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FC Bayern München


Gründer: Tobi | Mitglieder: 970 | Beiträge: 253
21.02.2012 um 20:08 Uhr
Geschrieben von possessionplay
FCB-Gesichter XII (1)


Als das Format FCB-Gesichter von voegi in die Welt gesetzt wurde, war bei mir sofort der Reiz vorhanden, zu diesem Format einen Teil beizusteuern. Allerdings wusste ich lange nicht, über welche Person ich überhaupt schreiben könnte. Rummenigge, Lizarazu oder der großartige Roy Makaay waren alle interessant, aber ich wollte jemanden, der enorm prägend war – ein richtiges Gesicht.

Und so begann ich zu überlegen, wer den FC Bayern mit seinen Werten verkörpert und ein wirklich gutes Gesicht für den Verein ist. An Uli Hoeneß, dem Mann, der seine Vielseitigkeit auf den Verein übertragen hat und damit zu dessen Symbol geworden ist, kommt man hier kaum vorbei, doch über ihn gibt es bereits ein exzellentes Porträt. Ich wollte dann über das Gesicht eines anderen „Bereiches" schreiben und dachte dabei bspw. an die Basketball- oder Handball-Abteilung.

Doch man kann auch in die Geschichte unseres Klubs schauen und dort absolut prägende Persönlichkeiten erkennen, die das waren, was den FC Bayern ausmacht. So zum Beispiel die beiden Strippenzieher der ersten Meisterschaft des FCB im Jahr 1932 – Präsident Kurt Landauer und Trainer Richard Kohn.

Damit befinden wir uns in einem Kapitel der Geschichte des erfolgreichsten, bekanntesten und beliebtesten Vereins Deutschlands, über das kaum jemand mehr redet – der FC Bayern war ein Judenclub, ein „Bonzenverein", weltoffen, liberal und lässig.

Doch zunächst einmal zurück zu der Person Richard Kohn. Als Sohn einer jüdischen Familie wurde Kohn am 27. Februar 1888 in der Hauptstadt Österreich-Ungarns, Wien, geboren. Beide Aspekte – seine Nationalität sowie seine Religionszugehörigkeit (tief gläubig war er nämlich nicht) – sollten sich für die spätere Geschichte noch als ziemlich wichtig erweisen.



Zunächst einmal sorgten sie dafür, dass der junge Kohn Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem modernen Fußballspiel in Kontakt geriet. Fußball war in Österreich-Ungarn der Sport für die bürgerliche Klasse und erfreute sich durch die vielen Kaffehäusern der Donau-Monarchie einer großen Beliebtheit der liberalen und oftmals jüdisch-geprägten Schichten, die dort verkehrten.

Als Spieler war Kohn beim Wiener AC und später dessen Abspaltungsverein Wiener AF unter Vertrag und brachte es auch auf immerhin sechs Länderspiele für sein Land. Zu dieser Zeit war die Liaison zwischen Kohn und dem FCB noch weit entfernt, doch schon hier waren die Münchener einer der wenigen deutschen Vereine, die in der gleichen Tradition standen und nach den gleichen Werten existierten wie so viele Klubs im Nachbarland. Der Unterschied war aber: Während die Bayern in ihrer Weltoffenheit gegen die dominanten britischen Teams Testspiele austrugen und mit hohen Niederlagen nach Hause geschickt wurden, konnte der Wiener AC mithalten – ein Sieg gegen Sunderland war 1909 eine Sensation und den Siegtreffer erzielte Richard Kohn.

Maßgeblich prägend sollte für ihn allerdings eine ganz besondere Persönlichkeit werden – der legendäre Jimmy Hogan, Pionier des modernen Fußballs, der in so vielen Ländern seine Ideen verbreitete, große Teams und Trainer inspirierte und der die Entwicklung von Taktik und Professionalität im Fußball so vorantrieb, wie kein zweiter.

1914 trafen sich die beiden beim Wiener Amateur SV, wo Hogan auf Anweisung des österreichischen Verbandskapitäns Hugo Meisl, den Kohn ebenfalls kannte, Trainingsstunden gab, um die Spieler zu verbessern. Später folgte Kohn seinem Lehrmeister dann nach Ungarn, wo er unter Trainer Hogan für den MTK Budapest spielte und viel lernte.

Von dieser prägenden Zeit konnte Kohn einiges für seine Trainerlaufbahn mitnehmen, die er anschließend einschlug. Angeblich soll er in Uruguay gearbeitet haben, jenem Land, das in dieser Zeit mehrfacher Olympiasieger sowie 1930 Weltmeister werden konnte. Mit dem First Vienna FC und dem Vorläufer-Verein von Dinamo Zagreb feierte Kohn große Erfolge und bereitete durch seine gute Arbeit der völlig überraschenden Meisterschaft von Hertha BSC den Weg – seine erste Station in Deutschland. Zwischenzeitlich trainierte er noch den großen FC Barcelona und predigte dort schon Jahrzehnte vor Michels das schöne Spiel ehe er Anfang der 30er-Jahre nach dem Ende seiner Tätigkeit bei den Löwen und dem VfR Mannheim beim FC Bayern anheuerte.

Für seine Zeit war Kohn – wegen seiner kleinen Körpergröße „Little Dombi" genannt – ein äußerst moderner und fortschrittlicher Trainer. Er setzte auf das gepflegte, flache und schnelle Kombinationsspiel, welches von Jimmy Hogan verbreitet und zuhause in Österreich als „Scheiberlspiel" hoch angesehen war.

Außerdem setzte er – damals sehr ungewöhnlich – zwei Trainingseinheiten pro Woche an, trat dem Team gegenüber als Psychologe auf, stellte genaue Ernährungspläne und –normen auf, übernahm die Funktion des Masseurs mangels Personal selbst, weil er sie für wichtig erachtete, und führte eine organisierte Nachwuchsstruktur ein, welche von seinem Bekannten Otto Beer geleitet wurde.

Mit einem wunderbar herausgespielten 2:0 im Meisterschafts-Finale gegen Eintracht Frankfurt führte Kohn den FC Bayern 1932 zum ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte. Geführt wurde die Truppe vom unermüdlichen Kapitän und Motor Conny Heidkamp, während der geniale Oskar „Ossi" Rohr – von Dombi nach München gelotst – vorne für die Veredelung des Angriffsspiels in Form von Toren sorgte. In jenem Finale markierte Rohr das wichtige 1:0.

Doch nicht einmal ein Jahr später hatte all dies mit der Machtergreifung Hitlers ein Ende. Little Dombi trat nach wenigen Monaten zurück und flüchtete zunächst in die Schweiz, ehe er in die Niederlande weiterzog, während auch Beer und Präsident Kurt Landauer ihre Ämter niederlegten bzw. niederlegen mussten.

Landauer – ebenfalls ein Jude, geboren am 28. Juli 1884 in Planegg – war der Baumeister des Erfolgs von 1932 gewesen. Seit 1901 war er Mitglied im Verein, seit 1919 Präsident. In dieser Zeit führte er die Bayern nach oben, was sich in zwei süddt. Meisterschaften sowie drei Teilnahmen an der Endrunde um die dt. Meisterschaft wiederspiegelte, und krönte sich mit dem Titel. Er stand für die Werte des Klubs ein, forderte und förderte das liberale Image des Vereins, verpflichtete Spieler aus ganz Deutschland und anderen europäischen Ländern, setzte auf die Impulse ausländischer Trainer und konnte schließlich auch durchsetzen, Richard Kohn nach München zu holen. In seiner Bedeutung für den Verein war Kurt Landauer sicher etwa wie der Uli Hoeneß der Vorkriegszeit.

Nun verschiebt sich der Fokus des Blogs von Richard „Little Dombi" Kohn, der nach seiner Flucht noch einmal in Barcelona trainierte, anschließend kurz beim FC Basel arbeitete und schließlich drei Mal Trainer von und Meister mit Feyenoord wurde, hin zu Kurt Landauer.

Teil 2
Aufrufe: 6294 | Kommentare: 1 | Bewertungen: 4 | Erstellt:21.02.2012
ø 10.0
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possessionplay
21.02.2012 | 20:11 Uhr
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21.02.2012 | 20:11 Uhr
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Bitte unter dem zweiten Teil kommentieren. Danke!
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