kapitän Patrick Fabian und Stefano Celozzi kamen nie so recht auf die Beine, hinzu kommen zahlreiche kleinere Ausfälle, die beinahe den gesamten Kader betrafen. So absolvierte nur Keeper Manuel Riemann alle Spiele.

Dennoch schlug sich die Mannschaft in vielen Spielen beachtlich. Bochum verlor nur zehn Spiele - nur die ersten Drei haben weniger Pleiten hinnehmen müssen. Da man allerdings ebenso selten gewann, reichte es am Ende für Platz neun und 44 Zähler. Letztendlich war der VfL also besser als die meisten Mannschaften im engen Tabellen-Mittelfeld - ein bescheidener, aber anzuerkennender Erfolg.

Der Grund für die vielen Remis (14) sind an der Struktur der Verletzungen festzumachen. So erwischten den VfL die Ausfälle in der Offensive deutlich längerfristiger als in der Verteidigung. Da spielerische Qualität auch in der zweiten Liga seinen Preis hat, den die Blau-Weißen in der Regel nicht zahlen können, fehlten hier die Alternativen.

Verletzungen wirken sich auf die Art des Fußball aus

Während man defensiv zumeist auf einem mehr als ordentlichen Niveau agierte und sich oft nur durch individuelle Fehler um mehr Punkte brachte, reichte die Klasse der Offensiv-Akteure der zweiten Reihe nicht, um die Ausfälle zu kompensieren. Die Verbeek-Elf rückte von ihrem eigentlich angepeilten Ballbesitz-Fußball immer mehr Richtung Destruktiv-Fußball ab.

Wie bereits beschrieben, machte die Verteidigung oft einen guten Job. Keeper Manuel Riemann wandelte zwischen Genie (wohl bester Keeper der Liga auf der Linie) und Wahnsinn (überschätzt sich beim Herauskommen). Die Innenverteidiger-Veteranen Tim Hoogland (31) und Felix Bastians (29) verteidigten gewohnt routiniert und stark, die gemachten Fehler hielten sich im Rahmen. Dies traf auch auf Patrick Fabian (29) zu, wenn er dann mal zum Einsatz kam. Dennoch macht es hier Sinn, sich mittelfristig nach jüngeren Alternativen umzuschauen. Mit Maxim Leitsch (19) steht bereits ein möglicherweise ausreichend talentierter Nachwuchsspieler in den Startlöchern.

Zu den Gewinnern der Spielzeit muss Jan Gyamerah gezählt werden. Der 21-jährige war nach jahrelangem Verletzungspech erstmals richtig fit und kam durch den Ausfall von Celozzi zu 24 Einsätzen. Mit jedem Spiel wurde der Rechtsverteidiger stabiler, vor allem nach der Umstellung auf Dreierkette wies er Zweitliganiveau nach.

Seinem Kollegen Nico Rieble gelang das noch nicht ganz. In 21 Partien als Linksverteidiger agierte er defensiv zwar ordentlich, sah gegen überdurchschnittliche Flügelspieler aber vermehrt nicht so gut aus. Offensiv gelangen ihm keine der so dringend benötigten Impulse. Folglich spielte er zum Saisonende kaum noch eine Rolle.

Licht und Schatten im Mittelfeld

Im Mittelfeld wird die Leistungsspanne schon bunter. Für Routinier und Führungsspieler Anthony Losilla gilt ähnliches, wie für die Innenverteidiger: Oft gut, selten schwach und manchmal herausragend. Besonders mit Winter-Neuzugang Vitaly Janelt harmonierte Losilla, war zudem in wichtigen Momenten sogar als Torjäger zur Stelle. Bochums Nummer acht hat bewiesen, dass man mit 31 Jahren eigentlich gerade einmal im besten Fußballer-Alter ist.

Ein ziemlicher Gegensatz dazu ist die Saison von Marco Stiepermann (26). Nur für den gebürtigen Dortmunder zahlte der VfL im Sommer eine Ablöse, die sich auf knapp eine Million Euro belaufen soll. Dieses Preisschild merkte man ihm die ganze Spielzeit über an, als würde er von dessen Gewicht gehemmt. Ob als Achter oder linker Flügelspieler, Stiepermann enttäuschte. Insgesamt wirkte er mental nicht gefestigt genug, um seine zweifelsfrei vorhandenen tollen fußballerischen Fähigkeiten abzurufen. Gegen Dresden (4:2) hatte er eine Art Durchbruch, lieferte anschließend aber wieder nicht ab. Zahlt ein Verein für ihn eine Ablöse, ist ein Wechsel nicht ausgeschlossen.

Mit Dominik Wydra (23) verpflichtete der VfL vor Saisonbeginn einen talentierten österreichischen U21-Nationalspieler. Dank der Flut an Ausfällen bekam auch er seine Chance. In 13 Einsätzen fiel er erst nicht positiv auf, zeigte dann aber gegen Mitte der Rückrunde gute Leistungen und wurde, natürlich, von einer Verletzung gebremst. Für ihn steht eine wichtige Saison 2017/2018 an, ebenso wie für Sechser-Kollege Russell Canouse (21). Er ist im ersten Jahr seiner zweijährigen Leihe von RB Leipzig noch jeden Qualitätsnachweis schuldig geblieben.

Diese erbrachte Vitaly Janelt sofort. Im Winter wechselte der 19-jährige per Leihbasis zum VfL. Nach einigen Trainingswochen stand er plötzlich im Team und erledigte seine Aufgabe herausragend gut. Janelt zeigte Übersicht, Tempo sowie hohes Spielverständnis und dürfte demnach weiterhin ein Startfelf-Kandidat sein. Ein Jahr hat Bochum noch Zeit, um zu entscheiden, ob man die laut Sport-Vorstand Christian Hochstätter erschwingliche Ablösesumme zahlen will.

Kaufen muss man Görkem Saglam (19) nicht mehr. Der variable Mittelfeldspieler (linkes Mittelfeld, Zehner, Achter) ist ein Eigengewächs des VfL und spielte sich locker in der Kader. Er geht zwar nicht als Stammspieler in die Vorbereitung, aber als Talent, das nachweislich Zweitliganiveau besitzt.

Am meisten bewiesen haben zwei Rekonvaleszenten

Weiter vorne haben die Ausfälle von Thomas Eisfeld (24) und Kevin Stöger (23) andere Akteure früh in die Pflicht genommen. Ersetzen konnte keiner der Geforderten die beiden - was auch eine übertriebene Erwartungshaltung wäre.

Selim Gündüz (23) begeisterte die sehr kritischen Fans des VfL mit seinem Tempo und Dribblingfähigkeiten, bewies aber auch taktische Defizite. Besonders im 3-4-1-2-System, wo er vermehrt Defensivaufgaben erledigen muss, war er oft ein Sicherheitsrisiko. Trotzdem ein in Liga zwei wertvoller, weil seltener Spieler. Zudem für die Anhänger eine der letzten Identifikationsfiguren.

Fast das Gegenteil trifft auf Tom Weilandt (25) zu. Mit dem Sommer-Neuzugang stand der VfL rechts stabiler, strahlte aber auch weniger Torgefahr aus. Der vom Körperbau ausgeglichenere Weilandt brachte es dennoch auf zehn Scorerpunkte und spielte insgesamt eine solide Saison.

Das trifft aus Alexander Merkel (25) nicht zu. Denn gespielt hat er kaum. Der einst in ganz Deutschland als Wunderkind bekannte Merkel muss im Training derart schlechte Eindrücke hinterlassen haben, dass ihm Trainer Verbeek nur elf Mal die Chance gab, ihn zu überzeugen - oft als Einwechselspieler. Gelungen ist ihm dies kein einziges Mal. Nicht ausgeschlossen, dass Weltenbummler Merkel mal wieder den Verein wechselt.

Aus Sicht des VfL ganz ausgeschlossen ist dies bei Johannes Wurtz (24). Nicht unbedingt für die erste Elf verpflichtet, überzeugte der Zehner und später auch Stürmer immer kämpferisch und regelmäßig auch fußballerisch. Mit acht Treffern am Ende zusammen mit Peniel Mlapa bester VfL-Torschütze und einer der Gewinner der Spielzeit.

Eigentlich trifft auf den von Fans oft gescholtenen Mlapa (26) ähnliches zu. Er trat im Sommer in die mannsgroßen Fußstapfen von Simon Terrode und konnte deswegen nicht immer mit einer fairen Bewertung rechnen. Letztlich kämpfte er vorbildlich und traf acht Mal, offenbarte jedoch auch technische Mängel. In einer spielstarken Offensive eingebettet, fiele vielleicht auch das Urteil der Fans über Mlapa positiver aus.

Die Geschichte von Nils Quaschner ist schnell erzählt: Oft gespielt, selten überzeugt, kaum Tore. Mehr als nachvollziehbar, dass der Vorstand auf die Kaufoption verzichtete und die Zusammenarbeit so beendete. Mit Ulrich Bapoh (17) und Vangelos Pavlidis (18) stehen talentierte Offensiv-Kräfte in der Warteschlange, für die man keine Ablöse locker machen muss.

Was nun?

Transfers für die kommende Spielzeit sind vor allem von einer Frage abhängig: Kehrt Trainer Verbeek wieder zum 4-2-3-1 zurück oder bleibt er beim 3-4-1-2? In ersterem Fall wäre ein neuer Linksverteidiger eine Option. Zwar traut man intern dem 2016 verpflichteten, aber seither verletzten Jannik Bandowski (23) einiges zu, allerdings wohl eher eine Position weiter vorne.

Bleibt der Niederländer bei seiner Neuentdeckung, wird es interessant, wie Perthel und Celozzi eines Tages integriert werden sollen. Bei Perthel scheint dies noch möglich, aber gerade Celozzi ist kein Vertreter des offensiven Power-Plays, sondern eher der Typ Philipp Lahm - wenn auch die light light light Version.

Auf der Sechs und in der Innenverteidigung ist man zweifelsohne in Breite und Spitze gut genug besetzt. Weitere Neuzugänge beschränken sich also wohl auf den Angriff. Hier ist ein weiterer Neuner ohne Frage nötig. Johannes Wurtz scheint mehr auf der Zehn zu Hause, da braucht es einen Konkurrenten zu Mlapa. Das sind die Youngsters Bapoh und Pavlidis noch nicht.

Auch das rechte Mittelfeld sollte etwas von der von Verbeek geforderten Qualität abbekommen. Weilandt und Gündüz sind keine unterdurchschnittlichen Zweitligaspieler, aber auch keine Stammkräfte eines Vereins, der mittelfristig in Richtung Aufstieg schielen will. Muss einer der beiden gehen, kommt einer unangenehme Entscheidung auf die sportliche Führung zu.

Diese steht ohnehin mal wieder vor einer Herkulesaufgabe. Der VfL ist chronisch klamm. Im letzten Saisonspiel, das zum Millionenspiel ausgerufen wurde, verlor man gegen St. Pauli das Spiel und über eine Million Euro TV-Gelder - eine große Summe für den VfL. Auch der wohl doch unwahrscheinliche Wechsel Leon Goretzkas schmeckt an der Castroper Straße niemandem. Bei einem Transfer des Schalke-Profis wäre man mit knapp 20 Prozent an der millionenschweren Ablöse beteiligt.

Träumen ist in Bochum Volkssport

Da passt es natürlich, dass Verstärkungen ausgerechnet wieder für die Offensive geholt werden müssen. Auch wenn gilt, Geld schießt keine Tore: Tore schießen kostet aber Geld. Will der VfL nicht stagnieren, müssen zwei, drei Neuzugänge die Qualität spürbar erhöhen. Die Transfers müssen also sitzen. Es wird wohl mal wieder ein siebenstelliger Betrag in die Hand genommen werden müssen.

Denn rund ums Ruhrstadion gilt: Stillstand ist Rückschritt, jede weitere Saison in der zweiten Liga ist eine Enttäuschung für die Fans. Die nächste Saison bietet möglicherweise eine relativ gute Chance dazu, dies zu ändern. Zwei relativ finanzschwache und sportlich nicht herausragende Absteiger kommen in die Liga, die knapp gescheiterten Top-Mannschaften (Union, Braunschweig) verlieren möglicherweise Qualität an höhere Ligen. Die 2. Bundesliga könnte 2017/2018 noch ausgeglichener werden als zuletzt, ein Aufstiegskampf mit sieben, acht Mannschaften scheint realistisch.

Eigentlich ein guter Zeitpunkt für den VfL Bochum um zuzuschlagen - auch in Anbetracht der bald spürbaren Auswirkungen des neuen TV-Vertrages, der Vereine wie den VfL künftig finanziell schlechter behandelt.

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