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13.08.2009 um 21:50 Uhr
Mensch oder Technik?
Kaum ist der erste Spieltag der Bundesliga vorbei kommen sie wieder auf: Die Rufe nach der Torkamera. Aber ist das die Lösung, macht die FIFA mit der Torschiris den richtigen Schritt, ist es am Ende der High-Tech Ball mit Chip oder sollte doch einfach alles beim Alten bleiben?

Die Situation

Fehlentscheidungen wie in Hoffenheim am 1. Spieltag scheinen sich in letzter Zeit zu häufen. Doch irren ist menschlich. Und deshalb muss man die Schiedsrichter natürlich in Schutz nehmen, denn das Spiel wird nicht nur immer schneller, sondern sie müssen auf dem Platz auch noch die eierlegende Wollmilchsau spielen. Abseits, Tore, Fouls, fliegende Gegenstände. Die Liste der Dinge auf die ein Schiedsrichter Acht geben muss ist beinahe endlos.
Seine beiden Assistenten erleichtern die Arbeit immens und auch der vierte Schiri hat seine Berechtigung. Doch trotz dieses vierköpfigen Kompetenzteams passieren Fehler; teils haarsträubende und schwerwiegende.

Übersehene Tätlichkeiten können im Nachhinein untersucht werden, doch eine falsche Abseitsentscheidung oder ein zu Unrecht verweigertes Tor sind nicht wieder gutzumachen. Auch viele andere Entscheidungen liegen allein in der subjektiven Sichtweise des Spielleiters.
Dass man nicht bei jeder Kleinigkeit eine Videobeweise begutachten oder mit einem Expertenteam diskutieren kann ist klar. Sollten gewisse Situationen also anders angegangen werden dürfen?
Auch eine gelbe Karte kann ein Spiel beeinflussen oder sich sogar auf das darauf folgende Spiel auswirken. Es ist also eine Gratwanderung Torentscheidungen überhaupt aus der Hand des Schiedsrichters zu nehmen und ihm damit ein Stück Vertrauen in sein Können zu nehmen.

Alles beim Alten belassen

Kann man vielleicht einfach alles so lassen wie es ist und den Schiedsrichtern weiterhin ihre Menschlichkeit verzeihen? Fußball hat schließlich bis hierhin auch ohne diese ganzen technischen Spielereien funktioniert.
Das Headset mag noch zweifellos von Vorteil sein Situationen zeitnah und schnell mit den Assistenten zu besprechen ohne möglicherweise den Spielfluss zu stören oder gar eine Torchance zu verhindern. Aber geht eine Torkamera oder ein Chip im Ball nicht einfach zu weit? Wird dann als nächstes das Abseits von Kameras entschieden?

Die Torrichter

Mit den beiden Torrichtern können sich viele, die mit dem oberen Punkt sympathisieren vielleicht noch anfreunden und auch die FIFA scheint von der Idee angetan, hat sie diese doch schon bei der Klub-WM getestet.
Doch ist es wirklich die Lösung einfach mehr Schiris zu verwenden? Wenn für jedwede Sondersituation ein Schiri hinzukommen würde, wären bald mehr Schiedsrichter auf und neben dem Platz als Spieler.
Andererseits scheint dies die einfachste und am schnellsten umzusetzende Lösung zu sein. Einen Makel hat sie aber: menschliches Versagen bleibt weiter möglich, wenn auch das Risiko verringert wird.

Die Torkamera

Es gibt gleich mehrere Möglichkeiten, die Torkamera einzusetzen. Als Videobeweis wie aus dem American Football bekannt, als Torerkennung wie beim Eishockey oder gar das Hawk-Eye System aus dem Tennis.
Videobeweis und Hawk-Eye haben dabei in etwa die selben Nachteile. Beide stören den Spielfluss, denn der Schiedsrichter müsste das Spiel unterbrechen und das Videomaterial sichten bzw. auf das Ergebnis des Hawk-Eyes warten. Das verhindert Kontersituationen.
Ebenfalls müsste geklärt werden, wann das System verwendet werden darf, wer es einsetzen darf und wie oft.
Die Torerkennung wie bei Eishockey hat diese Nachteile nicht. Sie kann in unterschiedlichster Weise das Signal geben, ob es ein Tor war oder nicht und das etwa genauso schnell wie wenn der Schiedsrichter selbst entscheiden würde. Es entsteht also keine Behinderung des Spielablaufs.
Trotzdem ist die Kamera im Gegensatz zu zwei Torrichtern eine komplizierte und wahrscheinlich auch teure Anschaffung für die Vereine. (Mal abgesehen davon, dass auch die Torrichter bezahlt werden wollen).

Der Chip im Ball

Das Innenleben so eines Hightech-Balls sieht schon verdammt futuristisch aus, auch wenn er von aussen ganz unscheinbar daherkommt. Er stört auch nicht den Spielfluss, da er ähnlich wie beim Eishockey-System, sofort ein Signal sendet, wenn der Ball die Torlinie überschritten hat. Doch neben einen großen Nachteil gesellt sich auch ein ebenso großes Fragezeichen.
Zunächst der Nachteil: Es gibt den Ball zwar schon und er funktioniert auch, aber die Anschaffungskosten dürften deutlich über denen einer Torkamera liegen. Schließlich braucht man neben mehreren Bällen auch eine komplette Empfangsinfrastruktur um das Spielfeld herum, um die Position des Balles bestimmen zu können.
Nun zum Fragezeichen: Ich habe letztens einen kurzen Ausschnitt mit so einem Ball gesehen. Die Präzision ist erstaunlich. Dort wurde der Ball aber ganz langsam über die Torlinie bewegt. Was passiert also, wenn so ein 120 km/h-Geschoss gegen die Latte knallt, hinter der Torlinie aufspringt und dank Effet wieder aus dem Kasten fliegt? Eine typische Wembley-Tor-Situation halt (auch wenn das Wembley-Tor nicht drin war, passt das Beispiel einfach). Können die Sensoren die Position des Balls schnell genug bestimmen, um so ein Tor zu erkennen? Schließlich kennen wir alle die Verzögerung in unseren Navis, auch wenn es sich um ein anderes System handelt.

Fazit

Bei all der Auswahlmöglichkeit fällt die Entscheidung schwer. Wenn etwas passieren soll, wäre mein persönlicher Favorit das Eishockeyähnliche System. Es scheint keine wirklichen Nachteile zu haben und Kosten kommen nur einmalig oder nur sehr selten auf (im Gegensatz zu den Chip-Bällen, denn auch die verschleißen). Sonst tendiere ich dazu alles beim Alten zu lassen. Fehler passieren nunmal und können in den Schlussminuten auch für die letzte Prise Dramatik im nächsten Derby sorgen.

Ich bin gespannt auf eure Meinung und freue mich über Feedback zum Blog.
Aufrufe: 585 | Kommentare: 2 | Bewertungen: 2 | Erstellt:13.08.2009
ø 10.0
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Kaiser01
14.08.2009 | 12:24 Uhr
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Kaiser01 : 
14.08.2009 | 12:24 Uhr
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Kaiser01 : 
Schön zu lesender Blog, in dem du alle Möglichkeiten hierfür aufbietest. Schon mal 10/10.

Ich würde alles so lassen. Immerhin sind es doch genau diese Fehlentscheidungen, die uns diskutieren und aufbrausen lassen. Das Headset find ich ok, aber mehr Technik sollte nicht in unseren Fußball kommen. Auch auf die Gefahr hin, dass klare Tore nicht gegeben werden.
clean303
15.08.2009 | 12:00 Uhr
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clean303 : 
15.08.2009 | 12:00 Uhr
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clean303 : 
angenehm geschriebener blog. und das thema ist auch interessant. 9 punkte...

wie du selber geschrieben hast, ist der fußball heut um einiges schneller gewurden als vor wenigen jahren noch. aber auch in den 50er gabs fehlentscheidungen was tore betraf, als fußball noch eher schwerfällig aussah. also demnach nicht erst ein thema seit dem jahrhundert. in ligen, wo der abstand zwischen entscheidenen plätzen und denen, die im mittelfeld sich befinden, groß ist, mag sowohl das thema "verweigertes tor" als auch bei anderen fehlentscheidungen, keine große rolle spielen. aber in ligen wie unsere 1. und 2. bl, wo alles meist verdammt eng ist, ein punkt einen meistertitel oder abstieg entscheiden kann, sich demnach um unmengen geld dreht, kann man fehlentscheidungen nicht kommentieren mit dem satz "fehler passieren nun mal" und interessiert auch nicht wirklich das nächste derby. bisher kann ich mich nicht erinnern, bis auf das tor in wimbledon, daß eine fehlentscheidung einen gesamten ausgang eines tuniers oder saison beeinflußt hat. aber warum erst soweit kommen lassen, im zeitalter der technik? einen chip find ich da beinahe schon übertrieben. gibt es doch genug andere sportarten, in denen durch zeitlupen oder hawk-eye stritige entscheidungen schon vornherein geklärt werden können. soweit kommen lassen, daß auch abseitsentscheidungen reklamiert werden können, würd ich auch nicht für gut heißen. aber die angesprochenen tätigkeiten, die übersehen werden, können ebenso ein spiel entscheiden wie ein nicht gegebenes tor. was bringts manch manschaft, daß man einen gegenspieler nachträglich sperrt? nichts in dem moment. ebenso wenig, wie die tatsache, wenn man einen torwart fragt, ob der ball drin war und der nach dem spiel mit einem grinsen auf den lippen die frage mit ja beantwortet.

den einzigsten nachteil den ich sehe, ist die tatsache, daß untere ligen nicht auf solch technik zurückgreifen können. womit wieder wettbewerbsverzerrung im raum stehen würde.
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