23.10.2009 um 15:01 Uhr
Sei nett, Louis!
Die Fans hauen sich gegenseitig auf die Schnauze, Spieler schluchzen in Reporter-Mikros und manch einer schafft's gar nur unter Schmerzmitteln auf den Platz - die Bayern-Krise ist nach dem verlorenem Bordeaux-Spiel bedenklicher denn je. Und aus Sumpf hilft neben zwei Siegen gegen Frankfurt nur eine gute Laune bei Louis van Gaal.
Manchmal erinnert der knorrige Trainer aus Holland an den bösen Latein- oder Mathe-Lehrer aus der Schule, bei dem die Mädchen nach Unterrichtsschluss weinend aus dem Klassenzimmer rannen: unerhört autoritär, leistungsfixiert und arrogant. Das geht so lange gut, wie die Noten stimmen. Denn wenn auch die 1er-Schüler plötzlich keine guten Zensuren bringen, fällt die Durchschnittsnote ab - und der Herr bekommt ein Problem beim Direktor.
In München klingt das dann so: "Van Gaal schlechter als Klinmann!" Wieso weiter am harschen Holländer festhalten, wenn selbst der schwäbische Lehramtsstudent scheinbar bessere Resultate vorzuweisen hatte, sticheln die Kritiker. Dem Vergleich mit Klinsmann muss sich van Gaal jedenfalls stellen - auch wenn er unfair ist.
Mit der Rumpftruppe zum Testspiel
Denn der bloße Punkteabgleichung ist nur allzu populistisch: So konnte van Gaal keine eingespielte Mannschaft übernehmen. Während bei Klinsmann lediglich Borowski und die Reserve-Torhüter Butt und Kraft hinzu stießen, kam bei van Gaal fast eine komplette Mannschaft: Knapp die Hälfte der zehn Neuzugänge war als feste Stütze in der neuen Stammelf gedacht, einspielen konnte sich aufgrund diverser Leistungsabfälle bisher noch keine Rumpftruppe.
Das mag zu einem nicht unerheblichen Anteil der chaotischen Vorbereitung geschuldet sein, bei der sich zweifelhafte Testspiele aneinanderreihten und die elementaren Automatismen nur ausprobiert, nicht aber einstudiert werden konnten. Dazu kamen immer wieder latente Auflösungserscheinungen: Weder Ribery, Demichelis, Schweinsteiger, Toni, Klose, geschweige denn Robben konnte die volle Vorbereitung mitmachen.
Klinsmann wegknurren
Und weil das Schicksal sich zuletzt offensichtlich an holländischem Gouda verschluckte, hält die Misere auch derzeit noch an: Mit Ribery und Robben fehlen die beiden Schlüsselspieler, nach denen van Gaal die Taktik auszurichten hat. Auf den Flügeln kann außer den beiden Stars sowie Müller und Olic (derzeit natürlich verletzt) keiner der vielen Stürmer spielen - dann bleibt nur die Variante hoher Bälle auf Toni im 4-3-2-1 bzw. 4-4-2.
Angesichts dessen kann van Gaal die unleidigen Klinsmann-Vergleiche noch wegknurren. Unbeschränkt Kredit bei Fans und der Chef-Etage besitzt allerdings auch er nicht. Damit der Erfolg kommt, muss also auch er sich den Umständen anpassen - und ein bisschen Hitzfeld-Flair zurück in die Kabine bringen.
Ein bisschen Hitzfeld-Flair
Denn der Lörracher (übrigens auch ausgebildeter Lehrer in Mathematik) wusste die chemischen Elemente unter den Spielern und zu sich selbst immer richtig auszubalancieren. Reagierte mit Härte auf Undiszipliniertheiten wie etwa bei Demichelis, konnte aber auch einen wohl schwierigen Charakter wie Ribery perfekt integrieren und aufblühen lassen. Dieses Verständnis fehlt van Gaal offensichtlich - wie sonst sind die öffentlichen Jammertiraden von Gomez, Toni oder Ribery sowie die schwachen Leistungen eines Tymoshchuck zu erklären. Das Verhältnis Spieler-Trainer scheint damit mindestens genauso wichtig wie Aufstellung und Taktik.
Zumindest kann man positiv festhalten, dass er sich auch nach einem Spiel wie gegen Bordeaux so weit wie möglich vor die Mannschaft stellt und etwa die zweite Halbzeit lobt. Vielleicht ein Anzeichen, dass manch Spieler mehr von ihm geliebt wird, als es diesem selbst bewusst ist? Möglich, wenn relativierende Worte nach dem Bordeaux-Spiel selbst Ulknudel Franz Beckenbauer zu peinlich waren ...
Manchmal erinnert der knorrige Trainer aus Holland an den bösen Latein- oder Mathe-Lehrer aus der Schule, bei dem die Mädchen nach Unterrichtsschluss weinend aus dem Klassenzimmer rannen: unerhört autoritär, leistungsfixiert und arrogant. Das geht so lange gut, wie die Noten stimmen. Denn wenn auch die 1er-Schüler plötzlich keine guten Zensuren bringen, fällt die Durchschnittsnote ab - und der Herr bekommt ein Problem beim Direktor.
In München klingt das dann so: "Van Gaal schlechter als Klinmann!" Wieso weiter am harschen Holländer festhalten, wenn selbst der schwäbische Lehramtsstudent scheinbar bessere Resultate vorzuweisen hatte, sticheln die Kritiker. Dem Vergleich mit Klinsmann muss sich van Gaal jedenfalls stellen - auch wenn er unfair ist.
Mit der Rumpftruppe zum Testspiel
Denn der bloße Punkteabgleichung ist nur allzu populistisch: So konnte van Gaal keine eingespielte Mannschaft übernehmen. Während bei Klinsmann lediglich Borowski und die Reserve-Torhüter Butt und Kraft hinzu stießen, kam bei van Gaal fast eine komplette Mannschaft: Knapp die Hälfte der zehn Neuzugänge war als feste Stütze in der neuen Stammelf gedacht, einspielen konnte sich aufgrund diverser Leistungsabfälle bisher noch keine Rumpftruppe.
Das mag zu einem nicht unerheblichen Anteil der chaotischen Vorbereitung geschuldet sein, bei der sich zweifelhafte Testspiele aneinanderreihten und die elementaren Automatismen nur ausprobiert, nicht aber einstudiert werden konnten. Dazu kamen immer wieder latente Auflösungserscheinungen: Weder Ribery, Demichelis, Schweinsteiger, Toni, Klose, geschweige denn Robben konnte die volle Vorbereitung mitmachen.
Klinsmann wegknurren
Und weil das Schicksal sich zuletzt offensichtlich an holländischem Gouda verschluckte, hält die Misere auch derzeit noch an: Mit Ribery und Robben fehlen die beiden Schlüsselspieler, nach denen van Gaal die Taktik auszurichten hat. Auf den Flügeln kann außer den beiden Stars sowie Müller und Olic (derzeit natürlich verletzt) keiner der vielen Stürmer spielen - dann bleibt nur die Variante hoher Bälle auf Toni im 4-3-2-1 bzw. 4-4-2.
Angesichts dessen kann van Gaal die unleidigen Klinsmann-Vergleiche noch wegknurren. Unbeschränkt Kredit bei Fans und der Chef-Etage besitzt allerdings auch er nicht. Damit der Erfolg kommt, muss also auch er sich den Umständen anpassen - und ein bisschen Hitzfeld-Flair zurück in die Kabine bringen.
Ein bisschen Hitzfeld-Flair
Denn der Lörracher (übrigens auch ausgebildeter Lehrer in Mathematik) wusste die chemischen Elemente unter den Spielern und zu sich selbst immer richtig auszubalancieren. Reagierte mit Härte auf Undiszipliniertheiten wie etwa bei Demichelis, konnte aber auch einen wohl schwierigen Charakter wie Ribery perfekt integrieren und aufblühen lassen. Dieses Verständnis fehlt van Gaal offensichtlich - wie sonst sind die öffentlichen Jammertiraden von Gomez, Toni oder Ribery sowie die schwachen Leistungen eines Tymoshchuck zu erklären. Das Verhältnis Spieler-Trainer scheint damit mindestens genauso wichtig wie Aufstellung und Taktik.
Zumindest kann man positiv festhalten, dass er sich auch nach einem Spiel wie gegen Bordeaux so weit wie möglich vor die Mannschaft stellt und etwa die zweite Halbzeit lobt. Vielleicht ein Anzeichen, dass manch Spieler mehr von ihm geliebt wird, als es diesem selbst bewusst ist? Möglich, wenn relativierende Worte nach dem Bordeaux-Spiel selbst Ulknudel Franz Beckenbauer zu peinlich waren ...
Aufrufe: 248 | Kommentare: 0 | Bewertungen: 1 | Erstellt:23.10.2009
ø 7.0
COMMUNITY LOGIN
SPOX - Twitter
Statistik

