20.07.2012 um 10:13 Uhr
Zum Durchhalten gezwungen.
Die Bilder des Sommermärchens 2006 wollen einfach nicht aus den Erinnerungen verschwinden, gerade in den ewig langen fußballfreien Zeiten kann man sich die tränennasse und abgegriffene DVD noch einmal leicht verträumt reinziehen und insgeheim hoffen, dass Grosso dieses eine Mal doch bitte nur den Pfosten trifft.
Ein Bild dieses Sommers ist für mich der 21-jährige Bastian Schweinsteiger, damals noch Schweini, der mit blondierten Haaren, braugebranntem Oberkörper und Lukas Podolski die Weltmeisterschaft gecrasht hat. Den Protagonisten der Veranstaltung um Zidane, Ronaldo (den Dicken), Figo und Cannavaro, die ihr letztes Turnier spielten, wurde von den unbekümmerten, frechen, jungen Deutschen die Show gestohlen, zumindest bis zum Finale.
Doch der Schweini von damals existiert heute nicht mehr. Ein kluger Schwachzug van Gaals war es, der Schweinsteiger von der Außenbahn in die Defensivzentrale setzte, wo er das Spiel vor sich haben sollte, wo sich mehrdimensionale Anspielmöglichkeiten ergeben sollten und wo er seine starken defensiven Zweikämpfe gezielter einbringen sollte. Der Wechsel brachte nicht nur positive Folgen mit sich, die Schweini zum Schweinsteiger wachsen ließen. Er büßte Schnelligkeit, Torgefahr und vor allem: seine Unbekümmertheit ein. Klar ist ein physischer und psychischer Reifeprozess immer damit verbunden, dass gewisse Eigenschaften aus der Vergangenheit auf der Strecke bleiben, aber genau den Schweini, den man jahrelang als lustiges Original kannte, gibt es nicht mehr. Zumindest für uns Menschen vor den Fernsehgeräten, Zeitungen oder Internetportalen.
Die psychische Entwicklung ist deutlich geworden vom Youngster zum Leader, der den jungen Spielern mit seiner Erfahrung und seiner spielerischen Klasse unter die Arme greifen sollte. Doch, vergessen wir dabei nicht, dass er selbst noch einer dieser jungen Spieler war. Wer war denn bisher immer als solch ein Mentor beim FC Bayern gesehen worden? Zuletzt Mark von Bommel (Anfang bis Mitte 30), Ze Roberto (Mitte 30), weiter zuvor Typen, wie Kahn, Jeremies, Effenberg, die einfach eine viel längere Karriere vorweisen konnten, als der in diese Rolle gedrängte Schweinsteiger. Selbstverständlich hat es für alle ausgesehen, als fühle er sich in dieser Position wohl, wer würde einer solchen Beförderung nicht zustimmen, einem solchen Vertrauen und einer solch hohen Erwartung, die Schweinsteiger entgegen gebracht wird.
Doch zuletzt scheint es so, als würde er physisch daran zerbrechen. In der Saison 11/12 war er ingesamt elf Wochen verletzt bzw. nicht spielfähig, dank einer Grippe, einem Schlüsselbeinbruch, einer Sprunggelenks- und einer Knöchelverletzung. Zwischen 2008 und 2011 waren es ingesamt auch elf Wochen, die Schweinsteiger zum Zuschauen verdammten. Körperlich also, scheint er definitiv überlastet zu sein.
Die zweifelhafte Rolle bei der Europameisterschaft 2012, die er nur unter Schmerzen und nicht im Vollbesitz seiner Kräfte mehr (Holland) oder weniger (der Rest) gut absolvieren konnte, war das Ende einer Saison, die bestimmt war von schlechten Entscheidungen, falschem Ehrgeiz und mangelnder Selbsteinschätzung seines Körpers. Keine seiner Verletzungen, vor allem die am Knöchel, ist wirklich ausgeheilt und natürlich schleppt man ein kleines Pieksen immer mit sich herum. Da kann man Medikamente nehmen, bis man blind wird, im Hinterkopf bleibt, dass da irgendwas am Knöchel ist, das behindert. Schweinsteiger hat meiner Meinung nach nicht nur sich, sondern auch die Nationalmannschaft mit seinem Einsatz in Gefahr gebracht. Vor allem Khedira konnte einige Schwächen Schweinsteigers auffangen: Die EM, die für die Generation um Schweinsteiger, Mertesacker, Podolski und Lahm von einigen Medien schon als letztes großes Ziel proklamiert wurde, war gerade für diese Spieler ein Fiasko, in den Vordergrund traten neue Gesichter, die alten schienen abgenutzt, enttäuscht, leer. Gerade Schweinsteigers Äußeres lässt tief blicken. Ein 27-jähriger mit grauem Haaransatz, kalkweißem Körper und sorgenbedingten Falten im Gesicht. Das kann einerseits genetisch bedingt sein, jedoch andererseits auch ein Resultat von Überbelastung, Stress und psychischer Unzufriedenheit. Den Schweini von früher jedenfalls, das betont er auch selbst, gibt es nicht mehr. Ein Reifeprozess hat stattgefunden, in den er reingedrängt wurde, jedoch wohlwollend mitgezogen hat, in der Hoffnung, ein ganz großer zu werden, in die großen bayerischen Fußstapfen eines Matthäus', Kahns oder Scholls zu treten.
Die Überlegung Schweinsteigers und seines Umfelds sollte dahin gehen, ihn aus der Schusslinie zu nehmen, um ihn einerseits körperlich, andererseits auch psychisch auf andere Gedanken zu bringen. Die überaus enttäuschende letzte Saison wird ihn zum Nachdenken gebracht haben, die vielen verlorenen wichtigen Spiele. Doch steht eines immer noch im Vordergrund: die Gesundheit.
Dass er die China-Reise der Bayern abgesagt hat, ist ein gutes Zeichen. Fußball steht nicht über allem. Lasst ihm die Zeit, die er braucht, um wieder unbekümmerter, frecher zu werden und vor allem: um wieder lachen zu können. Nur eines kann er auf seinem Weg wirklich getrost liegen lassen. Die blonden Haare von 2006.
Ein Bild dieses Sommers ist für mich der 21-jährige Bastian Schweinsteiger, damals noch Schweini, der mit blondierten Haaren, braugebranntem Oberkörper und Lukas Podolski die Weltmeisterschaft gecrasht hat. Den Protagonisten der Veranstaltung um Zidane, Ronaldo (den Dicken), Figo und Cannavaro, die ihr letztes Turnier spielten, wurde von den unbekümmerten, frechen, jungen Deutschen die Show gestohlen, zumindest bis zum Finale.
Doch der Schweini von damals existiert heute nicht mehr. Ein kluger Schwachzug van Gaals war es, der Schweinsteiger von der Außenbahn in die Defensivzentrale setzte, wo er das Spiel vor sich haben sollte, wo sich mehrdimensionale Anspielmöglichkeiten ergeben sollten und wo er seine starken defensiven Zweikämpfe gezielter einbringen sollte. Der Wechsel brachte nicht nur positive Folgen mit sich, die Schweini zum Schweinsteiger wachsen ließen. Er büßte Schnelligkeit, Torgefahr und vor allem: seine Unbekümmertheit ein. Klar ist ein physischer und psychischer Reifeprozess immer damit verbunden, dass gewisse Eigenschaften aus der Vergangenheit auf der Strecke bleiben, aber genau den Schweini, den man jahrelang als lustiges Original kannte, gibt es nicht mehr. Zumindest für uns Menschen vor den Fernsehgeräten, Zeitungen oder Internetportalen.
Die psychische Entwicklung ist deutlich geworden vom Youngster zum Leader, der den jungen Spielern mit seiner Erfahrung und seiner spielerischen Klasse unter die Arme greifen sollte. Doch, vergessen wir dabei nicht, dass er selbst noch einer dieser jungen Spieler war. Wer war denn bisher immer als solch ein Mentor beim FC Bayern gesehen worden? Zuletzt Mark von Bommel (Anfang bis Mitte 30), Ze Roberto (Mitte 30), weiter zuvor Typen, wie Kahn, Jeremies, Effenberg, die einfach eine viel längere Karriere vorweisen konnten, als der in diese Rolle gedrängte Schweinsteiger. Selbstverständlich hat es für alle ausgesehen, als fühle er sich in dieser Position wohl, wer würde einer solchen Beförderung nicht zustimmen, einem solchen Vertrauen und einer solch hohen Erwartung, die Schweinsteiger entgegen gebracht wird.
Doch zuletzt scheint es so, als würde er physisch daran zerbrechen. In der Saison 11/12 war er ingesamt elf Wochen verletzt bzw. nicht spielfähig, dank einer Grippe, einem Schlüsselbeinbruch, einer Sprunggelenks- und einer Knöchelverletzung. Zwischen 2008 und 2011 waren es ingesamt auch elf Wochen, die Schweinsteiger zum Zuschauen verdammten. Körperlich also, scheint er definitiv überlastet zu sein.
Die zweifelhafte Rolle bei der Europameisterschaft 2012, die er nur unter Schmerzen und nicht im Vollbesitz seiner Kräfte mehr (Holland) oder weniger (der Rest) gut absolvieren konnte, war das Ende einer Saison, die bestimmt war von schlechten Entscheidungen, falschem Ehrgeiz und mangelnder Selbsteinschätzung seines Körpers. Keine seiner Verletzungen, vor allem die am Knöchel, ist wirklich ausgeheilt und natürlich schleppt man ein kleines Pieksen immer mit sich herum. Da kann man Medikamente nehmen, bis man blind wird, im Hinterkopf bleibt, dass da irgendwas am Knöchel ist, das behindert. Schweinsteiger hat meiner Meinung nach nicht nur sich, sondern auch die Nationalmannschaft mit seinem Einsatz in Gefahr gebracht. Vor allem Khedira konnte einige Schwächen Schweinsteigers auffangen: Die EM, die für die Generation um Schweinsteiger, Mertesacker, Podolski und Lahm von einigen Medien schon als letztes großes Ziel proklamiert wurde, war gerade für diese Spieler ein Fiasko, in den Vordergrund traten neue Gesichter, die alten schienen abgenutzt, enttäuscht, leer. Gerade Schweinsteigers Äußeres lässt tief blicken. Ein 27-jähriger mit grauem Haaransatz, kalkweißem Körper und sorgenbedingten Falten im Gesicht. Das kann einerseits genetisch bedingt sein, jedoch andererseits auch ein Resultat von Überbelastung, Stress und psychischer Unzufriedenheit. Den Schweini von früher jedenfalls, das betont er auch selbst, gibt es nicht mehr. Ein Reifeprozess hat stattgefunden, in den er reingedrängt wurde, jedoch wohlwollend mitgezogen hat, in der Hoffnung, ein ganz großer zu werden, in die großen bayerischen Fußstapfen eines Matthäus', Kahns oder Scholls zu treten.
Die Überlegung Schweinsteigers und seines Umfelds sollte dahin gehen, ihn aus der Schusslinie zu nehmen, um ihn einerseits körperlich, andererseits auch psychisch auf andere Gedanken zu bringen. Die überaus enttäuschende letzte Saison wird ihn zum Nachdenken gebracht haben, die vielen verlorenen wichtigen Spiele. Doch steht eines immer noch im Vordergrund: die Gesundheit.
Dass er die China-Reise der Bayern abgesagt hat, ist ein gutes Zeichen. Fußball steht nicht über allem. Lasst ihm die Zeit, die er braucht, um wieder unbekümmerter, frecher zu werden und vor allem: um wieder lachen zu können. Nur eines kann er auf seinem Weg wirklich getrost liegen lassen. Die blonden Haare von 2006.
Aufrufe: 3690 | Kommentare: 9 | Bewertungen: 11 | Erstellt:20.07.2012
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KOMMENTARE
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20.07.2012 | 11:14 Uhr
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Dass der Verlust der Unbekümmertheit teil der Entwicklung ist, hab ich doch auch beschrieben. Problematisch bei ihm scheint mir, dass der Spaß auf der Strecke bleibt.
24.07.2012 | 16:42 Uhr
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CaptainAhab1965 : @alu101
Nein, die Jahreshauptversammlung war im November 2009. Da spielte er schon zentral.Ausgepfiffen wurde BS31 in der Tat. Die knappen Siege gegen Haiffa usw. waren diesen "Fans" wohl nicht spektakulär genug. Als zwei Wochen später im entscheidenden CL-Gruppenspiel Juve (auswärts) niedergewalzt wurde, waren die Pfiffe vorbei.
Ich liebe diesen Verein. Aber bei vielen, vielen "Fans" kotze ich im Strahl.
Jetzt, bei Robben das gleiche. Sollen diese Pfeiffen doch zum VfB Stuttgart gehen (oder zu Dortmund) ..
24.07.2012 | 16:49 Uhr
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Golic31 :
Naja in den meisten Punkten deines Blogs stimme ich nicht mit dir überein. Ich finde du übertreibst es ein wenig. Bei dir hört es sich an als wäre er depressiv, was ganz bestimmt nicht richtig ist. B31 leidet zwar stark unter dem CL-Drama, aber von einer solchen psychischen Belastung zu sprechen finde ich nicht richtig. Das die Verletzungen von der Führungsrolle kommen, die basti im verein und in der nationalmannschaft inne hat finde ich auch falsch. Die Hauptverletzung die ihn aus dem Ruder geworfen hat war der Schlüsselbeinbruch. Ich finde es nur verständlich, dass schweini so schnell wie möglich zurückkehren wollte, denn das CL-Finale war sein großes Finale, an dem er unbedingt teilnehmen wollte. Und ganz ehrlich mit 28 hat b31 langsam eine reife erreicht, indem die Frisur nicht mehr im Vordergrund stehen sollte. Ich finde, dass macht ihn deutlich sympathischer. Ich finde Sportler wie Gomez, dem die Frisur sehr wichtig ist und Götze, der schon mehr bodybuilder ist als fußballer, unsympathischer als solche wie schweini. Wo ich dir recht gebe ist, dass man B31 jetzt Zeit verschaffen muss um wieder zur alten Stärke zu finden. Dafür ist aber ein Transfer eines weiteren defensiven Spielers von Nöten. Ich bin mir sicher, dass Schweini wieder der alte wird und bin nicht so pessimistisch wie viele andere hier in der community
24.07.2012 | 19:21 Uhr
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http://img.webme.com/pic/k/koehler-schultze-kawa/bg_schweinsteiger_afp_400.jpg
24.07.2012 | 19:28 Uhr
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xperte84 :
braungebrannt war Schweini sicherlich nicht und die blondierten Haare hatte er 2008 während der EM."Die EM, die für die Generation um Schweinsteiger, Mertesacker, Podolski und Lahm von einigen Medien schon als letztes großes Ziel proklamiert wurde, war gerade für diese Spieler ein Fiasko, in den Vordergrund traten neue Gesichter, die alten schienen abgenutzt, enttäuscht, leer."
Die neuen Gesichter konnten ja auch unbekümmert aufspielen, so wie Generation Lahm, Schweini und Poldi 2006.
aber wenn Spieler wie Götze, Reus und Co. erst mal international Verantwortung übernehmen müssen wird sich das sicherlich auch ändern.
25.07.2012 | 15:01 Uhr
+2
-2
aber kommt auch drauf an wie grob man die weltspitze auslegt
manche glauben scheinbar das Schweinsteiger 2010 der Standart wäre.
damals hatte Bayern ein Lauf und stand vor dem Triple, die N11 ging als Aussenseiter zur WM und England wie Argentinien haben uns unter- bzw sich selbst überschätzt. aber auch in der vorrunde dort war scheinsteiger noch nicht stark.
seitdem redet man sich bei ihm alles schön
2010/11 waren die nachwirkungen der WM, letzte Saison seine Verletzungen.
Aber zerbricht er nicht vllt an den hohen Erwartungen? er soll sogar gegen Augsburg Weltklasse spielen statt es einfach mal laufen zulassen.
Weltklasse leistungen braucht man in den Topspielen und nicht gegen die kleinen.
Alleine 3 mal gegen den BVB Weltklasse und das Spiel ordnen und man HÄTTE Doublesieger sein können, aber gerade in den Spielen war er schlecht.
25.07.2012 | 15:49 Uhr
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Schweini von der Außenbahn in die Zentrale zu stellen war kein Schwachzug sondern das genaue Gegenteil. Auf dieser wichtigen Position entwickelte sich Schweini zu einem der besten auf der Welt (daran ändert auch die unglückliche EM nichts!)
Das ein Spieler seine unbekümmertheit die er mit 20-21 hatt nach knapp 100 länderspielen zig Titeln und Bundesligaspielen verliert ist auch ganz natürlich und hat nichts mit seiner umstellung zu tun.
Außerdem wäre schweini wahrscheinlich nicht mal mehr nationalspieler wenn er immer noch außen spielen müsste! War damals auf außen z.T. nicht mal bei Bayern gesetzt und gegen Robben und Müller hätte er da nicht mal den hauch einer chance.
Ich erinnere nur mal an die Pfiffe bei der JHV vor einigen Jahren....damals spielte er noch außen!