05.Dezember 2008
30.06.2008 um 20:33 Uhr
Kleiner Nachbar, wieso so klein?
Wien, Rathausplatz nach dem Abpfiff.
Wir haben verloren - Schade.
Aber leider musste sich jeder halbwegs nüchterne Deutsche eingestehen, dass es schon seine Richtigkeit hatte.
Kurz durchgeatmet - Deutschland ist VizeEuropameister, auch nicht schlecht.
Mit diesen süß-sauren Gedanken wollte ich mich nun an den lustigen und gutgelaunten spanischen Spanienfans vorbei auf den Heimweg machen.
Erste Zwischenfrage des aufmerksamen Lesers: Wie spanische Spanienfans?
Was mir erst in der Zeit nach dem Abpfiff so richtig klar wurde ist, eine erschreckend große Anzahl Einheimischer hat schlicht und ergreifend den Mittelstreifen der Flagge ausgetauscht.
"Aus weiß mach gelb" war offensichtlich das Motto der, an diesem Abend, wenig neutralen Gastgeber.
Im Gegensatz zur verständlichen Freude der Spanier entlud sich doch bei den Österreichern eine ganz andere Emotion. Der SuperGAU war gerade noch einmal verhindert worden: "Gott sei dank, die Piefkes san net Europameista"
Ein wenig verdutzt war ich, als ich die ersten zarten Äußerungen der österreichischen Spaniern empfing. Als ich noch etwas geknickt, die Deutschlandfahne wenig feierlich umgeschwungen, an den aufgereiten Snack und Getränkeständen vorbeiging, wurde ich wenig sanft an das Scheitern unserer Elf errinnert:
"Hä!!! Scheiße Oda!?HäHäHä"
Ich: "Hmmm. Wie Bitte? Was denn Scheiße?"
Die (Dame mittleren Alters, leicht alkoholisiert, hoffe ich): "Des da" gestikuliert geifernd auf mein Fahne.
Verwirrt aber sensibilisiert ging ich weiter meines Weges. Plötzlich fielen mir immer mehr interessante Details auf. Ein Fan mit dem vielsagenden T-Shirt Aufdruck: " Ich bin Fan von zwei Mannschaften: Meiner (Österreich) und der, die gegen Deutschland gewinnt."
Die Zahl der falschen Spanienfans die ausschließlich Lieder der Häme über den geschlagenen Gegner vor sich hin trällerten schien sich immer mehr zu steigern.
Der Heimweg wurde nun noch beschwerlicher als er es mit Niederlage im Gepäck eh schon war.
Das Gefühl war wie bei einem Gewitter nach zwei Wochen Sommerhitze. Immer geballter entlud sich die Erleichterung der Österreicher.
Und das erfreuliche aus österreichischer Sicht, ich konnte beim besten Willen keinen Generationenkonflikt erkennen. Jung und Alt grölten und beschimpften fröhlich vereint.
Mir wurde klar, dass die Camouflage der Österreicher nicht das Ziel hatte, die Spanier aus nachvollziehbaren, sportlichen Gründen zu unterstützen, nein, vielmehr ging es wirklich ausschließlich darum gegen Deutschland zu sein.
Jeder kennt die üblichen kleinen Sticheleien die gerne auf allen Ebenen zwischen diesen beiden Ländern ausgetauscht werden. Gestern hatte ich doch leider das Gefühl, es ist ein wenig komplizierter, ähnlich wie bei Geschwistern die sich Ihre ganze Kindheit über necken, als Erwachsene jedoch feststellen, für den einen war es Spaß, für den anderen bitterer Ernst.
Endlich aus der Fanzone draussen - endlich Ruhe!
Weit gefehlt. Die Innenstadt hielt noch weitere Überraschungen bereit!
Die Hoffnung bei ausgedünnter Fanpopulation würden sich auch die ausgiebigen Bekundungen der Schadenfreude ein wenig einbremsen bestätigten sich leider nicht.
Je weniger Menschen meinen Weg kreuzten desto individueller wurde ich beschimpft. Meine totale und freundlich lächelnde Passivität, die mich in diesem Moment unmenschliche Überwindung gekostet hat, half leider auch nicht gegen das offensichtlich Unvermeidliche.
Es wurde munter ausgelacht und mit dem Finger gezeigt, von Dächer und aus Fenstern gegröhlt, aus vorbeifahrenden Auto gehupt und eindeutig gestikuliert.
Was der Österreicher den Deutschen definitv nicht zutraut, ist dass sie sehr wohl auch mal verlieren können und sich auch eingestehen können, dass der Gegner besser sein kann.
Als ich nach einer halben Ewigkeit endlich meine Wohnungstür hinter mir zu machen konnte, hatte ich eher das Gefühl ich wäre nach Canossa und nicht in den dritten Wiener Gemeindebezirk gegangen.
Längst war jeder Gedanke an ein Fussballspiel vergessen, wohl eher verdrängt von einer Vielzahl an konfusen Gefühlen und einer beissenden Frage, die sich mir nach meinem Spießrutenlauf aufdrängte:
Wieso, zur Hölle, hassen uns die Österreicher so sehr?!!?
Alles was bleibt ist ein sehr fader Beigeschmack und die Erkenntnis, dass es nie mehr so sein wird wie es war, zu erschreckend waren die hasserfüllten Sticheleien und das ganz und gar unsportliche Verhalten.
Gastfreundschaft in einem Tourismusland sieht für mich definitiv etwas anders aus.
In diesem Sinne:
"nimmer wieder, nimmer wieder, nimmer wieder Österreich"
Wir haben verloren - Schade.
Aber leider musste sich jeder halbwegs nüchterne Deutsche eingestehen, dass es schon seine Richtigkeit hatte.
Kurz durchgeatmet - Deutschland ist VizeEuropameister, auch nicht schlecht.
Mit diesen süß-sauren Gedanken wollte ich mich nun an den lustigen und gutgelaunten spanischen Spanienfans vorbei auf den Heimweg machen.
Erste Zwischenfrage des aufmerksamen Lesers: Wie spanische Spanienfans?
Was mir erst in der Zeit nach dem Abpfiff so richtig klar wurde ist, eine erschreckend große Anzahl Einheimischer hat schlicht und ergreifend den Mittelstreifen der Flagge ausgetauscht.
"Aus weiß mach gelb" war offensichtlich das Motto der, an diesem Abend, wenig neutralen Gastgeber.
Im Gegensatz zur verständlichen Freude der Spanier entlud sich doch bei den Österreichern eine ganz andere Emotion. Der SuperGAU war gerade noch einmal verhindert worden: "Gott sei dank, die Piefkes san net Europameista"
Ein wenig verdutzt war ich, als ich die ersten zarten Äußerungen der österreichischen Spaniern empfing. Als ich noch etwas geknickt, die Deutschlandfahne wenig feierlich umgeschwungen, an den aufgereiten Snack und Getränkeständen vorbeiging, wurde ich wenig sanft an das Scheitern unserer Elf errinnert:
"Hä!!! Scheiße Oda!?HäHäHä"
Ich: "Hmmm. Wie Bitte? Was denn Scheiße?"
Die (Dame mittleren Alters, leicht alkoholisiert, hoffe ich): "Des da" gestikuliert geifernd auf mein Fahne.
Verwirrt aber sensibilisiert ging ich weiter meines Weges. Plötzlich fielen mir immer mehr interessante Details auf. Ein Fan mit dem vielsagenden T-Shirt Aufdruck: " Ich bin Fan von zwei Mannschaften: Meiner (Österreich) und der, die gegen Deutschland gewinnt."
Die Zahl der falschen Spanienfans die ausschließlich Lieder der Häme über den geschlagenen Gegner vor sich hin trällerten schien sich immer mehr zu steigern.
Der Heimweg wurde nun noch beschwerlicher als er es mit Niederlage im Gepäck eh schon war.
Das Gefühl war wie bei einem Gewitter nach zwei Wochen Sommerhitze. Immer geballter entlud sich die Erleichterung der Österreicher.
Und das erfreuliche aus österreichischer Sicht, ich konnte beim besten Willen keinen Generationenkonflikt erkennen. Jung und Alt grölten und beschimpften fröhlich vereint.
Mir wurde klar, dass die Camouflage der Österreicher nicht das Ziel hatte, die Spanier aus nachvollziehbaren, sportlichen Gründen zu unterstützen, nein, vielmehr ging es wirklich ausschließlich darum gegen Deutschland zu sein.
Jeder kennt die üblichen kleinen Sticheleien die gerne auf allen Ebenen zwischen diesen beiden Ländern ausgetauscht werden. Gestern hatte ich doch leider das Gefühl, es ist ein wenig komplizierter, ähnlich wie bei Geschwistern die sich Ihre ganze Kindheit über necken, als Erwachsene jedoch feststellen, für den einen war es Spaß, für den anderen bitterer Ernst.
Endlich aus der Fanzone draussen - endlich Ruhe!
Weit gefehlt. Die Innenstadt hielt noch weitere Überraschungen bereit!
Die Hoffnung bei ausgedünnter Fanpopulation würden sich auch die ausgiebigen Bekundungen der Schadenfreude ein wenig einbremsen bestätigten sich leider nicht.
Je weniger Menschen meinen Weg kreuzten desto individueller wurde ich beschimpft. Meine totale und freundlich lächelnde Passivität, die mich in diesem Moment unmenschliche Überwindung gekostet hat, half leider auch nicht gegen das offensichtlich Unvermeidliche.
Es wurde munter ausgelacht und mit dem Finger gezeigt, von Dächer und aus Fenstern gegröhlt, aus vorbeifahrenden Auto gehupt und eindeutig gestikuliert.
Was der Österreicher den Deutschen definitv nicht zutraut, ist dass sie sehr wohl auch mal verlieren können und sich auch eingestehen können, dass der Gegner besser sein kann.
Als ich nach einer halben Ewigkeit endlich meine Wohnungstür hinter mir zu machen konnte, hatte ich eher das Gefühl ich wäre nach Canossa und nicht in den dritten Wiener Gemeindebezirk gegangen.
Längst war jeder Gedanke an ein Fussballspiel vergessen, wohl eher verdrängt von einer Vielzahl an konfusen Gefühlen und einer beissenden Frage, die sich mir nach meinem Spießrutenlauf aufdrängte:
Wieso, zur Hölle, hassen uns die Österreicher so sehr?!!?
Alles was bleibt ist ein sehr fader Beigeschmack und die Erkenntnis, dass es nie mehr so sein wird wie es war, zu erschreckend waren die hasserfüllten Sticheleien und das ganz und gar unsportliche Verhalten.
Gastfreundschaft in einem Tourismusland sieht für mich definitiv etwas anders aus.
In diesem Sinne:
"nimmer wieder, nimmer wieder, nimmer wieder Österreich"
Aufrufe: 1738 | Kommentare: 36 | Bewertungen: 9 | Erstellt:30.06.2008
ø 10.0
NEUESTE KOMMENTARE KOMMENTIEREN
02.07.2008 | 16:10 Uhr
DerDugen : darf man nicht überbewerten...
ich habe ein gewisses verständnis für die Ösis. Die haben wohl ein wenig ein minderwertigkeitskomplex; Dtld ist immer der Bezugspunkt, nach dem man sich ausrichtet... ist nat. ein bisschen schade, aber nicht dramatisch.
DerDugen : darf man nicht überbewerten...
ich habe ein gewisses verständnis für die Ösis. Die haben wohl ein wenig ein minderwertigkeitskomplex; Dtld ist immer der Bezugspunkt, nach dem man sich ausrichtet... ist nat. ein bisschen schade, aber nicht dramatisch.
02.07.2008 | 23:07 Uhr
Georgie_Best : geb dir voll und ganz recht!
ih war mit 7 freunden auch in wien! ich war die ganze woche in wien und muss dazu sagen das ich die stadt und die mentalität der leute dort eigentlich liebe! doch am finaltag war alles anders!
ein 15 jähriges eventfan- mädchen mit spanien und östereichflagge auf der backe und dann noch nen cesc schriftzug auff der stirn meinte dann auch noch "schade deutschland alles ist vorbei!" wie du eben schreibst das deutsch auch eine niederlage hinnehmen können, so bitter waren die beleidigungen der österreicher als spanier getarnt! zum glück hab ich dann noch von einem spanier, mit dem ich mich sehr lange und gut unterhalten habe erfahren das sie das von den gastgeber fans auch nicht korrekt finden! mit seinen worten " these are fake espanioles!" sein englisch war wohl noch schlechter als meins!
schade das sich die österreicher nicht als faire gastgeber präsentiert haben am finaltag! hätte die uefa das finale wohl doch in der neutralen schweiz austragen sollen!
aber eins sollten wir alle lassen! was die österreicher wohl am meisten hassen ist dieser dämliche bruder vergleich! woher stammt dieser bockmist eigentlich? reden manche leute immer noch von der ostmark oder was?
und zu cordoba: eigentlich allen leuten mit fußballsachverstand in österreich hatten dazu nur drei worte für mich parat: "fuck off cordoba!"
Georgie_Best : geb dir voll und ganz recht!
ih war mit 7 freunden auch in wien! ich war die ganze woche in wien und muss dazu sagen das ich die stadt und die mentalität der leute dort eigentlich liebe! doch am finaltag war alles anders!
ein 15 jähriges eventfan- mädchen mit spanien und östereichflagge auf der backe und dann noch nen cesc schriftzug auff der stirn meinte dann auch noch "schade deutschland alles ist vorbei!" wie du eben schreibst das deutsch auch eine niederlage hinnehmen können, so bitter waren die beleidigungen der österreicher als spanier getarnt! zum glück hab ich dann noch von einem spanier, mit dem ich mich sehr lange und gut unterhalten habe erfahren das sie das von den gastgeber fans auch nicht korrekt finden! mit seinen worten " these are fake espanioles!" sein englisch war wohl noch schlechter als meins!
schade das sich die österreicher nicht als faire gastgeber präsentiert haben am finaltag! hätte die uefa das finale wohl doch in der neutralen schweiz austragen sollen!
aber eins sollten wir alle lassen! was die österreicher wohl am meisten hassen ist dieser dämliche bruder vergleich! woher stammt dieser bockmist eigentlich? reden manche leute immer noch von der ostmark oder was?
und zu cordoba: eigentlich allen leuten mit fußballsachverstand in österreich hatten dazu nur drei worte für mich parat: "fuck off cordoba!"
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Josh10 : ÖsiDösi;-)
Jetzt hast du dich doch extra nur für diesen Kommentar angemeldet und dann noch einen Drei-teiler verfasst und
heraus kommt mal wieder nur die üblichen äusserungen, die aus einem übergroßen Minderwertigkeitskomplex entstanden sind, und
klischeehafter gar nicht sein können.
Es ist genauso wie schon jemand vor mir darstellte.
Der große Bruder ist in einer Sache erfolgreich und erfährt viel Anerkennung. Dann bekommt er einen kleinen Bruder, der auch gerne so wäre aber kläglich daran scheitert.
Voller Neid und Abneigung wendet er sich ab.
Ein wenig wie bei Michael und Ralf Schumacher .
Deine Schilderungen, dass es ja gar nicht mal nur von den Dösis einen Hass gebe, sondern allgemein in Europa und der ganzen Welt, sind so etwas von lächerlich, wie sie nur in einem
Kleingeist ohne Selbstwertgefühl entstanden sein können.
Ich bin schon viel rumgekommen in Europa bin mit allen immer bestens klar gekommen. Idioten gibt es überall.
Deutsche Malle-Deppen, Englische Hools, oder Spanische UltraKonservative aber das hat mit Herkunft wenig zu tun.
Naja, und zu den Äusserungen wegen der DFB-Elf
Man merkt schon, dass es dir an Fussballsachverstand völlig fehlt und deine Germanophobie hier der Ursprung ist.
Nimms halt nicht so schwer