11.03.2009 um 23:15 Uhr
Rock `n`Roll auf Giesings Höhen
Es ist nicht überliefert, was Löwen-Trainer Uwe Wolf von Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister hält. Klar ist dagegen, dass dieser Satz aus der Biografie des englischen Barden auch von Wolf stammen könnte: „Meine früheste Erinnerung ist, dass ich geschrien habe – warum und wieso, weiß ich nicht mehr genau."
Neulich in Ingolstadt: Die Stimmung im bayerischen Derby zwischen dem FC Ingolstadt und den Münchner Löwen ist aufgeheizt. Gut, jetzt nicht gerade auf den Rängen.
Zwar machten die Anhänger des Gastgebers einen Lärm, dass es einem fast den verkaterten Schädel zerrissen hätte, allerdings nur wegen der Klapperteile aus Plastik (weiß jemand wie die Dinger eigentlich heißen?), die von eifrigen Mitarbeitern vor dem Spiel auf jeden Sitz gelegt wurden. Ansonsten: 6000 besoffene Löwen-Fans, dazu eine bunte Ingolstädter-Mischung aus ansässigen Kleinunternehmern, Familienvätern mit oder ohne Frau und Kind und Rentnern.
Der Krawall spielte sich also vornehmlich auf dem Platz ab. Gezündet wurde die Stimmungs-Granate nachdem FCI-Spieler Michael Wenczel von hinten in die Beine von Benny Lauth rauschte. Vinnie Jones wäre Stolz gewesen.
Jetzt aber: Blöderweise spielte sich das ganze Szenario genau vor der Löwen-Bank ab. Und auf der sitzt seit zwei Wochen nicht mehr der Baumschulen-Pädagoge Marco Kurz, sondern ein Mann, der während des Spiels einen Ruhepuls von etwa 400 hat. Uwe Wolf, 41. Während seiner Zeit als Spieler in Mexiko auch „El Lobo" (der Wolf) genannt.
Der fackelte nicht lang und wollte Wenczel – Achtung, K-Lauer – zu Chilli con Carne verarbeiten. Das wiederum passte Anzugträger Thorsten Fink nicht.
Beide ab auf die Tribüne! Was Wolf anschließend durchaus unterhaltsam kommentierte: „Ich versteh das nicht. Keiner von uns hat den Schiedsrichter beleidigt. Nix schlimmes. Ich hab nur zu Fink gesagt, er soll die Fresse halten."
So richtig prickelnd wurde die Stimmung dann, als sich Wolf auf der Tribüne, umringt von Ingolstädtern, vom Trainer zum Fan verwandelte. Als ein furchtloser Familienvater Wolf darum bat, er möge sich doch endlich hinsetzen und aufhören rumzuschreien, antwortete der Löwen-Trainer im vorbeigehen: „Ich gehe hin wo ich will und ich schreie wann ich will. 60 musst du leben, Mann!" Was ein anderer Fan nach dem Spiel kopfschüttelnd kommentierte: „Der ist so ein richtiger Prolet." Wolf hätte sich vermutlich für das Kompliment bedankt...oder ihm den Kopf abgebissen.
Mit dem Vorschlaghammer trat der stets loyale Co-Trainer vor wenigen Wochen das Amt des Chefs an. Er baute die halbe Mannschaft um, änderte Trainingsgewohnheiten, führte einen Regelkatalog ein („Schuhe müssen vor dem Training geputzt sein") und verbot den Spielern ihre iPods im Mannschaftsbus.
Stattdessen dröhnt dort jetzt der Löwen-Gassenhauer „Stark wie noch nie" aus den Boxen. Mittelfeldspieler Stefan Aigner, ein geborener Münchner, stellte nach der ersten Fahrt fest: „Wir haben es auf der Fahrt ins Stadion jetzt drei Mal gehört. Bis zum nächsten Auswärtsspiel können es auch unsere Ausländer mitsingen."
So dünn das Eis ist, auf dem der geborene Pfälzer Wolf mit seinen Parolen („Ich will 12 Siege aus den letzten 12 Spielen", „Ich will echte Männer auf dem Platz") wandelt, so wohltuend sind sie nach der staubtrockenen Ära Kurz/Reuter.
Anscheinend kommt die Hart-aber-herzlich-Tour von Wolf momentan auch bei den Spielern ganz gut an. Sechs Punkte aus zwei Spielen – immerhin. Dass die Haltbarkeit solcher und anderer Motivationsmaßnahmen begrenzt ist, steht auf einem anderen Blatt.
Wenn es mit dem Trainer-Job dann doch mal in die Hose geht, kann Wolf seine Biografie ja immer noch mit dem Satz beginnen: „Wie schon Lemmy Kilmister sagte..."
Neulich in Ingolstadt: Die Stimmung im bayerischen Derby zwischen dem FC Ingolstadt und den Münchner Löwen ist aufgeheizt. Gut, jetzt nicht gerade auf den Rängen.
Zwar machten die Anhänger des Gastgebers einen Lärm, dass es einem fast den verkaterten Schädel zerrissen hätte, allerdings nur wegen der Klapperteile aus Plastik (weiß jemand wie die Dinger eigentlich heißen?), die von eifrigen Mitarbeitern vor dem Spiel auf jeden Sitz gelegt wurden. Ansonsten: 6000 besoffene Löwen-Fans, dazu eine bunte Ingolstädter-Mischung aus ansässigen Kleinunternehmern, Familienvätern mit oder ohne Frau und Kind und Rentnern.
Der Krawall spielte sich also vornehmlich auf dem Platz ab. Gezündet wurde die Stimmungs-Granate nachdem FCI-Spieler Michael Wenczel von hinten in die Beine von Benny Lauth rauschte. Vinnie Jones wäre Stolz gewesen.
Jetzt aber: Blöderweise spielte sich das ganze Szenario genau vor der Löwen-Bank ab. Und auf der sitzt seit zwei Wochen nicht mehr der Baumschulen-Pädagoge Marco Kurz, sondern ein Mann, der während des Spiels einen Ruhepuls von etwa 400 hat. Uwe Wolf, 41. Während seiner Zeit als Spieler in Mexiko auch „El Lobo" (der Wolf) genannt.
Der fackelte nicht lang und wollte Wenczel – Achtung, K-Lauer – zu Chilli con Carne verarbeiten. Das wiederum passte Anzugträger Thorsten Fink nicht.
Beide ab auf die Tribüne! Was Wolf anschließend durchaus unterhaltsam kommentierte: „Ich versteh das nicht. Keiner von uns hat den Schiedsrichter beleidigt. Nix schlimmes. Ich hab nur zu Fink gesagt, er soll die Fresse halten."
So richtig prickelnd wurde die Stimmung dann, als sich Wolf auf der Tribüne, umringt von Ingolstädtern, vom Trainer zum Fan verwandelte. Als ein furchtloser Familienvater Wolf darum bat, er möge sich doch endlich hinsetzen und aufhören rumzuschreien, antwortete der Löwen-Trainer im vorbeigehen: „Ich gehe hin wo ich will und ich schreie wann ich will. 60 musst du leben, Mann!" Was ein anderer Fan nach dem Spiel kopfschüttelnd kommentierte: „Der ist so ein richtiger Prolet." Wolf hätte sich vermutlich für das Kompliment bedankt...oder ihm den Kopf abgebissen.
Mit dem Vorschlaghammer trat der stets loyale Co-Trainer vor wenigen Wochen das Amt des Chefs an. Er baute die halbe Mannschaft um, änderte Trainingsgewohnheiten, führte einen Regelkatalog ein („Schuhe müssen vor dem Training geputzt sein") und verbot den Spielern ihre iPods im Mannschaftsbus.
Stattdessen dröhnt dort jetzt der Löwen-Gassenhauer „Stark wie noch nie" aus den Boxen. Mittelfeldspieler Stefan Aigner, ein geborener Münchner, stellte nach der ersten Fahrt fest: „Wir haben es auf der Fahrt ins Stadion jetzt drei Mal gehört. Bis zum nächsten Auswärtsspiel können es auch unsere Ausländer mitsingen."
So dünn das Eis ist, auf dem der geborene Pfälzer Wolf mit seinen Parolen („Ich will 12 Siege aus den letzten 12 Spielen", „Ich will echte Männer auf dem Platz") wandelt, so wohltuend sind sie nach der staubtrockenen Ära Kurz/Reuter.
Anscheinend kommt die Hart-aber-herzlich-Tour von Wolf momentan auch bei den Spielern ganz gut an. Sechs Punkte aus zwei Spielen – immerhin. Dass die Haltbarkeit solcher und anderer Motivationsmaßnahmen begrenzt ist, steht auf einem anderen Blatt.
Wenn es mit dem Trainer-Job dann doch mal in die Hose geht, kann Wolf seine Biografie ja immer noch mit dem Satz beginnen: „Wie schon Lemmy Kilmister sagte..."
Aufrufe: 529 | Kommentare: 1 | Bewertungen: 5 | Erstellt:11.03.2009
ø 8.2
KOMMENTARE
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der Wolf wird ja jetzt schon mit Werner Beinhart verglichen.
Sehr gut finde ich auch die teambildenden Ausflüge, z.b. ins Schwimmbad gehen oder auch Bergwandern.
Ein guter Schachzug war auch die Integration von U-23-Spieler Michael Schick.
Seine gefährlichen (Freistoß)Flanken und Ecken sind eine Waffe, die im Training jetzt regelmäßig trainiert werden. Sechs der letzten acht Tore fielen nach Ecke, Freistoß oder Einwurf.
Bis zum 21. Spieltag gab‘s gerade mal fünf Löwen-Tore nach Standards. Schlechtester Wert der Liga.
Wir sollten jetzt von Spiel zu Spiel denken und am Freitag erstmal Frankfurt besiegen, dann hat man mit dem Abstieg schonmal nichts mehr zu tun.