15.10.2010 um 00:12 Uhr
Sekundäres Faninteresse Teil 1
In diesem Blog versuche ich euch einen Einblick zu geben in den für mich "perfekten Kommentator" zu geben. Wundert euch nicht, weshalb ich so viele Beispiele von Bayernspielen nehme. Ich bin Bayernfan, daher beschäftige ich mich nicht intensiv mit anderen Vereinsspielen
Eigentlich ist die Überschrift suboptimal gewählt. Warum sollte man sich etwas durchlesen, was nur ein sekundäres Interesse des Fans ist? Nun, weil es eigentlich das primäre Interesse des Fans sein sollte.
Emotionslos, Mängel in der Rhetorik und am schlimmsten: Monoton. Monotone Stimme, monotone Wortwahl und monotones Vorgehen - Das sind Dinge, die ich heutigen deutschen Kommentatoren vorwerfe.
Während Marcel Reif dem Siegerteam einfach immer einen Zauberfußball attestiert, so ist Sabine Töpperwien einfach immer gegen den 1. FC Köln, zwar damit auch immer für das Siegerteam, aber für den Fall, dass der FC doch noch irgendwann mal 3 Punkte holen sollte, ist sie immernoch gegen ihn - natürlich ohne es deutlich werden zu lassen.
Aber was kann man von einem Kommentator verlangen? Wie muss er sich verhalten?
Objektivität
Das vielleicht wichtigste Element des professionellen Kommentierens: Objektivität bewahren. Natürlich kann man seine Fanliebschaft gegenüber einem Verein nicht einfach mal Beiseite kehren, aber so muss man seinem Verein doch Fehler eingestehen können müssen. Eine Berichterstattung, die nur in eine Richtung ausgelegt ist, hört sich niemand gerne an.
Fachliche Kompetenz
Ein Kommentator, der Fehler macht, ist automatisch unbeliebt oder macht sich zur Witzfigur. Wer beim HSV Elia, Ze Roberto und Aogo nicht auseinanderhalten kann, macht sich zum Gespött der Zuschauer. Natürlich sind Fehler menschlich, aber sind wir mal ehrlich: Man schaut sich die Bundesliga bei einem kühlen Bier an, will ein gutes Spiel sehen und muss sich anhören, wie der Kommentator an den Spielernamen verzweifelt. Gefällt keinem.
Zudem muss ein Kommentator auf dem neuesten Stand der Dinge sein, er darf dem Zuhörer nicht unterlegen sein, was Neuigkeiten und Know-How angeht. Gleichzeitig darf er aber auch nicht von Dingen erzählen, die Grundwissen sind. Wenn ein Kommentator über 90 Minuten erwähnt, dass Khedira jetzt bei Real Madrid spielt, kann das auf die Nerven gehen.
Berichterstattung des Geschehens
Dieser Punkt überschneidet sich eigentlich mit der fachlichen Kompetenz, aber hier kann ich einige Punkte aufführen, die vorher nicht ganz so gut reingepasst hätten.
"Klose - Tor - 0:3 - Olic". So hat Wolff Fuss das 0:3 der Bayern gegen Lyon letzte Saison kommentiert. Erst einmal, darf Fuss dieser Fehler nicht passieren. Die beiden mögen vielleicht gleich groß sein (wusst ich bis vor meiner Recherche gar nicht
) aber man sollte es dennoch erkennen können (Rückennr z.B). Und wie bereits erwähnt: Fehler dürfen einem Kommentator nicht passieren. Zweitens, hat er doch alles richtig gemacht, ungeachtet seiner Verwechslung, weil er sich so kurz gefasst hat.
Aber wann darf man zu kurz reden und wann etwas länger?
Gleiches Spiel, Lyon - Bayern. Bayern führt 1:0, hat zu Hause schon 1:0 gewonnen und erzielt durch Olic das 0:2. Fuss: "Olic - 0:2 - Game Over!" In diesem Fall war es durchaus angebracht, sich kurz zu halten. Warum? Nach dem 0:1 hätte das Spiel ja noch kippen können, da es relativ früh gefallen ist. Das 0:2 hat alles klar gemacht und sicherlich eine Ekstase in allen Bayernfans hervorgerufen. So sehr ich auch Antipathie gegenüber Fuss hege, aber das "Game Over" lässt es bei mir immernoch kribbeln, wenn ich es mir auf Youtube anschaue. Er hätte wohl keine besseren Worte für dieses Tor finden können.
Hier klicken für die Highlights Lyon - Bayern mit O-Ton Fuss
Und wann darf man sich lang fassen? Nun, streng genommen gibts eigentlich keine Langfassung, schließlich sagt jeder Kommentator eigentlich nur die Worte "Tor" "Spielername". Aber manchmal reicht das eben nicht.
Für dieses Beispiel muss ich erneut Fuss zu Rate ziehen, da der gute Mann scheinbar doch mehr richtig macht, als ich annahm: ManU - Bayern 3:1. Ecke Ribery auf Robben. Dieser zieht volley ab - hinein ins Glück. "Rooooooooobbeeeeeeeeeeeeen! Ein unfassbares Tor! 2:3! Im Moment der FC Bayern im Halbfinale der Champions League!"
Anstatt nach dem Tor mit reden aufzuhören, sprach er weiter. Und das war gut so. Ein Kommentator muss die Gefühle der Fans in Worte fassen können; er muss das widerspiegeln, was die Fans gerade fühlen, denn das macht das Spiel und die Gefühle lebhafter, wirkungsvoller. Der Kommentator muss auch die Wirkung des Tores widerspiegeln. Gegen Lyon ist man in Führung gegangen, da reichen die paar Worte. In Manchester hat man aus einem 3:0 ein 3:2 gemacht. Da Bedarf es einer Lobeshymne.
Intonation & Geschwindigkeit & Lautstärke
Doch nicht nur die Länge/Kürze der Berichterstattungen sind entscheidend. Viel wichtiger ist eigentlich die Intonation. Wie sage ich etwas? Gehe ich mit der Stimme hoch und runter oder bleibe ich in der selben Tonlage? Die Frage beantwortet sich eigentlich von selbst: Die Stimme muss sich bewegen!
Ist ein Spiel bereits entschieden, bringt es nichts bei jedem weiteren Tor auszurasten. Deswegen blieb Fuss bei dem 0:3 in Lyon auch ruhig. Ist ein Tor jedoch spielentscheidend, muss auch der Kommentator dementsprechend mit der Stimme mitgehen.
Wichtig ist jedoch auch, wie ein Kommentator das Spielgeschehen beschreibt. Ist das Spiel träge, kann er nicht in einer hektischen Stimme sprechen. Er muss seine Geschwindigkeit und seine Tonlage dem Spielgeschehen anpassen. Blitzschnelle Konter müssen blitzschnell kommentiert werden. Oder, wie beim 3:2 in Manchester, das Gesprochene wird in die Länge gezogen. Die ist bei Distanzschüssen/Standards angebracht. Dabei spielt dann auch die Lautstärke eine tragende Rolle. Am Ende des Wortes/Satzes, welches/welcher langgezogen wird, muss es laut werden, sollte ein Tor fallen oder jedenfalls Torgefahr entstehen.
Hier gehts weiter mit Teil 2 und einer Auswahl von Kommentatoren
Eigentlich ist die Überschrift suboptimal gewählt. Warum sollte man sich etwas durchlesen, was nur ein sekundäres Interesse des Fans ist? Nun, weil es eigentlich das primäre Interesse des Fans sein sollte.
Emotionslos, Mängel in der Rhetorik und am schlimmsten: Monoton. Monotone Stimme, monotone Wortwahl und monotones Vorgehen - Das sind Dinge, die ich heutigen deutschen Kommentatoren vorwerfe.
Während Marcel Reif dem Siegerteam einfach immer einen Zauberfußball attestiert, so ist Sabine Töpperwien einfach immer gegen den 1. FC Köln, zwar damit auch immer für das Siegerteam, aber für den Fall, dass der FC doch noch irgendwann mal 3 Punkte holen sollte, ist sie immernoch gegen ihn - natürlich ohne es deutlich werden zu lassen.
Aber was kann man von einem Kommentator verlangen? Wie muss er sich verhalten?
Objektivität
Das vielleicht wichtigste Element des professionellen Kommentierens: Objektivität bewahren. Natürlich kann man seine Fanliebschaft gegenüber einem Verein nicht einfach mal Beiseite kehren, aber so muss man seinem Verein doch Fehler eingestehen können müssen. Eine Berichterstattung, die nur in eine Richtung ausgelegt ist, hört sich niemand gerne an.
Fachliche Kompetenz
Ein Kommentator, der Fehler macht, ist automatisch unbeliebt oder macht sich zur Witzfigur. Wer beim HSV Elia, Ze Roberto und Aogo nicht auseinanderhalten kann, macht sich zum Gespött der Zuschauer. Natürlich sind Fehler menschlich, aber sind wir mal ehrlich: Man schaut sich die Bundesliga bei einem kühlen Bier an, will ein gutes Spiel sehen und muss sich anhören, wie der Kommentator an den Spielernamen verzweifelt. Gefällt keinem.
Zudem muss ein Kommentator auf dem neuesten Stand der Dinge sein, er darf dem Zuhörer nicht unterlegen sein, was Neuigkeiten und Know-How angeht. Gleichzeitig darf er aber auch nicht von Dingen erzählen, die Grundwissen sind. Wenn ein Kommentator über 90 Minuten erwähnt, dass Khedira jetzt bei Real Madrid spielt, kann das auf die Nerven gehen.
Berichterstattung des Geschehens
Dieser Punkt überschneidet sich eigentlich mit der fachlichen Kompetenz, aber hier kann ich einige Punkte aufführen, die vorher nicht ganz so gut reingepasst hätten.
"Klose - Tor - 0:3 - Olic". So hat Wolff Fuss das 0:3 der Bayern gegen Lyon letzte Saison kommentiert. Erst einmal, darf Fuss dieser Fehler nicht passieren. Die beiden mögen vielleicht gleich groß sein (wusst ich bis vor meiner Recherche gar nicht
) aber man sollte es dennoch erkennen können (Rückennr z.B). Und wie bereits erwähnt: Fehler dürfen einem Kommentator nicht passieren. Zweitens, hat er doch alles richtig gemacht, ungeachtet seiner Verwechslung, weil er sich so kurz gefasst hat.Aber wann darf man zu kurz reden und wann etwas länger?
Gleiches Spiel, Lyon - Bayern. Bayern führt 1:0, hat zu Hause schon 1:0 gewonnen und erzielt durch Olic das 0:2. Fuss: "Olic - 0:2 - Game Over!" In diesem Fall war es durchaus angebracht, sich kurz zu halten. Warum? Nach dem 0:1 hätte das Spiel ja noch kippen können, da es relativ früh gefallen ist. Das 0:2 hat alles klar gemacht und sicherlich eine Ekstase in allen Bayernfans hervorgerufen. So sehr ich auch Antipathie gegenüber Fuss hege, aber das "Game Over" lässt es bei mir immernoch kribbeln, wenn ich es mir auf Youtube anschaue. Er hätte wohl keine besseren Worte für dieses Tor finden können.
Hier klicken für die Highlights Lyon - Bayern mit O-Ton Fuss
Und wann darf man sich lang fassen? Nun, streng genommen gibts eigentlich keine Langfassung, schließlich sagt jeder Kommentator eigentlich nur die Worte "Tor" "Spielername". Aber manchmal reicht das eben nicht.
Für dieses Beispiel muss ich erneut Fuss zu Rate ziehen, da der gute Mann scheinbar doch mehr richtig macht, als ich annahm: ManU - Bayern 3:1. Ecke Ribery auf Robben. Dieser zieht volley ab - hinein ins Glück. "Rooooooooobbeeeeeeeeeeeeen! Ein unfassbares Tor! 2:3! Im Moment der FC Bayern im Halbfinale der Champions League!"
Anstatt nach dem Tor mit reden aufzuhören, sprach er weiter. Und das war gut so. Ein Kommentator muss die Gefühle der Fans in Worte fassen können; er muss das widerspiegeln, was die Fans gerade fühlen, denn das macht das Spiel und die Gefühle lebhafter, wirkungsvoller. Der Kommentator muss auch die Wirkung des Tores widerspiegeln. Gegen Lyon ist man in Führung gegangen, da reichen die paar Worte. In Manchester hat man aus einem 3:0 ein 3:2 gemacht. Da Bedarf es einer Lobeshymne.
Intonation & Geschwindigkeit & Lautstärke
Doch nicht nur die Länge/Kürze der Berichterstattungen sind entscheidend. Viel wichtiger ist eigentlich die Intonation. Wie sage ich etwas? Gehe ich mit der Stimme hoch und runter oder bleibe ich in der selben Tonlage? Die Frage beantwortet sich eigentlich von selbst: Die Stimme muss sich bewegen!
Ist ein Spiel bereits entschieden, bringt es nichts bei jedem weiteren Tor auszurasten. Deswegen blieb Fuss bei dem 0:3 in Lyon auch ruhig. Ist ein Tor jedoch spielentscheidend, muss auch der Kommentator dementsprechend mit der Stimme mitgehen.
Wichtig ist jedoch auch, wie ein Kommentator das Spielgeschehen beschreibt. Ist das Spiel träge, kann er nicht in einer hektischen Stimme sprechen. Er muss seine Geschwindigkeit und seine Tonlage dem Spielgeschehen anpassen. Blitzschnelle Konter müssen blitzschnell kommentiert werden. Oder, wie beim 3:2 in Manchester, das Gesprochene wird in die Länge gezogen. Die ist bei Distanzschüssen/Standards angebracht. Dabei spielt dann auch die Lautstärke eine tragende Rolle. Am Ende des Wortes/Satzes, welches/welcher langgezogen wird, muss es laut werden, sollte ein Tor fallen oder jedenfalls Torgefahr entstehen.
Hier gehts weiter mit Teil 2 und einer Auswahl von Kommentatoren
Aufrufe: 4660 | Kommentare: 7 | Bewertungen: 15 | Erstellt:15.10.2010
ø 8.4
KOMMENTARE
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15.10.2010 | 00:13 Uhr
+1
0
Skim :
Kommentare und Bewertungen wie immer bitte unter Teil 2
16.10.2010 | 11:12 Uhr
+2
-1
Kop1987 :
deutsche kommentatoren sind ein witz, der einzige der halbwegs was drauf hat ist Wolf Fuss aber auch nur in der CL bzw. in der Premier LeagueBeispiel, Andy Gray und Martin Taylor in England sind sowas von genial:
Beispiel:
http://www.youtube.com/watch?v=YSwilt4kfFM
Sowas gibt es hier in der BL einfach nicht, alles emotionslos usw.
Aber wer nie die PL in original-Ton hört kann sowas ja auch nicht wissen
16.10.2010 | 15:20 Uhr
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17.10.2010 | 20:02 Uhr
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YM89 :
deutsche kommentatoren finden sich bei mir ganz am ende der nahrungskette wieder. die bringen kein bisschen emotion rüber. ganz schwach!
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