08.11.2011 um 18:26 Uhr
Wir wissen wo dein Auto steht
Dieser Tage stehen die Schiedsrichter dieser Bundesrepublik bzw. speziell der ersten Bundesliga besonders in der Kritik. Ich möchte mir hier mal die Zeit nehmen euch die andere Seite der Medaille vorzustellen, denn so sehr ich mich ebenfalls über gewisse Schiri-Entscheidungen aufrege, finde ich die generelle Kritik überhart.
Machen wir einen kleinen Exkurs in die unteren Gefilde unserer Fussball-Liga. Mein kleiner Bruder ist derzeit in der E-Jugend Torhüter und ich bin stolz ihn vom Rand anfeuern zu können, da ich nicht das nötige Talent hatte selbst Fussball zu spielen. So stehe ich mit zahlreichen Eltern der Kinder am Rand und beobachte das manchmal etwas Taktiklose Gekicke. Bereits im vorangegangen Spiel auf dem Feld schien der Schiedsrichter einige Fehlentscheidungen getroffen zu haben, denn der Trainer der angeblich benachteiligten Mannschaft führte sich vor 8-10 jährigen auf wie ein Rumpelstilzchen und beschimpfte den Referee (bereits ein erwachsenener Mann).
Im Spiel meines Bruders stand dann ein ca. 14 Jähriger Schiedsrichter auf dem Platz und fällte manch gute und manch schlechte Entscheidungen. So übersah er manches Handspiel pfiff aber widerrum korrekt Fouls gut ab. Die Mannschaft meines Bruders lag zur Pause 2:1 hinten und kassierte kurz nach der Pause das 3:1. Normalerweise stellt man sich als objektiver Beobachter nun auf ein besseres Auslaufen ein, weil das das Gegentor auch nur durch eine direkt verwandelte Ecke zustande kam und sonst die Mannschaft meines Bruders doch recht unterlegen war. Nachdem der Schiri aber relativ kurz vor Ende einen Elfmeter für „uns" gab, kam nicht etwa Hektik in die Partie sondern auf den Rängen auf. Zahlreiche Eltern, der führenden Mannschaft fingen an den Schiedsrichter für seine Fehlentscheidung zu beleidigen (immernoch ein 14 Jähriger Junge) und mit den Rufen „Schiri wir wissen wo dein Fahrrad steht" indirekt zu bedrohen und das beim Stand 3:1 kurz vor Schluss. Meiner Meinung nach völlig unnötig sich über so eine Entscheidung so aufzuregen auch wenn sie vielleicht falsch war. Als kleiner 14 jähriger hätte ich Angst um meine Haut, und würde so pfeifen, dass es ja allen Recht ist (was ja nicht im Sinne eines Schiedsrichters ist), damit ich nicht noch eins auf die Fresse bekomme.
Zurück in die Bundesliga, wo ja freilich keine Kinder sondern gestandene Profis „für Recht und Ordnung" auf dem Feld sorgen. Nichtdestotrotz haben diese doch eine Gemeinsamkeit mit dem 14 jährigen Jungen: Sie sind Menschen, was bedeutet, dass sie früher oder später Fehler machen. User Honk hat hier sehr gut bemerkt, dass die Regeln den Schiedsrichtern die Spielleitung nicht einfacher machen, womit ich dann fragen muss, ob wir uns, in zwar noch angemessenerem Maße als die Eltern auf meines Bruders Fussballplatz, aber dennoch so sehr über Schiedsrichterentscheidungen aufregen müssen. Sie müssen fast zwangsläufig mit Kritik rechnen egal, ob berechtigt (z.B. Weiner am Samstag) oder aus der Luft gegriffen (z.B. Mourinho’s Verschwörungstheorien), mal davon abgesehen, dass sie von niemanden Rückendeckung bekommen, weil sie keine „Fans" haben und das Regelwerk so schwammig ist, dass immer viel Ermessenspielraum gegeben wird und der Schiedsrichter gar nicht anders kann als zu interpretieren, wie er das nun verstehen und auslegen soll. Wie also soll man seinen Job großartig ausführen, wenn immer jemand etwas zu meckern hat und man vor allem in den unteren Ligen auch noch Angst um seine Person haben muss. Ein solcher Druck kann ja nur zu Fehlern führen.
Ich möchte jetzt nicht sagen, dass jetzt jede Entscheidung eines Schiedsrichters stillschweigend hingenommen werden sollte, sondern, dass wir uns Gedanken machen, wie wir diesen Leuten helfen ihre Arbeit besser zu machen. Das kann in meinen Augen durch Videobeweise geschehen, bei denen der Schiedsrichter neben seinen Augen (die auch nicht alles sehen können) auch technische Unterstützung hat, und so bei Entscheidungen eine verlässliche Quelle zu Rat gezogen werden kann. Darüber hinaus sollte es eine transparentere Einrichtung zur Ausbildung der Schiedsrichter geben, denn es gehört mittlerweile mehr dazu nur die Regeln zu kennen. Wie Voegi in seiner Analyse schreibt sind z.B. auch das Auftreten und Selbstkritik von großer Bedeutung. Es sollten also auch nur die Leute Schiedsrichter werden, die neben guten Augen und guter Regelkenntnis gewisse charakterliche Stärken mitbringen sollte, die ja durchaus gefördert werden können. Es ist kein Allheilmittel, denn es wird wohl, solange wir menschliche Schiedsrichter haben, immer Fehlentscheidungen geben aber wir sollten uns nicht an den Problemen orientrieren sondern an deren Lösung.
Machen wir einen kleinen Exkurs in die unteren Gefilde unserer Fussball-Liga. Mein kleiner Bruder ist derzeit in der E-Jugend Torhüter und ich bin stolz ihn vom Rand anfeuern zu können, da ich nicht das nötige Talent hatte selbst Fussball zu spielen. So stehe ich mit zahlreichen Eltern der Kinder am Rand und beobachte das manchmal etwas Taktiklose Gekicke. Bereits im vorangegangen Spiel auf dem Feld schien der Schiedsrichter einige Fehlentscheidungen getroffen zu haben, denn der Trainer der angeblich benachteiligten Mannschaft führte sich vor 8-10 jährigen auf wie ein Rumpelstilzchen und beschimpfte den Referee (bereits ein erwachsenener Mann).
Im Spiel meines Bruders stand dann ein ca. 14 Jähriger Schiedsrichter auf dem Platz und fällte manch gute und manch schlechte Entscheidungen. So übersah er manches Handspiel pfiff aber widerrum korrekt Fouls gut ab. Die Mannschaft meines Bruders lag zur Pause 2:1 hinten und kassierte kurz nach der Pause das 3:1. Normalerweise stellt man sich als objektiver Beobachter nun auf ein besseres Auslaufen ein, weil das das Gegentor auch nur durch eine direkt verwandelte Ecke zustande kam und sonst die Mannschaft meines Bruders doch recht unterlegen war. Nachdem der Schiri aber relativ kurz vor Ende einen Elfmeter für „uns" gab, kam nicht etwa Hektik in die Partie sondern auf den Rängen auf. Zahlreiche Eltern, der führenden Mannschaft fingen an den Schiedsrichter für seine Fehlentscheidung zu beleidigen (immernoch ein 14 Jähriger Junge) und mit den Rufen „Schiri wir wissen wo dein Fahrrad steht" indirekt zu bedrohen und das beim Stand 3:1 kurz vor Schluss. Meiner Meinung nach völlig unnötig sich über so eine Entscheidung so aufzuregen auch wenn sie vielleicht falsch war. Als kleiner 14 jähriger hätte ich Angst um meine Haut, und würde so pfeifen, dass es ja allen Recht ist (was ja nicht im Sinne eines Schiedsrichters ist), damit ich nicht noch eins auf die Fresse bekomme.
Zurück in die Bundesliga, wo ja freilich keine Kinder sondern gestandene Profis „für Recht und Ordnung" auf dem Feld sorgen. Nichtdestotrotz haben diese doch eine Gemeinsamkeit mit dem 14 jährigen Jungen: Sie sind Menschen, was bedeutet, dass sie früher oder später Fehler machen. User Honk hat hier sehr gut bemerkt, dass die Regeln den Schiedsrichtern die Spielleitung nicht einfacher machen, womit ich dann fragen muss, ob wir uns, in zwar noch angemessenerem Maße als die Eltern auf meines Bruders Fussballplatz, aber dennoch so sehr über Schiedsrichterentscheidungen aufregen müssen. Sie müssen fast zwangsläufig mit Kritik rechnen egal, ob berechtigt (z.B. Weiner am Samstag) oder aus der Luft gegriffen (z.B. Mourinho’s Verschwörungstheorien), mal davon abgesehen, dass sie von niemanden Rückendeckung bekommen, weil sie keine „Fans" haben und das Regelwerk so schwammig ist, dass immer viel Ermessenspielraum gegeben wird und der Schiedsrichter gar nicht anders kann als zu interpretieren, wie er das nun verstehen und auslegen soll. Wie also soll man seinen Job großartig ausführen, wenn immer jemand etwas zu meckern hat und man vor allem in den unteren Ligen auch noch Angst um seine Person haben muss. Ein solcher Druck kann ja nur zu Fehlern führen.
Ich möchte jetzt nicht sagen, dass jetzt jede Entscheidung eines Schiedsrichters stillschweigend hingenommen werden sollte, sondern, dass wir uns Gedanken machen, wie wir diesen Leuten helfen ihre Arbeit besser zu machen. Das kann in meinen Augen durch Videobeweise geschehen, bei denen der Schiedsrichter neben seinen Augen (die auch nicht alles sehen können) auch technische Unterstützung hat, und so bei Entscheidungen eine verlässliche Quelle zu Rat gezogen werden kann. Darüber hinaus sollte es eine transparentere Einrichtung zur Ausbildung der Schiedsrichter geben, denn es gehört mittlerweile mehr dazu nur die Regeln zu kennen. Wie Voegi in seiner Analyse schreibt sind z.B. auch das Auftreten und Selbstkritik von großer Bedeutung. Es sollten also auch nur die Leute Schiedsrichter werden, die neben guten Augen und guter Regelkenntnis gewisse charakterliche Stärken mitbringen sollte, die ja durchaus gefördert werden können. Es ist kein Allheilmittel, denn es wird wohl, solange wir menschliche Schiedsrichter haben, immer Fehlentscheidungen geben aber wir sollten uns nicht an den Problemen orientrieren sondern an deren Lösung.
Aufrufe: 1679 | Kommentare: 18 | Bewertungen: 10 | Erstellt:08.11.2011
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KOMMENTARE
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09.11.2011 | 18:32 Uhr
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09.11.2011 | 20:06 Uhr
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Rastelli :
"Mein kleiner Bruder ist derzeit in der E-Jugend Torhüter und ich bin stolz ihn vom Rand anfeuern zu können, da ich nicht das nötige Talent hatte selbst Fussball zu spielen."Es gibt kein nötiges Talent um Fußball zu spielen. Jeder kann das.
09.11.2011 | 20:26 Uhr
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Schöner Blog, schwieriges Thema aber flüssig und gut zu lesen, toll geschrieben. Dafür gibt es schon mal 9 Pkt von mir.
ABER den Bereich des "Profi"Schiedsrichters und den des Amateurschiedsrichters vor allem in Bereichen der F, E,D Jugend ilt es ja wohl deutlich abzutrennen.
Wenn man es als Beispiel heranzieht, dass der Schiri per se schon als ärmste Sau angesehen wird, egal wo dann kann ich dir hier Recht geben ansonsten hinkt der Vergleich für mich deutlich.
Ich hab mich auch recht früh dazu aufgemacht Schiedsrichter zu werden (hab dann nach 3 Jahren abgebrochen wegen der Ausbildung) und habe auch zuerst natürlich die örtlichen F,E,D und auch C Jugendlichen gepfiffen. Aber selbst hier gibt es ja schon eine großen Unterschied. Bei Bambinis, FJugend und EJugend steht noch deutlich der Spaß am Spiel im Vordergrund. Das erlernen der Regeln usw. Das wird auf den Lehrgängen auch so kommuniziert, bin mir nicht sicher ob sich da etwas geändert hat.
Die Kids sollen ja einfach nur spielen unter Anleitung. Wenn man sich daran einigermaßen hält und nur unterstützend eingreift hat man nen Recht entspannten Nachmittag.
Das die Eltern natürlich komplett am Rad drehen liegt halt eben daran, dass sie den Sinn was ihre Kids da machen gar nicht verstanden haben und das ist ebenso witzig wie auch viel mehr traurig! Das projezieren eigener Ideale auf die Kids ist ein so weit verbreitetes Phänomen, das ist wirklich traurig. Nichts desto trotz sind die (meist Väter) einfach vom Platz verwiesen worden, wenn es zu krass wurde. Ist ja nicht so dass man da als Schiedsrichter keine Möglichkeiten hat.
Und die Kids stört das meist eh nicht was der Daddy da rein ruft! Ist denen eher peinlich! Da sind die kleinen Erwachsener als die Erwachsenen.
Leicht abgedriftet ^^
Was ich sagen will auf der einen Seite hast du Recht die Schiris bekommen es zu sehr ab ABER sie finden sich mit der Situation auch ab.
09.11.2011 | 20:30 Uhr
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Nein die meisten Stellen sich hin und sagen war doch alles korrekt was ich da zusammen gepfiffen habe. Und das geht einfach nicht. Wenn ich schon sehe mit welcher Aggressiven Gestik die den Spielern gegenüber treten tz tz tz da kann man schon erkennen wie viel Druck eigentlich wirklich auf den Jungs lastet. Spaß haben die schon lange keinen mehr ABER es liegt auch ein Stück weit an Ihnen selbst, dass zu ändern aber anscheinend sind sie ja mit Ihrer Leistung zufrieden, dass das nicht nötig ist!
Und genau das ist der Punkt der stört und zwar gewaltig!
09.11.2011 | 20:55 Uhr
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marcian :
Danke für die Lohrbeeren.@Rastelli: Sollte eher Stilmittel sein, als der Wahrheit entsprechen.
@Cantona: Ich weiß, dass die Schiris in der Bundesliga weit mehr Anforderungen erfüllen müssen als die in unteren Ligen, aber wie gesagt sie sind dennoch Menschen und selbst der ehrwürdige Colina war nicht vor Fehlern gefeit.
Was du zum Auftreten und Fehlereingeständnissen sagst ist richtig, weshalb ich ja davon sprach besser in der Ausbildung auch solche Aspekte zu berücksichtigen. Du kannst sicher besser beurteilen, ob das tatsälich bei der Ausbildung eine Rolle spielt. Was die Selbstgefälligkeit angeht, frage ich mich auch warum da auch von offizieller Seite immer recht wenig kommt. Einige Schiedsrichter wie Merk z.B. haben sich ja schon für Videobeweise etc. ausgeprochen aber die Masse wars nicht. Stimmt
09.11.2011 | 22:35 Uhr
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Deshalb find ich um so auffälliger, dass einige diese Selbstgefälligen Gesten und herablassenden Aktionen gegenüber Spielern bei vielen Schiedsrichtern aktuell zu sehen sind.
Es gibt aber auch Ausnahmen ich will da weiss Gott nicht alle in eine Schublade stecken. Sind wieder einige Hoffnungsvolle jüngere nachgekommen, die mir bis jetzt ganz gut gefallen haben!
09.11.2011 | 22:43 Uhr
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maxpower3000 : Cantona
Das stimmt aber nicht. Markus Merk hat 2008 nach einer eigenen krassen Fehlentscheidung den Videobeweis gefordert. Seine Worte:"In unserer heutigen Zeit mit ihren medialen Möglichkeiten lässt sich jede strittige Szene in einer Minute aufschlüsseln. Eine falsche Entscheidung kann nie eine gerechte sein."
09.11.2011 | 22:51 Uhr
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Dann war das einer! Ein einziger! Sollen sich doch die Schiris der BuLi doch bitte mal geschlossen hinstellen und sagen wir fordern JETZT den Videobeweis (dann dauerts noch min ein Jahr aber ok). An der deren Stelle hätt ich auch kein Bock mehr und würd wahrscheinlich extrem dünnhäutig und genervt über das Spielfeld stolzieren.
Man sieht das speziell diese Saison Woche für Woche, dass da eine Veränderung her muss! Man sieht das ja auch am Nachwuchs, gibt nicht mehr so viele die drauf Bock haben Schiri zu werden, die sehen doch auch wie es da abgeht und was man sich antun muss!
09.11.2011 | 22:51 Uhr
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Aber auch das will eben gelernt sein, leider hat aber nicht jeder diese natürliche, charismatische Autorität und und kompensiert das dann mit lächerlichen Gesten bzw. Kartenfeuerwerk.
Problem sind vor allem diejenigen, die sich wirklich für unantastbar und unfehlbar halten, egal wieviel offensichtlichen Mist sie bauen, das aktuelle Paradebeispiel muss ich ja gottlob nicht beim Namen nennen.
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Aber besonders im Amateurbereich gehören sie gschützt, ansonsten bin ich ein Verfechter des Videoschiedsrichters, weil ich denke, dass Menschen von der Geschwindigkeit und Komplexität eines Fußballspiels überfordert sind udn man Technik zu Hilfe nehmen sollte.