04.08.2010 um 21:30 Uhr
Mein erstes Spiel
Thema: Kinderfußball / Elternproblematik
Nachdem ich vor Kurzem den Blog über den Besuch eines E-Jugendspiels und damit verbunden die Schilderungen über das Verhalten einiger Eltern gelesen hatte, entschied ich mich nachstehende Geschichte, die ich bisher lediglich in unserem mannschafts internen Jahrbuch 2009/10 „veröffentlicht" hatte, auch einer breiteren Leserschar zugänglich zu machen.
Eingangs möchte ich aber noch einmal auf den erwähnten Blog Bezug nehmen.
Mein Sohn spielt seit zwei Jahren im Verein und steht unmittelbar vor seiner zweiten Saison im Bereich der F-Jugend (U9). Wie ihr im Anschluss lesen könnt, engagiere ich mich seit nunmehr einem Jahr im Ehrenamt als Co-Trainer der Truppe. In diesen Altersklassen ist das Engagement der Eltern in praktisch allen Belangen von existenzieller Notwendigkeit. Beginnend mit der Anwesenheit bei Training und Spiel, weitergehend über die aktive Mithilfe bei Turnieren und Verkaufsständen, bis hin zur Trainer- und Betreuerarbeit.
Problematisch wird die Situation, wenn von Außen Ansprüche und Forderungen an die Kinder heran getragen werden, die diese in diesem Alter gar nicht erfüllen können oder auch nicht erfüllen sollen.
Es gilt das rechte Maß an Engagement und Einsatz zu finden, sowohl auf, als auch neben dem Trainingsplatz. Daher ist in diesen Altersklassen eine Trainerlizenz, meiner Ansicht nach, nicht das ausschlaggebende, dass für den Job alleinig qualifizierende, Kriterium. Vielmehr muss der Coach sowohl Trainer als auch Moderator in Einem sein, Strömungen, Meinungsbildungen auch im Umfeld frühzeitig erkennen und rechtzeitig eingreifen können. Der Trainer in diesen Altersklassen ist nicht nur Fußballlehrer, sondern auch „Seelendoktor" und Blitzableiter, sowohl für die Kinder als auch für die Eltern.
Aber selbst in diesen Altersklassen kommt es schon regelmäßig zu Szenen und Vorgängen, bei denen man teils nur mit dem Kopf schütteln kann. Einige davon möchte ich Euch gerne kurz schildern.
Mein Sohn wechselte im zarten Alter von sechs Jahren, aus den Bambinis (U7) kommend, den Verein, da in seinem ursprünglichen Club keine weiterführende Jugendmannschaft vorhanden war. Die Nachricht schien sich herum gesprochen zu haben und neben dem Verein den wir Eltern ins Auge gefasst hatten (bei dem er jetzt auch spielt) meldeten sich drei (3) !! weitere Vereine, die ihn zum Wechsel bewegen wollten. Es wurde uns neben neuer Ausstattung sogar der Kauf eines neuen Fahrrads (oder was er sonst so braucht) angeboten. – Schöne neue Welt für Sechsjährige und Eltern die bereits Profikarrieren wittern, weil ihr Kind einen Ball über 10 Meter gerade aus spielen kann!
War die vorherige Anekdote noch eher unter dem Punkt Humor zu verbuchen, so erlebte ich bei einem Bambini-Turnier, wie gesagt, Kinder von maximal sechs Jahren, eine der brutalsten Szenen, der ich persönlich auf einem Fußballfeld seit dreißig Jahren beiwohnen durfte bzw. musste. In einem Spiel, bei dem unsere Truppe nicht beteiligt war, sprang einem Spieler der Ball über den Fuß ins Seitenaus. Ein Spieler der gegnerischen Mannschaft, setzte in diesem Moment zur Grätsche an, zog das rechte Bein nach oben und traf den Jungen mit der Sohle zentral auf die Kniescheibe, wobei sich der Ball bereits in den Händen eines Zuschauers befand, der diesen einem der Kinder zum Einwurf reichen wollte. Die Schreie und die Tränen des Jungen brauche ich sicher nicht weiter zu beschreiben. Der Höhepunkt jedoch waren die Kommentare der Eltern des Jungen, der das Foul begangen hatte.
In der allgemeinen Aufruhr rechtfertigte sich die Mutter doch tatsächlich damit, dass ihr Sohn ein paar Minuten zuvor „doch auch geschuppst worden sei". Wenn ich mir vorstelle, dass dies einem Kind aus meiner Truppe widerfahren wäre, wird mir noch heute, anderthalb Jahre nach dem Vorfall, augenblicklich schlecht.
Zum Glück reagierte wenigstens der Trainer und holte den Jungen sofort vom Spielfeld um ihm für den Rest des Tages „frei" zu geben. Den gefoulten Jungen habe ich Minuten später, stark humpelnd, aber auf den eigenen Beinen laufend, die Anlage verlassen sehen. In der Hoffnung, dass ….
Nun darf natürlich auch das foulende Kind nicht an den Pranger gestellt werden, aber wer die Kommentare der Erziehungsberechtigten gehört hat, kann dem Jungen auf seinen weiteren Wegen nur viel Glück wünschen, dass wird er ganz sicher brauchen.
Aber nichts desto trotz ist auch in diesen Altersklassen der Fußball die schönste Nebensache der Welt (das mit der Nebensache nimmt mir meine Frau übrigens nicht ab!) und strahlende Kinderaugen und Jubelarien nach erzielten Toren trösten über Trainer am Spielfeldrand mit Megafon und Trainerinnen, die den Schiedsrichter vor den eigenen Kindern mit sexuellen Kraftausdrücken beschimpfen, mehr als nur hinweg.
So und nun viel Spaß beim ersten Tag meiner „Trainerlaufbahn".
Der Blog war zu lang, ich mache zwei daraus
Nachdem ich vor Kurzem den Blog über den Besuch eines E-Jugendspiels und damit verbunden die Schilderungen über das Verhalten einiger Eltern gelesen hatte, entschied ich mich nachstehende Geschichte, die ich bisher lediglich in unserem mannschafts internen Jahrbuch 2009/10 „veröffentlicht" hatte, auch einer breiteren Leserschar zugänglich zu machen.
Eingangs möchte ich aber noch einmal auf den erwähnten Blog Bezug nehmen.
Mein Sohn spielt seit zwei Jahren im Verein und steht unmittelbar vor seiner zweiten Saison im Bereich der F-Jugend (U9). Wie ihr im Anschluss lesen könnt, engagiere ich mich seit nunmehr einem Jahr im Ehrenamt als Co-Trainer der Truppe. In diesen Altersklassen ist das Engagement der Eltern in praktisch allen Belangen von existenzieller Notwendigkeit. Beginnend mit der Anwesenheit bei Training und Spiel, weitergehend über die aktive Mithilfe bei Turnieren und Verkaufsständen, bis hin zur Trainer- und Betreuerarbeit.
Problematisch wird die Situation, wenn von Außen Ansprüche und Forderungen an die Kinder heran getragen werden, die diese in diesem Alter gar nicht erfüllen können oder auch nicht erfüllen sollen.
Es gilt das rechte Maß an Engagement und Einsatz zu finden, sowohl auf, als auch neben dem Trainingsplatz. Daher ist in diesen Altersklassen eine Trainerlizenz, meiner Ansicht nach, nicht das ausschlaggebende, dass für den Job alleinig qualifizierende, Kriterium. Vielmehr muss der Coach sowohl Trainer als auch Moderator in Einem sein, Strömungen, Meinungsbildungen auch im Umfeld frühzeitig erkennen und rechtzeitig eingreifen können. Der Trainer in diesen Altersklassen ist nicht nur Fußballlehrer, sondern auch „Seelendoktor" und Blitzableiter, sowohl für die Kinder als auch für die Eltern.
Aber selbst in diesen Altersklassen kommt es schon regelmäßig zu Szenen und Vorgängen, bei denen man teils nur mit dem Kopf schütteln kann. Einige davon möchte ich Euch gerne kurz schildern.
Mein Sohn wechselte im zarten Alter von sechs Jahren, aus den Bambinis (U7) kommend, den Verein, da in seinem ursprünglichen Club keine weiterführende Jugendmannschaft vorhanden war. Die Nachricht schien sich herum gesprochen zu haben und neben dem Verein den wir Eltern ins Auge gefasst hatten (bei dem er jetzt auch spielt) meldeten sich drei (3) !! weitere Vereine, die ihn zum Wechsel bewegen wollten. Es wurde uns neben neuer Ausstattung sogar der Kauf eines neuen Fahrrads (oder was er sonst so braucht) angeboten. – Schöne neue Welt für Sechsjährige und Eltern die bereits Profikarrieren wittern, weil ihr Kind einen Ball über 10 Meter gerade aus spielen kann!
War die vorherige Anekdote noch eher unter dem Punkt Humor zu verbuchen, so erlebte ich bei einem Bambini-Turnier, wie gesagt, Kinder von maximal sechs Jahren, eine der brutalsten Szenen, der ich persönlich auf einem Fußballfeld seit dreißig Jahren beiwohnen durfte bzw. musste. In einem Spiel, bei dem unsere Truppe nicht beteiligt war, sprang einem Spieler der Ball über den Fuß ins Seitenaus. Ein Spieler der gegnerischen Mannschaft, setzte in diesem Moment zur Grätsche an, zog das rechte Bein nach oben und traf den Jungen mit der Sohle zentral auf die Kniescheibe, wobei sich der Ball bereits in den Händen eines Zuschauers befand, der diesen einem der Kinder zum Einwurf reichen wollte. Die Schreie und die Tränen des Jungen brauche ich sicher nicht weiter zu beschreiben. Der Höhepunkt jedoch waren die Kommentare der Eltern des Jungen, der das Foul begangen hatte.
In der allgemeinen Aufruhr rechtfertigte sich die Mutter doch tatsächlich damit, dass ihr Sohn ein paar Minuten zuvor „doch auch geschuppst worden sei". Wenn ich mir vorstelle, dass dies einem Kind aus meiner Truppe widerfahren wäre, wird mir noch heute, anderthalb Jahre nach dem Vorfall, augenblicklich schlecht.
Zum Glück reagierte wenigstens der Trainer und holte den Jungen sofort vom Spielfeld um ihm für den Rest des Tages „frei" zu geben. Den gefoulten Jungen habe ich Minuten später, stark humpelnd, aber auf den eigenen Beinen laufend, die Anlage verlassen sehen. In der Hoffnung, dass ….
Nun darf natürlich auch das foulende Kind nicht an den Pranger gestellt werden, aber wer die Kommentare der Erziehungsberechtigten gehört hat, kann dem Jungen auf seinen weiteren Wegen nur viel Glück wünschen, dass wird er ganz sicher brauchen.
Aber nichts desto trotz ist auch in diesen Altersklassen der Fußball die schönste Nebensache der Welt (das mit der Nebensache nimmt mir meine Frau übrigens nicht ab!) und strahlende Kinderaugen und Jubelarien nach erzielten Toren trösten über Trainer am Spielfeldrand mit Megafon und Trainerinnen, die den Schiedsrichter vor den eigenen Kindern mit sexuellen Kraftausdrücken beschimpfen, mehr als nur hinweg.
So und nun viel Spaß beim ersten Tag meiner „Trainerlaufbahn".
Der Blog war zu lang, ich mache zwei daraus
Aufrufe: 209 | Kommentare: 0 | Bewertungen: 1 | Erstellt:04.08.2010
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