22.09.2008 um 03:22 Uhr
Niederlagen sind kein Zufall
Was für ein herrliches Fußball-Wochenende, wenn man nicht gerade Fan vom FC Bayern München, Borussia Dortmund, dem Hamburger SV, Hannover 96 oder dem 1. FC Köln ist. Aber der Reihe nach, denn die Niederlagen der Klubs sind vielleicht nur eine Momentaufnahme - aber möglicherweise verbirgt sich dahinter auch mehr.


Fangen wir mit dem vermeintlichen Knaller schlechthin an. Der 5:2-Klatsche der Bayern gegen Werder Bremen. Für die Niederlage gibt es viele Gründe und einige davon sind auch unverschuldet, denn für Verletzungen wie die von Franck Ribery oder Miroslav Klose ist niemand verantwortlich zu machen. Doch die Pleite nur darauf zu schieben wäre zu einfach. Im Frühjahr haben sich die Verantwortlichen an der Säbener Straße dafür entschieden, mit einem Lehrling an der Seite in die kommende Saison zu gehen - ein wohl einmaliger Vorgang bei einem europäischen Spitzenklub, für den sich der FC Bayern hält. Dieser Lehrling holt sich einen ganzen Betreuerstab, von dem sich keiner im europäischen Spitzenfußball oder in der Bundesliga auskennt - auch ein einmaliger Vorgang. Doch die Systemumstellung und die Unerfahrenheit des großzügigen Betreuerstabs ist nur ein Mosaikstückchen der möglichen Probleme, die unter Umständen auf den FC Bayern zukommen können.

Diskrete Personalpolitik - Baustellen nicht erkannt

Die Personalpolitik war vor dieser Saison sehr diskret. Es wurden bis auf Borowski keine namhaften Spieler verpflichtet (Oddo kam später). Baustellen im Kader wie die rechte Verteidigerposition (Wahlweise im 3-5-2 auch rechtes defensives Mittelfeld) und die des Torhüters wurden entweder übersehen - das wäre mangelnde Kompetenz - oder sie wurden nicht für gravierend erachtet - das wäre Fahrlässigkeit. Auf der rechten Seite spielt mit Christian Lell ein Spieler, der maximal unteres Bundesliganiveau hat. Internationale Spitzenmannschaften lachen sich schon jetzt tot, wenn sie die rechte Defensivseite der Bayern sehen.

Auf der Torhüterposition ist mit Oliver Kahn ein Spieler gegangen, über dessen Leistung jeder Zweifel erhaben und der zudem der letzte unumstrittene Führungsspieler war. Hier vertraut man auf Michael Rensing, den ich zwei mal live im Stadion gesehen habe und bei dessen nicht vorhandener Strafraumbeherrschung mir schon damals Zweifel kamen, ob er den Ansprüchen eines Torhüters bei einem internationalen Spitzenklub gerecht werden kann. Der FC Bayern muss jetzt diesem Torhüter vertrauen, da er de facto konkurrenzlos ist - personalpolitisch eine heikle Entscheidung.

Spieler fühlen sich in der Taktik unwohl
Taktisch wechselte der amtierende Meister von einem 4-4-2 zu einem 3-5-2 und auch mal wieder zurück. Gegen Bukarest war es in den Schlussminuten eher ein 5-3-2, weil die Bayern extrem unter Druck gerieten und die äußeren defensiven Mittelfeldspieler in die Abwehr rückten. Da Lucios Offensivdrang mal wieder nicht zu kontrollieren ist, stehen die Bayern bei Ballverlust des Brasilianer häufig bei schnellen Gegenstößen dem Gegner 1:1 in der Defensive gegenüber. Wenn dieses System beibehalten werden soll, muss ein striktes Offensivverbot für die drei Abwehrspieler gelten.

Zudem ist zu beobachten, dass sich sowohl Lahm als auch der seit Wochen formschwache van Bommel (vorher mit Ze Roberto in der Doppelsechs) in ihrer neuen Position nicht sonderlich wohl fühlen. Natürlich ist das eine Momentaufnahme und in einigen Wochen kann dieses schon wieder anders aussehen - aber die Baustellen, die bei den Bayern vorhanden sind, können dazu führen, dass frühzeitig einige Ziele des Teams in unerreichbare Ferne entschwinden. Die Schwierigkeiten der Mannschaft im taktischen Bereich werden von den kommenden Gegnern mit Sicherheit analysiert.

BVB-Baustelle in der Abwehr
Ebenfalls taktische Schwächen offenbarte Borussia Dortmund unter Woche gegen Udinese Calcio. Der BVB spielte in der Anfangsphase gegen die Italiener so offen(siv), dass man dachte, es wären die letzten zehn Minuten des Rückspiels bei einem zwei-Tore-Rückstand und nicht die ersten zehn Minuten des Hinspiels. Gut organisierte Mannschaften bestrafen so etwas prompt und so taten es die Italiener. Gleiches gelang auch der TSG 1899 Hoffenheim am Sonntag gegen die Westfalen. Wieder wurden die Schwächen in der Hintermannschaft des BVB, bei dem sich das Fehlen von Hummels stark bemerkbar machte, schonungslos offen gelegt. Der BvB befindet sich mit seiner sehr jungen und unerfahrenen Defensive am Scheideweg, denn wenn es den Schwarz-Gelben nicht gelingt, langsam Ordnung in die Abwehrreihen zu bekommen, könnten ganz schwer Zeiten anbrechen.

HSV sucht noch defensive Ordnung
Ähnlich wie dem BVB ergeht es auch dem Hamburger SV. Mit viel Glück stand im Uefa-Cup im Hinspiel zwar erstmals die Null aber das war anscheinend eine Eintagsfliege. Bei den Hanseaten gibt es zwei große Baustellen in diesem Bereich. Zum einen zählen auf der linken Seite sowohl Jansen als auch Atouba nicht zu den Defensivspezialisten und durch die offensiver Ausrichtung der gesamten Mannschaft ist de Jong im defensiven Mittelfeld häufig auf sich alleine gestellt, um bei schnellen Gegenangriffen die Löcher zu stopfen. Eine komplette Analyse der Fehler würde den Rahmen eines solchen Blogs sprengen aber man merkt, dass es noch viel Arbeit bedarf, um die nötige Sicherheit in das Spiel der Hamburger zurückkehren zu lassen.

Hannover könnte zweites Nürnberg werden
150 Kilometer weiter südlich sollten allerdings schon jetzt die Alarmglocken schrillen. Keine Frage, Bayer Leverkusen spielt derzeit wohl den besten Offensivfußball der Liga aber die Art und Weise, wie die Klatsche von Hannover 96 gegen Bayer zustande kam und welche Dissonanzen im Team sich nachher offenbarten, lassen eine ganz schwere Saison für die "Roten" erwarten. Dabei wähnte man sich vor der Saison noch als das Team, das, wenn einer der vermeintlich großen Vereine Schwächen zeigt, an dessen Stelle tritt. Ein Blick Richtung Nürnberg und deren Ambitionen vor Jahresfrist sollte Warnung genug sein. Die Abwehr war gegen die Werkself nur ein Torso, zwischen den Mannschaftsteilen klafften riesige Löcher und besonders erschreckend war die mangelhafte Bereitschaft der offensiven Spieler gegen den Ball zu arbeiten.

Realität heißt Abstiegskampf für Köln

Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit wird auch mal wieder im Schatten des Doms deutlich. Wenige Kilometer von der Fußballmacht Leverkusen spielt ein Aufsteiger, der sich schon gedanklich im Uefa-Cup wähnt aber es nicht schafft, gegen die direkte Abstiegskonkurrenz zu punkten. Der Sieg von Bielefeld war nicht unverdient und Auslöser der Niederlage war ein unnötiges Foul von Wome unmittelbar vor dem Strafraum. Solche Fehler darf man sich in Liga zwei vielleicht erlauben - in der Bundesliga sind diese tödlich - selbst gegen Bielefeld. Sonst finden sich die Geißböcke schneller im Unterhaus wieder als ihnen lieb sein kann.
Aufrufe: 183 | Kommentare: 2 | Bewertungen: 1 | Erstellt:22.09.2008
ø 1.0
NEUESTE KOMMENTARE KOMMENTIEREN
EdHardy22
22.09.2008 | 09:49 Uhr
EdHardy22 :
Sorry, aber bei den Anfängen zu den Bayern habe ich schon aufgehört zu lesen.

Man kann jetzt alles am Klinsi festmachen, ABER schaut man sich einfach mal die Gegentore an, dann sieht man, dass keiner beim Mann steht, keiner drauf geht. Van Buyten, den ich persönlich als schlechtesten Abwehrspieler der Bayern empfinde war der einzige, der die Tore verhindern wollte, beispielhaft für eine Mannschaft die ihrem Trainer die Leistung verweigerte und diesen nun im Regen stehen lässt. Da ist es nur allzu verständlich, das Klinsmann sein Konzept nicht in Frage stellt, sondern weitermachen will, wie gewohnt, nur mit mehr Engagement des Personals.

Klinsmann nimmt jetzt natürlich eine undankbare Rolle ein, die er auch ein wenig heraufbeschworen hat, dennoch liegt die Schuld der Niederlage trotz 3-5-2, trotz CL-Spiel mit schlechten Rasenverhältnissen ganz allein bei der Mannschaft, das war selten so offensichtlich.

Um dann noch einen drauf zusetzen erwähnst du die Personalprbleme im Tor und auf der linken Seite, das ist auch Quatsch. Die Klasse von Rensing ist auch dem DFB bekannt, er hätte nicht in den Jugendmannschaften Adler und Neuer ausgestochen, wenn er nichts kann. Und links ist ein Problem, aber dieses wurde erkannt, deswegen der Systemwechsel, die Nachverpflichtung und die Motivation, die an Lell ausgesprochen wurde.

Deine wie meine Aussagen sind natürlich perslönliche Einschätzungen, aber meine sind weitaus plausibler.

Edit und PS:
Lahm hat Schwächen im neuen System?
Mal ehrlich, das ist der Gipfel.
Der ruft super Leistungen ab, auch auf dieser Position, das war nur ein Spiel, eins, nicht 15, eins.
Siled
22.09.2008 | 10:10 Uhr
Siled :
also zum Bayern kommentar muss ich auch sagen dass es aufgrund des Bremen Spiels ein bißchen überzogen ist. Hier ist weder Klinsmann noch Rensing eine Schuld zuzuschieben. Mit der kämpferischen Einstellung dieses SPiel (z.B. Demichelis der 6 von 9 Zweikämpfen gegen Pizarro verloren hat!!) haätte man auch mit 4-4-2 oder 5-3-2 oder sonst einem System 5 Tore bekommen.
Bei Rensing geb ich dir teilweise Recht, er ist momentan nicht immer der sicherste, aber man hat in der Vergangenheite (z.B,. Champuions League auftritte wenn kahn verletzt war) schon gesehen was er kann. Und da finde ich es richtig dass ich so einem jungen Kerl nihct sofort einen komkurierenden Torwart hole sondern auf ihn baue (Neuer und Andler sind auch konkurenzlos).
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