11.12.2011 um 15:42 Uhr
Wie erfolglos kann man sein?
Stefan Reuter gewann in seiner Karriere als aktiver Fußballer nahezu alles, was man nur gewinnen kann. Die Weltmeisterschaft 1990, die Europameisterschaft 1996, die Champions League 1997 und im selben Jahr auch noch den Weltpokal mit Borussia Dortmund. Insgesamt fünf deutsche Meisterschaften hat der ehemalige Manager des TSV 1860 München außerdem vorzuweisen. Begonnen hatte die erfolgreiche Karriere des heute 45-jährigen Reuter in der Jugend des TSV 1860 Dinkelsbühl.
Kaum zu glauben, dass keine zehn Kilometer von seiner Heimatstadt entfernt einer der wohl erfolglosesten, deutschen Fußballvereine der letzten Jahre beheimatet ist. Macht man sich von Dinkelsbühl aus auf die Reise nach Westen landet man bereits kurz nach der Landesgrenze von Bayern und Baden-Württemberg in dem beschaulichen Örtchen Wildenstein. Zu Entdecken gibt es in dem kleinen Dorf nicht sonderlich viel. Die sportliche Bilanz des Wildensteiner Fußballclubs ist dafür umso beeindruckender und dürfte selbst denjenigen imponieren, die sich noch an die ruhmreichen Bundesligazeiten von Tasmania Berlin erinnern können.
Als bekanntlich schlechteste Mannschaft in der Geschichte der Bundesliga holten die Hauptstädter in ihrer einzigen Saison im Oberhaus des deutschen Fußballs 1965/66 dürftige zehn Punkte. Da mitzuhalten fällt dem SV Wildenstein jedoch nicht sonderlich schwer. Sieben Punkte durch sieben Unentschieden sprechen eine deutliche Sprache. Allerdings reden wir hier nicht von einer Spielzeit, sondern von über vier Jahren. 119 Spiele in der Hohenloher Kreisliga B3 benötigte der SV Wildenstein für die sieben Punkteteilungen. Auch das vermeintlich katastrophale Torverhältnis des früheren Bundesligisten (15:108) stellt man dort locker in den Schatten. 138 mal schlug es in der Saison 2008/2009 beim Dauerschlusslicht ein. Dem gegenüber stehen neun eigene Treffer. Eine mehr als ernüchternde Bilanz. Seit dem 03. Juni 2007 gelang den gebeutelten Provinzkickern kein einziger Sieg mehr. Der einzige Lichtblick: Ein Abstieg aus der Kreisliga B ist nicht möglich. Eine noch niedere Spielklasse gibt es nicht. Erst am 13. November 2011 riss die unheimliche Negativserie. Der Erfolg über den Kreisligatitelaspiranten SC Wiesenbach an jenem Sonntag Nachmittag war für die Wildensteiner also fast schon ein historisches Ereignis. Auf fremdem Geläuf schlug man den Tabellendritten mit 2:0. Auch zahlreiche Spieler umliegender Vereine gönnten dem SV Wildenstein das Erfolgserlebnis und freuten sich mit. Einige fuhren sogar extra nach Wiesenbach, um den Wildensteinern den ein oder anderen Kasten Bier zu spendieren.
Kaum einer verkörpert die Auferstehung des SV Wildenstein dabei so gut wie der 42-jährige Stephan Joas. Seit über fünf Jahren war er nicht mehr für die erste Mannschaft des SV Wildenstein aufgelaufen. Das erste Spiel nach dieser langen Pause war eben jenes gegen den SC Wiesenbach. Joas selbst erzielte nach einer Viertelstunde den wichtigen Führungstreffer für seine Mannschaft. „Für das Tor kann ich nichts, da bin ich eher angeschossen worden", erzählte der sympathische Möbelverkäufer einige Tage später und verwies dafür auf die jüngeren Spieler in der Mannschaft: „Man muss sich einmal vorstellen, dass viele unserer Jungs noch nie in ihrem Leben ein richtiges Fußballspiel gewonnen hatten. Das war der erste Sieg in ihrem Leben. Ich hätte da nicht so viel Geduld gehabt und das Kicken schon längst aufgegeben". Großen Respekt hat Joas deshalb auch vor Trainer Volker Butz. „Du musst es erst einmal schaffen, jede Woche elf Mann auf den Platz zu bringen, die sich für den Verein zerreißen", verdeutlichte Joas. Ganz Unrecht hat er mit der Aussage sicher nicht.
Der SV Wildenstein, ein Fußballverein, bei dem man sich an das Verlieren schnell gewöhnt, bei dem Siege gezählt werden, wie anderswo Meisterschaften und dessen Zukunft dauerhaft in Frage steht. Jugendmannschaften gibt es in Wildenstein schon lange keine mehr. Eigentlich müsste man sich verneigen vor den Spielern, die trotzdem Woche für Woche ihren Sonntag Nachmittag aufbringen, um die Fahne ihres Vereins hochzuhalten. In Zeiten, in denen selbst im Amateurfußball Erfolge, Titel und Geld eine immer größere Rolle spielen, ist die Moral der Wildensteiner Spieler sicherlich ein Vorbild für viele andere Fußballer. Man sollte Respekt haben vor den leidensfähigen Spielern. Vielleicht sogar mehr als vor den großen Erfolgen eines Stefan Reuter...
Kaum zu glauben, dass keine zehn Kilometer von seiner Heimatstadt entfernt einer der wohl erfolglosesten, deutschen Fußballvereine der letzten Jahre beheimatet ist. Macht man sich von Dinkelsbühl aus auf die Reise nach Westen landet man bereits kurz nach der Landesgrenze von Bayern und Baden-Württemberg in dem beschaulichen Örtchen Wildenstein. Zu Entdecken gibt es in dem kleinen Dorf nicht sonderlich viel. Die sportliche Bilanz des Wildensteiner Fußballclubs ist dafür umso beeindruckender und dürfte selbst denjenigen imponieren, die sich noch an die ruhmreichen Bundesligazeiten von Tasmania Berlin erinnern können.
Als bekanntlich schlechteste Mannschaft in der Geschichte der Bundesliga holten die Hauptstädter in ihrer einzigen Saison im Oberhaus des deutschen Fußballs 1965/66 dürftige zehn Punkte. Da mitzuhalten fällt dem SV Wildenstein jedoch nicht sonderlich schwer. Sieben Punkte durch sieben Unentschieden sprechen eine deutliche Sprache. Allerdings reden wir hier nicht von einer Spielzeit, sondern von über vier Jahren. 119 Spiele in der Hohenloher Kreisliga B3 benötigte der SV Wildenstein für die sieben Punkteteilungen. Auch das vermeintlich katastrophale Torverhältnis des früheren Bundesligisten (15:108) stellt man dort locker in den Schatten. 138 mal schlug es in der Saison 2008/2009 beim Dauerschlusslicht ein. Dem gegenüber stehen neun eigene Treffer. Eine mehr als ernüchternde Bilanz. Seit dem 03. Juni 2007 gelang den gebeutelten Provinzkickern kein einziger Sieg mehr. Der einzige Lichtblick: Ein Abstieg aus der Kreisliga B ist nicht möglich. Eine noch niedere Spielklasse gibt es nicht. Erst am 13. November 2011 riss die unheimliche Negativserie. Der Erfolg über den Kreisligatitelaspiranten SC Wiesenbach an jenem Sonntag Nachmittag war für die Wildensteiner also fast schon ein historisches Ereignis. Auf fremdem Geläuf schlug man den Tabellendritten mit 2:0. Auch zahlreiche Spieler umliegender Vereine gönnten dem SV Wildenstein das Erfolgserlebnis und freuten sich mit. Einige fuhren sogar extra nach Wiesenbach, um den Wildensteinern den ein oder anderen Kasten Bier zu spendieren.
Kaum einer verkörpert die Auferstehung des SV Wildenstein dabei so gut wie der 42-jährige Stephan Joas. Seit über fünf Jahren war er nicht mehr für die erste Mannschaft des SV Wildenstein aufgelaufen. Das erste Spiel nach dieser langen Pause war eben jenes gegen den SC Wiesenbach. Joas selbst erzielte nach einer Viertelstunde den wichtigen Führungstreffer für seine Mannschaft. „Für das Tor kann ich nichts, da bin ich eher angeschossen worden", erzählte der sympathische Möbelverkäufer einige Tage später und verwies dafür auf die jüngeren Spieler in der Mannschaft: „Man muss sich einmal vorstellen, dass viele unserer Jungs noch nie in ihrem Leben ein richtiges Fußballspiel gewonnen hatten. Das war der erste Sieg in ihrem Leben. Ich hätte da nicht so viel Geduld gehabt und das Kicken schon längst aufgegeben". Großen Respekt hat Joas deshalb auch vor Trainer Volker Butz. „Du musst es erst einmal schaffen, jede Woche elf Mann auf den Platz zu bringen, die sich für den Verein zerreißen", verdeutlichte Joas. Ganz Unrecht hat er mit der Aussage sicher nicht.
Der SV Wildenstein, ein Fußballverein, bei dem man sich an das Verlieren schnell gewöhnt, bei dem Siege gezählt werden, wie anderswo Meisterschaften und dessen Zukunft dauerhaft in Frage steht. Jugendmannschaften gibt es in Wildenstein schon lange keine mehr. Eigentlich müsste man sich verneigen vor den Spielern, die trotzdem Woche für Woche ihren Sonntag Nachmittag aufbringen, um die Fahne ihres Vereins hochzuhalten. In Zeiten, in denen selbst im Amateurfußball Erfolge, Titel und Geld eine immer größere Rolle spielen, ist die Moral der Wildensteiner Spieler sicherlich ein Vorbild für viele andere Fußballer. Man sollte Respekt haben vor den leidensfähigen Spielern. Vielleicht sogar mehr als vor den großen Erfolgen eines Stefan Reuter...
Aufrufe: 7127 | Kommentare: 11 | Bewertungen: 28 | Erstellt:11.12.2011
ø 9.1
KOMMENTARE
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12.12.2011 | 18:16 Uhr
+2
0
jba :
Klasse :P Bitte mehr davon :)
19.12.2011 | 18:51 Uhr
+4
0
20.12.2011 | 17:41 Uhr
+1
0
20.12.2011 | 17:53 Uhr
+1
0
Schnumbi :
wie geil ist das denn 
geschichten die das leben schreiben, schönes ding
20.12.2011 | 18:24 Uhr
0
0
Albstadion : Alles nix gegen SSC Stubersheim
Erinnert mich sehr an die Geschichte von Stubersheim. http://ssc-stubersheim.de.vu/
Über die wurde auch schon oft berichtet. :)
21.12.2011 | 10:32 Uhr
+2
0
emdschi : Amateurfussballer rocken!
Ich habe habe früher lange Zeit im Hunsrück auf Kreisebende gekickt und schon damals haben kleine Vereine reisen Probleme gehabt eine halbwegs komplette Mannschaft zu stellen! Eine solche Negativbilanz hätte da kein verein überlebt! Die Spieler wären sicher alle gegangen! Riesen Respekt das sich die Mannschaft inkl. Trainer da durchkämpfen!
21.12.2011 | 12:31 Uhr
+1
0
27.12.2011 | 11:37 Uhr
0
0
die haben in den 90er über jahre hinweg null punkte geholt, damals in der a-klasse. seit der einführung der b-klasse hat sich das etwas geändert.
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