05.06.2010 um 09:34 Uhr
Mitspielender Torhüter - Part II
Hierzu drei Zitate, um das Phänomen des modernen Torhüters zu erklären:
"Edwin was not the prototype of a goalkeeper when he was scouted (by Louis van Gaal and myself) if you looked at the best of the world at that moment. But its all about what you need as a goalkeeper and especially at a club and the way of playing at AJAX.
So you have to make a clear profile of the AJAX goalkeeper and then scout. Edwin was 18 years when he came over. He started as the number 4! Became soon the number 3 and then number 2 and it too a little longer to be the number 1.
So he had a good preparation time to get used to AJAX and the very high needs there and the goalkeeping part for this club and team. He was a quick learner and a very good professional.
He picked the necessary things very quick up and could do it as well. The perfection of all these needs took a little longer but that is normal. He also is a winner (different then Kahn) and very disciplined."
"Kahn war 23, als 1992 die Rückpassregel eingeführt worden ist. Sein Spiel hat er danach nicht mehr grundsätzlich geändert.
"Reaktionstorhüter" nennt Hoek diese Sorte Keeper: exzellent auf der Linie, willensstark, physisch beeindruckend, aber fußballerisch limitiert und mit durchschnittlichem Stellungsspiel bei Steilpässen in den Rücken der Abwehr.
Das Gegenstück heißt Antizipationskeeper, Prototyp: Edwin van der Sar. Das Begriffspaar entwickelte Hoek, als er mit Louis van Gaal nach Barcelona ging und sich wunderte, warum anerkannte Torleute wie Vítor Baía und Robert Enke nicht mit der Spielweise der Mannschaft klar kamen. (…)
Welcher Torhüter passt ins System Klinsmann? Jens Lehmann gilt als fußballerisch passabel, häufiger als Kahn wandelt er Rückpässe in Spieleröffnung um. Allerdings erlebte auch die neue Nummer 1 entscheidende Ausbildungsjahre in der Zeit vor der Rückpassregel. Bei den Arsenal-Fans hat Lehmann wegen teils bizarrer Ausflüge den Spitznamen Mad Jens weg.
"Er antizipiert besser als Kahn, aber viel weniger als van der Sar", urteilt Frans Hoek."
"Q: "What are the typical aspects oft he Frans Hoek method?"
Van der Sar: "First of all there is always a relationship to game situations.
He never just takes a series of shots at goal. Other players were often involved in the goalkeeping drills.
Frans was in charge of a group of players, so in fact the goalkeepers' training sessions took place within the group sessions. The advantage was that I could practice specific goalkeeping actions in a game context.
In this way you learn to cope with resistances that you are also confronted with during a game. During the goalkeepers’ training sessions he continuously emphasizes that you have to stay on your feet as long as possible. He feels that you should only dive if you need to.
He also repeatedly points out that a goalkeeper must retain possession. This is why we frequently practiced restart situations. In his philosophy, you cannot just kick the ball blindly upfield. You must always have a purpose. Kicking the ball upfield is only useful if you are trying to reach a teammate."
Hier kann man bereits herauslesen, wieso und was moderne Torhüter sind.
Will man mit einer hochstehenden Abwehr spielen, mit Pressing und mit Possession Play, dann benötigt man einen modernen Torhüter, früher waren das eben fast keine Mannschaften, die das praktiziert haben, aber diese Gründe sind nur nicht mehr allein ein Muss für das Benötigen eines modernen Torhüters, sondern die Regelveränderungen, insbesondere die Rückpassregel von 1992, mit Torhütern, die eher Volleyball spielen sollten, kam und kommt man nicht mehr wirklich weiter und je mehr Torhüter in der Zeit nach der Lex Kahn ihre Jugendausbildung haben, umso mehr moderne gibt es.
Der moderne Torhüter muss somit also mit den Füßen gut sein, er soll schnell auf den Beinen sein, eine gute Beinarbeit besitzen, mit beiden Füßen Pässen annehmen wie anbringen können, Flanken abfangen können, mit Innenbein und Außenbein abspringen können und die Abwehr organisieren können.
Manuel Neuer, um auf obiges Beispiel zurückzukommen, ist eben das größte Talent aller Antizipationstorhüter, der kann auch die I-Tüpfelchen wie Abschläge, Abstöße und Auswürfe besser als jeder bisherige (außer ein paar südamerikanischen Spezialisten, die wiederum kein Taktikverständnis besitzen), hier sind aber nicht nur seine bekannten Präassists aus der Bundesliga und U21-EM zu nennen, sondern auch bspw. im letzten Spiel gegen Bosnien – Ball kommt aufs Tor, Neuer hält sicher (auch ein erwünschter Aspekt bei modernen Torhütern) und noch am Boden liegend sieht er seinen Mitspieler und wirft, liegend, einen Ball über 30 Meter präzise, woraus sich eine gute Chance für Konter ergibt.
Auf das leidige Gegenargument "Aber durch das riskante Spiel macht er mehr Fehler und das moderne Torwartspiel ist somit unnötiges Spektakel" möchte ich, rein hypothetisch und natürlich übertrieben, eines vor Augen führen:
340 gefährliche Situationen entstehen pro Saison, behaupten wir mal.
Tim Wiese bleibt 300mal im Kasten, 40mal kommt er raus, 35mal hat er den Ball und 5mal passiert nunmal ein Tor, er sieht blöd aus. 300mal bleibt er drin, bekommt den Schuss/Kopfball auf sein Tor, 225mal pariert er herausragend, 50mal verfehlt der Gegner, 50mal hat er Glück, 25mal bekommt er ein Gegentor.
Macht 35 Gegentore, 5 Patzer und 225 herausragenden und spektakuläre "unhaltbare", die gehalten wurden – in der öffentlichen Wahrnehmung eine super Leistung.
Manuel Neuer bleibt 100mal im Kasten, 240mal kommt er raus, 225mal hat er den Ball, 15mal sieht er blöd aus. 100mal bleibt er drin, 50mal pariert er, 20mal hat er Glück, 20mal verfehlt der Gegner und 10 bekommt er rein.
Macht 25 Gegentore, 20 Patzer und 50 Paraden – in der öffentlichen Wahrnehmung eine schwache Leistung eines unkonstanten und patzenden Torhüters. Die Zahlen sprechen jedoch eine andere Sprache.
Der moderne Torhüter ist der Torwart der Zukunft und lieber habe ich einen Valdes, als einen Casillas, lieber einen Cech als einen Buffon. Lieber Van der Sar als … sonstwen
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Aufrufe: 2203 | Kommentare: 2 | Bewertungen: 3 | Erstellt:05.06.2010
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KOMMENTARE
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05.06.2010 | 19:24 Uhr
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Ortega28 :
Echt interessant, meinen Kumpel seinen Bruder hat letztens der VfB in seine Jugend aufgenommen, da er schon in der F Jugend diesen Typ vom Torhüter verkörpert hat. Hab auch mit dem Techniktrainer dort gesprochen, der meinte dass man diese Entwicklung im TW Spiel in Deutschland zu spät gemerkt hat Ausnahme: Schalke.
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Frans Hoek ist ja ab nächster Saison Torwarttrainer beim FCB, bin mal gespannt was er bewirken kann, aber er scheint ja ein echter Fachmann zu sein.
Und ich stimme dir voll und ganz zu, Manuel Neuer ist mit Abstand das größte Torwarttalent zur Zeit, ich hoffe wirklich dass er der Nachfolger von Butt wird, er würde perfekt in das momentane Spiel der Bayern passen.
Auf jeden Fall hast du das Thema top analysiert, nur das theoretische Beispiel am Schluss muss ich mir nochmal durchlesen, das scheint mir noch nicht ganz so schlüssig^^.
10 Punkte