28.04.2011 um 13:02 Uhr
Verlierer verlieren am Ende
Was macht Schalke 04 zum Loser-Verein? Warum versagt eine Schalker Mannschaft fast schon atemberaubend zuverlässig kurz vor dem Gipfel? Am vergangenen Dienstag gab es Anschauungsunterricht.
Veltins-Arena, Spielstand 0:2 gegen Manchester: Die Fans feiern ihre Mannschaft und sich selbst für das Erreichen des Halbfinales in der Champions League. Es ist der größte sportliche wie finanzielle Erfolg der Vereinsgeschichte. Die Atmosphäre ist beeindruckend. Gänsepelle. Dass diese Schalker Mannschaft gegen einen Giganten wie Manchester United verliert, kann man ihr an sich kaum zum Vorwurf machen. Wie sie verloren hat allerdings schon. Im Gegensatz zu den Spielen gegen die bereits höher gewetteten Gegner wie Lyon, Valencia oder Inter haben die Spieler am Dienstag schon nach zehn Minuten jede Überzeugung aufgebraucht, zu Recht im Halbfinale zu stehen – wenn sie diese jemals hatten. Sie sehen aus wie David neben Goliath. Im Gegensatz zum biblischen Helden haben sie indes nicht den geringsten Glauben daran, Rooney und Co. zumindest ins Wanken bringen zu können.
Das Erreichte mag noch so großartig sein. Und doch ist das Szenario nichts anderes als die typische Verlierermetapher. Anstatt die Mannschaft zu pushen, sie nach vorne zu peitschen, um die Minimalchance durch ein 1:2 oder gar 2:2 am Leben zu halten, zeigt die Schalker Familie einmal mehr, dass dem Verein wichtige Merkmale wirklich erfolgreicher Vereine fehlen: Immer weitermachen, immer glauben an die eigene Stärke und dass das Spiel erst mit dem Schlusspfiff vorbei ist.
Warum ist dieser zweitgrößte deutsche Fußballverein so wenig überzeugt von sich selbst? Warum sind bereits unzählige Spieler zuvor unfähig gewesen, bis zur letzten Sekunde alles abzurufen? Woher kommt die einer Selbstkasteiung gleichende Gewöhnung daran, gedemütigt zu werden? Und warum feiern die Fans eine Niederlage, anstatt bis zuletzt alles für den Erfolg zu geben? Das Erreichte würdigen oder die Mannschaft huldigen können sie schließlich auch noch nach dem Schlusspfiff oder wenn in Manchester die letzte theoretische Chance verpufft ist. Zwei Pokalsiege stehen seit 1997 zu Buche. Der dritte Pokalsieg steht bevor, wenn alles normal läuft. UEFA-Cup-Sieg 1997, einige Champions-League-Teilnahmen und das diesjährige Halbfinale sind unbestreitbare Erfolge, die nach Abstürzen in die Zweitklassigkeit und wirtschaftlichen Amokläufen gar nicht so verdächtig sind, ein Loser-Image zu begründen.
Sind es also nur diese 53 Jahre ohne Meisterschaft. Ist es eine Psychose, die daraus entstanden ist, in der Bundesliga noch nicht den großen Wurf geschafft zu haben und die gleichermaßen Verantwortliche, Spieler und Fans befällt? Fakt ist: Trotz Manchester und dessen beeindruckenden Leistung gelang es auch dieser Mannschaft der Saison 2010/2011 im entscheidenden Moment nicht, das Allerbeste aus sich herauszuholen. Und das Umfeld? Das macht bereitwillig und selbstbetrügerisch mit. Auf Schalke gehört so was zum guten Ton. Es steht fast schon zu befürchten, dass der Verein in eine tiefe Sinnkrise verfällt, wenn doch mal überraschend der große Wurf gelingt.
Lieber geil als erfolgreich. So ist Schalke. Emotionen, Stolz, Identifikation, Rührseligkeit. Kann es für einen Verein dieser Größe und mit diesem Potenzial keine Alternative geben, die heißt "Geil und erfolgreich"? Über die Tradition, die Fanmassen und deren Emotionalität wird der Anspruch definiert, eigentlich ein Gewinner sein zu müssen. Gelebt wird dieser Anspruch nicht. Von wenigen Sternstunden abgesehen schon seit genau 53 Jahren nicht mehr. Schalke hat das Verlierer-Gen. Und dafür gibt es Gründe.
Es mangelt bereits an einer nachhaltigen Philosophie, die von der Spielweise bis zum Verhaltenskodex die Identität des Vereins wiederspiegelt und die den Grundcharakter des Vereins unabhängig von Personen ausmacht. Es fehlen Kreativität und Mut, aus den oft verheerenden Denkmustern der Vergangenheit auszubrechen und noch mehr daran, sich intern und extern selbstbewusst auf einen Weg zu machen, der Erfolge nur als Raststätten aufzeigt anstatt als Endziel. Der Turbokommerzialisierung wird kein individuelles Konzept entgegengehalten, das die Tradition des Vereins, seine Identität sowie seine Alleinstellungsmerkmale nutzt und Schalke auch als Marke so erfolgreich positioniert, wie die Potenziale es hergeben müssen. Die alte Leier: Potenzial ist gar nichts, wenn man es nicht nutzt..
Von Fanseite wurde ein solches Strategie-Papier unlängst vorgelegt, doch die Vereinsführung belässt es bei der ihr seit Jahrzehnten eigenen Alibi-Zustimmung, um am Ende entgegen allen Lippenbekenntnissen doch wieder strategielos und Golom-gleich der Meisterschaft hinterherzujagen. Wo soll der Verein in zehn oder 15 Jahren stehen? Langfristigkeit und Nachhaltigkeit sind eher störende Faktoren, wenn man seine Amtszeit dazu nutzen muss, sich als Macher der Meisterschaft ein Denkmal zu setzen.
Es ist geradezu aberwitzig, ein Champions-League-Halbfinale beim Stand von 0:2 nach 80 von 180 Minuten abzuschenken und sich dafür zu feiern, mal dabei gewesen zu sein. Wie wurde Deutschland 1954 trotz Rückstand gegen einen übermächtigen Gegner noch Weltmeister? Wie schaffte Liverpool gegen Milan das Wunder? Wie konnte ManU den Bayern den Seig entreißen? Wie sich Mannschaft und Fans am Dienstag präsentierten, wären diese Dinge wohl nie passiert. Verlierer verlieren eben meistens am Schluss.
Veltins-Arena, Spielstand 0:2 gegen Manchester: Die Fans feiern ihre Mannschaft und sich selbst für das Erreichen des Halbfinales in der Champions League. Es ist der größte sportliche wie finanzielle Erfolg der Vereinsgeschichte. Die Atmosphäre ist beeindruckend. Gänsepelle. Dass diese Schalker Mannschaft gegen einen Giganten wie Manchester United verliert, kann man ihr an sich kaum zum Vorwurf machen. Wie sie verloren hat allerdings schon. Im Gegensatz zu den Spielen gegen die bereits höher gewetteten Gegner wie Lyon, Valencia oder Inter haben die Spieler am Dienstag schon nach zehn Minuten jede Überzeugung aufgebraucht, zu Recht im Halbfinale zu stehen – wenn sie diese jemals hatten. Sie sehen aus wie David neben Goliath. Im Gegensatz zum biblischen Helden haben sie indes nicht den geringsten Glauben daran, Rooney und Co. zumindest ins Wanken bringen zu können.
Das Erreichte mag noch so großartig sein. Und doch ist das Szenario nichts anderes als die typische Verlierermetapher. Anstatt die Mannschaft zu pushen, sie nach vorne zu peitschen, um die Minimalchance durch ein 1:2 oder gar 2:2 am Leben zu halten, zeigt die Schalker Familie einmal mehr, dass dem Verein wichtige Merkmale wirklich erfolgreicher Vereine fehlen: Immer weitermachen, immer glauben an die eigene Stärke und dass das Spiel erst mit dem Schlusspfiff vorbei ist.
Warum ist dieser zweitgrößte deutsche Fußballverein so wenig überzeugt von sich selbst? Warum sind bereits unzählige Spieler zuvor unfähig gewesen, bis zur letzten Sekunde alles abzurufen? Woher kommt die einer Selbstkasteiung gleichende Gewöhnung daran, gedemütigt zu werden? Und warum feiern die Fans eine Niederlage, anstatt bis zuletzt alles für den Erfolg zu geben? Das Erreichte würdigen oder die Mannschaft huldigen können sie schließlich auch noch nach dem Schlusspfiff oder wenn in Manchester die letzte theoretische Chance verpufft ist. Zwei Pokalsiege stehen seit 1997 zu Buche. Der dritte Pokalsieg steht bevor, wenn alles normal läuft. UEFA-Cup-Sieg 1997, einige Champions-League-Teilnahmen und das diesjährige Halbfinale sind unbestreitbare Erfolge, die nach Abstürzen in die Zweitklassigkeit und wirtschaftlichen Amokläufen gar nicht so verdächtig sind, ein Loser-Image zu begründen.
Sind es also nur diese 53 Jahre ohne Meisterschaft. Ist es eine Psychose, die daraus entstanden ist, in der Bundesliga noch nicht den großen Wurf geschafft zu haben und die gleichermaßen Verantwortliche, Spieler und Fans befällt? Fakt ist: Trotz Manchester und dessen beeindruckenden Leistung gelang es auch dieser Mannschaft der Saison 2010/2011 im entscheidenden Moment nicht, das Allerbeste aus sich herauszuholen. Und das Umfeld? Das macht bereitwillig und selbstbetrügerisch mit. Auf Schalke gehört so was zum guten Ton. Es steht fast schon zu befürchten, dass der Verein in eine tiefe Sinnkrise verfällt, wenn doch mal überraschend der große Wurf gelingt.
Lieber geil als erfolgreich. So ist Schalke. Emotionen, Stolz, Identifikation, Rührseligkeit. Kann es für einen Verein dieser Größe und mit diesem Potenzial keine Alternative geben, die heißt "Geil und erfolgreich"? Über die Tradition, die Fanmassen und deren Emotionalität wird der Anspruch definiert, eigentlich ein Gewinner sein zu müssen. Gelebt wird dieser Anspruch nicht. Von wenigen Sternstunden abgesehen schon seit genau 53 Jahren nicht mehr. Schalke hat das Verlierer-Gen. Und dafür gibt es Gründe.
Es mangelt bereits an einer nachhaltigen Philosophie, die von der Spielweise bis zum Verhaltenskodex die Identität des Vereins wiederspiegelt und die den Grundcharakter des Vereins unabhängig von Personen ausmacht. Es fehlen Kreativität und Mut, aus den oft verheerenden Denkmustern der Vergangenheit auszubrechen und noch mehr daran, sich intern und extern selbstbewusst auf einen Weg zu machen, der Erfolge nur als Raststätten aufzeigt anstatt als Endziel. Der Turbokommerzialisierung wird kein individuelles Konzept entgegengehalten, das die Tradition des Vereins, seine Identität sowie seine Alleinstellungsmerkmale nutzt und Schalke auch als Marke so erfolgreich positioniert, wie die Potenziale es hergeben müssen. Die alte Leier: Potenzial ist gar nichts, wenn man es nicht nutzt..
Von Fanseite wurde ein solches Strategie-Papier unlängst vorgelegt, doch die Vereinsführung belässt es bei der ihr seit Jahrzehnten eigenen Alibi-Zustimmung, um am Ende entgegen allen Lippenbekenntnissen doch wieder strategielos und Golom-gleich der Meisterschaft hinterherzujagen. Wo soll der Verein in zehn oder 15 Jahren stehen? Langfristigkeit und Nachhaltigkeit sind eher störende Faktoren, wenn man seine Amtszeit dazu nutzen muss, sich als Macher der Meisterschaft ein Denkmal zu setzen.
Es ist geradezu aberwitzig, ein Champions-League-Halbfinale beim Stand von 0:2 nach 80 von 180 Minuten abzuschenken und sich dafür zu feiern, mal dabei gewesen zu sein. Wie wurde Deutschland 1954 trotz Rückstand gegen einen übermächtigen Gegner noch Weltmeister? Wie schaffte Liverpool gegen Milan das Wunder? Wie konnte ManU den Bayern den Seig entreißen? Wie sich Mannschaft und Fans am Dienstag präsentierten, wären diese Dinge wohl nie passiert. Verlierer verlieren eben meistens am Schluss.
Aufrufe: 2799 | Kommentare: 9 | Bewertungen: 10 | Erstellt:28.04.2011
ø 6.1
KOMMENTARE
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29.04.2011 | 16:01 Uhr
+5
-1
Rodnox :
Das schlimme ist, der Mann hat recht ....
29.04.2011 | 16:15 Uhr
+1
-1
Einerseits faszinierend, andererseits eben, wie du völlig richtig schreibst, auch eine gewisse Zufriedenheit ohne Titel. Ist wirklich ein merkwürdiges Phänomen. Vielleicht müssen einfach mehr "Siegertypen" in die Mannschaft, die immer gewinnen wollen (wie Raul z.B.), und dabei auch mal verbissen werden, schwer zu sagen...
29.04.2011 | 18:39 Uhr
+2
0
DerDugen :
ich halte die analyse für übertrieben, analogien zur herzmeisterschaft zu ziehen, finde ich relativ willkürlich; der grund für die niederlage dienstag war offensichtlich die nervosität und der zu hohe respekt vor manu.dass die fans am ende trotz niederlage feiern, hat mit einer verlierermentalität oder ähnlichem nichts zu tun.
wer einmal fussball gespielt hat, weiß doch ganz genau, dass diese einfachen phrasen "man hätte sich den a. aufreißen müssen" oder ähnliches zu simple sind. so einfach ist es eben nicht.
29.04.2011 | 19:04 Uhr
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Dr_D :
Es ist zwar in Teilen richtig was du schreibst, aber die Fanreaktionen am Dienstag waren für mich komplett richtig. Man hat schnell gemerkt, dass nur ein großes Wunder eine Niederlage gegen Manchester verhindern kann.In deren Mannschaft steckt nämlich nicht nur das wissen wie man gewinnt, sondern auch eine große Klasse.
Diese Klasse hat die Mannschaft von Schalke nicht. Es ist ihr trotzdem hoch anzurechnen, dass sie es bis ins HF der CL geschafft hat und genau das haben die Fans honoriert.
Wenn ManUnited nicht nach dem 0:2 fast aufgehört hat zu spielen, wäre das ganze noch schlimmer ausgegangen.
Zur Philosophie: Was soll das sein? Erfolg als Philosophie, so wie bei Bayern? Oder komplett auf die Jugend setzen?
Philosophie hört sich immer so toll an, nur an Umsetzungen oder erstmal praktikabelen Ideen hapert es meist schon.
Ich hoffe, dass die Mannschaft im Old Trafford am Geburtstag des Clubs besser auftreten kann als im Hinspiel. Was dann dabei rauskommt, weiß man wie immer im Sport nicht.
29.04.2011 | 19:35 Uhr
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Den Spielern fehlenden Willen vorzuwerfen, finde ich auch nur bedingt richtig. Denn warum sind diese denn so schnell zufrieden? Liegt es am Geld? An mangelnder Courage? Es gibt sicherlich viele Gründe. Man sollte daran arbeiten, dem einen oder anderen Unterstützung zu geben. Ich kann nicht von einem 20-jährigen Abiturienten erwarten, das er voller Selbstbewusstsein rausschreit: "Nächstes Jahr wird der FC Schalke 04 Meister".
Momentan erfreue ich mich an dem CL-Verlauf der Saison auf den Pokalebenen und das werde ich mir sicherlich nicht nehmen lassen.
Es gibt Aussagen damit hast Du sicherlich recht, doch was bleiben denn im Moment für Alternativen? Neuer geht, Raul ist leider 3 Jahre zu alt, Farfan ist einer der es kann, doch was kommt danach?? Höwedes klar, Uchida auch ok, Draxler zu jung, Baumi (noch) zu unbeständig, Escudero muss mehr spielen. Leider sehe ich da wenig Potential. Nicht ausser Acht lassen sollte man unsere finanzielle Situation, traurig aber wahr.
Mein Vorschlag: Finanziell erstmal wieder auf die Füße kommen und dann weitersehen.
Dienstagabend hat man folgendes gesehen: "It's a long way to the Top...." Lied von AC/DC.
In diesem Sinne
Blauweisse Grüße
30.04.2011 | 22:20 Uhr
+2
0
Anderson8 : ..
Was macht Schalke 04 zum Loser-Verein?die tatsache das der verein nach außen in jede saison mit dem ANSPRUCH geht meister zu werden egal wie scheiße die vorsaison ist oder wie schwach der kader ist
achja und
"Der dritte Pokalsieg steht bevor, "
und wegen solcher herangehensweise natürlich auch noch ^^
01.05.2011 | 11:26 Uhr
+2
0
01.05.2011 | 12:25 Uhr
+2
0
Als man ihn geholt hatte, wusste man ja wíe er arbeitet, aber auch, dass diese Art Titel einbringen kann. Ich denke man hätte ihm einfach noch etwas Zeit geben sollen und noch paar Titel-hungrige Spieler holen sollen.
Stattdessen sieht man sich schon als Pokalsieger und erwartet natürlich nächstes Jahr mal wieder von einem neuen Trainer die Meisterschaft...etwas unrealistisch meiner Meinung nach und zu arrogant...
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