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22.09.2010 um 21:11 Uhr
Nichts gelernt
10. November 2009: Der Nationaltorhüter Robert Enke begeht Suizid. Er war depressiv. Eine Wahl das zu zeigen, hatte er allerdings nicht, denn er ist Fußballprofi. Diese sind stark, weinen nicht und stehen im harten Fußballbusiness ihren Mann. So fordern es zumindest Verein und Fans. Die wirkliche Welt ist eine andere ...
Nach Enkes Tod stellten sich ganz Deutschland die Frage nach dem "Warum", verschiedeneste Medien spekulierten über seine Gründe. Man redete über die männerdominante Welt des Fußballs, die menschliche Kälte von der Kreisklasse D bis zur 1. Bundesliga, sowie die weiterhin vorhandenen Probleme in Form von Rassismus gegenüber homosexueller Menschen im Fußball. Medien, Spieler und Vorstände forderten konsequentes Umdenken von allen Beteiligten, am ehesten aber von den Fans (gern: den "Ultras").
8 Monate danach: die Welt hat sich wieder normalisiert, kein Fernsehsender berichtet mehr über den Freitod Enkes. Dies wird sich in 7 Wochen wieder ändern, wenn sich das tragische Ereignis das erste mal jährt. Allerdings wird es nur ein kurzes Inferno bleiben: Experten melden sich kurz zu Wort und schließlich kühlen die Erinnerungen schnell wieder ab.
Die Fußballwelt hat nichts dazu gelernt. Und das, obwohl es DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger doch von ganz Deutschland forderte?! Zwanziger äußert sich bestürzt. Schuld daran, dass sich nichts änderte, hat aber auch er: denn er zeigt kaum besseres Verhalten als das, für welches er einstand.
Dass nichts passiert ist, kann man gut an der derzeitigen Umgangsweise mit dem (ehemals und wieder verletzten immer-noch) Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack beobachten. Reduziert man den Fall auf das Wesentliche lässt sich sagen: Ballack wurde dafür kritisiert, dass man ihn verletzen konnte. Und das ganz, ganz heftig!!! Menschlichkeit? Egal. Fairness? Uninteressant! Respekt? Scheiß drauf! Einseitige, ihn ins schlechtere Licht rückende Artikel (z.B. die Erwähnung des 3. Platzes bei der WM 2010 unter der Führung Lahms als Argument für die Kapitänsbinden-Diskussion pro Lahm, gleichzeitig die Nicht-Erwähnung von Ballacks "Führungserfolgen" und zweiten Plätzen bei der WM 2002 (damals noch kein Kapitän, aber der entscheidene Mann), sowie der EM 2008 und des 3. Platzes bei der WM 2006) waren normal und wurden von den Medien auch so präsentiert.
Problem dabei: der Umgangston. Man vergaß, was Ballack für die Nationalmannschaft getan hat. Man vergaß die gute Erziehung. Man vergaß, fair zu sein. Man vergaß einfach alles. Und man vergaß, sich an Enke zurückzuerinnern. Damals noch herausgeschrien "Wir müssen und werden uns ändern", ist alles von damals heute sowas von egal. Niemand juckt es, welche Folgen diese intensive Form der Kritik von immer ahnungsloseren Journalisten und Fans an Michael Ballack haben könnte. Es war egal. Denn Ballack ist stark, weint nicht und steht seinen Mann im harten Fußballbusiness. Genau wie es Enke damals zu tun schien.
Niemand rechnet mit solchen Meldungen... Weil die meisten Menschen nicht mehr darüber nachdenken, was sie sagen (in dem Fall, was sie zur "K-Frage" beisteuern). Hier dürfen sich auch all diejenigen selbsternannten "Experten" zu Wort melden, die schon seit der WM 2006 Fußball gucken. Lange her, diese 4 Jahre...
Worte bringen hier nicht viel. Auch wenn "Theo" sich wieder zu Wort melden wird (Homosexualität nicht zu vergessen!!!): Taten müssen folgen. Man sollte sich dabei immer den absoluten Grundgedanken einer jeden Sportart ins Gedächtnis rufen. Ursprung aller Sportarten ist der Spaß. Im Fußball geht es allerdings längst nicht mehr nur um den Spaß. Die Kreisklasse A unterscheidet sich hier kaum von der Bundesliga. Nur das Medieninteresse ist ein anderes. War eine Entlöhnung anfangs noch als Aufwandsentschädigung gemeint, ist es mittlerweile in den Mittelpunkt aller Vertragsverhandlungen gerückt. Ob in der Kreisklasse oder in der Bundesliga...
Denkt mal drüber nach.
Aufrufe: 341 | Kommentare: 4 | Bewertungen: 2 | Erstellt:22.09.2010
ø 6.5
fußball  | Männerwelt  | Dominanz  | enke  | ballack  |
KOMMENTARE
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beold
22.09.2010 | 23:22 Uhr
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beold : Danke
22.09.2010 | 23:22 Uhr
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beold : Danke
Danke, dass du meinen Blog bestätigst. Und auch danke für deinen Beitrag. Gesellschaftliche Verantwortung nennt man das Ganze, wenn jeder so eingestellt wäre wie du, existierte die Welt in der heutigen Form nicht.
Lila_Weisser_Held
23.09.2010 | 08:47 Uhr
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23.09.2010 | 08:47 Uhr
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Ziemlich moralinsauer, semantisch absolut daneben und in der Argumentation das Thema verfehlt.

Ich bin ja noch bereit, dir einen guten Willen zu unterstellen.

Zum einen bekam die Witwe Enkes in der letzten Woche einen Medienpreis, das Thema ist also immer noch durchaus präsent.
Der Umgang mit dem Thema ist allerdings durchaus fragwürdig, insofern gebe ich dir Recht. Hier!

Der Vergleich mit Michael Ballack hinkt allerdings ungemein. Weitere Ausführungen hierzu möchte ich mir ersparen.

Und ob der Todestag Enkes für ein "Inferno" sorgen wird?
Du meintest wahrscheinlich, dass das Gedenken nur ein kurzes Intermezzo sein dürfte ...
Nur eine von diversen semantischen Ungereimtheiten in deinem Blog.

Und dass der Grundgedanke und Ursprung des Sports der Spaß sei, wage ich mal arg zu bezweifeln.
Sport ist schon immer mit religiösen oder sonstigen sozio-kulturellen Einflüssen behaftet gewesen. Seien es Ballspiele der Maya oder der "Sport" der englischen Upperclass Englands, verbürgt spätestens ab dem 17ten Jahrhundert.
beold
23.09.2010 | 17:03 Uhr
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beold : 
23.09.2010 | 17:03 Uhr
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beold : 
Auch dir vielen Dank, Lila_Weisser_Held!

Lass mich dir meinen Blog bitte weiter erläutern.
Ein Medienpreis für die Witwe Enkes ist nichts im Vergleich zu der Medienpräsenz, die wenige Stunden nach seinem Tod vorhanden war. Demnach sind diese beiden Punkte nicht miteinander zu vergleichen. Hier solltest du mir also recht geben.

An welchem Punkt ich den Fall Enke mit dem Fall Ballack vergleiche, möchte ich dir nun schildern. Beide sind / waren erfahren im Fußballgeschäft (über 30 Jahre alt). Sie müssten also wissen, wie man mit Druck und Kritik umgeht. In Wahrheit ist dieser Druck auf die immens im öffentlichen Leben integrierten Fußballer aber so hoch, wie es sich keiner von uns angeblichen Experten vorstellen kann. Die Fans fordern, die Medien fordern. Fehler sind bei den Finanzströmen im Fußballbusiness nicht mehr erlaubt. Nur ganz wenige Ausnahmen bilden hier die Regel (St. Pauli, Mainz, auch Dortmund).

Ich möchte dich nun fragen: Wie kämest du damit klar, wenn sich dir wildfremde Personen, die dich ab und zu im Fernsehen sehen, entgegenstellen und sich erlauben, dich für ein Ereignis (Verletzung), für das du nichts kannst, zu kritisieren? Wahrscheinlich fändest du es nicht wirklich schön. Wie kommst du dir aber vor, wenn 40 Millionen Deutsche gegen dich sind?

Auch deine Zweifel am Spaßursprung sind vollkommen unerklärlich. Oder fängst du mit 3 Jahren in den Bambinis das Fußballspielen an, weil Jesus Christus es so will? Wohl kaum...

Das ist der Ansatz, den ich an dieser Stelle ausformuliere. Deshalb ist meine Argumentation (meiner Meinung) nach weder verfehlt, noch semantisch inkorrekt oder moralinsauer. Es kommt immer darauf an, was der Leser daraus macht und wie er den Blog versteht.

PS: Trotzdem vielen Dank für deine Antwort. Es ist übrigens mein erster Blog. ;)
beold
07.10.2010 | 23:09 Uhr
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beold : Link
07.10.2010 | 23:09 Uhr
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beold : Link
siehe dazu auch hier: http://www.spox.com/de/sport/fussball/dfb-team/1010/Artikel/cacau-interview-nationalmannschaft-tuerkei-deutschland-tuerk-guecue-muenchen-robert-enke-vfb-stuttgart-krise-integration-botschafter.html
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