05.Dezember 2008
04.10.2007 um 14:27 Uhr
Tour de Englische Woche
Einfache Kiste: wenn die Bundesliga in die englische Woche geht, dann kommt dieser gewisse Inselrhythmus zwangsläufig auch bei denen auf, die darüber berichten. Jetzt sind die Spieltage 7 bis 9 in trocknen Tüchern, alle Moderationen im Kasten, der Moderator in den Seilen - und ein paar ungeordnete Eindrücke für euch hier auf SPOX.com:
Los geht's in München, Spiel eins von acht in elf Tagen, mein einziges Heimspiel - und das "Spiel des Lebens" für Pauli-Kapitän Fabio Morena. In fast allen Zeitungen habe ich dieses Zitat gelesen. Und in dem Moment, wo die Kiez-Kicker zum Einlaufen einlaufen, glaube ich ihm aufs Wort. Ich stehe nämlich genau neben dem Spielerausgang der Allianz-Arena und schaue ihm auf die Füße: Kapitän Fabio läuft nicht, er stolpert ein. Weil viel zu schnell, viel zu begeistert von der Allianz-Arena, viel zu voll mit Adrenalin. Akute Bänderrissgefahr bei der letzten Stufe, er kommt ins Straucheln, kann sich grad noch halten und ist endlich auf dem Platz seines Lebens. Und mit was für einem kindlichen Weihnachtsbaumgrinsen. Geschafft, I was here! übrigens nix Teamgedanke beim Warm-Up. So schnell wie der seinen Kollegen wegläuft, gibt's die ersten Meter Grüppchenbildung in Reinform, denn da kommt kein andrer mit.
So sah mein Platz auf St. Pauli übrigens aus.
Platzwechsel, ein Tag später, Lausitz, Cottbus-Wolfsburg. Und da treffe ich jemanden, der an dem Tag ganz bestimmt nicht das Fabio-Morena-Ich-Will-Auf-Den-Platz-Fieber hat: Präsident Ulrich Lepsch. Er bleibt beim Interview vorm Spiel lieber in den sicheren Katakomben, unsichtbar für und geschützt vor den aufgebrachten Fans. Ganz Deutschland weiß um die Ausgangslage bei diesem Sander-Endspiel, anscheinend nur der Präsident nicht. Gegenseitige Begrüßung, dann der Kommentar vorab: "Ich komme grad von Petrik Sander, wir haben uns darauf geeinigt, nichts zu sagen." Meine Lieblingsausgangslage für ein Interview…
Mit Petrik Sander stehe ich nach dem Spiel direkt vor der Cottbusser "Nordwand", sein letztes Premiere-Interview als Energie-Trainer. Ein Mix aus Abschied, Analyse, Gefühlen, sein eigenes Wort nicht verstehen, Emotionen, Rückschau. - Für Sander geht's in der englischen Woche weiter nach Zypern in die Sonne, für mich nach Koblenz zum Effzeh.
Trainergespräch im Stadion Oberwerth, gemeinsam mit Uwe Rapolder und Christoph Daum am Premiere-Tisch. Sehr interessant die off-air-Gespräche der beiden und ihr Verhältnis untereinander:
Begrüßung, Daum: "Uwe, schön dich zu sehen!" Kuss auf Rapolders überraschte Wangen. "Komm, Christoph, du willst mich doch vor dem Interview nur einlullen…" Nach dem Interview, beim Ablegen der Kopfhörer flüstert mir Rapolder plötzlich zu: "Sehr gut, wie Sie ihm bei der Sache mit der schlagkräftigen Truppe noch gekontert haben." "Danke!"
Dann wieder die beiden unter sich: "Jetz sach aber mal ehrlich, Uwe, was machst du eigentlich hier in Koblenz…?"
Was auch immer, Uwe bleibt nach dem Spiel in der Stadt, Christoph fährt nach Köln und für mich geht's zurück nach München: ein Tag Stadion-frei, dafür Redaktionskonferenz und Hemden waschen. Und am Dienstag auf nach Hamburg, zum ersten Mal auf St. Pauli.
Die Baustelle Millerntor ist großartig und der provisorische Fieldreporterplatz zwischen Baustelle, Plexiglas-Spielertunnel und Fanzaun ein Unikat. (Beweisfoto gibt's in die Galerie). Die eine oder andere Betonfuhre wird da auch noch schön während des Spiels bewegt. Beim Einlaufen hauen die Kiezkicker dann erst mal volle Kraft voraus gegen die Plexiglasscheibe, 11 Fäuste auf einmal! Da kann einem schon mal der Stift aus der Hand fliegen, wenn man nicht vorbereitet ist. Und als der Kick gewisse Längen hat, langweilen sich auch die Hardcorefans ein bisschen und kümmern sich um mich, den Nachbarn mit dem roten Miko. Von "Du kriegst gleich Bier und nen Pyro auf´n Kopp" bis "Ey, was soll das denn jetzt? Der Typ ist ok, wir quatschen doch ganz locker, der weiß, wie wir das meinen", als ein paar Ordner etwas übervorsichtig für Sicherheit sorgen wollen, reicht das Spektrum. Großes Kino!
Das gibt's auch immer wieder neu an der Seite(nlinie) von Uwe Rapolder, einen Tag drauf erneut in Koblenz. Was der Mann so während eines Spiels in welchen Tönen von sich gibt, ist schon beeindruckend. Aber leider nicht alles druckreif, deshalb einfach weiter im Text und ab nach Mainz, das spieltägliche Topspiel gegen die Löwen.
1 A-Stimmung am ausverkauften Bruchweg, trotz Regen und gefühlten 4,5-Grad. Da hilft nur, sich warme Gedanken machen und vorm Spiel mit Jürgen Klopp im Interview über das Duschen mit den Spielern zu sprechen. Rein fachlich, natürlich. Leider gibt's mitten im Gespräch ein Tonproblem, also noch mal das Ganze. Und wenn einer das ohne mit der Wimper zu zucken locker durchzieht, dann Kloppo. Die Fragen natürlich wie gehabt, aber diesmal ohne das Duschthema. Doch irgendwie muss ihm das bei der ersten Version so gut gefallen haben, dass er das Ganze bei Version zwei direkt von sich aus anspricht. Na, dann, Wasser marsch.
über Fürth-Jena am Sonntag geht's zum Abschluss der 11-Tage-8-Spiele-Woche am Montag noch mal auf den Bieberer Berg zu den Kickers gegen Lautern. FCK-Vorstandsvorsitzender Erwin Göbel muss sich im Live-Interview in der Halbzeit harte Kritik der Ex-Pfälzer Stefan Kuntz und Axel Roos gefallen lassen. Als ich ihn um einen Kommentar dazu bitte, verweist Göbel auf ein Rauschen in seinem Ohr. Hmmm, eigentlich war alles rauschfrei, zunächst hat er ja gut verstanden. Und obendrauf gab´s sogar noch einen Kopfhörertausch. Trotzdem nicht besser. Sagt er - verneinen die Techniker. Also die Kritik selber noch mal kurz zusammengefasst, doch dazu kein Kommentar. "Hier findet ein Fußballspiel statt. Reden wir darüber, alles andere gehört heute hier nicht hin." Auch mehrmaliges Nachhaken führt nicht weiter. Schade, gerade in der aktuellen FCK-Krise. Aber zumindest löst Vorstand Göbel das Tonproblem noch selber. Indem er einem vermeintlichen Gerücht, das kurz vor dem Interview thematisiert wurde, den Wahrheitsgehalt abspricht. "übrigens, die Sache stimmt nicht..." ähhhh, wie war das noch mal mit dem Rauschen und dem Nichts hören?
Wie auch immer, nicht die feine englische Art. Aber eine feine englische Woche!
Los geht's in München, Spiel eins von acht in elf Tagen, mein einziges Heimspiel - und das "Spiel des Lebens" für Pauli-Kapitän Fabio Morena. In fast allen Zeitungen habe ich dieses Zitat gelesen. Und in dem Moment, wo die Kiez-Kicker zum Einlaufen einlaufen, glaube ich ihm aufs Wort. Ich stehe nämlich genau neben dem Spielerausgang der Allianz-Arena und schaue ihm auf die Füße: Kapitän Fabio läuft nicht, er stolpert ein. Weil viel zu schnell, viel zu begeistert von der Allianz-Arena, viel zu voll mit Adrenalin. Akute Bänderrissgefahr bei der letzten Stufe, er kommt ins Straucheln, kann sich grad noch halten und ist endlich auf dem Platz seines Lebens. Und mit was für einem kindlichen Weihnachtsbaumgrinsen. Geschafft, I was here! übrigens nix Teamgedanke beim Warm-Up. So schnell wie der seinen Kollegen wegläuft, gibt's die ersten Meter Grüppchenbildung in Reinform, denn da kommt kein andrer mit.
So sah mein Platz auf St. Pauli übrigens aus.
Platzwechsel, ein Tag später, Lausitz, Cottbus-Wolfsburg. Und da treffe ich jemanden, der an dem Tag ganz bestimmt nicht das Fabio-Morena-Ich-Will-Auf-Den-Platz-Fieber hat: Präsident Ulrich Lepsch. Er bleibt beim Interview vorm Spiel lieber in den sicheren Katakomben, unsichtbar für und geschützt vor den aufgebrachten Fans. Ganz Deutschland weiß um die Ausgangslage bei diesem Sander-Endspiel, anscheinend nur der Präsident nicht. Gegenseitige Begrüßung, dann der Kommentar vorab: "Ich komme grad von Petrik Sander, wir haben uns darauf geeinigt, nichts zu sagen." Meine Lieblingsausgangslage für ein Interview…
Mit Petrik Sander stehe ich nach dem Spiel direkt vor der Cottbusser "Nordwand", sein letztes Premiere-Interview als Energie-Trainer. Ein Mix aus Abschied, Analyse, Gefühlen, sein eigenes Wort nicht verstehen, Emotionen, Rückschau. - Für Sander geht's in der englischen Woche weiter nach Zypern in die Sonne, für mich nach Koblenz zum Effzeh.
Trainergespräch im Stadion Oberwerth, gemeinsam mit Uwe Rapolder und Christoph Daum am Premiere-Tisch. Sehr interessant die off-air-Gespräche der beiden und ihr Verhältnis untereinander:
Begrüßung, Daum: "Uwe, schön dich zu sehen!" Kuss auf Rapolders überraschte Wangen. "Komm, Christoph, du willst mich doch vor dem Interview nur einlullen…" Nach dem Interview, beim Ablegen der Kopfhörer flüstert mir Rapolder plötzlich zu: "Sehr gut, wie Sie ihm bei der Sache mit der schlagkräftigen Truppe noch gekontert haben." "Danke!"
Dann wieder die beiden unter sich: "Jetz sach aber mal ehrlich, Uwe, was machst du eigentlich hier in Koblenz…?"
Was auch immer, Uwe bleibt nach dem Spiel in der Stadt, Christoph fährt nach Köln und für mich geht's zurück nach München: ein Tag Stadion-frei, dafür Redaktionskonferenz und Hemden waschen. Und am Dienstag auf nach Hamburg, zum ersten Mal auf St. Pauli.
Die Baustelle Millerntor ist großartig und der provisorische Fieldreporterplatz zwischen Baustelle, Plexiglas-Spielertunnel und Fanzaun ein Unikat. (Beweisfoto gibt's in die Galerie). Die eine oder andere Betonfuhre wird da auch noch schön während des Spiels bewegt. Beim Einlaufen hauen die Kiezkicker dann erst mal volle Kraft voraus gegen die Plexiglasscheibe, 11 Fäuste auf einmal! Da kann einem schon mal der Stift aus der Hand fliegen, wenn man nicht vorbereitet ist. Und als der Kick gewisse Längen hat, langweilen sich auch die Hardcorefans ein bisschen und kümmern sich um mich, den Nachbarn mit dem roten Miko. Von "Du kriegst gleich Bier und nen Pyro auf´n Kopp" bis "Ey, was soll das denn jetzt? Der Typ ist ok, wir quatschen doch ganz locker, der weiß, wie wir das meinen", als ein paar Ordner etwas übervorsichtig für Sicherheit sorgen wollen, reicht das Spektrum. Großes Kino!
Das gibt's auch immer wieder neu an der Seite(nlinie) von Uwe Rapolder, einen Tag drauf erneut in Koblenz. Was der Mann so während eines Spiels in welchen Tönen von sich gibt, ist schon beeindruckend. Aber leider nicht alles druckreif, deshalb einfach weiter im Text und ab nach Mainz, das spieltägliche Topspiel gegen die Löwen.
1 A-Stimmung am ausverkauften Bruchweg, trotz Regen und gefühlten 4,5-Grad. Da hilft nur, sich warme Gedanken machen und vorm Spiel mit Jürgen Klopp im Interview über das Duschen mit den Spielern zu sprechen. Rein fachlich, natürlich. Leider gibt's mitten im Gespräch ein Tonproblem, also noch mal das Ganze. Und wenn einer das ohne mit der Wimper zu zucken locker durchzieht, dann Kloppo. Die Fragen natürlich wie gehabt, aber diesmal ohne das Duschthema. Doch irgendwie muss ihm das bei der ersten Version so gut gefallen haben, dass er das Ganze bei Version zwei direkt von sich aus anspricht. Na, dann, Wasser marsch.
über Fürth-Jena am Sonntag geht's zum Abschluss der 11-Tage-8-Spiele-Woche am Montag noch mal auf den Bieberer Berg zu den Kickers gegen Lautern. FCK-Vorstandsvorsitzender Erwin Göbel muss sich im Live-Interview in der Halbzeit harte Kritik der Ex-Pfälzer Stefan Kuntz und Axel Roos gefallen lassen. Als ich ihn um einen Kommentar dazu bitte, verweist Göbel auf ein Rauschen in seinem Ohr. Hmmm, eigentlich war alles rauschfrei, zunächst hat er ja gut verstanden. Und obendrauf gab´s sogar noch einen Kopfhörertausch. Trotzdem nicht besser. Sagt er - verneinen die Techniker. Also die Kritik selber noch mal kurz zusammengefasst, doch dazu kein Kommentar. "Hier findet ein Fußballspiel statt. Reden wir darüber, alles andere gehört heute hier nicht hin." Auch mehrmaliges Nachhaken führt nicht weiter. Schade, gerade in der aktuellen FCK-Krise. Aber zumindest löst Vorstand Göbel das Tonproblem noch selber. Indem er einem vermeintlichen Gerücht, das kurz vor dem Interview thematisiert wurde, den Wahrheitsgehalt abspricht. "übrigens, die Sache stimmt nicht..." ähhhh, wie war das noch mal mit dem Rauschen und dem Nichts hören?
Wie auch immer, nicht die feine englische Art. Aber eine feine englische Woche!
Aufrufe: 1142 | Kommentare: 5 | Bewertungen: 13 | Erstellt:04.10.2007
ø 9.4
NEUESTE KOMMENTARE KOMMENTIEREN
10.10.2007 | 17:44 Uhr
TimNiedernolte : Merci:)
Das freut den Autor, vielen Dank! Und gleichzeitig beste Motivation für Nachschub. Werde mit offenen Augen füs nächste Blog durch die nächsten Stadien reisen...
Beste Grüße!
TimNiedernolte : Merci:)
Das freut den Autor, vielen Dank! Und gleichzeitig beste Motivation für Nachschub. Werde mit offenen Augen füs nächste Blog durch die nächsten Stadien reisen...
Beste Grüße!
17.10.2007 | 02:22 Uhr
oliver : und vor allen dingen
bitte auch wieder so fantastische fotos schießen wie das aus st. pauli! absolut überragend!
oliver : und vor allen dingen
bitte auch wieder so fantastische fotos schießen wie das aus st. pauli! absolut überragend!
18.10.2007 | 16:06 Uhr
Trainer : Lieber Kollege,
gutes Ding - danke dafür!
Nur ein winzig kleiner Kritikpunkt: Es geht natürlich gar nicht, den Leuten erst den Mund wässrig zu machen - von wegen "was der Mann (Wacholder) so von sich gibt" - und dann nicht mal eine Kostprobe zu liefern.
Trotzdem: Weiter machen!
Trainer : Lieber Kollege,
gutes Ding - danke dafür!
Nur ein winzig kleiner Kritikpunkt: Es geht natürlich gar nicht, den Leuten erst den Mund wässrig zu machen - von wegen "was der Mann (Wacholder) so von sich gibt" - und dann nicht mal eine Kostprobe zu liefern.
Trotzdem: Weiter machen!
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Kojak : Spitzen-Blog
Echt ein wahnsinnig cooler Blog. Witzig geschrieben. Bitte mehr davon!!