22.02.2009 um 21:10 Uhr
Oli Kahns Fluch
Es wird dieser Tage viel über die strategische Spielausrichtung des FC Bayern diskutiert, was angesichts von drei Niederlagen in fünf Pflichtspielen 2009 und der immensen Anzahl von Gegentoren sicherlich angebracht ist.
Eine ebenso wichtige, wenn nicht sogar wichtigere Baustelle, stellt die Hierarchie innerhalb der Mannschaft dar. Der langjährige Kapitän Oliver Kahn hat mit der Beendigung seiner Karriere ein massives Vakuum hinterlassen, dass weit über den eigenen Strafraum hinaus wirksam ist. Jürgen Klinsmann hat sich nach einer Beobachtungsphase für Mark van Bommel als Kahns Nachfolger entschieden. Die Benennung von Lucio und Martin Demichelis als seine Stellvertreter haben dem ebenso ambitionierten Phillip Lahm schon mal einiges Kopfzerbrechen bereitet. Noch wundersamer wurde es dann, als der frisch gebackene Kapitän mit einem Mal auf die Reservebank verbannt wurde. Dadurch wurde seiner Autorität ein erster Kratzer verpasst. Bald daraufhin hatte Klinsmann ein Einsehen und begnadigte van Bommel wieder. Seitdem dringt immer wieder an die Öffentlichkeit, dass van Bommel wohl in der nächsten Saison seine Position im defensiven Mittelfeld an den gerade verpflichteten angeblichen Wunschspieler Klinsmanns Anatolyi Tymoshuk (so stand sein Name zumindest auf seinem Trikot im UEFA-Cup-Spiel gegen den VFB Stuttgart) abgeben wird müssen. Eindeutige Indizien hierfür sind, dass die Vereinsoberen van Bommel nun entgegen dessen Wunsch nur einen 1-Jahres-Vertrag anbieten.
Dass van Bommel davon nicht gerade begeistert ist, hat er hinlänglich geäußert. Dass dadurch weitere mannschaftsinterne Zweifel an seiner Führungsrolle bestärkt wurden, scheint logisch. Hinzu kommt, dass van Bommel sich derzeit in einem Schwebezustand befindet. Sein Vertrag läuft im Sommer aus und er hat weder beim FC Bayern noch bei einem anderen Verein, trotz diverser Angebote, unterschrieben.
Was nun wenn er sich verletzt? Diese Frage dürfte in dem Kopf des Spielers herum spuken, was auch nicht gerade zu seinem Selbstbewußtsein beiträgt. Hinzu kommen von Klinsmann lapidar hingeworfene Aussagen, dass van Bommel auf jeden Fall bleibt, denen dieser bereits öffentlich widersprochen hat.
Was ist also von so einem Kapitän zu halten? Kann er die Mannschaft noch tatkräftig führen oder hat er mittlerweile schon zuviel Autorität verloren? Bereiten sich einige Spieler schon auf seine Nachfolge vor?
Letzte Woche ging es nun Klinsmann selber an den Kragen. Die Kader-Verbannung von Lukas Podolski im Spiel gegen Hertha BSC, hat Rummenigge und Hoeneß anscheinend gar nicht gefallen, so dass sie sich genötigt sahen dessen Rückkehr öffentlich einzufordern. Klinsmann hat dieser Anweisung brav Folge geleistet, indem er Podolski gegen Köln sogar in die Startelf befördert hat, trotz vorheriger eindeutiger Aussagen, dass Podolski nur noch Stürmer Nummer 4 ist und Landon Donovan die klare Nummer 3. Klinsmanns Machtbefugnisse wurden demnach von der Vorstandsriege öffentlich wirksam beschränkt, was den Spielern insbesondere van Bommel sicherlich auch nicht entgangen sein dürfte.
Im gestrigen Spiel gegen den 1. FC Köln wurde die bröckelnde Hierarchie und der daraus resultierende Verlust von Ordnung und Disziplin nun vollends sichtbar. Hatte man sich in den Spielen gegen Hamburg und Dortmund noch durch individuelle Einzelleistungen relativ gut verkauft, war gestern endgültig keine Mannschaft mehr am Platz zu sehen, sondern lediglich führungslose Einzelakteure, die jeder so für sich ihr Ding machten. Die miese Stimmung war am deutlichsten bei Zé Roberto, der Seele der Mannschaft, Martin Demichelis und Schweinsteiger sichtbar, die allesamt lust- und antriebslos mit offenbar extrem schlechter Stimmung am Platz umhertrabten.
Was kann Klinsmann nun tun?
Sollte er darauf dringen, dass van Bommel doch einen Zwei-Jahresvertrag bekommt und ihn dann im Sommer in einen Zweikampf mit Tymoshuk schicken, den er auch ohne Klinsmann aufgrund der höheren Qualität des Ukrainers nicht gewinnen wird. Damit wäre aber dieses Thema wenigstens bis zum Sommer vom Tisch. Van Bommel könnte mit dem Vertrag befreiter aufspielen und vielleicht kurzfristig wieder an Autorität gewinnen. Die Summe, die man ihm für ein zusätzliches Jahr bezahlen müsste, wenn man ihn nicht vorher vom Hof jagen kann, wäre angesichts der Abfindung die man Klinsmann bezahlen müsste wahrscheinlich geringfügig.
Eine andere Möglichkeit wäre, van Bommel die Kapitänsbinde weg zu nehmen und einen anderen Spieler zum Kapitän zu machen. Dadurch könnte allerdings der Eindruck entstehen, dass Klinsmann gar nicht mehr so ganz genau weiß, was er eigentlich tut.
Irgendetwas muss er sich jedoch einfallen lassen, denn sonst übersteht er die nächsten zwei drei Wochen wahrscheinlich nicht mehr.
(Armin Veh wäre zu haben.)
Eine ebenso wichtige, wenn nicht sogar wichtigere Baustelle, stellt die Hierarchie innerhalb der Mannschaft dar. Der langjährige Kapitän Oliver Kahn hat mit der Beendigung seiner Karriere ein massives Vakuum hinterlassen, dass weit über den eigenen Strafraum hinaus wirksam ist. Jürgen Klinsmann hat sich nach einer Beobachtungsphase für Mark van Bommel als Kahns Nachfolger entschieden. Die Benennung von Lucio und Martin Demichelis als seine Stellvertreter haben dem ebenso ambitionierten Phillip Lahm schon mal einiges Kopfzerbrechen bereitet. Noch wundersamer wurde es dann, als der frisch gebackene Kapitän mit einem Mal auf die Reservebank verbannt wurde. Dadurch wurde seiner Autorität ein erster Kratzer verpasst. Bald daraufhin hatte Klinsmann ein Einsehen und begnadigte van Bommel wieder. Seitdem dringt immer wieder an die Öffentlichkeit, dass van Bommel wohl in der nächsten Saison seine Position im defensiven Mittelfeld an den gerade verpflichteten angeblichen Wunschspieler Klinsmanns Anatolyi Tymoshuk (so stand sein Name zumindest auf seinem Trikot im UEFA-Cup-Spiel gegen den VFB Stuttgart) abgeben wird müssen. Eindeutige Indizien hierfür sind, dass die Vereinsoberen van Bommel nun entgegen dessen Wunsch nur einen 1-Jahres-Vertrag anbieten.
Dass van Bommel davon nicht gerade begeistert ist, hat er hinlänglich geäußert. Dass dadurch weitere mannschaftsinterne Zweifel an seiner Führungsrolle bestärkt wurden, scheint logisch. Hinzu kommt, dass van Bommel sich derzeit in einem Schwebezustand befindet. Sein Vertrag läuft im Sommer aus und er hat weder beim FC Bayern noch bei einem anderen Verein, trotz diverser Angebote, unterschrieben.
Was nun wenn er sich verletzt? Diese Frage dürfte in dem Kopf des Spielers herum spuken, was auch nicht gerade zu seinem Selbstbewußtsein beiträgt. Hinzu kommen von Klinsmann lapidar hingeworfene Aussagen, dass van Bommel auf jeden Fall bleibt, denen dieser bereits öffentlich widersprochen hat.
Was ist also von so einem Kapitän zu halten? Kann er die Mannschaft noch tatkräftig führen oder hat er mittlerweile schon zuviel Autorität verloren? Bereiten sich einige Spieler schon auf seine Nachfolge vor?
Letzte Woche ging es nun Klinsmann selber an den Kragen. Die Kader-Verbannung von Lukas Podolski im Spiel gegen Hertha BSC, hat Rummenigge und Hoeneß anscheinend gar nicht gefallen, so dass sie sich genötigt sahen dessen Rückkehr öffentlich einzufordern. Klinsmann hat dieser Anweisung brav Folge geleistet, indem er Podolski gegen Köln sogar in die Startelf befördert hat, trotz vorheriger eindeutiger Aussagen, dass Podolski nur noch Stürmer Nummer 4 ist und Landon Donovan die klare Nummer 3. Klinsmanns Machtbefugnisse wurden demnach von der Vorstandsriege öffentlich wirksam beschränkt, was den Spielern insbesondere van Bommel sicherlich auch nicht entgangen sein dürfte.
Im gestrigen Spiel gegen den 1. FC Köln wurde die bröckelnde Hierarchie und der daraus resultierende Verlust von Ordnung und Disziplin nun vollends sichtbar. Hatte man sich in den Spielen gegen Hamburg und Dortmund noch durch individuelle Einzelleistungen relativ gut verkauft, war gestern endgültig keine Mannschaft mehr am Platz zu sehen, sondern lediglich führungslose Einzelakteure, die jeder so für sich ihr Ding machten. Die miese Stimmung war am deutlichsten bei Zé Roberto, der Seele der Mannschaft, Martin Demichelis und Schweinsteiger sichtbar, die allesamt lust- und antriebslos mit offenbar extrem schlechter Stimmung am Platz umhertrabten.
Was kann Klinsmann nun tun?
Sollte er darauf dringen, dass van Bommel doch einen Zwei-Jahresvertrag bekommt und ihn dann im Sommer in einen Zweikampf mit Tymoshuk schicken, den er auch ohne Klinsmann aufgrund der höheren Qualität des Ukrainers nicht gewinnen wird. Damit wäre aber dieses Thema wenigstens bis zum Sommer vom Tisch. Van Bommel könnte mit dem Vertrag befreiter aufspielen und vielleicht kurzfristig wieder an Autorität gewinnen. Die Summe, die man ihm für ein zusätzliches Jahr bezahlen müsste, wenn man ihn nicht vorher vom Hof jagen kann, wäre angesichts der Abfindung die man Klinsmann bezahlen müsste wahrscheinlich geringfügig.
Eine andere Möglichkeit wäre, van Bommel die Kapitänsbinde weg zu nehmen und einen anderen Spieler zum Kapitän zu machen. Dadurch könnte allerdings der Eindruck entstehen, dass Klinsmann gar nicht mehr so ganz genau weiß, was er eigentlich tut.
Irgendetwas muss er sich jedoch einfallen lassen, denn sonst übersteht er die nächsten zwei drei Wochen wahrscheinlich nicht mehr.
(Armin Veh wäre zu haben.)
Aufrufe: 380 | Kommentare: 3 | Bewertungen: 4 | Erstellt:22.02.2009
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KOMMENTARE
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23.02.2009 | 14:40 Uhr
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Ojüst : @CR7ManUtd:
Ja stimmt, bei Kahns Ausstrahlung reichte fast über das ganze Spielfeld. Seine Konsequenten "Raus!" Schreie nach gegnerischen Ecken haben schon von hinten her immer wieder einen Rhythmus vorgegeben und waren an Sonntagen bis in die Münchner Innenstadt zu hören.Die Spieler wußten, dass sie sich maximal einen Fehler pro Spiel erlauben durften, der nächste hätte bereits mögliche Auswirkungen auf ihren weiteren Verbleib in der Mannschaft bzw. im Verein haben können!
Na ja, ich sehe das ähnlich, Rensing hätte vor zwei Jahren oder so wechseln sollen, jetzt ist er in einer Situation, der er nicht gewachsen ist.
In der Kapitänsfrage würde mir dann nur noch Lucio einfallen, der diesen Posten ja schon mal in der Nationalelf inne hatte oder noch inne hat. Lucio kann zwar glaube ich nicht so gut reden, ist aber mit seiner Körpersprache und seiner Emotionalität ein mitreißender Typ.
05.03.2009 | 00:07 Uhr
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Ojüst : War wieder ersichtlich heute
Strategisch ist es gar nicht so schlecht aus dem Pokal rauszufliegen, da man somit weniger Spiele, mehr Erholung und Konzentration für die beiden anderen Wettbewerbe hat.So wie das heute 70 Minuten lang bewerkstelligt wurde, allerdings nicht. Das war keine Mannschaft, die da auf dem Platz gestanden ist.
Besonders negativ stach der Spaziergänger Borowski heraus.
Am Samstag gibt es ein Endspiel für Klinsmann. Spätestens dann sollte man handeln.
Was für Möglichkeiten gibt es eigentlich?
Habe noch nirgends etwas gelesen, wer gehandelt wird. Wär langsam mal an der Zeit, oder!?
Breitner oder Scholli als übergangslösung?
Veh? Mathäus? Finke?
Wer kommt den von den Internationalen in Frage?
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Jedoch bin ich der Meinung dass van Bommel als Kapitän die falsche Lösung ist. Ich weiß nicht, er ist für mich einfach nur ein Drecksack (wenn ich es mal so ausdrücken darf).
Die fehlende Konstanz in der Abwehr finde ich lässt sich ebenfalls auf Kahns Abgang zurückführen.
Ein Rensing ist einfach kein Oliver Kahn, von den Leistungen und von der Ausstrahlung her.
So eine Abwehr spielt doch ganz anders wenn man weiß da hinten steht ein 'Titan' im Tor. Viel mehr selbstbewusstsein und Vertrauen, dass wenn was schief gehen sollte ein Oliver Kahn zur Stelle ist.
Außerdem reagiert man ganz anders wenn ein Oliver Kahn dich da von hinten anschreit als ein Micheal Rensing. Dazwischen liegen Welten.
Ich will das Rensing noch nichtmal vorwerfen, ich wüsste nicht welcher junge Torhüter das Erbe besser angetreten wäre.
Da hat man mit dem Versprechen, dass man Rensing gab, einen Fehler gemacht wie ich finde.
Als Kahn-Nachfolger passt er einfach nicht.
Zur Kapitänsnachfolge stehe ich auch vor einem Rätsel.
Lahm ist für mich auch kein richtiger Kapitän, der ist mir viel zu "brav". Schweinsteiger kann man auch vergessen, der spielt zu unkonstant.
In der letzten Saison hätte ich Demichelis für die beste Wahl gehalten. Aber in dieser Saison....
Bayern fehlt einfach ein Spieler wie Kahn.
Zum Schluss ist noch zu sagen dass mir der Blog gut gefällt, du dir gute Gedanken gemacht hast, schön geschrieben und erklärt.
9 Punkte