18.12.2007 um 06:36 Uhr
SPOX goes New York
Es ist 23:08 Uhr Ortszeit in meinem diese Woche nach New York verlegten persönlichen SPOX-Office. 31. Stock im Hotel mitten in Manhattan! Gerade bin ich aus dem Garden vom Knicks-Spiel zurück, es war ein langer Tag, aber der Reihe nach.

4:07 Uhr: Der Wecker klingelt, aufstehen ist angesagt. Ich bin sogar froh darüber, weil ich eh nur Albträume von Fred Taylor hatte…Es geht zum Zug und oh Wunder, dieser ist natürlich total überfüllt. Warum wundert mich das nach so vielen Malen eigentlich immer noch? Ich weiß es nicht. Schlauerweise natürlich auch nicht reserviert, aber es ging auch so gut nach Frankfurt an den Flughafen. Dort angekommen, geht der USA-Sicherheitscheck los. Viele werden es kennen, Kontrolle 1 folgt Kontrolle 2, Kontrolle 2 folgt Kontrolle 3 und Kontrolle 3 folgt tatsächlich auch noch Kontrolle 4. Mir soll es recht sein. Man hat jedenfalls genug Zeit sich mal genau anzuschauen, wer da alles so mit einem nach New York fliegt. Grundsätzlich gibt es zwei Gruppen, die schon mal mode-technisch zu unterscheiden sind: Die einen, die reich sind, aber keinen Geschmack haben und die anderen, die auch keinen Geschmack haben, und kein Geld – ganz schlecht. Positiv ins Auge fällt sofort ein abgefahrener Musiker. Rot lackierte Fingernägel, Hochwasser-Hosen, Gitarre unter dem Arm, vom Look irgendwie Kelly-Family-like, irgendwie nicht von dieser Welt, aber sympathisch. Beim Einchecken fielen ihm dann auch noch geschätzte 348 Autogrammkarten aus der Tasche, wer war das wohl? Ich habe keine Ahnung. Ebenfalls ganz weit vorne einer, der stark nach Basketballer aussah. Wahrscheinlich gerade in der BBL für zu schlecht befunden und jetzt auf dem Rückflug. Als nächstes traf der Blick die Crew. Durchschnittsalter so um die 104 Jahre, aber absolut zuverlässig. Ich habe übrigens bei all meinen Flügen noch nicht einmal eine nette Stewardess gesehen, scheint echt out zu sein bei den Mädels. Der Flug war auf jeden Fall einwandfrei. Beim Start darf natürlich nicht die übliche "Journalisten-Lockerheit" fehlen, die ich mir mittlerweile abgeschaut habe. Während alle anderen aus dem Fenster schauen, ganz lässig in die Zeitung vertiefen und so tun, als ließe es einen komplett kalt. In New York gelandet, ging es natürlich zunächst zuerst zu einem dieser netten Beamten am Einreise-Schalter. Der Typ schaute so finster aus, dass ich von meinem ursprünglichen Plan, auf die Frage, was ich denn in Amerika machen wolle, mit "To watch the Penguins kill the Rangers" abgesehen habe und nur kleinlaut "holiday" meinte.

Dann ging es sofort zum Hotel und von da sofort in den Madison Square Garden. Im Pressezentrum erfährt man dann auf einem detaillierten Plan genau, wo man sitzen darf. Noch, noch darf SPOX nicht ganz nach vorne, sondern muss neben Chinesen sitzen. Was wollten die bitte eigentlich da? Ohne Yao, ohne Yi? Na ja, egal. Als nächstes bekam ich eine Liste überreicht, die mir sagen sollte, welche Promis denn heute beim Spiel anwesend seien. Osi Umenyiora (Giants) und Thomas Jones (Jets) sind klar, aber wer zum Teufel ist Big Hank? Und von den Topmodels wie Laura Leavy oder Yelena Zabalishceva habe ich noch nie etwas gehört. Das Spiel war dann bis Mitte des dritten Viertels gar nicht schlecht. Die Knicks-Fans waren durchaus gewillt, ihr Team zu unterstützen und diesmal auf die "Fire Isiah"-Sprechchöre zu verzichten. Schließlich hätte es eine unfassbare two-game-winning-schtrieck (streak) geben können! Kurzzeitig kam tatsächlich ab und zu mal Garden-Stimmung auf – De-fense, De-fense! Aber was dann geschah, spottet wirklich jeder Beschreibung. Die Knicks ließen sich von Mike Dunleavy (36 Points) killen. Und wie. Die Knicks haben nix. Kein Herz, keinen Charakter, keinen Mut, einfach erbärmlich. Ein Beispiel: Zach Randolph, eigentlich offensiv total überzeugend, diskutierte in einer Szene munter mit dem Ref und in seinem Rücken stand sein Gegenspieler, Troy Murphy, völlig frei an der Dreierlinie und machte ihn natürlich rein. Ja sag mal geht es noch?! Unfassbar war das. Das einzige, was noch für Begeisterung sorgte, war die wirklich tolle Cheerleader-Gruppe, die sind der Oberklopfer. So wurde es dann doch noch zu einem richtig schönen Buh-Konzert, hatte aber auch was. Auch sehr peinlich, wie es die Knicks durchziehen, die Unmutsäußerungen durch das Einspielen von superlauter Musik zu übertönen. Die machen das wirklich. Bei der anschließenden Presse-Konferenz konnte einem Isiah Thomas dann fast schon Leid tun. Von der New York Post, der Daily Mail, ESPN und SPOX gegrillt ;) Der ist wirklich am Ende, der Blick, echt bitter. Danach ging es natürlich auch noch in die Knicks-Kabine. Einfach sensationell. Wann wird es endlich auch in der Bundesliga eingeführt, dass man zehn Minuten nach Schlusspfiff Oliver Kahn ein Mikro ins Gesicht hält, während der sich gerade die Hose hochzieht. Aber so gut und stylisch wie die Knicks-Spieler nach dem Spiel aussahen (Quentin Richardson ist die Nummer eins), so dürftig waren ihre Äußerungen. Ich bin schon gespannt, wie es am Mittwoch gegen LeBron und die Cavs wird. Aber vorher steht morgen erstmal Hockey an! Rangers vs. Pens at MSG! Es gibt nichts Cooleres! Viele Grüße aus New York!
Aufrufe: 2319 | Kommentare: 3 | Bewertungen: 12 | Erstellt:18.12.2007
ø 7.3
New York  | Knicks  | NBA  |
NEUESTE KOMMENTARE KOMMENTIEREN
Martinello
18.12.2007 | 11:35 Uhr
Martinello : Neid...
...ist die ehrlichste Form der Anerkennung..oder so ähnlich!
Sigurt
18.12.2007 | 11:56 Uhr
Sigurt : ...
die anzahl unserer neider bestätigt unsere fähigkeiten.
oscar wilde

in deutschland ist die höchste form der anerkennung der neid
arthur schopenhauer

Girardi
18.12.2007 | 12:52 Uhr
Girardi : Let's go....Yankees?
Geiles Blog! Sieh zu, dass du auch mal einen von New Yorks hochbezahlten Baseball-Spielern vors Mikrophon kriegst.
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