26.07.2011 um 13:45 Uhr
Wie Fußball ohne Bier ...
... Abstiegskampf für die Treuesten der Treuen.
Am Anfang schuf Gott den Fußball. Naja, eigentlich war es der Kaiser und das auch erst 2006. Gott selbst spielt ja bekanntlich in Barcelona und baut seinen Vorsprung auf den Titel des Allmächtigen wöchentlich aus.
In einer Region, in der der Fußball für die Menschen mehr ist als nur Freizeitbewältigung, ist der Sport im Laufe der Geschichte eine Ausdrucksform für politisches Understatement geworden und bedarf schlagkräftiger Argumente. Fährt man als stolzer Katalane zu einem Auswärtskick nach Zentralspanien oder ins Baskenland, benötigt man schon eine gehörige Portion Talent, um das gegnerische Kabinett in die Schranken zu weisen. Der Erfolgsfan, wie er heutzutage geschimpft wird, bekommt von all dem politischem Hintergrund recht wenig mit und präsentiert zu Hause stolz die Fotos von Lionel Messi, Xavi Hernández, Andrés Iniesta und dem Typen vom Vordersitz, der einem ständig im Weg stand. Unwissentlich wird er in diesem Moment zum Polittouristen, ohne zu begreifen, worum es bei der Sache im eigentlichen Sinn geht.
Ein Ticket im Estádio Camp Nou für einen überdachten Platz hat im Übrigen letztes Jahr ca. 130 Euro gekostet. Ein Preis, der einen guten Job oder ungeheuer schlechte Mathematikkenntnisse voraussetzt, um ihn alle zwei Wochen zu berappen (die Präsidentenloge ist, nebenbei erwähnt, mit weißem Marmor ausgelegt und hat goldene Haltegriffe. Diese kann man bei der Stadiontour für 17 Euro besichtigen, die ich trotz des Preises jedem empfehle). Die Folge ist die natürliche Auslese, wie sie überall auf der Welt täglich stattfindet.
Ortswechsel.
2006 kam der Kaiser zurück in sein Reich, im Gepäck befand sich eine Weltmeisterschaft. Investoren und Unternehmer hatten bereits große Eurozeichen in den Augen, und die Vereine lechzten eh schon Jahre zuvor nach neuen Stadien mit schalenförmigen Sitzgelegenheiten, Rundum-Bedachungen, beheizten Logen und Jemandem, der das Ganze bezahlt. Gesucht, gefunden! Die neuen Arenen schossen wie Grashalme aus dem Boden, die Städte erweiterten ihre Infrastruktur, und Bauunternehmen hatten Hochkonjunktur. Und wie das bei einer Weltmeisterschaft so ist, bekommt der eigentliche Fan ein Livespiel seines Teams fast nie zu Gesicht. Die Tickets sind meist Werbegeschenke großer Unternehmen an Kunden, nach etwa 7 Minuten schon verkauft oder unbezahlbar, wo wir wieder bei der Mathematikgeschichte wären. Dieses nur als Beispiel!
In den letzten Jahren konnte in den Fußballstadien Europas vermehrt ein bisher unbekanntes Phänomen wahrgenommen werden. Große, benzinfressende Nobelkarossen fanden plötzlich Gefallen daran, sich auf den Parkplätzen der Arenen zu versammeln und dort für einen Nachmittag zu verweilen. Die bisher doch eher rar gesäte Spezies der Logenbesitzer und Geschäftsleute hielt Einzug in den bis dato abgetrennten Bereich des Fußvolkes: das Stadion. Es war plötzlich schick, zum Fußball zu gehen. Ähnlich wie beim Boxen sah man dort ungewöhnlich viele Leute, die sich bisher von Veranstaltungen dieser Art fern hielten. Dass es als Verein bei dieser Art Besucher sicherlich mehr Geld zu holen gibt, als mit dem 5-Euro-Stehplatz, dürfte nicht schwer zu erraten sein. Das Ende des Stereotypen "Fußballfan" mit Jeansweste, Vereins- und Bierfahne nahte. Das ist keineswegs böse gemeint. Auch ich trinke gerne Bier im Stadion, nur Jeanswesten stehen mir eigentlich nicht. Die Metapher sollte aber klar sein. Schauten die Stehplätze Mitte der 90er-Jahre noch abfällig in Richtung Haupttribüne, werden die ungläubigen Blicke heutzutage auf die "Treuesten der Treuen" abgefeuert.
Insbesondere in München gastiert in diesen Tagen ein Schauspiel, wie es passender nicht sein könnte: Die Bayern haben einen neuen Torwart, den aber eigentlich dort unten keiner mag, da er angeblich einer anderen kulturellen Fangesinnung angehörte. Leider zählt er aber zu den Besten auf dem Erdball, und muss daher natürlich nach München wechseln. Der Konflikt ist perfekt. Spieler Neuer bekommt nun von einer Fangruppierung folgerichtig (Achtung Ironie!) Benimmregeln auferlegt, was schon leicht am Rande des moralisch Vertretbaren kratzt. Da die Parteien "Ultras" und "Vereinsführung", nachfolgend "Beleidigte" und "Leberwurst" genannt, sich aber eh seit einiger Zeit in der Wolle haben, möchte "Leberwurst" die "Beleidigten" am liebsten aus dem Stadion verbannen. Geht aber nicht, denn auch hier klingelt die Moralpolizei. Zu Recht!
Meinungsfreiheit ist ein wertvolles Gut und als Verein sollte man nie vergessen, wer diesen Sport so groß gemacht hat. Weder Spieler noch Funktionäre könnten, ohne die Unterstützung, Kauffreudigkeit und Aufopferung des Fans, in dem Maße Geld und Ruhm verdienen, wie es grade der Fall ist. Eine Meinung kann man niemandem aufzwingen. Das Verhältnis zwischen Fan und Verein ist ein Geben und Nehmen, das immer auf Respekt und Sachlichkeit aufgebaut sein muss. Klingt schwierig, da dieser Sport von Emotionen lebt. Die Anonymität des Einzelnen im Stadion verleitet gern mal zu Fehlverhalten, daher ist es einfach sich auf Vereinsseite an den Gedanken zu gewöhnen, seine Reihen mit den so genannten "Erfolgsfans" zu füllen, die eh nur kommen, wenn es nichts zu meckern gibt oder es grade schick ist bzw. Kunde XY mal ausgeführt werden muss und dabei kräftig zahlt. Seine Seele aber erhält der Verein nur durch die Besucher, die sich voll und ganz mit selbigem und seiner Philosophie identifizieren. Fans haben in der Regel ein sehr gutes Gespür für Richtig oder Falsch. Den Publikumsjoker zu ziehen, ist in vielen Fällen nicht die schlechteste Lösung, wie Günther Jauch uns lehrte.
Doch wie es überall ist, wird auch dieser Hype wahrscheinlich irgendwann vorbei sein, und am Ende bleiben die Treuesten der Treuen übrig und stiefeln tapfer in die Arenen um IHR Team anzufeuern!
Mehr oder weniger auch auf HasenRasen
Am Anfang schuf Gott den Fußball. Naja, eigentlich war es der Kaiser und das auch erst 2006. Gott selbst spielt ja bekanntlich in Barcelona und baut seinen Vorsprung auf den Titel des Allmächtigen wöchentlich aus.
In einer Region, in der der Fußball für die Menschen mehr ist als nur Freizeitbewältigung, ist der Sport im Laufe der Geschichte eine Ausdrucksform für politisches Understatement geworden und bedarf schlagkräftiger Argumente. Fährt man als stolzer Katalane zu einem Auswärtskick nach Zentralspanien oder ins Baskenland, benötigt man schon eine gehörige Portion Talent, um das gegnerische Kabinett in die Schranken zu weisen. Der Erfolgsfan, wie er heutzutage geschimpft wird, bekommt von all dem politischem Hintergrund recht wenig mit und präsentiert zu Hause stolz die Fotos von Lionel Messi, Xavi Hernández, Andrés Iniesta und dem Typen vom Vordersitz, der einem ständig im Weg stand. Unwissentlich wird er in diesem Moment zum Polittouristen, ohne zu begreifen, worum es bei der Sache im eigentlichen Sinn geht.
Ein Ticket im Estádio Camp Nou für einen überdachten Platz hat im Übrigen letztes Jahr ca. 130 Euro gekostet. Ein Preis, der einen guten Job oder ungeheuer schlechte Mathematikkenntnisse voraussetzt, um ihn alle zwei Wochen zu berappen (die Präsidentenloge ist, nebenbei erwähnt, mit weißem Marmor ausgelegt und hat goldene Haltegriffe. Diese kann man bei der Stadiontour für 17 Euro besichtigen, die ich trotz des Preises jedem empfehle). Die Folge ist die natürliche Auslese, wie sie überall auf der Welt täglich stattfindet.
Ortswechsel.
2006 kam der Kaiser zurück in sein Reich, im Gepäck befand sich eine Weltmeisterschaft. Investoren und Unternehmer hatten bereits große Eurozeichen in den Augen, und die Vereine lechzten eh schon Jahre zuvor nach neuen Stadien mit schalenförmigen Sitzgelegenheiten, Rundum-Bedachungen, beheizten Logen und Jemandem, der das Ganze bezahlt. Gesucht, gefunden! Die neuen Arenen schossen wie Grashalme aus dem Boden, die Städte erweiterten ihre Infrastruktur, und Bauunternehmen hatten Hochkonjunktur. Und wie das bei einer Weltmeisterschaft so ist, bekommt der eigentliche Fan ein Livespiel seines Teams fast nie zu Gesicht. Die Tickets sind meist Werbegeschenke großer Unternehmen an Kunden, nach etwa 7 Minuten schon verkauft oder unbezahlbar, wo wir wieder bei der Mathematikgeschichte wären. Dieses nur als Beispiel!
In den letzten Jahren konnte in den Fußballstadien Europas vermehrt ein bisher unbekanntes Phänomen wahrgenommen werden. Große, benzinfressende Nobelkarossen fanden plötzlich Gefallen daran, sich auf den Parkplätzen der Arenen zu versammeln und dort für einen Nachmittag zu verweilen. Die bisher doch eher rar gesäte Spezies der Logenbesitzer und Geschäftsleute hielt Einzug in den bis dato abgetrennten Bereich des Fußvolkes: das Stadion. Es war plötzlich schick, zum Fußball zu gehen. Ähnlich wie beim Boxen sah man dort ungewöhnlich viele Leute, die sich bisher von Veranstaltungen dieser Art fern hielten. Dass es als Verein bei dieser Art Besucher sicherlich mehr Geld zu holen gibt, als mit dem 5-Euro-Stehplatz, dürfte nicht schwer zu erraten sein. Das Ende des Stereotypen "Fußballfan" mit Jeansweste, Vereins- und Bierfahne nahte. Das ist keineswegs böse gemeint. Auch ich trinke gerne Bier im Stadion, nur Jeanswesten stehen mir eigentlich nicht. Die Metapher sollte aber klar sein. Schauten die Stehplätze Mitte der 90er-Jahre noch abfällig in Richtung Haupttribüne, werden die ungläubigen Blicke heutzutage auf die "Treuesten der Treuen" abgefeuert.
Insbesondere in München gastiert in diesen Tagen ein Schauspiel, wie es passender nicht sein könnte: Die Bayern haben einen neuen Torwart, den aber eigentlich dort unten keiner mag, da er angeblich einer anderen kulturellen Fangesinnung angehörte. Leider zählt er aber zu den Besten auf dem Erdball, und muss daher natürlich nach München wechseln. Der Konflikt ist perfekt. Spieler Neuer bekommt nun von einer Fangruppierung folgerichtig (Achtung Ironie!) Benimmregeln auferlegt, was schon leicht am Rande des moralisch Vertretbaren kratzt. Da die Parteien "Ultras" und "Vereinsführung", nachfolgend "Beleidigte" und "Leberwurst" genannt, sich aber eh seit einiger Zeit in der Wolle haben, möchte "Leberwurst" die "Beleidigten" am liebsten aus dem Stadion verbannen. Geht aber nicht, denn auch hier klingelt die Moralpolizei. Zu Recht!
Meinungsfreiheit ist ein wertvolles Gut und als Verein sollte man nie vergessen, wer diesen Sport so groß gemacht hat. Weder Spieler noch Funktionäre könnten, ohne die Unterstützung, Kauffreudigkeit und Aufopferung des Fans, in dem Maße Geld und Ruhm verdienen, wie es grade der Fall ist. Eine Meinung kann man niemandem aufzwingen. Das Verhältnis zwischen Fan und Verein ist ein Geben und Nehmen, das immer auf Respekt und Sachlichkeit aufgebaut sein muss. Klingt schwierig, da dieser Sport von Emotionen lebt. Die Anonymität des Einzelnen im Stadion verleitet gern mal zu Fehlverhalten, daher ist es einfach sich auf Vereinsseite an den Gedanken zu gewöhnen, seine Reihen mit den so genannten "Erfolgsfans" zu füllen, die eh nur kommen, wenn es nichts zu meckern gibt oder es grade schick ist bzw. Kunde XY mal ausgeführt werden muss und dabei kräftig zahlt. Seine Seele aber erhält der Verein nur durch die Besucher, die sich voll und ganz mit selbigem und seiner Philosophie identifizieren. Fans haben in der Regel ein sehr gutes Gespür für Richtig oder Falsch. Den Publikumsjoker zu ziehen, ist in vielen Fällen nicht die schlechteste Lösung, wie Günther Jauch uns lehrte.
Doch wie es überall ist, wird auch dieser Hype wahrscheinlich irgendwann vorbei sein, und am Ende bleiben die Treuesten der Treuen übrig und stiefeln tapfer in die Arenen um IHR Team anzufeuern!
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Aufrufe: 4478 | Kommentare: 29 | Bewertungen: 17 | Erstellt:26.07.2011
ø 9.9
KOMMENTARE
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26.07.2011 | 15:14 Uhr
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Jacks_Rabbit :
Kritik und Anregungen sind natürlich gern gesehen ;)
27.07.2011 | 14:17 Uhr
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Fiedman :
Finde den Blog echt gut...hat mir gefallen.
Gerade seit 2006 sind mir die Erfolgsfans ein Dorn im Auge und nerven mich so tierisch, dass ich bei der WM 2010 die großen Public Viewings stets gemieden habe. Als Dauerkarteninhaber im Stehblock und absolut fußball addicted ist das ja nicht auszuhalten.
Stehblock...ja, treue Fans...auch ja. All das braucht ein Verein und das sollte ein Verein nie vergessen.
Die Aktionen im Münchner Schlauchboot sind aber anders zu bewerten, da die diversen Gruppierungen mehr als weit übers Ziel herausgeschossen sind, und rein ideologisch gehandelt haben. Ist eben ne Gratwanderung zwischen Traditionalismus und übertriebenem Kommerz :)
Auf jeden Fall aber gut geschrieben...I like
27.07.2011 | 14:40 Uhr
+3
-1
kareem33 : Jaein
Hallo Jack,ich gebe dir bedingt Recht es gibt immer solche und solche Fans. Aber Schluss zu folgern das nur auf den Stehplätzen richtige Fans stehen die die Seele des Vereins representieren ist zu kurz geblickt.
Ich selber bin ein großer Fan des 1.FC Köln. Das schon mein ganzes Leben lang, ich bin aufgestiegen und mit abgestiegen. Ich fiebere jedes Wochenende mit entweder im Stadion oder vor dem Fernsehen. Aber ich möchte nicht mein Auto mit Aufklebern und Schals voll hängen. Auch schaue ich mir Spiele im Stadion sehr gerne von einem Sitzpaltz aus an. Nur weil man etwas teurere Karten kauft heist das aber nicht das man nicht Fan ist.
Ich identifiziere mich auch voll und ganz mit dem Verein und dessen Geschichte und Entwicklung (gerade ist das etwas schwierig) aber man geht ja durch Dick und Dünn.
Die Fortschreitende Kommerzialisierung des Fussballs ist unumgänglich und in anderen Sportarten Gang und Gäbe. Es ist eine extrem romantische Vorstellung das man einen Bundeligaverein noch so führen kann wie vor 30 Jahren. Ohne Die "VIP" Kunden geht es heute nicht mehr. Zu welchem Preis? Die Stadien sind neu, in der Regel reine Fussballarenen, höchste Sicherheit und in Deutschland fast immer ausverkauft.
Was ist besser halb volle Stadien oder volle? Geh mal in die Könarena zum Eishockey das ist ne Katastrophe wenn da 8000 Mann in ner 20.000 Mann Halle gegen die Lehre anbrüllen.
So das war jetzt doch mehr als das was ich schreiben wollte. CU
27.07.2011 | 15:15 Uhr
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Die Stehplatzgeschichte war auch eher als Metapher für genau die Leute gemeint, die ihr Herzblut für den Verein geben. Ganz ohne Wertung und Bezug auf ihre Autos und die Preiskategorie in der sie sitzen. Zähle mich genauso dazu. In Bezug auf die Kommerzialisierung gebe ich Dir recht, aber trotz der ständig steigenden Preise für Spieler, Gehälter etc. finde ich es wichtig, dass Fußball das bleibt was es ist und das man den Bezug zu den eben genannten Fans nicht verliert. Das war es, was ich, mit ein bißchen Ironie ausdrucken wollte
27.07.2011 | 15:40 Uhr
+3
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Ich sage es wirklich nur ungerne, aber meinst du nicht vielmehr, dass der Fussball wieder das werden sollte, was er mal war?
10 Punkte für dich, stimme dir in den meisten Punkten voll zu.
Mir ist es heute schon zu viel Kommerz und der reine Fussball ist bei vielen nur noch Nebensache. Da diskutiere ich mit Kollegen, Freunden und Bekannten... ihrerseits "Bayern-, Dortmund- oder Schalkefans" und sie belächeln mich, weil ich als Herthaner ja auch 2.Liga gucke, ganz im Gegensatz zu meinen Bekannten, die alle Jahre mal versehentlich im Stadion sind.
Diskussionen drehen sich dann häufig nicht um den Fussball, nein, vielmehr geht es um Gehälter, wer wieviel Schulden hat und welche wirtschaftliche Strategie denn wohl die bessere sei - das Spiel mit dem Ball, ist Nebenschauplatz.
27.07.2011 | 16:11 Uhr
+3
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Manchmal ertappe ich mich aber dabei, daß ich darüber nachdenke, daß es den Fußball, den ich meine, nie wirklich gegeben hat. Vielleicht ist es aber auch mehr ein Gefühl, als ein klar formulierter Gedanke...
Als Bayernfan, der wie ich diesem Verein seit mehr als 35 Jahren die Treue hält, der vorallem sehr viele Auswärtsfahrten auf dem Buckel hat, bist du auch immer ein Fan von Uli Hoeness. Das Eine bedingt das Andere!
Als absoluter Bewunderer dieses Typen, der übrigens auch mit Leib und Seele Fan ist, kann ich mir die "Frechheit" erlauben, zu sagen, "Leute wie Uli Hoeness sind die Totengräber dieses Fußballs, den es vielleicht nie gegeben hat".
Das meine ich viel weniger negativ, als es klingt.
Fußball ist heute auch und vorallem big business. UH war immer der Vordenker in diesen Dingen.
Als die Bayern anfingen, ihr Wappen auch auf Bettwäsche, Handtücher und Ähnliches zu drucken, und damit das Merchandising zum deutschen Fußball brachten, sagte der damalige Präsident des HSV, Dr. Peter Krohn: "Der HSV hat es nicht nötig, sein Wappen zu verramschen". Kurz danach hat auch der HSV nachgezogen, heute sind daraus ganze Hochglanzkataloge von Fanartikeln geworden.
Dieses kleine Beispiel, zeigt, wie UH und Seinesgleichen, den Fußball verändert haben. Daß sie ihn damit überhaupt am Leben gehalten haben, ist für mich unstrittig, aber sie haben dem Fußball auch etwas genommen...
Etwas, das weder wirklich in Worte zu fassen ist, noch wirklich mit Geld zu bezahlen. Der Fan an sich, wurde spätestens dadurch unwichtiger, als die Einnahmen aus dem Ticketverkauf in der Bilanz ein immer unwichtigerer Posten wurden. Daß man heute in den Logen, den Reichen und Schönen "das Geld aus der Tasche zieht" (Originalzitat UH), ist nur eine konsequente Weiterentwicklung, von Grundlagen, die in den letzten 40 Jahren gelegt wurden.
Den klassischen Fan verlieren sie dadurch nicht, weil sie es auch garnicht könnten... Gut So!
27.07.2011 | 21:50 Uhr
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DieZecke :
Hallo Mr. Floppy, für Außenstehende ein wenig unübersichtlich, aber insgesamt mal ein netter Blick nach Barcelona. Werde im September mal die Stadiontour machen.
27.07.2011 | 22:04 Uhr
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Meike32 :
Toller Blog auf jeden Fall.M.E. ist diese Sache mit den Event-Fans, dem daraus resultierenden Geld und den echten Fans immer mehr zu einer Gratwanderung geworden.
Bis zu einem bestimmten Punkt stört mich das auch nicht. Ich finde es überhaupt nicht schlimm, in einem modernen und überdachten Stadion zu sitzen oder zu stehen.
Ich habe jedoch das Gefühl, dass die Entwicklung langsam bedenkliche Formen annimmt, weil, und da wären wir wieder, die Ticketpreise langsam zu hoch werden. Das gilt aber nicht mal nur für den Fußball.
Ich nehme mal bewusst ein Beispiel abseits vom Fußball. Der Eintritt in einen Zoo kostet eine vierköpfige Familie mit ein paar Pommes und einem Eis für die Kinder gut und gerne 100 EUR. Wie viele Familien können sich das noch leisten?
Und so ist es halt auch beim Fußball. Wo kommen die Zuschauer der Zukunft her, wenn die Väter nicht mehr mit ihren Kindern ins Stadion gehen können, weil es schlicht zu teuer wird?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass einem das Fan-Sein erleichtert wird, wenn man erst nach der Ausbildung Geld hat, mal ein Live-Spiel zu besuchen.
Diese Entwicklung finde ich bedenklich, aber vielleicht hast du ja Recht und sie kehrt sich irgendwann um. Oder wir sitzen irgendwann in der Loge von Barca und es kümmert uns nicht mehr
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