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08.12.2010 um 09:55 Uhr
Weiter als man denkt?
Homosexualität und Fußball, in den Augen vieler Leute passt das irgendwie nicht zusammen.

Tim Wiese beispielweise würde Profis eher abraten, sich zu outen weil die Fans so etwas nicht akzeptieren würden, Michael Ballacks Berater wollte gleich eine ganze "Schwulencombo beim DFB" auffliegen lassen und Christoph Daum hat seine ganze eigenen Ansichten zu diesem Thema.
Einzig Mario Gomez hat in jüngerer zeit verlauten lassen, er sehe kein Problem darin, auch nicht in den Reaktionen der Fans.

Eshkeeya hat uns vor einiger Zeit in seinem sehr bewegenden Blog das Schicksal des Spielers Justin Fashanu geschildert, dem bislang einzigen Fußballer, der sich als Aktiver geoutet hat und der im Jahre 1998 Suizid beging. Er hatte damals den Schritt gewagt und wurde dafür von Fans und Verein fallen gelassen und verstoßen.

Dieses Beispiel könnte daher durchaus dafür sprechen, dass die Welt noch nicht bereit für einen schwulen Fußballer ist.

Was mich dabei beschäftigt hat: Ist es heute, 20 Jahre nach dem Outing von Justin Fashanu immer noch so? Also in der Realität und nicht in der Zeitung?
Sind wirklich die Fans und das Umfeld das Problem?
Immerhin leben wir im Jahre 2010 und Homosexualität begleitet uns heute schon im Alltag, ohne dass jemand groß Anstoß daran nimmt. Unser Außenminister ist schwul, der Berliner Bürgermeister, bekannte Fernsehmoderatoren wie Alfred Biolek oder Hape Kerkeling gehen offen damit um und erfahren dadurch keinerlei Nachteile.
Warum soll es also im Fußball gerade nicht funktionieren?

Schaut man mal über den Tellerrand, dann fällt einem das Beispiel des Rugbyspielers Gareth Thomas ins Auge. Er hatte sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere geoutet, weil er das jahrelange Versteckspiel nicht mehr ausgehalten hat.
Dieser Druck, seine wahren Gefühle immer und immer wieder zu unterdrücken überwog letzten Endes die Angst vor einem Outing, und so wagte er den Schritt nur um festzustellen, dass diese Angst völlig unbegründet war. Denn er erfuhr von Fans und Verein alle nur denkbare Rückendeckung und Unterstützung. Niemand ließ ihn fallen, niemand zeigte mit dem Finger auf ihn.
Aus aller Welt bekam er Briefe von Menschen, denen sein Beispiel Mut gemacht habe.
Keine einzige Beschimpfung.
Das einzige, was seine Teamkollegen zu ihm sagten war: "Ist uns doch egal" und klopften ihm auf den Rücken.
Und Rugby gilt ja nicht gerade als feminine Sportart.
Wenn es also selbst in so einer Welt keine Probleme mit Homosexualität gibt, warum soll es sie dann im Fußball geben?

Werden die Fans, die Öffentlichkeit, vor der der betreffende Sportler Angst hat, sich fürchtet und um derentwillen er die Scharade betreibt völlig falsch eingeschätzt?
Wie sieht es wirklich in der Welt der Fußballfans aus?
Ist man auf den Rängen möglicherweise schon weiter als gedacht und die ganze Angst ist am Ende umsonst?

Um diese Fragen zu beantworten bin ich losgezogen, um ein Bild zu diesem Thema einzufangen
Weit laufen musste ich zum Glück nicht.
Denn gelandet bin ich bei den "Meenzelmännern", dem schwulesbischen Fanclub des FSV Mainz 05.

Richtig gelesen.

Mittlerweile gibt es von vielen Profivereinen auch einen Fanclub, der sich speziell an homosexuelle Fans wendet. Und genau so einer sind die Meenzelmänner.



Mit dem Präsident Markus Delnef konnte ich über Homophobie auf den Rängen, Outings und schwule Fans sprechen.

Bailey: Was hat euch dazu bewogen, die Meenzelmänner zu gründen? Ihr hättet ja auch einem schon bestehenden Fanclub beitreten können…

Markus: Mit der Gründung der Meenzelmänner wollten wir deutlich machen das auch Homosexuelle zum Fußball gehören. Erst durch die Sichtbarkeit von Schwulen und Lesben im Stadion wird klar, das es diese auch gibt! Man hörte ja immer wieder von Funktionären, Trainer, Spieler oder Fans das im Fußball keine Homosexualität existiert. Seit dem es schwul/lesbische Fanclubs gibt hört man das seltener – im Gegenteil es wird teilweise offen angespochen.

Und wie läuft es mit der restlichen Fanszene und den Ultras? Seid ihr dort akzeptiert?

Wir werden in der Mainzer Fanszene voll akzeptiert. Es gibt sehr enge – man kann fast schon sagen freundschaftliche – Kontakte zu Ultras und den Supporters. Auch zu vielen anderen Fanclubs in Mainz herrschen enge Kontakte. Wir Meenzelmänner engagieren uns bei Vorbereitungen zu Choreos und in Fanpolitischen Themen wie Stadionverbote, Kommerzialisierung, Anstoßzeiten etc.

Ist die Situation in Mainz da etwas Besonderes oder vielmehr die Regel?

Was die enge Verbindung mit der Fanszene angeht kann man schon sagen das es in Mainz was besonderes ist. Bei den anderen Vereinen gibt es zwar auch gute Kontakte in die Fanszene von Seiten der schwul/lesbischen Fanclubs. Aber so ausgeprägt und intensiv wie bei uns ist es nicht. Ich bin z.B. auch beim Fanprojekt in Mainz aktiv – und zwar als Stellv. Vorsitzender.

Und wie steht der Verein Mainz 05 zu euch?

Wir haben die volle Rückendeckung von Mainz 05. Mit unserem Fanbeauftragten oder auch der Pressestelle gab es schon viele gemeinsame Aktionen. Unser Stadionsprecher hat anlässlicher einer Aktionswoche gegen Homophobie Stadiondurchsagen zu diesem Thema gemacht. In der Stadionzeitung gab es eine 2 -seitige Vorstellung unseres Clubs. Nur um einige Beispiele zu nennen,

Und ihr habt ein Banner am Zaun hängen!

Richtig! Das Banner wurde übrigens in einer 5-stündigen Malaktion mit unseren Ultras im Fancafe hergestellt!

Wenn du sagst, ihr seid heute hervorragend in die Fanszene eingebunden, war das von Anfang an so oder gab es zuerst Vorbehalte gegen euch?

Am Anfang gab es schon etwas Misstrauen. Nach dem Motto: Jetzt wollen die Schwulen hier auch was eigenes machen. Aber nach den ersten Kontakten war das gegenseitige Misstrauen weg. Durch die Kontakte wurden auch Vorurteile von unserer Seite gegenüber der Fanszene abgebaut. Denn die gab es ja auch

Gab es auch Anfeindungen oder Diskriminierungen?

Anfeindungen haben wir persönlich noch nie in Mainz erfahren. Im Gegenteil: Wenn es mal zu vereinzelten Homophoben Sprüchen kommt wird die Fanszene von sich aus aktiv und schreitet ein. Es gibt eine sehr gute Sensibilisierung innerhalb der Mainzer Fanszene um gegen Diskriminierung vorzugehen.

In Teil 2: Wie kann sich ein Fußballer heute outen?
Aufrufe: 9499 | Kommentare: 4 | Bewertungen: 19 | Erstellt:08.12.2010
ø 9.0
KOMMENTARE
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Bailey
MODERATOR
08.12.2010 | 10:41 Uhr
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Bailey : 
08.12.2010 | 10:41 Uhr
-1
Bailey : 
Kommentare bitte unter Teil 2!
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Tollioli
09.12.2010 | 13:28 Uhr
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Tollioli : 
09.12.2010 | 13:28 Uhr
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Tollioli : 
Ich kann nicht anders ! sry
Das ist wie mit roten Knöpfen
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Bailey
MODERATOR
09.12.2010 | 13:35 Uhr
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Bailey : 
09.12.2010 | 13:35 Uhr
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Bailey : 
Hä?
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Bailey
MODERATOR
09.12.2010 | 13:39 Uhr
0
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Bailey : 
09.12.2010 | 13:39 Uhr
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Bailey : 
Ah, es hat etwas gedauert, aber jetzt ab ichs
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