28.04.2009 um 10:50 Uhr
Klinsmanns Abschied - analysiert
Wie BILD online gestern exklusiv berichtete, wurde Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann mit sofortiger Wirkung entlassen. Bis zum Saisonende werden Jupp Heynckes und Amateur-Trainer Hermann Gerland als Interimslösung übernehmen. Das Projekt Jürgen Klinsmann ist also offiziell gescheitert und die Verantwortlichen machen den Misserfolg der laufenden Saison (CL-Aus nach deftiger Klatsche in Barcelona im Viertelfinale und Pokal-Aus nach Pleite gegen Leverkusen im Viertelfinale) am Trainer und seinem Stab fest. Grund genug, diese Situation ein wenig zu analysieren.
Das wochenlange Schweigen der Vereinsoberen Rummenigge und Hoeneß stellte sich also erneut als Vorankündigung einer drastischen Handlung heraus. Klinsmann stand seit Wochen auf der Kippe, am liebsten aber hätte der FC Bayern mit ihm mindestens die Saison beendet, da ein Trainerrauswurf nicht selten den Beigeschmack von Fehlplanung des Managements nach sich zieht. Offenbar stand der Rauswurf Klinsmanns aber schon vor der Niederlage gegen Schalke fest: Jupp Heynckes saß während des Spiels in der VIP-Lounge der AllianzArena nebst Klinsmann-Gattin Debbie und dem verletzen Stürmer Miroslav Klose. Ob er vom FC Bayern eingeladen worden ist, um sich schon einmal ein Bild aus nächster Nähe zu machen?
Auffällig ist auf jeden Fall das Verhalten der Vereinsleitung. Während Rummenigge Klinsmann überhaupt nach Bekanntgabe des Hitzfeld-Abschieds zum Jahreswechsel 2007/2008 ins Spiel brachte und Hoeneß diesen ansonsten wohl nie auf der Rechnung gehabt hätte, war es zuletzt in erster Linie Hoeneß, der Verbundenheit und Vertrauen zu Klinsmann demonstrierte. Rummenigge wählte, sich still und leise von "seiner Idee" zu verabschieden.
Nachdem man Klinsmann holte, um den Verein zu modernisieren, um zu internationalen Topclubs aufzuschließen, kommt jetzt mit Heynckes ein Trainer, der zwar vor zehn Jahren mit Real Madrid die Champions League gewann, aber mit modernem Fußball der Gegenwart wohl nicht viel mehr zu tun hat, wie Energie Cottbus mit Champions League.
Warum also plant man den Verein zu modernisieren, wenn man der Sache nicht mindestens eine Saison über Zeit gibt? Klinsmann fing vorsichtig an und forderte keine Neuzugänge, da er das Maximum aus dem bestehenden Kader herausholen wollte. Er wollte in der ersten Saison als Trainer eruieren, mit welchem Spielermaterial man in die zweite Saison gehen kann und entsprechend aufrüsten. Wenn man Klinsmann einfach hätte machen lassen, stünde dem FC Bayern im Sommer ein wirklich heißes Transferfenster bevor, da Klinsmann wohl einen weitaus besseren Blick für Kaderverstärkungen hat, als es Rummenigge und Hoeneß seit Jahren demonstrieren. So aber wirft man das Konzept "mit modernen Methoden zur internationalen Spitze aufschließen" komplett über den Haufen. Nochmal: In der ersten Saison war in der Tat nicht viel von einer "Handschrift Klinsmann" zu sehen, aber sein Vorhaben hätte einfach mehr Zeit und vor allem bessere Spieler benötigt.
Mit Klinsmann wurden auch seine "Kumpel" Martin Vasquez und Nick Theslof entlassen. Da Klinsmann bekanntermaßen kein ausgeprochener Stratege ist und schon in der Nationalmannschaft vor allem Jogi Löw das Taktische vorgab, wusste man auch für den FC Bayern, dass vieles auf den Co-Trainer ankommt. Ebenso unerfahren wie Klinsmann als Vereinstrainer war zum Amtsantritt auch Co-Trainer Martin Vasquez im europäischen Fußball, der in erster Linie in den USA und Mexiko als Spieler und Trainer(-Assistent) arbeitete. Auch beim FC Bayern wird sich Klinsmann eher als "Gruppenleite" eines immens großen Trainer- und Betreuerstabs verstanden haben. Während Klinsmanns Vision durchaus in einem Amtsjahr zwei oder drei hätte umgesetzt werden können, konnte das Know-How des hierzulande größtenteils unbekannten Stabes des Schwaben infrage gestellt werden. Wünschenswert für die kommende Saison wäre vielleicht noch Klinsmann und ein angesehener Co-Trainer wie etwa Henk Ten Cate gewesen, der bei Barcelona sehr erfolgreich Assistenztrainer von Frank Rijkaard war.
So aber übernimmt Jupp Heynckes, übrigens ein guter Freund von Uli Hoeneß, die sportliche Leitung bis zum Saisonende. Vielleicht ist dies ein kleiner "Gefallen" den sich Hoeneß damit selbst tut, nachdem er die Trainer-Entlassung von Heynckes im Jahre 1991 noch immer als "größten Fehler seiner Manager-Karriere" zugibt.
Offen bleibt jedoch die Frage noch dem Trainer für die kommende Saison, da Heynckes laut Medienberichten ausschließlich die restliche Saison über eingeplant ist. Schon lange geistern Namen wie Bernd Schuster, Frank Rijkaard, Roberto Mancini oder Louis van Gaal umher. Arsenal-Coach Arsene Wenger lehnte ein angebliches Bayern-Angebot jüngst ab, da er seine Arbeit beim Londoner Club noch nicht als abgeschlossen betrachtet. Man darf also gespannt sein.
kopiert aus meinem Blog: andialthoff.de
Das wochenlange Schweigen der Vereinsoberen Rummenigge und Hoeneß stellte sich also erneut als Vorankündigung einer drastischen Handlung heraus. Klinsmann stand seit Wochen auf der Kippe, am liebsten aber hätte der FC Bayern mit ihm mindestens die Saison beendet, da ein Trainerrauswurf nicht selten den Beigeschmack von Fehlplanung des Managements nach sich zieht. Offenbar stand der Rauswurf Klinsmanns aber schon vor der Niederlage gegen Schalke fest: Jupp Heynckes saß während des Spiels in der VIP-Lounge der AllianzArena nebst Klinsmann-Gattin Debbie und dem verletzen Stürmer Miroslav Klose. Ob er vom FC Bayern eingeladen worden ist, um sich schon einmal ein Bild aus nächster Nähe zu machen?
Auffällig ist auf jeden Fall das Verhalten der Vereinsleitung. Während Rummenigge Klinsmann überhaupt nach Bekanntgabe des Hitzfeld-Abschieds zum Jahreswechsel 2007/2008 ins Spiel brachte und Hoeneß diesen ansonsten wohl nie auf der Rechnung gehabt hätte, war es zuletzt in erster Linie Hoeneß, der Verbundenheit und Vertrauen zu Klinsmann demonstrierte. Rummenigge wählte, sich still und leise von "seiner Idee" zu verabschieden.
Nachdem man Klinsmann holte, um den Verein zu modernisieren, um zu internationalen Topclubs aufzuschließen, kommt jetzt mit Heynckes ein Trainer, der zwar vor zehn Jahren mit Real Madrid die Champions League gewann, aber mit modernem Fußball der Gegenwart wohl nicht viel mehr zu tun hat, wie Energie Cottbus mit Champions League.
Warum also plant man den Verein zu modernisieren, wenn man der Sache nicht mindestens eine Saison über Zeit gibt? Klinsmann fing vorsichtig an und forderte keine Neuzugänge, da er das Maximum aus dem bestehenden Kader herausholen wollte. Er wollte in der ersten Saison als Trainer eruieren, mit welchem Spielermaterial man in die zweite Saison gehen kann und entsprechend aufrüsten. Wenn man Klinsmann einfach hätte machen lassen, stünde dem FC Bayern im Sommer ein wirklich heißes Transferfenster bevor, da Klinsmann wohl einen weitaus besseren Blick für Kaderverstärkungen hat, als es Rummenigge und Hoeneß seit Jahren demonstrieren. So aber wirft man das Konzept "mit modernen Methoden zur internationalen Spitze aufschließen" komplett über den Haufen. Nochmal: In der ersten Saison war in der Tat nicht viel von einer "Handschrift Klinsmann" zu sehen, aber sein Vorhaben hätte einfach mehr Zeit und vor allem bessere Spieler benötigt.
Mit Klinsmann wurden auch seine "Kumpel" Martin Vasquez und Nick Theslof entlassen. Da Klinsmann bekanntermaßen kein ausgeprochener Stratege ist und schon in der Nationalmannschaft vor allem Jogi Löw das Taktische vorgab, wusste man auch für den FC Bayern, dass vieles auf den Co-Trainer ankommt. Ebenso unerfahren wie Klinsmann als Vereinstrainer war zum Amtsantritt auch Co-Trainer Martin Vasquez im europäischen Fußball, der in erster Linie in den USA und Mexiko als Spieler und Trainer(-Assistent) arbeitete. Auch beim FC Bayern wird sich Klinsmann eher als "Gruppenleite" eines immens großen Trainer- und Betreuerstabs verstanden haben. Während Klinsmanns Vision durchaus in einem Amtsjahr zwei oder drei hätte umgesetzt werden können, konnte das Know-How des hierzulande größtenteils unbekannten Stabes des Schwaben infrage gestellt werden. Wünschenswert für die kommende Saison wäre vielleicht noch Klinsmann und ein angesehener Co-Trainer wie etwa Henk Ten Cate gewesen, der bei Barcelona sehr erfolgreich Assistenztrainer von Frank Rijkaard war.
So aber übernimmt Jupp Heynckes, übrigens ein guter Freund von Uli Hoeneß, die sportliche Leitung bis zum Saisonende. Vielleicht ist dies ein kleiner "Gefallen" den sich Hoeneß damit selbst tut, nachdem er die Trainer-Entlassung von Heynckes im Jahre 1991 noch immer als "größten Fehler seiner Manager-Karriere" zugibt.
Offen bleibt jedoch die Frage noch dem Trainer für die kommende Saison, da Heynckes laut Medienberichten ausschließlich die restliche Saison über eingeplant ist. Schon lange geistern Namen wie Bernd Schuster, Frank Rijkaard, Roberto Mancini oder Louis van Gaal umher. Arsenal-Coach Arsene Wenger lehnte ein angebliches Bayern-Angebot jüngst ab, da er seine Arbeit beim Londoner Club noch nicht als abgeschlossen betrachtet. Man darf also gespannt sein.
kopiert aus meinem Blog: andialthoff.de
Aufrufe: 432 | Kommentare: 0 | Bewertungen: 3 | Erstellt:28.04.2009
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