11.06.2010 um 09:28 Uhr
Zehn kleine Fußballer
René Adler – Jose Bosingwa, Rio Ferdinand, Michael Essien, John Obi Mikel – David Beckham, Michael Ballack, Andrea Pirlo, Arjen Robben – Didier Drogba, Nani
Für Fußballfans liest sich diese Aufstellung wie erstklassige Poesie. Namen wie Ballack, Pirlo und Essien stehen für geschickte Rhythmuswechsel. Mit Witz und Tempo sorgen Robben, Nani oder Drogba stets für überraschende Wendungen und René Adler ähnelt bei seinen Glanzparaden des Öfteren einem langgestreckten, dramatischen Spannungsbogen. Doch kurz vor der WM 2010 in Südafrika erinnert diese mit Weltstars gespickte Elf vielmehr an den allseits bekannten Zählreim „zehn kleine Negerlein". Denn ähnlich wie die Protagonisten des Kinderlied-Klassikers reihenweise unverhofft ins Gras beißen, fielen diese Topstars ebenfalls einer nach dem anderen entweder brutalen Blutgrätschen, unkoordinierten Hackentricks oder schlechtem Karma zum Opfer.
Das Resultat: Michael Ballacks rechte Klebe liegt in Gibs, Didier Drogbas Arm, nachdem er die Redewendung „Ellenbogen zeigen" anscheinend zu wörtlich nahm, ebenfalls und bei den anderen zwickt und zwackt die Rippe, der Muskel oder das Sprunggelenk. Während beim Trio Robben, Pirlo und Drogba der WM-Zug noch nicht ganz abgefahren zu sein scheint, besteht für Essien und Co. keine Hoffnung mehr, dass sie bei diesem Turnier tatsächlich für poetische Momente sorgen werden.
„Geschichte schreiben" werden diesmal andere. Bastian Schweinsteiger zum Beispiel, dessen Spielduktus im Vergleich zu Ballack zwar nicht ganz so von Kraft, dafür aber von einer außergewöhnlichen Leichtigkeit geprägt ist. Wie ein routinierter Schreiberling mit bestimmten Satzkonstruktionen eine besondere Wirkung erzeugt, mit Wörtern jongliert und mit unvorhersehbaren Pointen für den A-Ha-Effekt sorgt, wählt der 25-jährige Münchener inzwischen ebenfalls seine stilistischen Mittel auf dem grünen Rasen mit Bedacht. Jeder Ballkontakt, Pass, Sprint in die Gasse oder zusätzlicher Schnörkel hat ein Sinn. Er ist ein Fußballautor geworden, der das Spiel nicht nur liest, sondern es selber mit eigenen Ideen füllt und formt.
Bei den Niederländern wird indes nach einem passenden Synonym für den angeschlagenen Arjen Robben gefahndet, der auf dem Feld für Abwechslung und Raffinesse sorgt. Zwar soll der Superstar laut jüngsten Presseberichten doch noch rechtzeitig für die Weltmeisterschaftendrunde fit werden, dennoch sucht Bondscoach Bert van Marwijk vorsichtshalber nach einem gleichwertigen Ersatz. Beste Voraussetzungen bringt dabei Robin van Persie mit. Denn auch dieser Flügelflitzer liebt das Extreme, oder gar die Übertreibung. Mit der personifizierten Hyperbel van Persie, die durch extravagante Ballbehandlung, enorme Schnelligkeit und gewaltige Schusskraft gerne auf sich aufmerksam macht, wird sich Oranje womöglich in vielerlei Hinsicht von anderen Mannschaften in besonderer Art und Weise abheben.
Und wie kompensieren die anderen Teams die Ausfälle ihrer Schlüsselspieler? In Nigeria setzt man große Stücke auf den gerade einmal 19-jährigen Lukman Haruna, der mit seinen variationsreichen Dribbelkünsten an die märchenhaften Showeinlagen eines Jay-Jay Okochas erinnert. Die gewaltige Lücke Drogbas schließt wahrscheinlich ebenfalls ein junger Wilder. Gervinho heißt der Wunderknabe und soll angeblich so unberechenbar, wie das Ende eines gelungenen Krimis sein. Denn wie Schriftsteller den Leser, führt auch der 23-jährige Ivorer seine Gegenspieler gerne auf die falsche Fährte, allerdings weniger mit verworrenen Handlungsstrengen sondern mit imposanten Körpertäuschungen.
Und Essiens Stellvertreter? In Ghana ruhen die Hoffnungen ausgerechnet auf einen gewissen Kevin-Prince Boateng – jenem Raubein, der für Ballacks WM-K.o verantwortlich war und dessen harte, kompromisslose Spielweise so unbequem sein kann, wie die scharfe Feder eines kritikübenden Journalisten. Fußball ist nun mal nicht nur Poesie. Fußball lässt sich nicht in Worte fassen.
Für Fußballfans liest sich diese Aufstellung wie erstklassige Poesie. Namen wie Ballack, Pirlo und Essien stehen für geschickte Rhythmuswechsel. Mit Witz und Tempo sorgen Robben, Nani oder Drogba stets für überraschende Wendungen und René Adler ähnelt bei seinen Glanzparaden des Öfteren einem langgestreckten, dramatischen Spannungsbogen. Doch kurz vor der WM 2010 in Südafrika erinnert diese mit Weltstars gespickte Elf vielmehr an den allseits bekannten Zählreim „zehn kleine Negerlein". Denn ähnlich wie die Protagonisten des Kinderlied-Klassikers reihenweise unverhofft ins Gras beißen, fielen diese Topstars ebenfalls einer nach dem anderen entweder brutalen Blutgrätschen, unkoordinierten Hackentricks oder schlechtem Karma zum Opfer.
Das Resultat: Michael Ballacks rechte Klebe liegt in Gibs, Didier Drogbas Arm, nachdem er die Redewendung „Ellenbogen zeigen" anscheinend zu wörtlich nahm, ebenfalls und bei den anderen zwickt und zwackt die Rippe, der Muskel oder das Sprunggelenk. Während beim Trio Robben, Pirlo und Drogba der WM-Zug noch nicht ganz abgefahren zu sein scheint, besteht für Essien und Co. keine Hoffnung mehr, dass sie bei diesem Turnier tatsächlich für poetische Momente sorgen werden.
„Geschichte schreiben" werden diesmal andere. Bastian Schweinsteiger zum Beispiel, dessen Spielduktus im Vergleich zu Ballack zwar nicht ganz so von Kraft, dafür aber von einer außergewöhnlichen Leichtigkeit geprägt ist. Wie ein routinierter Schreiberling mit bestimmten Satzkonstruktionen eine besondere Wirkung erzeugt, mit Wörtern jongliert und mit unvorhersehbaren Pointen für den A-Ha-Effekt sorgt, wählt der 25-jährige Münchener inzwischen ebenfalls seine stilistischen Mittel auf dem grünen Rasen mit Bedacht. Jeder Ballkontakt, Pass, Sprint in die Gasse oder zusätzlicher Schnörkel hat ein Sinn. Er ist ein Fußballautor geworden, der das Spiel nicht nur liest, sondern es selber mit eigenen Ideen füllt und formt.
Bei den Niederländern wird indes nach einem passenden Synonym für den angeschlagenen Arjen Robben gefahndet, der auf dem Feld für Abwechslung und Raffinesse sorgt. Zwar soll der Superstar laut jüngsten Presseberichten doch noch rechtzeitig für die Weltmeisterschaftendrunde fit werden, dennoch sucht Bondscoach Bert van Marwijk vorsichtshalber nach einem gleichwertigen Ersatz. Beste Voraussetzungen bringt dabei Robin van Persie mit. Denn auch dieser Flügelflitzer liebt das Extreme, oder gar die Übertreibung. Mit der personifizierten Hyperbel van Persie, die durch extravagante Ballbehandlung, enorme Schnelligkeit und gewaltige Schusskraft gerne auf sich aufmerksam macht, wird sich Oranje womöglich in vielerlei Hinsicht von anderen Mannschaften in besonderer Art und Weise abheben.
Und wie kompensieren die anderen Teams die Ausfälle ihrer Schlüsselspieler? In Nigeria setzt man große Stücke auf den gerade einmal 19-jährigen Lukman Haruna, der mit seinen variationsreichen Dribbelkünsten an die märchenhaften Showeinlagen eines Jay-Jay Okochas erinnert. Die gewaltige Lücke Drogbas schließt wahrscheinlich ebenfalls ein junger Wilder. Gervinho heißt der Wunderknabe und soll angeblich so unberechenbar, wie das Ende eines gelungenen Krimis sein. Denn wie Schriftsteller den Leser, führt auch der 23-jährige Ivorer seine Gegenspieler gerne auf die falsche Fährte, allerdings weniger mit verworrenen Handlungsstrengen sondern mit imposanten Körpertäuschungen.
Und Essiens Stellvertreter? In Ghana ruhen die Hoffnungen ausgerechnet auf einen gewissen Kevin-Prince Boateng – jenem Raubein, der für Ballacks WM-K.o verantwortlich war und dessen harte, kompromisslose Spielweise so unbequem sein kann, wie die scharfe Feder eines kritikübenden Journalisten. Fußball ist nun mal nicht nur Poesie. Fußball lässt sich nicht in Worte fassen.
Aufrufe: 2302 | Kommentare: 9 | Bewertungen: 9 | Erstellt:11.06.2010
ø 7.9
KOMMENTARE
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11.06.2010 | 12:41 Uhr
+2
0
FabianPramel :
wikrlich nice. bis auf die rumpelnde einleitung ganz stark. habe dir 10 punkte gegeben, damit der schnitt erstmal bei der 9 steht. das ist leistungsgerecht
11.06.2010 | 13:10 Uhr
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11.06.2010 | 13:43 Uhr
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14.06.2010 | 08:56 Uhr
+1
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Wir brauchen Ballack nicht - hoffentlich sieht er das auch ein & tritt aus der Nationalelf zurück.
14.06.2010 | 14:16 Uhr
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-1
Famos :
@master of disaster
hoffentlich siehst du dann auch ein das du keine ahnung hast und hörst auf kommentare zu schreiben!
14.06.2010 | 17:26 Uhr
+1
0
hab ich ahnung? darf ich weiterhin kommentieren?
wenn dich irgendwas stört, dann lies es doch einfach nicht...
14.06.2010 | 18:49 Uhr
0
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Natürlich - auf Grund deiner so sachlichen Kritik, werde ich mich sofort bei mySPOX abmelden und den Weg für "richtige" User freimachen.
Ich habe lediglich meine Meinung geschrieben - und ich denke, ich stehe nicht alleine da, denn wenn man sieht, wie Khedira & Schweinsteiger das Spiel organisiert haben, dann muss ich sagen, dass Ballack's Fehlen eindeutig nicht bemerkbar war.
Das kann sich natürlich gegen Serbien & Ghana ändern - jedoch glaube ich nicht daran.
14.06.2010 | 22:12 Uhr
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Büchsenmacher : Na Na Master
nach 1 guten Spiel seiner Nachfolger
gegen AUSTRALIEN gleich den Rücktritt
zu forden geht mir ein bißchen zu schnell !
lass uns die gesamte WM abwarten bevor
wir ein Fazit ziehen !!
14.06.2010 | 22:24 Uhr
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Vll. mag ich auch nach dem Australienspiel sehr euphorisiert gewesen sein, nichts desto trotz bin ich der Meinung, dass die jungen Spieler jetzt sowieso ins kalte Wasser geworfen worden sind & wenn sie ihre Aufgabe bestehen & ihren Job gut machen, dann sehe ich keinen Grund, warum das in Zukunft geändert werden sollte. So war es auch eigentlich gemeint...
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