05.Dezember 2008
10.10.2007 um 10:58 Uhr
Persönliche WM-Bilanz Teil III
Dieses Mal möchte ich ein wenig zu meiner Heimatstadt schreiben, die sich vor und während des Turniers besonders heraus geputzt hat, obwohl sie es gar nicht nötig hat.
Schon in der ersten Bewerbungsphase für die Weltmeisterschaft war klar, dass Hamburg auf jeden Fall einer der Standorte des Turniers sein würde. Besaß doch die Hansestadt neben dem Westfalenstadion in Dortmund das einzige halbwegs WM-taugliche Stadion der Republik.
So kam es in dieser Frühphase häufiger vor, dass sich die internationalen FIFA-Gäste in Hamburg trafen, um sich ein Bild vom Standort Deutschland zu machen. Dabei wurde natürlich auch immer die AOL-Arena gezeigt.
Da sich die Hansestadt nicht wirklich ernsthaft beim nationalen OK bewerben musste, wurden die Kämpfe zwischen den anderen potenziellen WM-Städten hanseatisch gelassen zur Kenntnis genommen. Ein erste leichte Begeisterung war verspürbar, als Deutschland auf dem legendären FIFA-Kongress den Zuschlag bekam - sehr zum Unwillen des FIFA-Generalsekretärs Joseph S. Blatter, der Südafrika favorisiert hatte. Legendär deswegen, da sich der neuseeländische FIFA-Vertreter, der das Zünglein an der Waage spielen sollte, wohl von einem Bestechungs-Fax des Satiremagazins Titanic so sehr unter Druck gesetzt fühlte, dass er sich seiner Stimme enthielt, so dass Deutschland den Zuschlag erhielt. Mit saurer Miene verkündete nach der Abstimmung Blatter: "And the winner is Deutschland."
Jetzt wurden in den WM-Städten die Pläne und Bauten für das Turnier intensiviert. Bloß was tun, wann man ein fertiges Stadion besitzt. Es wurden einige Verschönerungsmaßnahmen in der Stadionperipherie beschlossen und zum Turnier auch umgesetzt. Die langen Wege von den S-Bahnhöfen am Volkspark sollten neu gepflastert werden. Die Bahn renovierte den maroden S-Bahnhof Stellingen.
Bis ein halbes Jahr vor dem Turnier zeigten sich die Hamburger eher gelangweilt, wenn es um das Thema WM ging. Das wurde schlagartig anders als Anfang Dezember 2005 in Leipzig die Gruppen ausgelost wurden. Ein groteskes Schauspiel fand da in Sachsen statt, denn eine Auslosung im eigentlichen Sinne war es ja nicht. Aber an dieser Stelle will ich nicht mit den Regeln für die Zuschusterung der Mannschaften zu den einzelnen Gruppen langweilen, denn am Rande dieser Veranstaltung geschahen Dinge, die für den Verlauf der kommenden Wochen und Monate bis zur WM viel interessanter waren.
Die Stadt Nürnberg präsentierte sich in Leipzig mit Lebkuchen und Würstchen oder sagen wir besser sie wollte es: Unglaublich aber wahr, dem fränkischen Gastgeber wurde es untersagt, seine landestypischen Spezialitäten im Rahmen dieser Veranstaltung anzubieten, da sich ein große Fast-Food-Kette die alleinige Verköstigung für das gesamte Turnier gesichert hatte - und dazu gehörte auch dieser Kongress.
Langsam wurde deutlich, dass mit dem Zuschlag für das Turnier, die Bundesrepublik Deutschland sich für den Zeitraum der WM, in die Gesetzgebung der FIFA begeben hat und FIFA-Recht steht über Völker- und jeglichem anderen Recht. Der Verband achtete peinlich genau drauf, dass die Interessen der offiziellen Sponsoren nicht durch Konkurrenz tangiert wurden.
So dauerte es nicht lange, bis sich auch Hamburger Politiker über die Gängelung durch die FIFA beklagten, da es der Verband der Stadt fast unmöglich machte, lokale Sponsoren für das Turnier zu finden, die dann auch noch mit dem Event werben durften. "Die kümmern sich nicht nur um die Brötchen, sondern auch um die Krümel", sagte Jürgen Schmidt (SPD), Vorsitzender des Sportausschusses der Hamburgischen Bürgerschaft entnervt.
Teilweise nahm die Regelungswut zum Schutz der offiziellen Sponsoren groteske Züge an. Das HSV-Museum in der AOL-Arena, die während des Turniers WM-Stadion Hamburg heißen musste, durfte jeweils zwei Tage vor und nach einem Turnierspiel nicht geöffnet werden. Grund: Einige ausgestellte Trikots sind mit Beflockungen von der FIFA nicht genehmen Trikotsponsoren versehen.
Es ging sogar so weit, dass ein ungefähr 300 Meter vor dem Stadion befindlicher Kiosk seine Bierreklame abmontieren sollte, da diese nicht von einem der beiden Getränkesponsoren sei. Aber nicht nur Hamburg hatte zu leiden.
In Nürnberg wurden Geldautomaten der HypoVereinsbank mit Klebeband überdeckt, in der Bankenstadt Frankfurt mussten in Stadionnähe die Logos von Kreditkartenfirmen zugeklebt werden, um den Fifa-Partner Master Card zu schützen.
Fast an eine neue Orwellsche Wahrheit fand man sich in Frankfurt erinnert. Allen Ernstes forderte der Verband, dass im offiziellen WM-Prospekt der Stadt die Skyline retuschiert werden musste. Grund: Die Postbank war nationaler Förderer. Auf dem Panoramabild waren Namen anderer Geldinstitute zu erkennen.
Aber auch in anderen Lebensbereichen schritt die FIFA ein. Journalisten wurden angewiesen, dass sie Fußball mit "ss" zu schreiben haben und bei Publikationen die offiziellen Begriffe "WM 2006" usw. mit einem Trademarkzeichen zu versehen.
Um den langen Bogen zu der Auslosung in Leipzig wieder zu schließen: Hamburg konnte sich auf Argentinien, die Elfenbeinküste, Costa Rica, Ecuador, Saudi Arabien, die Ukraine, Italien und Tschechien freuen. Dazu war man Ausrichter eines Viertelfinales.
In den folgenden Monaten gab es vielfältige Veranstaltungen zum Thema Fußball und die Weltmeisterschaft. Dabei tat sich auch der Fanladen des FC St. Pauli hervor, der Lesungen und Veranstaltungen in den Räumlichkeiten anbot.
Der Globus, eine überdimensionale Fußballkugel mit einer Art Museum machte in der Hansestadt halt, diverse kulturelle Events fanden auf dem Rathausmarkt statt, Theater besannen sich des Themas Fußball, Kinos zeigten Filme rund um das runde Leder und fast alle Dinge des täglichen Lebens wurden mit dem bevorstehenden Großereignis in Verbindung gebracht.
Doch trotz dieser Überflutung an Angeboten vor der WM, blieb der Bürger Hamburgs noch zurückhaltend. Aber partiell kam schon so etwas wie Euphorie auf. Szenen wie auf einem südländischen Basar konnte man z.B. bei der Panini-Bilder-Tauschbörse im Clubheim des FC St. Pauli erleben. Hunderte von Sammler trafen sich wöchentlich in den Räumlichkeiten des Klubs und tauschten, was das Zeug hielt. Dabei wurde immer 1:1 getauscht, egal ob es sich um ein rares Exemplar handelte oder die scheinbar mit einer hundertfachen Auflage gedruckten Spieler der niederländischen Nationalmannschaft.
Die WM rückte unaufhaltsam näher und die Stadt machte sich fein. Eine gelungene Installation waren die Blue Goals, die überall in der Stadt aufgebaut wurden. Der Lichtkünstler Michael Batz hatte die Idee zu dem Projekt entwickelt, das die Stadt bei Dunkelheit in ein blaues Licht tauchte.
Nach berechtigter Kritik zu der Länge des letzten Blogs, schließe ich hier und poste den zweiten Teil zu Hamburg in einem Extra-Blog.
Schon in der ersten Bewerbungsphase für die Weltmeisterschaft war klar, dass Hamburg auf jeden Fall einer der Standorte des Turniers sein würde. Besaß doch die Hansestadt neben dem Westfalenstadion in Dortmund das einzige halbwegs WM-taugliche Stadion der Republik.
So kam es in dieser Frühphase häufiger vor, dass sich die internationalen FIFA-Gäste in Hamburg trafen, um sich ein Bild vom Standort Deutschland zu machen. Dabei wurde natürlich auch immer die AOL-Arena gezeigt.
Da sich die Hansestadt nicht wirklich ernsthaft beim nationalen OK bewerben musste, wurden die Kämpfe zwischen den anderen potenziellen WM-Städten hanseatisch gelassen zur Kenntnis genommen. Ein erste leichte Begeisterung war verspürbar, als Deutschland auf dem legendären FIFA-Kongress den Zuschlag bekam - sehr zum Unwillen des FIFA-Generalsekretärs Joseph S. Blatter, der Südafrika favorisiert hatte. Legendär deswegen, da sich der neuseeländische FIFA-Vertreter, der das Zünglein an der Waage spielen sollte, wohl von einem Bestechungs-Fax des Satiremagazins Titanic so sehr unter Druck gesetzt fühlte, dass er sich seiner Stimme enthielt, so dass Deutschland den Zuschlag erhielt. Mit saurer Miene verkündete nach der Abstimmung Blatter: "And the winner is Deutschland."
Jetzt wurden in den WM-Städten die Pläne und Bauten für das Turnier intensiviert. Bloß was tun, wann man ein fertiges Stadion besitzt. Es wurden einige Verschönerungsmaßnahmen in der Stadionperipherie beschlossen und zum Turnier auch umgesetzt. Die langen Wege von den S-Bahnhöfen am Volkspark sollten neu gepflastert werden. Die Bahn renovierte den maroden S-Bahnhof Stellingen.
Bis ein halbes Jahr vor dem Turnier zeigten sich die Hamburger eher gelangweilt, wenn es um das Thema WM ging. Das wurde schlagartig anders als Anfang Dezember 2005 in Leipzig die Gruppen ausgelost wurden. Ein groteskes Schauspiel fand da in Sachsen statt, denn eine Auslosung im eigentlichen Sinne war es ja nicht. Aber an dieser Stelle will ich nicht mit den Regeln für die Zuschusterung der Mannschaften zu den einzelnen Gruppen langweilen, denn am Rande dieser Veranstaltung geschahen Dinge, die für den Verlauf der kommenden Wochen und Monate bis zur WM viel interessanter waren.
Die Stadt Nürnberg präsentierte sich in Leipzig mit Lebkuchen und Würstchen oder sagen wir besser sie wollte es: Unglaublich aber wahr, dem fränkischen Gastgeber wurde es untersagt, seine landestypischen Spezialitäten im Rahmen dieser Veranstaltung anzubieten, da sich ein große Fast-Food-Kette die alleinige Verköstigung für das gesamte Turnier gesichert hatte - und dazu gehörte auch dieser Kongress.
Langsam wurde deutlich, dass mit dem Zuschlag für das Turnier, die Bundesrepublik Deutschland sich für den Zeitraum der WM, in die Gesetzgebung der FIFA begeben hat und FIFA-Recht steht über Völker- und jeglichem anderen Recht. Der Verband achtete peinlich genau drauf, dass die Interessen der offiziellen Sponsoren nicht durch Konkurrenz tangiert wurden.
So dauerte es nicht lange, bis sich auch Hamburger Politiker über die Gängelung durch die FIFA beklagten, da es der Verband der Stadt fast unmöglich machte, lokale Sponsoren für das Turnier zu finden, die dann auch noch mit dem Event werben durften. "Die kümmern sich nicht nur um die Brötchen, sondern auch um die Krümel", sagte Jürgen Schmidt (SPD), Vorsitzender des Sportausschusses der Hamburgischen Bürgerschaft entnervt.
Teilweise nahm die Regelungswut zum Schutz der offiziellen Sponsoren groteske Züge an. Das HSV-Museum in der AOL-Arena, die während des Turniers WM-Stadion Hamburg heißen musste, durfte jeweils zwei Tage vor und nach einem Turnierspiel nicht geöffnet werden. Grund: Einige ausgestellte Trikots sind mit Beflockungen von der FIFA nicht genehmen Trikotsponsoren versehen.
Es ging sogar so weit, dass ein ungefähr 300 Meter vor dem Stadion befindlicher Kiosk seine Bierreklame abmontieren sollte, da diese nicht von einem der beiden Getränkesponsoren sei. Aber nicht nur Hamburg hatte zu leiden.
In Nürnberg wurden Geldautomaten der HypoVereinsbank mit Klebeband überdeckt, in der Bankenstadt Frankfurt mussten in Stadionnähe die Logos von Kreditkartenfirmen zugeklebt werden, um den Fifa-Partner Master Card zu schützen.
Fast an eine neue Orwellsche Wahrheit fand man sich in Frankfurt erinnert. Allen Ernstes forderte der Verband, dass im offiziellen WM-Prospekt der Stadt die Skyline retuschiert werden musste. Grund: Die Postbank war nationaler Förderer. Auf dem Panoramabild waren Namen anderer Geldinstitute zu erkennen.
Aber auch in anderen Lebensbereichen schritt die FIFA ein. Journalisten wurden angewiesen, dass sie Fußball mit "ss" zu schreiben haben und bei Publikationen die offiziellen Begriffe "WM 2006" usw. mit einem Trademarkzeichen zu versehen.
Um den langen Bogen zu der Auslosung in Leipzig wieder zu schließen: Hamburg konnte sich auf Argentinien, die Elfenbeinküste, Costa Rica, Ecuador, Saudi Arabien, die Ukraine, Italien und Tschechien freuen. Dazu war man Ausrichter eines Viertelfinales.
In den folgenden Monaten gab es vielfältige Veranstaltungen zum Thema Fußball und die Weltmeisterschaft. Dabei tat sich auch der Fanladen des FC St. Pauli hervor, der Lesungen und Veranstaltungen in den Räumlichkeiten anbot.
Der Globus, eine überdimensionale Fußballkugel mit einer Art Museum machte in der Hansestadt halt, diverse kulturelle Events fanden auf dem Rathausmarkt statt, Theater besannen sich des Themas Fußball, Kinos zeigten Filme rund um das runde Leder und fast alle Dinge des täglichen Lebens wurden mit dem bevorstehenden Großereignis in Verbindung gebracht.
Doch trotz dieser Überflutung an Angeboten vor der WM, blieb der Bürger Hamburgs noch zurückhaltend. Aber partiell kam schon so etwas wie Euphorie auf. Szenen wie auf einem südländischen Basar konnte man z.B. bei der Panini-Bilder-Tauschbörse im Clubheim des FC St. Pauli erleben. Hunderte von Sammler trafen sich wöchentlich in den Räumlichkeiten des Klubs und tauschten, was das Zeug hielt. Dabei wurde immer 1:1 getauscht, egal ob es sich um ein rares Exemplar handelte oder die scheinbar mit einer hundertfachen Auflage gedruckten Spieler der niederländischen Nationalmannschaft.
Die WM rückte unaufhaltsam näher und die Stadt machte sich fein. Eine gelungene Installation waren die Blue Goals, die überall in der Stadt aufgebaut wurden. Der Lichtkünstler Michael Batz hatte die Idee zu dem Projekt entwickelt, das die Stadt bei Dunkelheit in ein blaues Licht tauchte.
Nach berechtigter Kritik zu der Länge des letzten Blogs, schließe ich hier und poste den zweiten Teil zu Hamburg in einem Extra-Blog.
Aufrufe: 121 | Kommentare: 1 | Bewertungen: 1 | Erstellt:10.10.2007
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