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04.08.2017 | 15160 Aufrufe | 8 Kommentare | 6 Bewertungen Ø 9.7
Neymars Wechsel zu PSG
Teil einer Industrie
Wieso der Neymar-Transfer alles andere als Wahnsinn ist und warum die Blase gar keine Blase ist.

Da ist er also. Der Mega-Transfer. 222 Millionen für einen 25-Jährigen. Und die ganze Welt dreht durch. Und genau das führt jede Diskussion ad absurdum.

"Moderner Menschenhandel", "Irgendwann platzt die Blase", "Es geht nur noch um Geld". Nein, nein und nochmals nein.

Menschenhandel wird vor allem in US-Ligen getrieben, wo Spieler wie früher Tauschgüter gedraftet und irgendwohin, zur Not von der Ost- an die Westküste, geschickt werden. Oder wo sich ein neues NHL-Team die Spieler selbst aussuchen darf - ganz ohne Bereiterklärung der Spieler selbst.

Hat Neymar Mitspracherecht? Ohja. Denn er will weg. Warum er das will? Natürlich auch, weil er bei PSG seine Fähhigkeiten vergolden kann und sein Portemonnaie dadurch sicher nicht kläglich gefüllt ist. "Wenn du etwas gut kannst, dann lass dich dafür auch bezahlen." Ob es aus sportlicher Sicht für ihn Sinn macht, muss er selbst wissen. Er ist bei PSG nicht mehr nur einer von vielen, sondern der Star.

Die Blase wird auch durch Neymar nicht platzen. Als Diego Maradona 1984 für die damals astronomische Summe von 24 Millionen zum SSC Neapel ging, sprach die Fußballwelt von einer Blase. Bis heute ist sie nicht geplatzt. Und das ist auch ganz normal. Denn was hat sich seitdem geändert? Alles. Es ist nicht mehr der Fußball von damals. Es ist auch nicht mehr der Fußball, der damals gespielt wurde. Das Spiel ist schneller, taktischer, trickreicher. Der Fußball an sich aber ist ein Geschäft geworden.

Und trotzdem geht es nicht nur um das Geld. Es spielt eine große Rolle, aber es geht nicht nur darum. Der Fußbal ist eine Weltindustrie. Politische Diskussionen sind zu Zeiten einer Fußball-Weltmeisterschaft allenfalls so interessant wie ein in einen asiatischen Land umfallender Sack mit essbaren Getreidekörnern. Das ist nicht meine Meinung, das ist die Meinung der Gesellschaft. Die Einschaltquoten sprechen für sich, TV-Sender geben für Rechte europäischer Ligen oder Wettbewerbe irrwitzige Summen aus, um noch mehr irrwitzige Summen einzunehmen. Aber was heißt überhaupt irrwitzig? Ist es irrwitzig, an einem Milliardengeschäft teilhaben zu wollen? Wieso sollten Hauptakteure, Spieler, Trainer und Vereine nicht davon profitieren, dass Fußball eben der Weltsport ist? Jeder will ein Stück vom Kuchen abhaben, dass sind leider auch die Berater. Fußballstars sind Weltstars. Früher gab es einen Pele, einen Beckenbauer, einen Maradona. Pro Generation gab es meist genau einen, wenn überhaupt zwei Weltstar. Mittlerweile gibt es zig davon. Trikots gehen über die Ladentheken der Welt und füllen die Kassen der Vereine und Sportartikelhersteller. Dass diese das Geld wiederum in Werbekampagnen mit Gesichtern der Idole reinvestieren, um erneut Kapital daraus zu schlagen, ist ein Geschäft. Ein lukratives und vor allem ein einfaches, weil kalkulierbares. Jeder Geschäftsmann, der mehr als zwei Alibi-Semester BWL auf dem Buckel hat, kann sich das ausrechnen.

Was ist also das Problem? Summen, die nicht mehr realitätsnah sind? Das ist es schon lange nicht mehr. Der Spitzenfußball ist auch nicht mehr mit der Basis vereinbar, das ist mittlerweile klar. Denn der Fußball ist eine eigene Welt, ein eigener Kosmos. Es sind keine realitätsfernen Summen, wenn zig Millarden für Übertragungen ausgegeben werden, Vereine in Asien ihre Vorbereitung und Testspiele abhalten, um einen noch größeren Markt zu erschließen und sogar das öffentlich-rechtliche Fernsehen an zwei Tagen in Folge ein Vorbereitungsturnier mit je fünf Stunden zur besten Sendezeit überträgt. Dass das Vorbereitungsturnier dann noch den Namen eines Autoherstellers trägt, ist die Spitze der Ironie. Medien drucken Neymar auf ihre Titelblätter, im Internet wurde auf jeder Sportseite in unzähligen Artikeln der Transfer in Einzelteile zerlegt, diskutiert, analysiert. So wie an dieser Stelle. Die Kommentare und Beiträge in den sozialen Netzwerken tun ihr Übliches. Fußball generiert Klicks. Viele Klicks. Viele Klicks bringen viel Geld. Es ist ein Kreislauf. Einer an dem viele mitgearbeitet haben. Einer der sich nicht umkehren lässt. Man muss das keinesfalls gutheißen, aber man muss es endlich akzeptieren.

Nicht der Neymar-Transfer ist das Schlimme, sondern die falsche Empörung und die Doppelmoral. Denn wer anprangert, dass der Fußball kommerzialisiert ist und sich entfernt, der darf weder Pay-TV einschalten noch das Lieblingstrikots seines Vereins samt Strampler für den Nachwuchs besorgen. Aber genau das wird weiter passieren. Milliarden Menschen werden einschalten, wenn Neymar versucht die Champions League zu gewinnen oder wenn er mit Brasilien bei der nächsten WM erneut antritt. Und alle werden Trikots von ihm tragen oder von Messi oder Ronaldo oder den nächsten Weltstars, die in einigen jahren die Cover der Zeitschriften oder Wände der Kinder zieren. Und das ist gut so. Denn was interessiert, ist auf dem Platz. Und das hat sich Gott sei Dank nicht geändert.

Natürlich muss man die Machenschaften, mit denen Verbände vorgehen, um Weltmeisterschaften an die bestbezahlenden Länder zu vergeben, verurteilen. Das ist absolut richtig. Die Art und Weise, wie der Transfer ablief, ist sicher ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Aber wer hätte auch ahnen können, dass eine festgeschriebene Ablösesumme einfach so ausgelöst wird? Vor allem das fragwürdige Verhalten in Sachen Financial Fairplay ist schwierig, klar. Allerdings wird sich der Transfer rechnen. Allein die Trikot- und Werbeeinnahmen, die PSG mit Neymar generieren wird, sind immens. PSG investiert in einen Spieler und in ein Wirtschaftsgut. Es ist ganz einfach ein Thema der Marktwirtschaft. Angebot und Nachfrage. Und die wird nicht abbrechen.

Ein kleiner Vergleich: Schauspieler kassieren mittlere zweistellige Millionenbeträge für einen Filmdreh. Allerdings werden die gefährlichen Szenen von Stuntmans gedreht, es besteht also kaum eine Verletzungsgefahr wie bei einem Fußballer. Dennoch wird dieses Gehalt nicht diskutiert. Es gibt immer noch genug Kinos, es gibt immer noch genug Filme und Serien, die immer mehr Geld einspielen. Genauso ist es bei Musikern. Drei Alben reichten Adele für einen Weltstar-Status, für ausverkaufte Hallen, für Auszeichnungen, für kein schlecht gefülltes Konto. Auch darüber wird sich nicht beschwert. Die Konzertkarten werden bezahlt, die Alben gekauft, das Geld fließt. Man redet von der Film- oder Musikindustrie. Es ist etwas ganz Gewöhnliches.

Der Transfer von Neymar ist aus Sicht von PSG ein cleverer und nachvollziehbarer Schritt. PSG wird zu einem der Big Player. Sportlich gesehen mit Sicherheit. Aber vor allem eben auch im Geschäft Fußball.

KOMMENTARE
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tby
05.08.2017 | 15:51 Uhr
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tby : 
05.08.2017 | 15:51 Uhr
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tby : 
Mir wäre ein "Menschenhandel-System" bzw. sozialistisches System wie in der NBA, NFL bzw. den USA viel lieber als unser kapitalistisches Fußballsystem.

Dieses System ist nicht nachhaltig, die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander und am Ende gewinnen die Teams, die es sich wirtschaftlich verdient haben - nicht sportlich.

Man beacht doch nur Real Madrid: 10 Jahre lang kein CL-Halbfinale erreicht, in der Liga total abgemeldet.
Geht es nach dem Sportlichen, wäre der Verein im Nirvana verschollen, aber dank unseres kapitalistischen Systems und der korrupten spanischen Regierung konnte sich der Verein den Erfolg wieder erkaufen.

Jo, mein FCB ist wohl auch betroffen, wir sind dank des Systems national so erfolgreich. Aber mir persönlich wäre es viel lieber, wenn es mehr ums Sportliche gehen würde und die Siegermannschaften kontinuierlich wechseln.
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riesery
05.08.2017 | 16:52 Uhr
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riesery : 
05.08.2017 | 16:52 Uhr
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riesery : 
Huch ein Blog bei Spox. Und dann noch ein sehr guter. Da hat einer die Industrie des Profifußballs verstanden und inhaltlich gut aufs Papier gebracht. Daumen hoch dafür.
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midengler
05.08.2017 | 19:46 Uhr
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midengler : 
05.08.2017 | 19:46 Uhr
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midengler : 
Guter Artikel.

Das Einzige, worüber ich mir noch nicht im klaren bin, ist, ob ich das alles gutheissen soll (und da hilft der Vergleich zur Film- und Musikindustrie; auf der anderen Seite schüttele ich auch dort den Kopf). Aber, wie der Artikel ja schon sagt, man muss es halt langsam akzeptieren.

Genauso wie man sich in den letzten 30-40 Jahren daran gewöhnt hat, dass einige Breitengrade tiefer manche Menschen in weißen Gewändern sich mit 100 Dollar-Scheinen (gibts eigentlich 1000 Dollar-Scheine?) die Zigaretten anzünden und 50 Luxusschlitten in der Garage stehen haben, nur weil sie auf einem Boden geboren wurden, unter dem es viel von einer schwarzen klebrigen Masse gibt, um die sich die ganze Welt dreht.

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BoulogneBoy
05.08.2017 | 20:22 Uhr
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05.08.2017 | 20:22 Uhr
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Gut geschrieben !
Ergänzen sollte man vll. noch dass es PSG bzw. Al-Khelaifi nicht primär um das "Geschäft Fussball" geht. Er hat erstens genug Kohle und zweitens kann man diese in anderen Branchen profitabler investieren.
Ihm geht es wohl eher darum etwas Großes im Fussball zu schaffen bzw. sogar "das Größte" und die Phalanx der Platzhirsche zu durchbrechen.
Ob man das gutiert sei mal dahingestellt, sein Wille seine Konsequenz sowie sein Verständnis für die entspr. Mechanismen sind auf jeden Fall bemerkenswert.
Auch er ist ein Visionär (nein, das Wort muss nicht immer positiv konnotiert sein).
Das ist einfach "Think Big" par excellence.
Beeindruckend. Wer hätte wirklich gedacht, dass PSG Neymar bekommt ?
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Edelreservist
06.08.2017 | 20:13 Uhr
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Edelreservist : Vielen Dank
06.08.2017 | 20:13 Uhr
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Edelreservist : Vielen Dank
für das viele Lob auf den Blog. Mich ärgert es einfach, dass man leicht mit dem Finger auf jemanden zeigt und etwas als "böse" verurteilt, obwohl da jeder seinen Teil dazu beigetragen hat, dass es jetzt eben so ist. Aber das beeinflusst das Spiel an sich ja nicht, und das ist wichtig. Dass man das nicht mehr ändern kann, muss man dann auch mal begreifen.

Der Vergleich mit der NBA bzw. den US-Ligen ist vielleicht etwas schwierig, das ist klar. Mir ging es einfach um das "Menschenhandel"-Argument, dass ich - obwohl ich z.B. die NBA sehr mag - dort noch viel dreister und ausgeprägter seh. Klar, da gibt es keine Ablösesummen, da wird noch getauscht. Da ist eben die Frage, ob die Alternative so besser wäre bzw. ist? Dort ist es genauso ein Geschäft und die Vereine nehmen immer mehr Geld ein. Ist ja kein Wunder, dass INteressenten Schlange stehen (wie jetzt bei Houston), wenn mal ein Team verkauft wird. Aber im Basketball oder im ganzen US-Sport ist das eben normal.

Diese Denke braucht man auch im Fußball, meiner Meinung nach.
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Madrid_4ever
11.08.2017 | 19:32 Uhr
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11.08.2017 | 19:32 Uhr
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seeehr seehr guter Blog , Respekt dafür ;)
Was mir sehr gefällt ist die Einsicht das die Blase quasi keine ist ...
Da kann und wird nichts platzen ...
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Extraklasse
11.08.2017 | 20:47 Uhr
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11.08.2017 | 20:47 Uhr
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Aber es geht doch gar nicht um das ganze Geld, sondern darum das ein Verein dies ausgibt was er nicht erwirtschaftet hat.

Das ist einfach nur Schwachsinn und kann so nicht richtig sein. Es geht mir persönlich nicht um die Summe, wenn Real oder United das bezahlt hätten würde es wohl niemanden interessieren, die machen ja auch genug Geld. Paris aber nicht. Wie kann es auf einmal relativ "normal" sein das ein Scheich sich seine Lieblingsspielzeuge ohne Regeln kauft? City bekommt soviel TV Kohle, da ist das auch noch "ok". Paris hat im Vergleich wenig bis nichts erwirtschaftet wenn wir von "großen" Mannschaften reden. Dann kann man nicht für 500mio einkaufen und seine duselige Fratze da hinsetzen und sagen die Leute sollen Kaffee trinken. Das ist einfach nur lächerlich und eigentliche Schlag ins Gesicht der Fans. Über die Summen darf sich niemand beschweren der den Sport guckt und liebt, da hast du vollkommen Recht. Das ist Doppelmoral.
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keyser
11.08.2017 | 23:21 Uhr
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keyser : 
11.08.2017 | 23:21 Uhr
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keyser : 
Ich würde gerne der ganzen Debatte einen anderen Blickwinkel geben.
Hier geht es nicht um Neymar, Paris, Barca oder den Fußball, sondern darum wie ein politisch angeschlagenes Land wie Katar, versucht Stärke zu demonstrieren.

Deswegen haben die einseitig fußballorientierten Debatten in den Kommentaren die hitzig geführt werden, zwar ihre Daseinsberechtigung, gehen aber allesamt nicht wirklich auf den Grund der Transferoffensive ein.

Es ist einmal die Gelegenheit da über den Tellerrand des Sports zu blicken und das Geschehen in einen größeren, politischeren Kontext einzubetten...

Diese Gelegenheit lassen sich, wie nicht anders zu erwarten war, die meisten User entgehen. Größtenteils aus Unwissenheit, aber auch deswegen weil sie sich anhand dieses Beispiels nicht entgehen lassen wollen ihre jeweilige Sichtweise der Transfermarktentwicklung bestätigt zu wissen.

Sozusagen Gratismunition für die jeweilige Meinung, da muss man einfach zugreifen

Hier geht's aber nicht im Ansatz um Sport, sondern um Politik. Gerade dieser Transfer hat mit den sonst üblichen Mechanismen nicht viel zu tun.
Hier erleben wir einen Moment, in dem die Politik den Sport als Werkzeug benutzt. Als Möglichkeit in einer Krise Stärke zu demonstrieren.

Daraus Entwicklungen für die Zukunft des Transfermarkts als Ganzes abzuleiten eignet sich diese Transferoffensive leider nicht, auch wenn die Höhe der Ablösesummen exorbitant ist.
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