13.10.2011 um 19:14 Uhr
Teil 2: Fußballer als Idole
Vergleich mit der Weltelite – Auftreten der Spanier
Anders als das Ergebnis aussagt, waren die Spanier zuletzt der deutschen Nationalmannschaft deutlich überlegen. Die Deutschen, bestehend aus teilweise 11 Musterschülern, sprich braven, oft zurückhaltenden Spielern hatten zuvor bei der WM jeden Gegner an die Wand gespielt, aber gegen die technisch starken und gewieften Spanier wurden ihnen deutliche Grenzen aufgezeigt. Betrachtet man das Team der Spanier und beobachtet ihr Auftreten in den Vereinen fällt eine durchaus höhere Aggressivtität auf, als beim deutschen Team. Während Spieler wie Lahm oder Hummels auf dem Platz nur sehr selten mit negativen Aktionen auffallen, beobachtet man vor allem bei den "Clasicos" häufige Rudelbildungen oder Tätlichkeiten. Durch solche Aktionen, selbst wenn sie in wichtigen Spielen stattfinden, kann man einer Rolle als Vorbild für Jugendliche nicht gerecht werden. Dass dies allerdings kein exklusives Phänomen der Spaniel ist, zeigt die Vergangenheit. Speziell die Duelle zwischen Bayern und Dortmund Ende der 90er Jahre und Anfang des neuen Jahrtausends haben gezeigt, dass solche Aggressionen auch in der Bundesliga regelmäßig vorfallen können.

Matthäus gegen Sammer, Duell der Weltklasse
Stars wie Bayerns Matthäus oder Zorc und Sammer auf Dortmunder Seite galten damals zwar zu den besten Spielern Deutschlands wenn nicht sogar der Welt. Vorbilder für die Gesellschaft allerdings waren sie mitnichten. Dabei handelte es sich bei den beiden immerhin um einen Weltmeister, sowie um einen Europameister. Spieler die fast alles gewonnen haben was es zu gewinnen gab und die einer ganzen deutschen Fußballepoche ihren Stempel aufdrückten. Bezeichnend für das Auftreten waren sowohl bei Matthäus als auch bei Sammer die geringe Rücksicht auf das eigene Image und der schamlose Gebrauch von Kraftausdrücken, selbst vor laufender Kamera. Ähnliches Galt auch für Spieler wie Oliver Kahn oder Stefan Effenberg. Ihre persönlichen Interessen waren stets nur dem Erfolg untergeordnet. Kahn sprach mitunter gar von einem Tunnelblick, an dessem Ende nur der Triumph zu sehen war und an dem er sich täglich orientierte. Platz für sonstige Verantwortung gab es nicht oder kaum. Beim Gedanken an diese beiden Spieler denkt man an Persönlichkeiten, Ehrgeiz, Wille, Erfolg und an das Champions League Finale 2001. Beide waren maßgeblich am letzten großen deutschen Titel auf internationaler Ebene beteiligt. Vorbildfunktionen für die Jugend bringt man mit ihnen allerdings nicht in Verbindung. Man denke nur an des Tigers Stinkefinger oder Kahns Interview, in denen er Eier fordete.

Neue Vorbilder braucht das Land – Die Generation Schweinsteiger
Wenn man heute nach Vorbildern im deutschen Fußball fragt kommen dagegen durchaus die besten Spieler in Frage. Sowohl Philipp Lahm als auch Bastian Schweinsteiger werden der Rolle des Idols für die Jugend weitaus gerechter als ihre Vorgänger Kahn oder Sammer. Selbst wenn Lahm mit seinem Buch jetzt für kritische Schlagzeilen sorgt, käme es sehr überraschend, wenn er eines Tages für einen wirklichen Eklat sorgen würde. Diese neue Generation von Spielern, zu denen ich auch Manuel Neuer, Thomas Müller oder Mario Gomez zählen würde sind Menschen, die sich auf und abseits des Platzes stets korrekt benehmen und denen eine sehr große Verantwortung überlassen wird. Es wird ihnen eine sehr große Disziplin abverlangt, sich immer richtig zu verhalten. Sie tragen ein permanentes Gute-Laune-Gesicht, grüßen jeden und sind immer nett und freundlich. Launen werden nicht akzeptiert. Diese Aufgabe meistern sie zumeist mit Bravour und man freut sich bei jedem Länderspiel, eine solch sympathische Nationalelf zu haben. Dass diese, man könnte fast sagen emotionale und verhaltenstechnische Bevormundung nicht ganz zufällig der Fall ist sondern so vom DFB bzw. von Fußballdeutschland durchaus erwünscht ist zeigt die Ausbootung von Kevin Prince Boateng, der mittlerweile das Image eines Bad Boy mit sich trägt. Lange genug vom DFB und den Medien aufgebaut.
Ein weiteres Beispiel ist der frühere Bayernspieler Mark van Bommel, der geradezu verjagt wurde aus München. Der "Aggressive Leader" passte scheinbar nicht mehr in den deutschen Fußball, der wie bspw. Der Bundestrainer es fordert ohne Foul und Grätsche auskommen soll. So wurde der Rüpel nach Mailand geschickt und mittlerweile von Toni Kroos ersetzt, der so gar nicht dem Typus eines aggressiven Spielers entspricht. Nebenbei bemerkt konnte Mark van Bommel bei der WM mit seinen Schlägerkollegen Boulahrouz, Nigel de Jong oder Robin van Persie den Spaniern mehr Parolie bieten als die Deutschen.

Kritik von Kahn und Sammer
Es war eine hitzige Diskussion, die von Kahns Aussagen über die beiden Bayernstars ausgelöst wurde. Der frühere Titan kritisierte den Führungsstil des Duos und bemängelte, dass es im deutschen Fußball an Führungsspielern fehle. Ohne Leitwölfe gewinne man keine großen Titel, so Kahn. Dass er dabei ausgerechnet von Matthias Sammer Unterstützung bekam wunderte wenig, immerhin war auch er, ähnlich wie Kahn ein echter Rudelführer und peitschte sein Team ein ums andere Mal nach vorne. Wenngleich der deutsche Fußball und im speziellen die Nationalelf in den letzten Jahren vor allem mit dem Namen Joachim Löw in Verbindung gebracht wird, so ist es Matthias Sammers, der Revoluzer innerhalb des DFBs, der die Jugend nach den Enttäuschungen von 2000 und 2004 wieder nach oben gebrachte hatte. Zuständig für die Jugendabteilungen versucht Sammer seine Handschrift im Charakter der Teams zu gravieren mit dem Credo: Leitwölfe und Hierachien erwünscht. Indem Sammer einerseits diese Typen fordert und andererseits Kritik an Lahm und Schweinsteiger ausübt fragt man sich zurecht, ob man als Sinnbild für sportlichen Erfolg gleichzeitig eine Vorbildsfunktion übernehmen kann. Immerhin gehen beiden Spielern bislang größere Erfolge ab und außer Zweiten und Dritten Plätzen bei der Nationalelf gibt es in ihrer Vita bislang "nur" Meisterschaften und Pokale zu lesen. Die Argumente liegen also momentan auf Seiten der Kritiker. Im Umkehrschluss schließt der absolute sportliche Erfolg dadurch zumindest bei öffentlich sehr aktiven Spielern wie Lahm und Schweinsteiger eine Rolle als vertretbares Vorbild für Kinder, Jugendliche und selbst Erwachsene aus. Das heißt für den deutschen Fußball, dass man durch eine zu brave Mannschaft, die eine sehr horizontale Hierarchie hat und der ein wirklicher Anführer fehlt, in wichtigen Momenten, in entscheidenden und engen Situationen tendentiell den kürzeren zieht. Auf der anderen Seite hat man durch die Umerziehung der deutschen Spieler neue Vorbilder erschaffen, mit denen man bei Großevents im Public Viewing mitfiebert und bei tragischen Niederlagen mitleidet. Sie sorgen damit, v a durch die vielen Spieler mit Migrationshintergrund für einen Zusammenhalt der fußballbegeisternden Gesellschaft und somit wird die Nationalelf zumindest ihrer politischen Aufgabe gerecht.
Aufrufe: 783 | Kommentare: 4 | Bewertungen: 5 | Erstellt:13.10.2011
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KOMMENTARE
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xperte84
14.10.2011 | 11:12 Uhr
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xperte84 : 
14.10.2011 | 11:12 Uhr
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xperte84 : 
"Es wird ihnen eine sehr große Disziplin abverlangt, sich immer richtig zu verhalten. Sie tragen ein permanentes Gute-Laune-Gesicht, grüßen jeden und sind immer nett und freundlich. Launen werden nicht akzeptiert. "

Da kann ich gleich Miley Cyrus- Fan werden...
immer schön angepasst bleiben und möglichst oberflächlich, dann klappt's auch mit den 500 Freunden @Facebook

"[...] hat man durch die Umerziehung der deutschen Spieler neue Vorbilder erschaffen, mit denen man bei Großevents im Public Viewing mitfiebert und bei tragischen Niederlagen mitleidet"

Mitgefiebert hat man also vor ca 2004 nicht.
Wann auch, etwa 1954, 72, 74, 80, 90 oder 1996...?
aber dank der von Sponsoren eingerichteten Fanmeilen ist das alles jetzt möglich. Vor der Erfindung des Wortes Public Viewing hatte man ja auch nichts. Jeder saß in seiner Besenkammer am TV.
und dank der Umerziehung der Nationalspieler macht's gleich doppelt Spaß!

So trostlos sahen früher die Länderspiele aus, sogar die Testspiele.
und was für schlchte Vorbilder auf dem Platz standen.
alle umerziehen, sofort...

http://www.youtube.com/watch?v=rnPU6YNeknY
http://www.youtube.com/watch?v=8JDoYD0Rf3g

P.S.: Sorry für den üblen Sarkasmus
haching02
14.10.2011 | 17:16 Uhr
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haching02 : @spox
14.10.2011 | 17:16 Uhr
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haching02 : @spox
Was meint ihr bitte mit "Lahm und Schweini sind geiler als Kah oder Sammer"?
Ich hab in meinem Blog eigentlich keine Wertung vorgenommen. Die Beispiele dienten lediglich als Vergleich und sollten die beiden Nationalspieler nicht besser darstellen als die Spanier oder ihre Kritiker.

Danke dennoch, dass ihr meinen Blog wieder auf der Startseite postet.
Mfg
Daniel
qwe111
14.10.2011 | 19:50 Uhr
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qwe111 : 
14.10.2011 | 19:50 Uhr
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qwe111 : 
Zuerst mal vorweg: Fußballer (oder Prominente generell) sind keine Vorbilder!
Wenn Eltern es einem Promi überlassen, ihrem Kind Werte und Ziele zu "vermitteln", dann sind sie Versager, schlicht und einfach.

Mit der "Führungsspieler-Debatte" hat das aber nichts zu tun, das sind für mich zwei verschiedene Dinge.

Bei dieser Debatte ist eigentlich nur ein Aspekt wichtig:
Wer hat die Debatte angestoßen, und wem nützt die öffenltiche Diskussion?
Tja, Kahn will seinen Internet-Blog vermarkten und sich als Experte profilieren. Effenberg und all die anderen Ex-Irgendwas blöken eh in jede Kamera wenn's Geld dafür gibt.
Und für die Medien war's eine nette Story gegen das Sommerloch.

Vielleicht sollten sich Kahn und Konsorten mal folgendes überlegen:
Der FC Bayern steht zwar finanziell gut da, aber zu verschenken haben sie auch nichts. Titel sollen her, und das Unternehmen soll Gewinne machen.
Würden Hoeneß & Co. wirklich Lahm und Schweinsteiger die Verantwortung übertragen, wenn sie von ihren Fähigkeiten als Führungsspieler nicht völlig überzeugt wären?
Gubkowejung
16.10.2011 | 13:04 Uhr
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16.10.2011 | 13:04 Uhr
+2
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Bei allen Respekt, Lahm und Schweinsteiger sind keine Vorbiler, sondern einfach nur Menschen die nach dem Wille ihrer Bosse tanzen.

Das ein Lahm Kapitän der Deutschen nationalmannschaft ist, grenzt an einer Frechheit. Null Charisma und nicht Manns genug dafür.

Sein Buch grenzt phasenweise an einem verkappten Liebesbrief an Jogi Löw. Seine Abrechnung mit Vorgängern ist auch blankes Geschleime- in Richtung Joachim Löw.

Bastian Schweinsteiger wäre schon eher ein würdiger Kapitän. Aber auch er steht sehr unter Hoeneß seinem Einfluss.

Die Deutschen Vorbildern sterben aus, denn ein Vorbild macht nicht aus immer zur Grinsen, das zu Sagen was alle hören wollen und ein Arschkriecher zu sein.

Ein Vorbild vermittelt werte: Wie Respekt und nur nach seinen eigenen Werten zu Handel. Seine eigene Meinung zu Verköpern aber dabei andere nicht den Respekt zur Verachten. Ein Vorbild ist MEINER Meinung nach KEIN Ja Sager.


wenn ich daran denke das meine Kinder zu solchen Schmierlappen werden würden wie ein Phillip Lahm dann wäre es ein Tiefschlag., Der Fußball braucht genau wie unser Land Leute die vorrangehen und die mal die Schnauze aufreißen und keine Rädchen im System.
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