18.02.2011 um 13:17 Uhr
Noch ein Schiri?
In den letzten Tagen gab´s ja immer wieder Diskussionen um die Fehlentscheidungen in der Fußballbundesliga bzw. im Fußball im Allgemeinen.
Nun möchte ich auch nicht auf diese Fehlentscheidungen verzichten. Dadurch - so heißt es - würde der emotionale Aspekt verloren gehen, das Gespräch nach dem Spiel wird deutlich kürzer - manche haben sich vielleicht dann gar nichts mehr zu sagen - und die allseits (un)geliebte Sendung "Doppelpass" würde ihre Daseinsberechtigung verlieren. Deswegen bin ich nach wie vor gegen den Videobeweis, weil er meiner Meinung nach nur bei Sportarten mit Nettospielzeit sinnvoll ist. Zudem gibt´s hierbei viel zu viele offene Fragen. Wer darf wann in welcher Situation wie oft den Videobeweis einfordern?
Einzig den Chip im Ball als technisches Hilfsmittel würde ich bevorzugen. Dieser kann aber logischer Weise nur dabei helfen, ob der Ball hinter der Linie war oder nicht. Ob der Schütze vorher noch (knapp) im Abseits stand, kann der Chip nicht klären. Aber vielleicht muss der Chip gar nicht erst eingeführt werden.
Im Moment befinden sich auf dem und um das Spielfeld herum 4-6 Unparteiische (Schiedsrichter, 2 Assistenten, der 4. Offizielle und bei Europapokalspielen 2 Torrichter). Mein Hauptaugenmerk soll jetzt hierbei dem Schiedsrichter gelten. Dieser läuft in der Regel von Ecke 16-Meter-Raum diagonal zur Ecke 16-Meter-Raum, jeweils auf die Seite, auf der kein Schiedsrichterassistent steht.
Je nachdem wie schnell der Ball weggeschlagen wird, ist der Schiedsrichter mitunter sehr weit weg vom eigentlichen Geschehen, unter Umständen wird der Blick auch noch verdeckt oder der Winkel verzerrt. Dies macht es meiner Meinung nach teilweise sehr schwierig, in Sekundenbruchteilen die richtige Entscheidung zu treffen. Deswegen würde ich mich an Sportarten wie Handball oder Basketball orientieren und einen 2. Feldschiedsrichter einführen.
Auf den Fußball übertragen gäbe es dann den Hauptschiedsrichter mit etwas mehr Kompetenzen, z. B. Verteilung der Karten oder die Entscheidungsgewalt bei Patt-Situationen, den Nebenschiedsrichter, der aber auch Situationen abpfeifen darf, sowie die beiden Linienrichter und den 4. offiziellen. Entscheidungen werden via Headset, was das Gespann ja jetzt schon nutzt, unter einander abgestimmt.
Damit würden sich die Laufwege der beiden Feldschiedsrichter verändern, und zwar von der Grundlinie bis zur Mittellinie bzw. etwas mehr in die Hälfte, aber nicht mehr ganz so diagonal.
Da einer von beiden immer an oder ziemlich nahe der Grundlinie steht, bräuchte man die Torrichter nicht mehr. Dass ein Augenpaar dort aber durchaus Sinn macht, wurde gestern im Spiel Benfica Lissabon - VfB Stuttgart bewiesen. Nach Aussage des Moderators auf Sat.1 hat wohl der Torrichter in der Szene Coentrao gegen Ulreich entschieden, dass der Portugiese eine blitzsaubere Schwalbe hingelegt hat.
Bei dem WM-Spiel Deutschland gegen England hätte der 2. Schiedsrichter höchstwahrscheinlich auch erkannt, dass der Schuss von Frank Lampard hinter der Linie war (gut, über die Bewertung der Szene will ich mich nicht beschweren). Deswegen vielleicht dann doch der Verzicht auf den Chip im Ball. Ebenfalls bin ich der Meinung, dass die Abseitsstellung von Carlos Tevez beim WM-Spiel Argentinien - Mexiko erkannt worden wäre.
Die Situation aus dem Spiel St. Pauli gegen Borussia Mönchengladbach vom letzten Wochenende mit Matthias Lehman und Igor de Carmago wurde ja auch viel diskutiert. Ich will auch gar nicht darauf eingehen, wem welche Schuld hierbei trifft. Fakt ist, dass der Schiedsrichter auf den Rücken von de Carmago guckend es so bewertet hat wie allgemein bekannt. Wenn ich mich richtig erinnere stand auch der Linienrichter mehr auf den Rücken von Lehmann guckend. Vielleicht wäre die Bewertung der Szene anders ausgefallen, wenn ein 2. Schiedsrichter diese z. B. von der Mittellinie/Ecke Mittelkreis beobachtet hätte.
Auch die Szene Subotic vs. Lakic wäre sicherlich anders bewertet worden, durch unterschiedliche Sichtweisen. Man sagt ja auch nicht umsonst, 4 Augen sehen mehr als 2.
Es ließen sich bestimmt noch unzählige Beispiele finden, die durch eine 2. Meinung oder einen anderen Blickwinkel anders bewertet worden wären.
Man sagt Spielern auch gerne nach, dass die Konzentration nachlässt, wenn sie müde werden. Dies hab ich zwar über Schiedsrichter noch nicht gehört, aber durch die veränderten Bedingungen für die Schiedsrichter, müssen diese auch nicht mehr so viel laufen, was im Umkehrschluss doch auch der Konzentration und Bewertung der Szenen förderlich ist.
Dies also meine Überlegungen, wie man evtl. Fehlentscheidungen reduzieren kann, ohne dass man auf technische Hilfsmittel zurückgreifen kann. Freu mich auf angeregte Diskussionen.
Natürlich weiß ich auch, dass Blatter und Konsorten bei der FIFA Neuerungen nicht wirklich aufgeschlossen gegenüberstehen.
Nun möchte ich auch nicht auf diese Fehlentscheidungen verzichten. Dadurch - so heißt es - würde der emotionale Aspekt verloren gehen, das Gespräch nach dem Spiel wird deutlich kürzer - manche haben sich vielleicht dann gar nichts mehr zu sagen - und die allseits (un)geliebte Sendung "Doppelpass" würde ihre Daseinsberechtigung verlieren. Deswegen bin ich nach wie vor gegen den Videobeweis, weil er meiner Meinung nach nur bei Sportarten mit Nettospielzeit sinnvoll ist. Zudem gibt´s hierbei viel zu viele offene Fragen. Wer darf wann in welcher Situation wie oft den Videobeweis einfordern?
Einzig den Chip im Ball als technisches Hilfsmittel würde ich bevorzugen. Dieser kann aber logischer Weise nur dabei helfen, ob der Ball hinter der Linie war oder nicht. Ob der Schütze vorher noch (knapp) im Abseits stand, kann der Chip nicht klären. Aber vielleicht muss der Chip gar nicht erst eingeführt werden.
Im Moment befinden sich auf dem und um das Spielfeld herum 4-6 Unparteiische (Schiedsrichter, 2 Assistenten, der 4. Offizielle und bei Europapokalspielen 2 Torrichter). Mein Hauptaugenmerk soll jetzt hierbei dem Schiedsrichter gelten. Dieser läuft in der Regel von Ecke 16-Meter-Raum diagonal zur Ecke 16-Meter-Raum, jeweils auf die Seite, auf der kein Schiedsrichterassistent steht.
Je nachdem wie schnell der Ball weggeschlagen wird, ist der Schiedsrichter mitunter sehr weit weg vom eigentlichen Geschehen, unter Umständen wird der Blick auch noch verdeckt oder der Winkel verzerrt. Dies macht es meiner Meinung nach teilweise sehr schwierig, in Sekundenbruchteilen die richtige Entscheidung zu treffen. Deswegen würde ich mich an Sportarten wie Handball oder Basketball orientieren und einen 2. Feldschiedsrichter einführen.
Auf den Fußball übertragen gäbe es dann den Hauptschiedsrichter mit etwas mehr Kompetenzen, z. B. Verteilung der Karten oder die Entscheidungsgewalt bei Patt-Situationen, den Nebenschiedsrichter, der aber auch Situationen abpfeifen darf, sowie die beiden Linienrichter und den 4. offiziellen. Entscheidungen werden via Headset, was das Gespann ja jetzt schon nutzt, unter einander abgestimmt.
Damit würden sich die Laufwege der beiden Feldschiedsrichter verändern, und zwar von der Grundlinie bis zur Mittellinie bzw. etwas mehr in die Hälfte, aber nicht mehr ganz so diagonal.
Da einer von beiden immer an oder ziemlich nahe der Grundlinie steht, bräuchte man die Torrichter nicht mehr. Dass ein Augenpaar dort aber durchaus Sinn macht, wurde gestern im Spiel Benfica Lissabon - VfB Stuttgart bewiesen. Nach Aussage des Moderators auf Sat.1 hat wohl der Torrichter in der Szene Coentrao gegen Ulreich entschieden, dass der Portugiese eine blitzsaubere Schwalbe hingelegt hat.
Bei dem WM-Spiel Deutschland gegen England hätte der 2. Schiedsrichter höchstwahrscheinlich auch erkannt, dass der Schuss von Frank Lampard hinter der Linie war (gut, über die Bewertung der Szene will ich mich nicht beschweren). Deswegen vielleicht dann doch der Verzicht auf den Chip im Ball. Ebenfalls bin ich der Meinung, dass die Abseitsstellung von Carlos Tevez beim WM-Spiel Argentinien - Mexiko erkannt worden wäre.
Die Situation aus dem Spiel St. Pauli gegen Borussia Mönchengladbach vom letzten Wochenende mit Matthias Lehman und Igor de Carmago wurde ja auch viel diskutiert. Ich will auch gar nicht darauf eingehen, wem welche Schuld hierbei trifft. Fakt ist, dass der Schiedsrichter auf den Rücken von de Carmago guckend es so bewertet hat wie allgemein bekannt. Wenn ich mich richtig erinnere stand auch der Linienrichter mehr auf den Rücken von Lehmann guckend. Vielleicht wäre die Bewertung der Szene anders ausgefallen, wenn ein 2. Schiedsrichter diese z. B. von der Mittellinie/Ecke Mittelkreis beobachtet hätte.
Auch die Szene Subotic vs. Lakic wäre sicherlich anders bewertet worden, durch unterschiedliche Sichtweisen. Man sagt ja auch nicht umsonst, 4 Augen sehen mehr als 2.
Es ließen sich bestimmt noch unzählige Beispiele finden, die durch eine 2. Meinung oder einen anderen Blickwinkel anders bewertet worden wären.
Man sagt Spielern auch gerne nach, dass die Konzentration nachlässt, wenn sie müde werden. Dies hab ich zwar über Schiedsrichter noch nicht gehört, aber durch die veränderten Bedingungen für die Schiedsrichter, müssen diese auch nicht mehr so viel laufen, was im Umkehrschluss doch auch der Konzentration und Bewertung der Szenen förderlich ist.
Dies also meine Überlegungen, wie man evtl. Fehlentscheidungen reduzieren kann, ohne dass man auf technische Hilfsmittel zurückgreifen kann. Freu mich auf angeregte Diskussionen.
Natürlich weiß ich auch, dass Blatter und Konsorten bei der FIFA Neuerungen nicht wirklich aufgeschlossen gegenüberstehen.
Aufrufe: 1985 | Kommentare: 7 | Bewertungen: 5 | Erstellt:18.02.2011
ø 7.4
KOMMENTARE
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21.02.2011 | 11:51 Uhr
+2
-2
Barock :
aber mit zwei schiedsrichter könnte bayern nicht mehr so einfach denn schierie bestechen.
21.02.2011 | 12:13 Uhr
+1
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für mich wäre es am besten, wenn es pro Mannschaft 2 oder 3 Veto-Möglichkeiten pro Spiel gäbe. Also, dass sie bei kritischen Entscheidungen jeweils 2 Mal einen Videobeweis anfordern könnten. Quasi wie beim Tennis und dem Hawk-Eye. Der 12. Offizielle checkt kurz die Wiederholung und gibt dem Ref per Funk durch, was war. Ist billig, schnell und unkompliziert.
21.02.2011 | 13:04 Uhr
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Flosen :
Interessanter Punkt. Schön geschriebenes Blog!Habe mir selbst zu dem Thema auch den ein oder anderen Gedanken gemacht in Bezug auf einen zweiten Schiri.
Ich bin aber zu dem Schluss gekommen, dass das nicht so gut wäre beim Fussball.
1) der zweite Schiri steht evtl im Weg falls das Spiel schnellgemacht wird, besitzt evtl weniger antizipation der spielsituation als die spieler selbst. steht beim spielaufbau im weg etc.
2) der zweite Schiri blockiert evtl. die Sicht der Linienrichter.
3) das vier augen mehr sehen als zwei, stimmt nur bedingt. es gibt aus den europapokalspielen genügend beispiele wo die torrichter falsch entscheiden bzw. das gesamte gespann und das obwohl hier mehrere leute am Werk sind.
4) der spielfluss leidet darunter, wenn sich 1. und 2. Schiedsrichter bzgl ihrer Entscheidungen absprechen müssen.
das sind nur ein paar spontane gedanken zu dem Thema. wie gesagt ich finde solche ideen immer recht interessant, aber denke, dass bei Umsetzung eher das negative überwiegt. Ähnlich die hawk-eye geschichte. Stört den ganzen spielfluss. Ich bin zwar gegen ungerechte entscheidungen, aber das lässt sich nunmal nicht verhindern, selbst mit technischen hilfsmitteln etc.
21.02.2011 | 13:12 Uhr
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Famos :
Guter Blog. Ich finde eigtl das die Idee ganz gut ist. DIe Bedenken von Flosen sind berechtigt aber um dies rauszufinden müsste man es einfach testen. 2 Hauptschiris, 2 Linienrichter statt Torrichter könnte mMn gut klappen. Vor allem die Tatsache das man weniger laufen muss und so vllt besser konzentriert ist könnte helfen.
Viedeobeweis, hawk ey etc ist für mich der größte Scheiss. Selbst bei einer Zeitlupe ist man sich doch manchmal nicht einig. Wie oft sitze ich mit Kollegen beim Fussball und der eine sagt Elfmeter und der andere kein Elfmeter. Vom Spielfluss her mal abgesehen.
Auch hier bin ich der Meinung vom Autor das ein Chip im Ball das allerhöchste der Gefühle sein sollte. Da sowas aber auch recht selten vorkommt kann man auch drauf verzichten.
Naja ist ne never ending story und das Thema spaltet die Fussballwelt. Ich denke wenn man es so lässt wie jetzt kann man auch nicht viel falsch machen.
21.02.2011 | 13:29 Uhr
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Ich möchte auch die Fehlentscheidungen nicht missen, davon lebt ja der Sport im Allgemeinen bzw. Fußball im Speziellen. Nur waren meine Gedanken, wie man Fehlentscheidungen reduzieren kann und es trotzdem menschlich bleibt.
21.02.2011 | 16:21 Uhr
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Rebel_INS : ...
Interessanter Blog. Würde persönlich auch die Einführung zusätzlicher Schiedsrichter plus der Torkamera befürworten. Dies würde die menschliche Komponente erhalten.
Allerdings würde ich die in der Euro-League eingesetzten Torrichtern zu zwei zusätzlichen Linienrichtern umfunktionieren, sodass ein Linienrichter nur noch ein Viertel des Spielfeldes abdecken muss. Alle dann noch auftretenden Fehlentscheidungen muss man dann hinnehmen, denn grundsätzlich kann man Fehlentscheidungen nie ganz ausschliessen. Man muss halt nur ernsthaft versuchen diese zu minimieren.
Eine Einführung des Videobeweises bei Fehlentscheidungen im laufenden Spiel halte ich schon allein aufgrund der von dir bereits angesprochenen Problematik mit der Zeitnahme im Fussball, für schwer umsetzbar.
21.02.2011 | 18:55 Uhr
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mrpink27 :
Ich bin eher der Fan von Technik, weil es eine neue Dimension der Konteolle bringt. Eine zweiter Schirie hat weiterhin das Problem alles live beurteilen zu müssen. Mit sinnvoll ne Regeln wann und wie technik eingesetzt werden darf halte ich ein Videobeweis für sinnvoller. Wenn aber z.B. eine Abseitserkennung funktioniert, dann könnte man die Linienrichter streichen und einen zweiten Schiedsrichter aufs Feld stellen.Unterbrochen wird das Spiel ja eh. Wichtig ist, dass die Technik kein Supervisor, sondern ein Hilfsmittel bleibt (unter der Voraussetzung, dass sie hilft).
Das Argument: Fußball müsse für den Freitzeitkicker genauso sein wie für Profis trifft je eh nicht zu. Oder legen die Jungs im Park die Regel so aus wie in der BL?
ps. Fehler wird es aber immer geben. Wenn die eine Fehlerquelle minimiert wird, passt sich das Spiel an und es gibt neue "enge" Entscheidungen.
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