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Von: pixel2000
30.04.2014 | 7776 Aufrufe | 4 Kommentare | 0 Bewertungen Ø 0.0
Ein Krieg der Systeme
Konter vs. Ballbesitz mit Gegenpressing
Konterfussball vs. Ballbesitz - Ein Krieg der Systeme im Zeichen von Gegenpressing

Hallo zusammen!

Habe mir zu der mal wieder hochaktuelle Spielsystemdiskussion Gegenpressing+Konter vs. Gegenpressing+Ballbesitz ein paar Gedanken gemacht. Klar ist in den im folgenden angesprochene Spielen auch immer viel von der Form der Spieler abhängig gewesen, aber ich finde schon dass sich über die letzten Jahre ein paar Tendenzen abgezeichnet haben.

Vorweg: Ich bin kein Taktikexperte, bitte korrigiert mich deshalb wenn ich irgendetwas zu sehr simplifiziere.

  1. Es scheint mir kein Zufall dass immer mehr Topmannschaften auf gut einstudiertes Gegenpressing setzen. Im Gegensatz zur Diskussion zwischen Ballbesitz- und Konterfussball scheint Gegenpressing - Stand jetzt - dem klassischen, tieferliegenden Defensivspiel überlegen zu sein - insofern es die ausführende Mannschaft in ausreichendem Maße beherrscht. Dies lässt sich auch fussballhistorisch belegen: Barcas Aufstieg zur besten Mannschaft der Welt hing neben der hohen individuellen Klasse der Spieler vor allem mit dem extremen Ballbesitzspiel zusammen, welches wiederum nur in Kombination mit intensivem Gegenpressing funktioniert. Dies machte die Kombination Ballbesitz+Gegenpressing zu der dominanten Spielweise der letzten Jahre - bis auch eher auf Konter ausgelegte Mannschaften das Gegenpressing für sich entdeckten.

  2. Ballbesitzfussball verlangt eine höhere Konzentration aller involvierten Spieler, Fehler von einzelnen können schlechter vom Kollektiv ausgebügelt werden, da insgesamt höher gestanden wird und man sich nicht so einfach gegenseitig absichern kann. Insofern scheint mir Ballbesitzfussball anfälliger für Formschwankungen zu sein.

  3. Tendenziell scheint es sich abzuzeichnen, dass gut einstudierter Ballbesitzfussball gegen qualitativ schlechtere Gegner (welche wiederum oft mauern und versuchen Konter zu fahren) zielführender ist, was gut an der Souveränität der Bayern in der Liga zu beobachten ist, während der BVB gegen die "Kleinen" immer wieder Probleme bekommt. Ich führe das darauf zurück dass Konterfussball gegen tiefstehende Gegner einfach nicht ideal funktioniert, Ballbesitzfussball allerdings gerade darin seine Vorteile hat. Zudem haben die Kleinen oft nicht die Qualität die mMn existente Konteranfälligkeit des Ballbesitzfussballs auszunutzen.

  4. Andersrum scheint es so zu sein, dass Konterfussball gegen qualitativ gleich- oder höherwertige Gegner zielführender ist, da sich starke Abwehrreihen nicht so leicht "schwindlig spielen" lassen, der Ballbesitzfussball endet so oft in nicht-zielführendem Ballgeschiebe. Zudem sind stärkere Mannschaften wie Real oder der BVB, oder aber auch Bayern letztes Jahr gegen Barca, in der Lage die Konteranfälligkeit des Ballbesitzspiels gnadenlos auszunutzen. Dies war vor einigen Jahren noch nicht der Fall, da tiefstehende Mannschaften noch nicht das Gegenpressing für sich entdeckt haben, weshalb der Weg vom eigenen zum gegnerischen Tor meist lang genug war, um seinerseits vom Gegenpressing der auf Ballbesitz spielenden Mannschaft aufgefangen zu werden.

  5. Daraus folgend denke ich, dass man um in allen Wettbewerben erfolgreich sein zu können idealerweise beide Systeme beherrscht, Ballbesitz gegen die Kleinen und Konterspiel gegen die Großen. Beispiele für diese Variabilität sind z.B. Mannschaften wie Real, Chelsea oder Heynckes-Bayern. Allerdings denke ich auch, dass sowohl High-Speed Konterfussball, als auch insbesondere das Ballbesitzspiel nur in Vollendung einstudiert werden können, wenn im Training und vor allem in der Vorbereitung der absolute Fokus darauf liegt. Es scheint mir hier wohl wie so oft einen Trade-off zwischen Variabilität und Perfektion zu geben.

  6. Insofern glaube ich auch, dass Pep durchaus die Defizite im Hinspiel erkannt hat, aber innerhalb einer Woche mit Bulispiel zwischendurch kann man nunmal keine neuen Systeme auf hohem Niveau neu einstudieren. Ich denke er hatte gar keine andere Wahl als zu versuchen mit dem eigenen Spiel zum Erfolg zu kommen, weil Bayern momentan kein anderes Spiel beherrscht. Dasselbe gilt auch für die über die Saison immer wieder aufflammende Kritik, dass der BVB gegen die Kleinen doch mehr aus seinem Ballbesitz machen soll.


Das sind nur paar Gedanken meinerseits nach dem Spiel gestern, über Feedback freue ich mich sehr :)

KOMMENTARE
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Dawizzle
30.04.2014 | 19:03 Uhr
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Dawizzle : 
30.04.2014 | 19:03 Uhr
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Dawizzle : 
Meiner Meinung nach sind in dem Blog einige richtige Sachen angesprochen.

Allerdings muss ich einwerfen, dass du es dir vielleicht tatsächlich an der ein oder anderen Stelle zu einfach machst.
Zum einen halte ich pauschale Aussagen im Zusammenhang mit Fussballtaktiken ohnehin für schwer haltbar, deswegen würde ich die von dir doch einigermaßen verallgemeinernd getroffenen Formeln "Ballbesitzfussball gut gegen Schwache", "Konterfussball gut gegen Starke" doch in Frage stellen.

Natürlich ist es immer eine Frage der Spielstärke des Gegners wie erfolgreich man sein eigenes System zu Ende spielen kann. Natürlich führen relativ langsam vorbereitete Angriffe gegen, mit Verlaub, Braunschweig eher zum Erfolg als gegen Real Madrid. Das erlaubt meines Erachtens aber nicht ohne Weiteres den Schluss, Ballbesitzfussball sei gegen gute Gegner gewissermaßen die unterlegene taktische Marschrichtung.

Es ist eben eine Gewissensentscheidung. Will ich lieber den Ball haben, das Spiel weitestgehend kontrollieren oder will ich dem Gegner den Ball überlassen - und damit das Risiko eingehen, dass er mit diesem Ballbesitz etwas anfängt -, konsequent verteidigen und stark gegenpressen?

Deswegen sollte man nicht unbedingt beide Systeme beherrschen. Du schreibst ja auch selber, dass die perfekte Beherrschung beider Philosophien wohl schwer möglich sein würde.

Wie immer aber: es gibt nicht die beste Taktik.

Eins noch: ich würde nicht sagen, dass Bayern gestern in erster Linie als Ballbesitzmannschaft an einer Kontermannschaft scheiterte, sondern vielmehr lag der Teufel im Detail. Und genau dort werden im modernen Fussball eben oftmals die Spiele entschieden.

Insgesamt aber sicherlich kein schlechter Blog.
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nepomuf
30.04.2014 | 20:33 Uhr
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nepomuf : 
30.04.2014 | 20:33 Uhr
-1
nepomuf : 
Gute Stichpunkte für die Debatte. Wie Dawizzle sehe ich einige Aussagen nicht so sehr in Stein gemeißelt, aber die Tendenzen hast du gut beobachtet.
"Ballbesitzspiel gut gegen die Kleinen": Auf Bayern und Barca bezogen natürlich. Ballbesitz lässt den Gegner laufen, zermürbt ihn, während man über eine harte Saison hinweg Kräfte spart, Verletzungen minimiert und seine individuelle Klasse voll ausspielen kann. Je öfter ein Weltklassespieler wie Robben das Spielgerät bekommt, desto öfter kann er einen schwächeren Gegner wehtun. Das Dortmund im Turniermodus deutlich stärker als in einer Liga agiert, ist kein Zufall. Das kann man nicht an einzelnen Spielen messen, über die Zeit/Saison zeigen sich aber die Nachteile von Klopp's Powerfußball.
Ist Konterfußball in den höchsten Sphären erfolgsversprechender? Nur bedingt. Eine extreme Kontertaktik schlägt wohl meistens eine extreme Ballbesitztaktik. Variabel sein, der berühmte "Plan B", dessen Fehlen Bayern und Barcelona von Zeit zu Zeit vorgeworfen wird, bedeutet nicht von einem Extrem in das Andere zu verfallen. Guardiola hätte gestern Variabilität bewiesen, indem er seine Mannschaft ein paar Meter weiter nach hinten beordert hätte. Da kann man auch noch Ballbesitz spielen, aber mit mehr Raum und Fehlertoleranz. Das hätte Bayern nicht zu einer Kontermannschaft umfunktioniert, sondern einfach nur zu mehr Raum für sich selbst und weniger für Madrid geführt. So hat er seine Mannschaft ins offene Messer laufen lassen. Das ist kein Duell der Systeme, sondern die Frage, wie gut man sein Spielermaterial einsetzt. Bayern hat nicht die Spieler um so hoch zu stehen, oder zumindest standen sie nicht auf dem Platz. Guardiola wird von seiner Idee nicht ablassen, und das muss er auch nicht.
Wenn du vorne liegst, dann minimiere dein Risiko. Wenn du hinten liegst oder der Schwächere bist, dann spiele riskant. Das geht sowohl mit Ballbesitzfokus als auch mit Konterfußball denke ich.
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vanGaalsNase
05.05.2014 | 15:51 Uhr
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05.05.2014 | 15:51 Uhr
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Da du ausdrücklich Korrekturen gewünscht hast, werde ich dieser Bitte nachkommen:

1. Halte dich mit absoluten Thesen (zum Teil ohne Begründung) zurück. Die gebrauchst du zu oft & deine daran anschließenden Herleitungen offenbaren einige fachliche Mängel.

2. Deine Behauptung, dass "extremes Ballbesitzspiel (…) nur in Kombination mit intensivem Gegenpressing funktioniert", stimmt schon mal nicht. Man kann auch ein extremes Ballbesitzspiel betreiben, aber dennoch tief verteidigen. Wüsste nicht, wieso sich das ausschließen soll.

3. "Ballbesitzfußball verlangt eine höhere Konzentration aller involvierten Spieler, Fehler von einzelnen können schlechter vom Kollektiv ausgebügelt werden …" – Auch das stimmt nicht. Es ist sogar eher so, dass das ständige Verteidigen eine erhöhte Konzentration erforderlich macht. Wenn man immer nur dem Ball hinterher rennt, ihn aber nicht erobert bekommt, leidet die geistige Frische derart, dass man vermehrt Fehler macht.

Viele denken, dass es leicht wäre, sich einfach tief zu positionieren, um gegen starke Teams zu bestehen. Warum aber gibt es dann solch große Unterschiede zwischen Real gegenüber bspw. Werder Bremen?! Das defensivtaktische Niveau ist zwischen diesen Teams so unterschiedlich, dass sie gegen Bayern trotz ähnlicher Strategie völlig unterschiedliche Ergebnisse einfahren.
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vanGaalsNase
05.05.2014 | 15:51 Uhr
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05.05.2014 | 15:51 Uhr
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4. Du widersprichst deiner eigenen Kernaussage: an einer Stelle schreibst du: "Ich führe das darauf zurück dass Konterfußball gegen tiefstehende Gegner einfach nicht ideal funktioniert". An einer anderen Stelle heißt es jedoch: "Ballbesitzfußball endet so oft in nicht-zielführendem Ballgeschiebe". Ballbesitzfußball kann natürlich nur dann zu einem "nicht-zielführendem Ballgeschiebe" werden, wenn der Gegner tief steht. Verteidigt der Gegner nämlich höher, steht er nicht so kompakt und es sind dann entweder mehr Räume für raumgewinnende Pässe frei, oder aber der Ball kann nicht gesichert werden, sodass man gar nicht erst von Ballbesitzfußball sprechen kann.

Wenn also sowohl Konter- (Vertikalspiel ist der treffendere Term), als auch Ballbesitzfußball Schwächen gegen tiefstehende Abwehrformationen haben, sollte man immer tiefstehend verteidigen. Du behauptest jedoch, Gegenpressing sei der Schlüssel zu den großen Titeln.

5. Ich wiederhole mich gern und vertrete darin die gleiche Ansicht, wie Dawizzle und die Seite spielverlagerung.de: es ist nicht wichtig, welchen Stil man bevorzugt (Vertikalspiel oder Ballbesitz). Es kommt auf die jeweilige Umsetzung an. Auf dem hohen Niveau von Bayern, Real und Co. sind nicht Systeme oder Philosophien entscheidend, sondern Details! Die klitzekleinen Dinge, die nicht mal 0,001% der Spielzeit ausmachen und doch über Sieg und Niederlage entscheiden. In beiden Partien war Real in den Details besser. Und an ebenjenen Details wird sich Pep weiter zu schaffen machen.
Dortmund fehlte in vielen Spielen der entscheidende Mann für die Details (Gündogan), den Bayern fehlte der entscheidende Mann in den letzten Spielen (Thiago). Sowohl die Bayern als auch der BVB haben die Defizite in den Details nicht immer abstellen können. Mit dem Spielstil hat das jedoch nichts zu tun.

6. Pep hat öffentlich bereut, sich auf die Kritiker eingelassen und von seinem Ballbesitzspiel abgewichen zu sein.
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