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Von: Valo7
07.04.2017 | 890 Aufrufe | 0 Kommentare | 0 Bewertungen Ø 0.0
Stuttgart und Karlsruher vor dem Derby
Kampf der Existenzen
Am Sonntag geht es im Derby um mehr als das übliche Prestige. Beide Vereine stehen vor wegweisenden Wochen.

Selten hatte man einen Mario Gomez so erzürnt erlebt. Wutschnaubend stand er nach dem Derby gegen den KSC bei Premiere-Reporter Thomas Wagner. Maik Franz hatte ihn die letzten Nerven gekostet. Also wählte der damals noch junge Stuttgarter Stürmer drastische Worte in Bezug auf den KSC-Verteidiger. Ein Interview, das bis heute noch legendär ist unter den Anhängern beider Vereine - und das zeigt, wie emotionlsgeladen diese Duelle sind. Es gab viele wichtige Derbys. Beispielswese einen Sieg der Karlsruher im Mai 1998 am vorletzten Spieltag, der letztlich aber doch nicht zum Klassenerhalt für die Badener reichte. Doch keines dieser zurückliegenden Duelle ist von seiner Brisanz zu vergleichen mit dem Aufeinandertreffen der beiden Rivalen aus Baden-Württemberg an diesem Sonntag.

Der VfB hat, nachdem man eigentlich schon die Aufstiegsfeier planen wollte, eine derartige Negativserie hingelegt, dass man mittlerweile wieder ernsthafte Zweifel äußern kann, was die Rückkehr in die oberste Spielklasse betrifft. Doch genau diese Rückkehr ist elementar wichtig, will man nicht zum zweiten 1. FC Kaiserslautern verkommen. Der Geldfluss sowohl durch die Fernsehrechte, als auch die Sponsoren, ist in der zweiten Bundesliga einfach nicht zu vergleichen mit der ersten Liga. Der Trend spricht derzeit gegen Stuttgart. Wie schon in der vergangenen Saison startete man furios in die Rückrunde. Frenetische Fans feierten damals (zu) früh den scheinbar sicheren Klassenerhalt. Und auch dann folgte eine Negativserie - am Ende stieg man ab. Dass sich ausgerechnet jetzt auch noch Top-Scorer Carlos Mané langfristig verletzt hat, gleicht dabei einer Hiobsbotschaft. Kein anderer Spieler im Kader des VfB geht derart oft ins Eins gegen Eins, bereitet Tore vor oder leitet sie ein. In München wurde das mehr als ersichtlich. Julian Green war stets darauf bedacht, den Ball zurück zu spielen. Takuma Asano war gänzlich abgemeldet und wurde folgerichtig als erster Spieler ausgewechselt. Die Mannschaft zum schlechtesten Zeitpunkt der Saison in der Formkrise, wie auch Sportvorstand Jan Schindelmeiser nach dem mäßigen Auftritt in der Allianz-Arena festzustellen wusste. Noch ist man jedoch auf dem zweiten Platz der Tabelle. Noch lässt sich der Trend wieder umbiegen.

Taktikdebatte in Stuttgart

Doch bei einer Niederlage im eigenen Stadion gegen den badischen Rivalen wäre der VfB zumindest mental derart am Boden, dass der Aufstieg in weite Ferne rücken würde. Denn den Hallo-Wach-Effekt sollte es eigentlich schon durch die erste Halbzeit gegen Dynamo Dresden gegeben haben. Dieser ging dann aber nur 45 Minuten lang. Das Umfeld wird so langsam unruhig, fängt an, die Taktik von Trainer Hannes Wolf zu hinterfragen. Warum es ein Maxim nicht einmal in den Kader schafft, ist die am heißesten geführte Debatte unter jedem VfB-Post auf Facebook. Auch um die Rolle von Kapitän Christian Gentner wird immer mehr gerätselt. Spielt er im defensiven Mittelfeld wie gegen Fürth, werden die Räume im Zentrum zu offen. Im offensiven Mittelfeld hinter Simon Terodde wirkt er ebenfalls nicht richtig aufgehoben. Gegen München wich er somit wie zu seinen Anfangszeiten auf den Flügel aus. Die Derby-Aufstellung wird daher spannender denn je. Wo spielt Gentner? Was ist mit Maxim, vor allem nach dem Ausfall von Anto Grgic? Wer spielt als Rechtsverteidiger?

Die Ausgliederung soll kommen

Fragen, die die Fans umtreiben und von einem anderen wesentlichen Thema ablenken: der Ausgliederung. PR-Strategen loben den VfB dieser Tage höchstwahrscheinlich reichlich für die Herangehensweise. In einer englischen Woche hat man in Form des Formats VfB im Dialog die Abstimmung zur Ausgliederung angekündigt. Bei drei Spielen in einer Woche mit dem Derby gegen Karlsruhe gibt es somit kaum eine öffentliche Resonanz und Diskussion hinsichtlich der Ausgliederung, eingeschlossen der negativen Kommentare. Am Ende der Saison hat man dann zwei Szenarien. Entweder man nimmt die Fans in ihrer Aufstiegseuphorie mit, um die nötige Mehrheit zu holen. Oder man beschwört ein Angst-Szenario im Falle eines verpassten Aufstiegs.

Die Teamchemie stimmt - der Rest nicht

Nun heißt es jedoch für die Mannschaft ihre Leistung ähnlich raffiniert zu bringen. Dem VfB wird eine Mannschaft gegenüber stehen, die ebenfalls in einem Existenzkampf steckt. Ein neues Stadion ist beim KSC in Planung. Rentieren würde sich das jedoch nur in der zweiten Liga. Steigt Karlsruhe ab, wäre das für den Verein niederschmetternd. Die Trainerentlassung von Mirko Slomka scheint der letzte Rettungsversuch zu sein. Bereits zuvor hatte man Tomas Oral seines Amtes entbunden und Manager Jens Todt verabschiedete sich in Richtung Hamburger SV. Verliert man jetzt auch mit dem neuen Trainer Marc-Patrick Meister, ist man dem Abstieg näher denn je. Schließlich punktet auch die Konkurrenz, sei es Erzgebirge Aue mit Domenico Tedesco oder auch der FC St. Pauli. Zwar scheint der Zusammenhalt in der Mannschaft im Vergleich zum letzten Abstieg zu stimmen, wie es auch immer wieder von Kapitän Dirk Orlishausen betont wird. Doch fehlt zum einen einfach das Glück, wie das Spiel in Nürnberg zeigte, als es mehrere knifflige Elfmeterentscheidungen gegen die Karlsruher gab. Zudem war die Verletztenliste in letzter Zeit einfach zu lang. Und auch die Qualität des Kaders ist schlichtweg anzuzweifeln. Denn ein Heimspiel gegen die Würzburger Kickers, der derzeit schlechtesten Rückrundenmannschaft der Liga, nicht zu gewinnen, lässt sich anders kaum erklären.

Das wichtigste Derby aller Zeiten

Will man den Bock jetzt also doch nochmal umstoßen, heißt es das Derby zu gewinnen. Mit einem Sieg wäre ein letztes Aufbäumen noch einmal möglich. Und auch für Stuttgart wäre genau dieser Derby-Sieg ein entscheidender Faktor, um der Mannschaft wieder das nötige Selbstvertrauen für den Schlussspurt im Kampf um den Aufstieg zu geben. Hält man es also etwas mit dem Pathos, kann man vom wichtigsten Derby aller Zeiten sprechen. Und das auch trotz dessen, dass sich am Sonntag Mario Gomez und Maik Franz auf dem Feld nicht begegnen werden. Aneinander denken werden sie an diesem Tag, wenn es für beide Vereine um so viel gehen wird, aber sicherlich.

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