15.12.2011 um 08:18 Uhr
Rund um die Hinrunde III

Borussia Dortmund: national dominant, international erneut enttäuschend.

Dortmund hat den Blues
Schwermütig mühte man sich nach der glorreichen Meistersaison in die neue Spielzeit und verschleppte aus einer guten Vorbereitung jegliche, ansatzweise meisterliche Leistung. Wie durch ein Wunder fiel das dem Großteil der Fans auf und man ahnte Böses. Dass dieses Debakel des Meisterknicks bei der Borussia aus Dortmund allerdings ausblieb, grenzt weder an ein Wunder, noch an eine Trendwende. Anders als es vielen vor ihnen ergangen war, konnte man sich fangen, rechtzeitig. Ein Mario Götze verhalf der jungen Mannschaft durch seine variantenreichen Aktionen genauso zum Aufschwung wie die starken Defensivleistungen von Mats Hummels, Lukasz Piszczek und Sven Bender. Auch Robert Lewandowski wusste endlich zu überzeugen und sorgte mit dafür, dass der BVB zu alter Stärke zurückfand. Nur international hat es in den vergangenen Monaten nicht sein sollen. Da lag der Schwerklang großer Blues-Klassiker auf der Mannschaft. Zu sehr wähnte man sich in dem Gedanken eine Topmannschaft zu sein und scheiterte ähnlich unnötig wie in der vorjährigen Europa League-Saison. Dortmund lag den Mannen um Kloppo trotzdem zu Füßen, weil der rot-weiße Gigant aus dem Süden in einem eigentlich ziemlich zahnlosen Kick bezwungen werden konnte. Den Rest der Liga hat es auch gefreut, denn so blieb es an der Tabellenspitze wenigstens spannend. Nur den Champions League-Blues, den hat sich niemand gewünscht, auch wenn der auf einer großen Bühne stattfand...oder gerade deshalb.


Holger Stanislawski müht sich, doch auch die Mannschaft muss sich steigern.

New Kids Vollbremsung
Am absoluten Limit des Gaspedals bewegte man sich in Hoffenheim, nur leider ohne eingelegten Gang. Obwohl mit Holger Stanislawski ein geschätzter Motivationskünstler und (vermeintlich) kumpelhafter Trainer verpflichtet wurde, ging es dort nach Gegentoren nur noch auf die Bremse. Einen ordentlichen Saisonstart ließ die eigene Unsicherheit noch zu, bevor es mittendrin so richtig gegen Null ging. Die Undiszipliniertheiten der New Kids-Truppe gaben dem Ganzen noch etwas mehr Halt. So hing noch kein Team im tabellarischen Niemandsland fest. Und dabei waren die Schwaben noch so höflich, sich für jede Niederlage bei den Gegnern zu bedanken. Erst kurz vor Ende der Hinrunde sollte Vedad Ibiševic den (teils unsportlichen) Einsatz zeigen, den es braucht, um sich Siege zu erarbeiten oder notfalls auch zu erkämpfen. Es wirkt fast, als hätte man nicht den Trainer, sondern die Mannschaft, überschätzt, die zu häufig den Beweis einer guten Bundesligamannschaft schuldig blieb. Womöglich wird sich das nur ändern, wenn das Team Gas gibt – vorerst auch gerne im 1. Gang, um überhaupt von der Stelle zu kommen.


Srdjan Lakic - Ob ihm die roten Teufel nachtrauern?

Vom lauen Lüftchen der roten Teufel
Zeitweise machte es den Eindruck, dass der komplette Ligabetrieb an Kaiserslautern vorbeilief, so selten fiel die Mannschaft auf. Zwar konnte man stellenweise wie in der vergangenen Spielzeit die (mehr oder weniger) Großen ärgern, aber so richtig Fahrt nahm das Team nie auf. Die Neuzugänge zündeten nur bedingt und der Mannschaft fehlten die Impulse aus dem Mittelfeld, während weiter vorne die Abschlüsse einfach nicht erstligareif waren. Erst 12 Treffer konnte man verbuchen, die wenigsten Tore aller Bundesligisten. Diejenigen, die noch im Frühjahr Srdjan Lakic auspfiffen, könnten sich nun genau diesen zurückwünschen, auch wenn der Erfolg ihn wie seinen Ex-Verein verlassen zu haben scheint. Manchmal ist so eine Trennung für beide Seiten von Nachteil. Bei der Mannschaft aus der Pfalz macht das immer mehr den Anschein. Da fehlt was, bis jetzt gab es nur ein laues Lüftchen.


Der große Unbekannte entzückte nur kurz: Tomas Pekhart.

Vergebene Chancen am Fließband
Ein ums andere Mal präsentierte sich der 1. FC Nürnberg sehr unglücklich. Großchancen ließ man nicht selten liegen und stand des Öfteren mit leeren Händen da. Dieter Hecking trotzte kritischen Tönen und behielt die Ruhe. Lobenswert, dass ihm der Vorstand den gleichen Gefallen tat. Nürnberg hatte in der Sommerpause mit Tomas Pekhart einen talentierten Mittelstürmer verpflichtet, die Sturmhoffnung aus Tschechien konnte leider nur zu Saisonbeginn die Erwartungen erfüllen, glänzte dabei mit Geistertoren und geschickten Bewegungen im gegnerischen Strafraum. Leider blieb davon nicht viel übrig. Auf den anfänglichen Optimismus folgte pure Ernüchterung aufgrund der fehlenden Tore. Ob man so die Klasse halten kann, darf bezweifelt werden. Es fehlt eindeutig die Qualität, die es braucht, um sich für den regelmäßig großen Aufwand zu belohnen. Nicht von ungefähr kommt daher der Plan, sich in der Winterpause zu verstärken.


In überragender Verfassung: Marco Reus.

All die schönen Fohlen
Aus einer dramatischen Vorsaison heraus gelang Borussia Mönchengladbach direkt am ersten Spieltag eine unglaubliche Überraschung. Gegen den großen Favorit aus München konnte man siegen und bereits in einer frühen Phase der Saison mit einer starken Verteidigung und dem später überragenden Jungfohlen ter Stegen überzeugen. Favre schaffte ein kleines Wunder. Spieltag um Spieltag, denn die Leistungen blieben konstant auf einem Niveau, das man der Mannschaft, die bis auf eine namhafte und bis dato bedeutungslose Verpflichtung (Oscar Wendt) unverändert blieb, nicht zugetraut hätte. Gladbach erreichte aus einer disziplinierten Grundordnung und dank immer besserem Kombinationsspiel eine schier unmögliche Leistungssteigerung. Spieler wie Marco Reus und Juan Arango verzückten nicht nur die eigenen Fans. Die Liga nahm die Entwicklung insgesamt sehr positiv auf, nach dem Drama aus der letzten Spielzeit gönnt man den Borussen die ausgezeichnete Platzierung...

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Aufrufe: 596 | Kommentare: 0 | Bewertungen: 2 | Erstellt:15.12.2011
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