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12.03.2009 um 10:28 Uhr
Italienischer Fußball ist out
Kurz vor halb zwölf am gestrigen Abend war es amtlich: Alle italienischen Mannschaften sind aus der Champions League ausgeschieden. Das war das letzte Mal vor sieben Jahren in der Saison 2001/02 der Fall. Eine historische Schmach für die erfolgsverwöhnten wie auch stolzen Südeuropäer, die beispielsweise in der Saison 2002/03 mit Juventus, Milan und Stadtrivalen Inter gleich drei Mannschaften im Halbfinale hatten. Dieser Misserfolg ist das Ergebnis mehrerer Fehler, die im italienischen Fußball vorherrschen.

Veraltetes Spielsystem
Allen voran die nicht mehr moderne Spielauffassung der Italiener macht internationale Erfolge schwer. Die total disziplinierte, defensive Ausrichtung mag ein Mittel sein, um die 0 auf eigener Seite stehen zu lassen. Allerdings wird es schwer, mit vielen Defensivspezialisten das gegnerische Tor in Gefahr zu bringen. Man mag eins, zwei erstklassige Strafraumstürmer in den Reihen haben, werden diese aber nicht mit brauchbaren Bällen gefüttert, kommt von diesen auch nicht viel, so dass gegen europäische Spitzenclubs nicht hinten sondern immer öfter vorne die 0 steht. Da hilft auch nicht die Ausrede, dass man doch die Creme de la Creme als Gegner hatte.

Spielermaterial überdenken
Dass man auch mit einem italienischen Spielsystem Erfolge feiern kann, zeigte der AC Milan vor zwei Jahren. Zwar hatten sie auch die italienische Taktik verinnerlicht, allerdings besaßen in der Offensive mit Kaka, Seedorf und Pirlo drei Spieler, die mit ihrer Genialität zu jeder Zeit ein Tor schießen oder vorbereiten konnten. Bei einem Vergleich mit den so eben ausgeschiedenen italienischen Vertretern muss man nur müde lächeln: Inter spielte gestern im Mittelfeld mit Zanetti, Viera, Stankovic und Cambiasso. Das sind alles gute Spieler, allerdings alles Abräumer, die den genialen Pass spielen können – nur halt einmal pro Jahr, wenn der Ball vorher günstig verspringt.

Bei Juventus herrscht ein ähnliches Problem. Die Stürmer Del Piero, Amauri, Iaquninta, Trézéguet und Giovinco sind alles Spieler von internationalem Format. Allerdings krankt immer mehr das offensive Mittelfeld. Nedved hat schon deutlich seinen Zenit überschritten – ähnlich wie Camoranesi – und hört nach dieser Saison auf. Mit Marchisio steht ein junger Italiener in den Reihen der Alten Dame, der das Spiel allerdings noch nicht an sich reißen kann. Spieler wie Tiago, Poulson, Sissoko und Salihamidizic sind alles ohne Frage gute Fußballer, nur verkommen sie immer mehr zu Mitläufern. Juve muss für die nächste Saison adäquaten Ersatz für den zurücktretenden Nedved finden, dann sind Erfolge wieder möglich.

Die beste Situation der italienischen Champions-League-Vertreter hat der AS Rom. Mit einem Mittelfeld um Pizarro, Taddei, Brighi und Aquilani besitz man die nötige Qualität, um zumindest in das Viertelfinale vorzudringen. Das gelang gestern Abend aufgrund des Verletzungspechs und des fehlenden Glücks beim Elfmeterschießen nicht. Für den ganz großen Wurf fehlt zudem noch ein kreativer Spielgestalter von Weltklasseformat.

Finanzschwierigkeiten
Allerdings sind solche Transfers für italienische Clubs nur noch schwer zu stemmen. So sorgte der deutsche "kicker" im Jahr 2004 mit folgender Zahl für Schlagzeilen: 7.000.000.000. Setzt man dahinter noch ein €-Zeichen, hat man die Verbindlichkeiten aller europäischen Fußball-Klubs zusammengerechnet.

Vor allem die Lage bei den Italienern ist katastrophal, denn allein die drei italienischen Profiligen haben mit drei Milliarden Euro den größten Anteil am europäischen Schuldenberg. Fast ausnahmslos steht die Serie A vor dem Bankrott. Das Hauptproblem in Italien liegt beim Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben. So verdoppelten sich zwar seit 1996 die Einnahmen der Serie-A-Vereine, doch die Spielergehälter stiegen um das Achtfache. 2002 mussten die Vereine 90 Prozent ihres Umsatzes an die Spieler weiterreichen. Heute kassieren zahlreiche Spitzenkräfte in ihrem Verein über acht, neun Millionen Euro im Jahr und dieselbe Summe noch einmal über Werbeverträge. Vergebens wütet Italiens Rasenlegende Gianni Rivera seit langem gegen den Größenwahn im Fußball.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass die italienischen Klubs dunkelrote Zahlen schreiben. So musste beispielsweise Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi, im Nebenberuf Unternehmer und Eigentümer des AC Mailand, im Herbst 2003 seinen leidenden Verein mit einer Finanzspritze von 60 Millionen Euro von seiner Notlage befreien, um Schlimmeres zu verhindern. Der AC Mailand gewann zwar im Jahr 2003 die Champions-League, doch unterm Strich blieb nichts übrig, aus einem einfachen Grund: Isoliert betracht stiegen die Personalausgaben von 122 Millionen auf 153 Millionen Euro – das bedeutet eine Kostenerhöhung von 25 Prozent in nur einem einzigen Jahr. Doch damit steht der AC Mailand nicht allein da. So offenbarte der AS Rom für 2003 einen Verlust von über 100 Millionen Euro. Allein die Gehälter für Spieler, Trainer und Personal verschlangen 94 Millionen Euro. Doch die Lage beim Nachbar Lazio Rom ist noch extremer: Der Verein steht mit 120 Millionen Verlust bei 106 Millionen Euro Bezahlung für die Spieler da. "Derzeit würden 60 Prozent der Erst- und Zweitligisten keine Spiellizenz für die nächste Saison erhalten" , sagte Franco Carraro, Präsident des Italienischen Fußballverbandes.

Rekordeinkäufe seit fünf Jahren
Trotz der Finanzschwierigkeiten haben die 20 Serie-A-Clubs laut einem Bericht der römischen Tageszeitung "La Repubblica" 444,7 Millionen Euro für ihre Einkäufe ausgegeben, das ist die höchste Summe in den vergangenen fünf Jahren. Damit haben im Sommer 2008 nur die englischen Erstligisten mehr ausgegeben, Italien nimmt noch vor Spanien Rang zwei in dieser Rangliste ein.

Am meisten Geld hat Inter locker gemacht. Der Meister gab 72,1 Millionen Euro für neue Spieler aus – verkauft wurden Spieler im Wert von 10,85 Millionen Euro. Inter hat mittlerweile ein Drittel aller Schulden der italienischen Erstligisten angesammelt. Am zweit meisten investierte Stadtrivale AC Milan. Der Club von Regierungschef Silvio Berlusconi kaufte Spieler im Wert von 54 Millionen, darunter die alternden Superstars Andrej Schewtschenko und Ronaldinho. Der Verkauf von 26 Spielern bescherte dem Club Einnahmen von 40,95 Millionen Euro. Fiorentina gab 51,1 Millionen Euro für neue Spieler aus, bei 2,2 Millionen Euro Einnahmen.

Italienische Zahlenjongleure
Die Bilanzen der italienischen Vereine werden mit Tricks aufgebläht, nur um immer weiter Schulden machen zu können. Das sieht in etwa so aus: Der AC Mailand tauschte 2003 mit Inter Mailand vier junge Spieler gegen vier andere aus. Jeder war auf dem Papier zwischen 2,9 und 3,5 Millionen Euro wert. Doch Geld musste keines fließen, man tauschte ja sozusagen Beine gegen Beine. Aber in den Bilanzen beider Vereine entstanden deswegen positive Werte von 12 beziehungsweise 14 Millionen Euro.

Zeichenbegrenzung. Weiterlesen http://tinyurl.com/bwgs3o
Aufrufe: 900 | Kommentare: 5 | Bewertungen: 4 | Erstellt:12.03.2009
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KOMMENTARE
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kevin1987
12.03.2009 | 10:33 Uhr
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kevin1987 : 
12.03.2009 | 10:33 Uhr
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kevin1987 : 
Ich habe nicht noch einmal Korrektur gelesen, sondern einfach drauflos geschrieben. Also verzeiht bitte eventuelle Fehler.
Tobster12
12.03.2009 | 11:39 Uhr
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Tobster12 : 
12.03.2009 | 11:39 Uhr
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Tobster12 : 
oh man krasse zahlen!!!
wird aufjedefall zeit für ein eurpäisches lizensierungsverfahren, egal ob dann die hälfte aller aktuellen cl-teilnehmer nicht mehr antreten dürfen...bisschen gerechtigkeit muss schon sein.....
CleAN101
12.03.2009 | 11:45 Uhr
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CleAN101 : 
12.03.2009 | 11:45 Uhr
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CleAN101 : 
interessanter blog, wenn die zahlen stimmen.
FCBKai
12.03.2009 | 12:00 Uhr
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FCBKai : 
12.03.2009 | 12:00 Uhr
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FCBKai : 
Bleibt zu hoffen, dass die deutschen Teams die aktuelle italienische Schwäche nutzen können!
schniposeibipo
12.03.2009 | 15:16 Uhr
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schniposeibipo : @kevin
12.03.2009 | 15:16 Uhr
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schniposeibipo : @kevin
sehr interessant, muss dir aber in sachen rom widersprechen... mit totti ham sie einen kreativen weltklasse spieler, aber ich würd die aussage von dir das das römische mittelfeld das beste der drei italiener is nich unterschreiben
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