11.08.2009 um 14:06 Uhr
Von Schulden und Scheinzuständen
2008: Die PL ist dem Untergang geweiht, unrettbar verloren und finanziell am Ende. So könnte man kurz die Nachricht über die angeblich mehr als 3 Milliarden Euro Schulden, die auf England höchster Spielklasse lasten beschreiben.
Die gigantische Schuldenlast schwebe wie ein Damoklesschwert bedrohlich über der Liga, Zahlen in Milliardenhöhe wurden genannt und wer den gramgebeugten Lord Triesman, seines Zeichens Vorsitzender der FA beim Verkünden der Zahlen sah, der zweifelte nicht daran, dass schwierige Zeiten auf das Mutterland des Fußballs zukommen würden.
Mitte 2009: Die Welt dreht sich weiter. Keines der Schreckensszenarien ist eingetroffen, ganz im Gegenteil, der Ruf der Premier League erreicht jetzt selbst den Orient. Sheikh Mansour bin Zayed al Nahyan der mit seiner ADUG Manchester City erwarb nimmt für seinen Klub Kolo Toue, Emmanuel Adebayor (beide Arsenal) sowie den argentinischen Nationalstürmer Carlos Tevez (ManUtd.) unter Vertrag. Dr. Sulaiman al Fahim, der das "Projekt" ManCity einfädelte führt Verhandlungen mit dem FC Portsmouth, eine weitere arabische Investorengruppe steigt beim Viertligisten Notts County ein - mit Sven-Göran Eriksson als Trainer. Auch der achso gebeutelte FC Chelsea kann sich freuen: Roman Abramowitsch, den viele schon am Bettelstab sahen investiert nicht nur in Yuri Zhirkov & Co., nein, er wandelt im Februar 2009 auch die Hälfte seines zinsfreien Darlehens an den Verein in Eigenkapital um, Chelsea wird binnen Sekunden um fast 350 Millionen Pfund reicher. Und weil Geldausgeben so schön ist lässt Abramowitsch sich gleich noch eine weitere Luxusyacht bauen. Finanzkrise? Nicht bei den Blues. Sparkurs? Nicht wirklich.
Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird, das gilt auch für das Thema Schulden im Fußball. Jetzt haben sich einige Funktionäre in Ermangelung des erhofften Zusammenbruchs auf der Insel Real Madrid als neuesetes Ziel ausgeguckt. "Da kommt eher der Gerichstvollzieher als Ribéry" tönt z.B. Bayern-Manager Uli Hoeneß in altbekannter Manier. Mögen sich seine Prophezeiungen über den Untergang der europäischen Großklubs auch immer wieder als falsch erwiesen haben, er wird nicht müde finanziell potentere Vereine mit markigen Sprüchen auf alle Ewigkeit in den Orkus der Bedeutungslosigkeit entschwinden zu sehen. Ein Hoch auf solche Manager.
Ist es Neid, Besserwissertum oder einfach nur nackte Arroganz, ständig meinen zu müssen, andere Vereine mit zumeist gualitativ besserem Kader müssen über kurz oder lang zusammenbrechen? Man weiß es nicht, sicher ist nur: Bevor der Gerichtsvollzieher bei Real kommt wird Christian Lell Weltfußballer.
Allerdings ist es ein Merkmal unserer Zeit, das sich Investoren, Mäzene und Sponsoren wunderbar als Sündenböcke für das eigene sportliche Versagen anbieten. Chelsea, Hoffenheim, ManCity, RB Leipzig - die Liste ist lang und lässt jedem traditionsbewussten Fußballfan der sich noch an die romantischen Zeiten entsinnt, als Spieler für die Ehre auf einem besseren Rübenacker herumsprangen Zornestränen in die Augen fließen. Denn diese Vereine sind Kommerz und Kommerz ist böse. Gut und böse, schwarz und weiß, ein recht einfaches Weltbild, insbesondere da z.B. in England Investoren, private Eigentümer und Mäzene schon seit mehr als hundert Jahren an der Tagesordnung sind und sich bislang niemand daran gestört hat. Aber Kommerz ist ja böse, moderner Fußball sowieso. Gut, dass es da noch die Bundesliga gibt, die fanfreundlich und gegen Kommerz ist und lediglich Stadionnamen an den Meistbietenden verschachert. Eine Allianz
Arena, ein Signal Iduna Park statt der Stamford Bridge oder dem Old Trafford - in England undenkbar. Trotz Abramowitsch, trotz Glazer, trotz der ADUG.
Denn allen Schulden, Scheinschulden, finanziellen Verpflichtungen zum Trotz (die ja im Übrigen durch Gegenwerte ausgeglichen werden, so besitzt z.B. Chelsea ein Stadion in bester Lage Londons an das wertemäßig kein Bundesligaklub rankommt, einen sündhaft teuren Kader und hochmoderne Trainingsanlagen in Cobham), die PL hat Erfolg. Sportlichen Erfolg. Realen Erfolg. Und besser realer Erfolg als irreale Wunschträume über den Zerfall des Rivalen.
Die gigantische Schuldenlast schwebe wie ein Damoklesschwert bedrohlich über der Liga, Zahlen in Milliardenhöhe wurden genannt und wer den gramgebeugten Lord Triesman, seines Zeichens Vorsitzender der FA beim Verkünden der Zahlen sah, der zweifelte nicht daran, dass schwierige Zeiten auf das Mutterland des Fußballs zukommen würden.
Mitte 2009: Die Welt dreht sich weiter. Keines der Schreckensszenarien ist eingetroffen, ganz im Gegenteil, der Ruf der Premier League erreicht jetzt selbst den Orient. Sheikh Mansour bin Zayed al Nahyan der mit seiner ADUG Manchester City erwarb nimmt für seinen Klub Kolo Toue, Emmanuel Adebayor (beide Arsenal) sowie den argentinischen Nationalstürmer Carlos Tevez (ManUtd.) unter Vertrag. Dr. Sulaiman al Fahim, der das "Projekt" ManCity einfädelte führt Verhandlungen mit dem FC Portsmouth, eine weitere arabische Investorengruppe steigt beim Viertligisten Notts County ein - mit Sven-Göran Eriksson als Trainer. Auch der achso gebeutelte FC Chelsea kann sich freuen: Roman Abramowitsch, den viele schon am Bettelstab sahen investiert nicht nur in Yuri Zhirkov & Co., nein, er wandelt im Februar 2009 auch die Hälfte seines zinsfreien Darlehens an den Verein in Eigenkapital um, Chelsea wird binnen Sekunden um fast 350 Millionen Pfund reicher. Und weil Geldausgeben so schön ist lässt Abramowitsch sich gleich noch eine weitere Luxusyacht bauen. Finanzkrise? Nicht bei den Blues. Sparkurs? Nicht wirklich.
Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird, das gilt auch für das Thema Schulden im Fußball. Jetzt haben sich einige Funktionäre in Ermangelung des erhofften Zusammenbruchs auf der Insel Real Madrid als neuesetes Ziel ausgeguckt. "Da kommt eher der Gerichstvollzieher als Ribéry" tönt z.B. Bayern-Manager Uli Hoeneß in altbekannter Manier. Mögen sich seine Prophezeiungen über den Untergang der europäischen Großklubs auch immer wieder als falsch erwiesen haben, er wird nicht müde finanziell potentere Vereine mit markigen Sprüchen auf alle Ewigkeit in den Orkus der Bedeutungslosigkeit entschwinden zu sehen. Ein Hoch auf solche Manager.
Ist es Neid, Besserwissertum oder einfach nur nackte Arroganz, ständig meinen zu müssen, andere Vereine mit zumeist gualitativ besserem Kader müssen über kurz oder lang zusammenbrechen? Man weiß es nicht, sicher ist nur: Bevor der Gerichtsvollzieher bei Real kommt wird Christian Lell Weltfußballer.
Allerdings ist es ein Merkmal unserer Zeit, das sich Investoren, Mäzene und Sponsoren wunderbar als Sündenböcke für das eigene sportliche Versagen anbieten. Chelsea, Hoffenheim, ManCity, RB Leipzig - die Liste ist lang und lässt jedem traditionsbewussten Fußballfan der sich noch an die romantischen Zeiten entsinnt, als Spieler für die Ehre auf einem besseren Rübenacker herumsprangen Zornestränen in die Augen fließen. Denn diese Vereine sind Kommerz und Kommerz ist böse. Gut und böse, schwarz und weiß, ein recht einfaches Weltbild, insbesondere da z.B. in England Investoren, private Eigentümer und Mäzene schon seit mehr als hundert Jahren an der Tagesordnung sind und sich bislang niemand daran gestört hat. Aber Kommerz ist ja böse, moderner Fußball sowieso. Gut, dass es da noch die Bundesliga gibt, die fanfreundlich und gegen Kommerz ist und lediglich Stadionnamen an den Meistbietenden verschachert. Eine Allianz
Arena, ein Signal Iduna Park statt der Stamford Bridge oder dem Old Trafford - in England undenkbar. Trotz Abramowitsch, trotz Glazer, trotz der ADUG.
Denn allen Schulden, Scheinschulden, finanziellen Verpflichtungen zum Trotz (die ja im Übrigen durch Gegenwerte ausgeglichen werden, so besitzt z.B. Chelsea ein Stadion in bester Lage Londons an das wertemäßig kein Bundesligaklub rankommt, einen sündhaft teuren Kader und hochmoderne Trainingsanlagen in Cobham), die PL hat Erfolg. Sportlichen Erfolg. Realen Erfolg. Und besser realer Erfolg als irreale Wunschträume über den Zerfall des Rivalen.
Aufrufe: 3231 | Kommentare: 33 | Bewertungen: 26 | Erstellt:11.08.2009
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KOMMENTARE
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11.08.2009 | 14:35 Uhr
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Syxxer : Top
super geschrieben und sehr lesenswert, wie ich finde! weiter so :)
11.08.2009 | 14:49 Uhr
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xperte84 :
Für die Mühe, die du dir mit dem Blog gemacht hast geb ich mal 7 Pts, obwohl zuviel Ironie. Das wird keinen überzeugen, der die Sache anders sieht als du.Zum Thema: Egal ob die EPL immer noch nicht pleite ist (worauf ich auch nicht wie versessen warte): Es handelt sich bei den "Investoren" der englischen Vereine um eine bisher nicht absehbare Entwicklung, da noch keine Erfahrungswerte im Fußball diesbzgl. (v.a. was die Dimensionen betriffft) vorhanden sind. Aber da in der EPL trotz Unkenntnis darüber das Geld ordentlich verpulvert wird, bin ich lieber zu kritisch als unkritisch was die englischen Verhältnisse heutzutage angeht. Der BVB sollte uns in Deutschland Warnung genug sein was exzessiver Kaufrausch bewirken kann.
Abgesehen davon bin ich gerne Fußballromatiker und erinnere mich noch an die Zeit, bevore die englischen Vereine die fußballerischen Machtverhältnisse mit durcheinandergewirbelt haben. Kaum zu glauben, dass es gerade mal vor 6 Jahren mit Chelsea so richtig los ging...
11.08.2009 | 15:16 Uhr
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cox87 :
ich hab gehört, dass die PL in 5 Jahren aufgelöst wird, es folgt anschließend Real und die Seria aDanah ist der deutschen Frauenfußball wieder Spitze
11.08.2009 | 15:24 Uhr
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oliver : ...
@cox. glaub ich nicht. die deutschen klubs würden im finale der champions und europa league ja regelmäßig gegen donezk und st. petersburg versagen.
11.08.2009 | 15:58 Uhr
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Van_Bommel_Fan : Abwarten
Vielleicht sollte man aber auch einfach mal abwarten. Was passiert denn mit Chelsea, wenn Abramowitsch keine Lust mehr hat?
11.08.2009 | 16:12 Uhr
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10 punkte, hat mir gut gefallen !
11.08.2009 | 16:47 Uhr
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Deswegen sage ich auch immer, die Leute, die die BuLi im kommen sehen, spinnen. Die Liga ist zwar mordsmässig attraktiv, aber die Hohlköpfe wie Hoeneß und die alten Säcke, die die Lizenzierungsverfahren et all kontrollieren, machen jedes Potential zunichte.
Super Blog. xperte84 hat aber Recht, das überzeugt leider keinen, auch wegen deinem Argumentationsstil. Aber dass muss es mMn garnicht.
Kippt man das 50+1 und lässt den Sport kommerzieller werden, ist die Bundesliga nächstes Jahr schon die Nummer eins.
11.08.2009 | 16:48 Uhr
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olrem :
ich bin auch eher der Freund von gesundem Wirtschaften und nicht von Investoren die nicht wissen wohn mit ganz Geld.Ich finde auch das die Bundesliga so ihren ganz eigen Reitz behält.
Und das die Vereine mehr Geld ausgeben als sie erwirtschaften ist halt eine Art wettbewerbsverzerrung
11.08.2009 | 16:57 Uhr
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Man muss eben von dem Bild wegkommen, dass Investoren ihr Geld einfach nur ausgeben wollen. Herr Roman Abramovic will, dass Chelsea, sobald es sich definitiv an der Weltspitze etabliert hat, so wie Barca oder ManUtd, irgendwann auch Gewinne sehen. So wie der Herr Glazier das bei ManUdt gerade macht. Oder die ganzen Spaten, die hinter Barcelona sitzen. Selbst Mäzene wie Hopp, der im Vergleich ja Peanuts investiert, wird wollen, dass Hoffenheim auf lange Sicht für ihn (als Hauptaktionär/ "Besitzer") Gewinne abwirft und für seine Firma SAP gute Werbung macht.
Und mann-o- mann, würden sich die Investoren nach Bayern oder Bremen die Finger lecken...
11.08.2009 | 17:30 Uhr
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Zum Thema fällt mir folgendes ein: Es ist ja auf der einen Seite klar, dass die Vereine Schulden haben. Das Geld das die Investoren reinpumpen baut diese Schulden nicht ab, sondern sorgt dafür, dass der Verein liquide bleibt. Denn Spielergehälter, Fussballanlagen, Trainingszentren, usw. kosten nunmal Geld und dies wird mit den Investitionen abgedeckt, und nicht die Schulden abgezahlt

Das verhält sich so ähnlich wie mit dem deutschen Staat. Dort werden Steuergelder auch dazu verwendet um einfach liquide zu bleiben und die Schulden verringern sich ja auch nicht ( sie erhöhen sich teilweiße sogar)
Aber dies kann ja beliebig weit gehen, da es keine wirklichen Regeln gibt ( jaja die 60% Marke des BIP's wird auch nicht immer eingehalten und der Neuverschuldungsmodus auch nicht )
Und genauso verhält es sich mit dem Fussball in England und Spanien im Moment. Die Vereine werden niemals bankrott gehen oder in der Versenkung verschwinden, da es immer wieder Investoren geben wird

Achja von mir gibt es 8 Punkte für deinen Blog, mach weiter so
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