11.03.2011 um 12:47 Uhr
NBA Lockout 2011
NBA Lockout 2011 - Streik, Lösung oder Desaster?
NBA Lockout – was genau ist darunter zu verstehen? Ein NBA Ausschluss, so wie man es wörtlich übersetzen würde? Ganz genau so ist es. Nur, dass in diesem Falle nicht die NBA, sonder die Spieler selbst vom Spielbetrieb ausgeschlossen werden. Wobei dies natürlich je nach den zu vertretenen Standpunkten in der Ansicht des Betrachters liegt, wer hier überhaupt wen ausschließt.
Doch wie kommt es dazu? Welche Differenzen lassen eine derart große Kluft zwischen Liga, Spielern und Clubs auftreten, die einen Streik beider Seiten und somit im schlimmsten Fall eine mehr oder minder lange Lahmlegung des Spielbetriebs mit sich ziehen würde?
Die Antwort ist einfach: schuld ist wie immer das liebe Geld.
Räumen wir die ganze Geschichte mal von hinten auf. Stars wie einst Michael Jordan, Karl Malone und Magic Johnson oder jüngst Kobe Bryant, Kevin Garnett und LeBron James verzaubern die Welt mit spektakulären Dunks, Blocks und Aufholjagden. Hand-in-Hand-gehend und somit selbstverständlich sollte jedoch sein, dass sie dies nicht nur aus Spaß und Unterhaltung tun. Nein. Vielmehr verdienen sie sich mit ihren Talenten eine sprichwörtlich goldene Nase.
Fünf-Jahres-Verträge im Wert von über 100 Mio. Dollar mit Option auf ein weiteres, mit über 20 Mio. Dollar vergütetes Jahr, sind mitlerweile Gang und Gebe auf der großen Bühne des sportlichen Showgeschäfts.
Man könnte nun von der Ironie des Schicksals reden wenn man sagt, dass ausgerechnet die selbsternannte "beste Basketball-Liga der Welt" mit all ihren Stars, Arenen und Multimillionären, sogar Milliadären als Clubbesitzern in ihrem eigenen Größenwahn finanziell zu Grunde gehen zu scheint. Knapp zusammengefasst: Die NBA steht vor einer Pleite, die Teams haben kein Geld mehr.
Ähnlich ging es aber schon ein Mal zu: Bereits 1995 stand die NBA vor einem Lockout aufgrund einer anstehenden Pleite bedingt durch zu hohe Spielergehälter. Forderung damals: Niedrigere Spielergehälter. Reaktionen der Spieler damals: Keine. Folge damals: Ausschluss der Spieler durch ihre Clubs für drei Monate. Da diese Maßnahme jedoch in der Sommerpause stattfand, kam es zu keinen Spielausfällen. Lösung damals: Festlegung des Collective Bargaigning Agreement (CBA). Diese Abmachung schrieb erstmals vor, dass die Spielergehälter aller NBA Profis addiert nicht mehr als 57% aller durch die NBA Teams getätigten Einnahmen überschreiten durften.
Doch genau dies geschah 1998 angesichts der bereits angesprochenen 100 Mio. Dollar-Verträge. Als Folge wollte man einen Salary-Cap festlegen, der festgelegte Maximalgehälter für die Spieler vorsah. Narürlich kam es zu keiner ruhigen Einigung, woraus der erste Lockout entstand, der insgesamt um die 30 Spiele ausfallen ließ.
Spielausfall heisst keine Zuschauer. Keine Zuschauer heisst keine Einnahmen. Keine Einnahmen heisst keine Möglichkeit, Spielergehälter zu bezahlen. Das wiederum bedeutet, dass weiterhin keine Spiele ausgeführt werden. Die Folge daraus ist ein dramatischer Imageverlust der NBA weltweit, ehe Comissionar David Stern selbst den Streik für beendet erklärte und das bereits bestehende CBA eigenhändig und auch nur marginal auffrischte, auf das sich alle beteiligten Seiten 2005 einigten.
Geglättet sind die Wogen seitdem jedoch noch lange nicht, denn auch die NBA Teams sind von der vergangenen Wirtschaftskrise nicht verschont geblieben. Die Folgen heute: Die immer weiter in unerreichte Höhen wachsenden Spielerverträge können nicht mehr bezahlt werden. Die gewünschten Lösungen heute: Die ursprüngliche Marke von 57%, die die Gesamtsumme der addierten Gehälter in Bezug auf die gesamten generierten Teamgewinne ligaweit ausmachen, soll auf 40% gesenkt werden. Den damals gescheiterten harte Salary-Cap, der festgelegte Maximalgehälter vorweist, will man nun doch einführen. Außerdem soll die maximale Vertragslänge von fünf + ein Jahr Option auf drei Jahre reduziert werden. Ein signifikanter, negativer Knackpunkt könnte jedoch diese Klausel sein: Verträge, die Spielern unabhängig von Einsatzzeiten oder Leistung das gesamte Einkommen garantieren, sollen unterbunden werden. Keine guten Aussichten für langzeitverletzte oder unkonstante Spieler.
So sieht laut Stern aber der Lösungsvorschlag aus, der bereits im Vorfeld hart von den Spielern kritisiert wurde, aber unabweichlich scheint. Denn Statistiken zufolge liegen die ausgezahlten Spielergehälter seit der Spielzeit 2005/2006 bei rund 62% anstatt der vertraglich festgelgten 57%. Ein Grund für Handlungsbedarf ist angesichts aller Situationen also gegeben.
Prognostizierte Reaktion der Spieler auf den bevorstehenden Lockout heute: bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch eins. Es wird Veränderungen in der arrogantesten Basketball-Liga der Welt geben. Signifikante Veränderungen. Veränderungen, die manch weniger talentierte Spieler an den Rand des Ruins treiben könnten. Veränderungen, die der NBA vielleicht die besten und spektakulärsten Spieler und damit ihre Aushängeschilder rauben wird. Die Türen für solche Spieler stehen in osteuropäischen Ländern bereits weit offen. Bestes Beispiel: ZSKA Moskau, die bereits vergangenen Sommer in seriösen Verhandlungen mit LeBron James oder Dirk Nowitzki standen.
Die NBA muss nun aufpassen, dass sie nicht in einem Machtkampf untergeht, der sich zwischen groß und klein, zwichen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, zwischen Geld und Spektakel, zwischen Sinn und Verstand abspielt. Vielleicht erleben wir eine Sensation. Eine Revolution. Vielleicht erleben wir einen Spielerabgang, den man so noch nicht erlebt hat in der NBA. Und dann reicht ein Augenschlag um zu realisieren, dass die besten Basketball-Ligen der welt nur ein paar Stunden Autofahrt von uns entfernt liegen, nämlich in Russland, Spanien oder Griechenland.
Meine Damen und Herren, liebe Basketballbegeisterte: Der NBA Lockout 2011. Die Spekulationen sind eröffnet. Der Sommer bringt Lösungen. Überraschungen. Dramatik. Der Spaß hat gerade erst begonnen...
NBA Lockout – was genau ist darunter zu verstehen? Ein NBA Ausschluss, so wie man es wörtlich übersetzen würde? Ganz genau so ist es. Nur, dass in diesem Falle nicht die NBA, sonder die Spieler selbst vom Spielbetrieb ausgeschlossen werden. Wobei dies natürlich je nach den zu vertretenen Standpunkten in der Ansicht des Betrachters liegt, wer hier überhaupt wen ausschließt.
Doch wie kommt es dazu? Welche Differenzen lassen eine derart große Kluft zwischen Liga, Spielern und Clubs auftreten, die einen Streik beider Seiten und somit im schlimmsten Fall eine mehr oder minder lange Lahmlegung des Spielbetriebs mit sich ziehen würde?
Die Antwort ist einfach: schuld ist wie immer das liebe Geld.
Räumen wir die ganze Geschichte mal von hinten auf. Stars wie einst Michael Jordan, Karl Malone und Magic Johnson oder jüngst Kobe Bryant, Kevin Garnett und LeBron James verzaubern die Welt mit spektakulären Dunks, Blocks und Aufholjagden. Hand-in-Hand-gehend und somit selbstverständlich sollte jedoch sein, dass sie dies nicht nur aus Spaß und Unterhaltung tun. Nein. Vielmehr verdienen sie sich mit ihren Talenten eine sprichwörtlich goldene Nase.
Fünf-Jahres-Verträge im Wert von über 100 Mio. Dollar mit Option auf ein weiteres, mit über 20 Mio. Dollar vergütetes Jahr, sind mitlerweile Gang und Gebe auf der großen Bühne des sportlichen Showgeschäfts.
Man könnte nun von der Ironie des Schicksals reden wenn man sagt, dass ausgerechnet die selbsternannte "beste Basketball-Liga der Welt" mit all ihren Stars, Arenen und Multimillionären, sogar Milliadären als Clubbesitzern in ihrem eigenen Größenwahn finanziell zu Grunde gehen zu scheint. Knapp zusammengefasst: Die NBA steht vor einer Pleite, die Teams haben kein Geld mehr.
Ähnlich ging es aber schon ein Mal zu: Bereits 1995 stand die NBA vor einem Lockout aufgrund einer anstehenden Pleite bedingt durch zu hohe Spielergehälter. Forderung damals: Niedrigere Spielergehälter. Reaktionen der Spieler damals: Keine. Folge damals: Ausschluss der Spieler durch ihre Clubs für drei Monate. Da diese Maßnahme jedoch in der Sommerpause stattfand, kam es zu keinen Spielausfällen. Lösung damals: Festlegung des Collective Bargaigning Agreement (CBA). Diese Abmachung schrieb erstmals vor, dass die Spielergehälter aller NBA Profis addiert nicht mehr als 57% aller durch die NBA Teams getätigten Einnahmen überschreiten durften.
Doch genau dies geschah 1998 angesichts der bereits angesprochenen 100 Mio. Dollar-Verträge. Als Folge wollte man einen Salary-Cap festlegen, der festgelegte Maximalgehälter für die Spieler vorsah. Narürlich kam es zu keiner ruhigen Einigung, woraus der erste Lockout entstand, der insgesamt um die 30 Spiele ausfallen ließ.
Spielausfall heisst keine Zuschauer. Keine Zuschauer heisst keine Einnahmen. Keine Einnahmen heisst keine Möglichkeit, Spielergehälter zu bezahlen. Das wiederum bedeutet, dass weiterhin keine Spiele ausgeführt werden. Die Folge daraus ist ein dramatischer Imageverlust der NBA weltweit, ehe Comissionar David Stern selbst den Streik für beendet erklärte und das bereits bestehende CBA eigenhändig und auch nur marginal auffrischte, auf das sich alle beteiligten Seiten 2005 einigten.
Geglättet sind die Wogen seitdem jedoch noch lange nicht, denn auch die NBA Teams sind von der vergangenen Wirtschaftskrise nicht verschont geblieben. Die Folgen heute: Die immer weiter in unerreichte Höhen wachsenden Spielerverträge können nicht mehr bezahlt werden. Die gewünschten Lösungen heute: Die ursprüngliche Marke von 57%, die die Gesamtsumme der addierten Gehälter in Bezug auf die gesamten generierten Teamgewinne ligaweit ausmachen, soll auf 40% gesenkt werden. Den damals gescheiterten harte Salary-Cap, der festgelegte Maximalgehälter vorweist, will man nun doch einführen. Außerdem soll die maximale Vertragslänge von fünf + ein Jahr Option auf drei Jahre reduziert werden. Ein signifikanter, negativer Knackpunkt könnte jedoch diese Klausel sein: Verträge, die Spielern unabhängig von Einsatzzeiten oder Leistung das gesamte Einkommen garantieren, sollen unterbunden werden. Keine guten Aussichten für langzeitverletzte oder unkonstante Spieler.
So sieht laut Stern aber der Lösungsvorschlag aus, der bereits im Vorfeld hart von den Spielern kritisiert wurde, aber unabweichlich scheint. Denn Statistiken zufolge liegen die ausgezahlten Spielergehälter seit der Spielzeit 2005/2006 bei rund 62% anstatt der vertraglich festgelgten 57%. Ein Grund für Handlungsbedarf ist angesichts aller Situationen also gegeben.
Prognostizierte Reaktion der Spieler auf den bevorstehenden Lockout heute: bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch eins. Es wird Veränderungen in der arrogantesten Basketball-Liga der Welt geben. Signifikante Veränderungen. Veränderungen, die manch weniger talentierte Spieler an den Rand des Ruins treiben könnten. Veränderungen, die der NBA vielleicht die besten und spektakulärsten Spieler und damit ihre Aushängeschilder rauben wird. Die Türen für solche Spieler stehen in osteuropäischen Ländern bereits weit offen. Bestes Beispiel: ZSKA Moskau, die bereits vergangenen Sommer in seriösen Verhandlungen mit LeBron James oder Dirk Nowitzki standen.
Die NBA muss nun aufpassen, dass sie nicht in einem Machtkampf untergeht, der sich zwischen groß und klein, zwichen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, zwischen Geld und Spektakel, zwischen Sinn und Verstand abspielt. Vielleicht erleben wir eine Sensation. Eine Revolution. Vielleicht erleben wir einen Spielerabgang, den man so noch nicht erlebt hat in der NBA. Und dann reicht ein Augenschlag um zu realisieren, dass die besten Basketball-Ligen der welt nur ein paar Stunden Autofahrt von uns entfernt liegen, nämlich in Russland, Spanien oder Griechenland.
Meine Damen und Herren, liebe Basketballbegeisterte: Der NBA Lockout 2011. Die Spekulationen sind eröffnet. Der Sommer bringt Lösungen. Überraschungen. Dramatik. Der Spaß hat gerade erst begonnen...
Aufrufe: 7696 | Kommentare: 7 | Bewertungen: 10 | Erstellt:11.03.2011
ø 6.3
KOMMENTARE
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13.03.2011 | 16:20 Uhr
+2
-1
Jasper32 :
Guter Blog, aber am Ende wird es haarsträubend: Nowitzki und LBJ haben mit ZSKA Moskau verhandelt? Zeig mir bitte eine seriöse Quelle, die das behauptet. Außerdem glaubst du doch nicht ernsthaft, dass die ganzen Amis nach Russland oder Europa wechseln. Die NBA würde selbst durch einen Lock-Out ihre Ausnahmestellung nicht gefährden.
13.03.2011 | 17:10 Uhr
+1
-1
berlin81 :
also das mit moskau kann ich mir auch niht vorstellen, außerdem waren sie in der euroleague auch sehr sher schlecht, kann mir schon vorstellen dass acuh die finanzielle probleme haben...und dass die ganzen stars in europa oder woanders spielen soll auch ziemlich schwierig sein wegen den ganzen versicherungsgeschichten etc
13.03.2011 | 19:43 Uhr
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Labarum :
ZSKA Moskau, die bereits vergangenen Sommer in seriösen Verhandlungen mit LeBron James oder Dirk Nowitzki standen.lol wers glaubt xD
13.03.2011 | 20:00 Uhr
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-1
mGonzalez : Quelle liegt nahe
Spox hat selbst drüber berichtet ;)http://www.spox.com/de/sport/ussport/0808/Artikel/lebron-james-wechsel-europa.html
Ausserdem, was ich glaube oder was nicht, soll erst ein mal keine Rolle spielen.
Wo ich euch jedoch Recht gebe: die paar Autostunden waren wirklich etwas untertrieben, seht es einfach als Hyperbel, um den Umstand zu unterstreichen ;)
13.03.2011 | 23:44 Uhr
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Veränderungen, die manch weniger talentierte Spieler an den Rand des Ruins treiben könnten. --> :D
Russland nur ein paar Autostunden von uns entfernt --> :D