24.08.2011 um 14:56 Uhr
Ist es überhaupt ein Buch...
Heute Abend ist Champions League-Qualifikation. Schön! Schnell einkaufen, was essen und Bier kaltstellen. Noch eine elendig lange Viertelstunde. Der Videotext muss als Überbrückung herhalten: "Gala erhöht Angebot für Podolski", hmm, O.K. "Nerlinger braucht keinen Stürmer mehr", seine Meinung. "Magath verpflichtet (gefühlt) Spieler Nr. 44-45", alles wie immer. "Philipp Lahm veröffentlicht seine Biografie", ... ?. Pause!
Das schon fast komplett heruntergefahrene, auf Fußball programmierte Gehirn beginnt schlagartig sich von emotional auf rational zurück zu schalten. Die Synapsen empfangen wieder. Ob positiv oder negativ kann noch nicht eingeordnet werden. Karteikartenartig durchsucht der Denkapparat die ihm bekannten Autoren von Biografien. Bohlen, Schmidt, Kohl, und viele mehr flimmern am inneren Auge vorbei.
Die Biografie an sich.
Am Ende solcher Werke angekommen, legt man immer für sich fest, ob die besagte Person dem Leben seinen Stempel aufdrücken konnte oder eher umgekehrt. Ist letzteres der Fall, beschleicht einen immer der ekelhafte Gedanke, man ist drauf reingefallen, auf diese Maschinerie, gemeinhin bekannt als Geldmacherei, und stellt den Wälzer zurück ins Regal oder befördert ihn lieber gleich in die Tonne. Doch in manchen Fällen hat der Verfasser auch etwas wirklich Sinnvolles zu erzählen. Mag aber sicherlich auch von persönlichen Sympathien abhängen.
Der Lahm an sich.
Allen Nicht-Bayern-Sympathisanten fiel Philip Lahm im zweiten Halbjahr 2003 auf. Er spielte eine fantastische Saison mit dem VfB Stuttgart unter Felix Magath. Als erfrischendes Element im manchmal statischen Fußballspiel wirbelte er auf der linken Außenseite Gegenspieler an den Rand des Zumutbaren. Ein paar Jahre später der Wechsel zurück Richtung Osten nach München.
Zeitsprung. Spieler Lahm ist "gereift" bzw. älter geworden und mittlerweile in all seinen Mannschaften Führungsspieler oder Kapitän oder wie man es dieser Tage nennen will. Und als solcher sind Medienauftritte selbstverständlich. Manche Leute guckt man sich gern an, bei anderen fällt einem der Kopf von ganz alleine in den Nacken. Jeder so, wie er es mag.
Befürchtungen aber müssen erlaubt sein, das Buch könne ebenso statisch und emotionsfrei sein, ähnlich der Interviews unseres Protagonisten, wie es sie nach jedem Bayernspiel zu hören gibt. Fast roboterartig wird das Mikrofon des Reporters, je nach Spielausgang mit einem Text für Sieg oder Niederlage gespeist. Bei Unentschieden wird geschickt gemixt. Aber auch hier gilt: Jeder, wie er es mag!
Der Zeitpunkt der Veröffentlichung könnte passender nicht sein. Grade erst abgeklungen ist die Farce um das Kapitänsamt der Nationalmannschaft, da folgt umgehend die Debatte über Führungsspieler im Allgemeinen. Lahm polarisiert, und das nicht zuletzt durch seine zumindest diskussionswürdigen Aussagen in diversen Blättern. Treu dem Motto "Auch schlechte PR ist PR" taucht der kleine Außenverteidiger häufiger als andere Kollegen in der Medienlandschaft auf.
Offen bleibt daher, wie ernst man die Hilfeschreie der Spieler nach mehr Urlaub und Freizeit nehmen kann, wenn trotz Doppel- oder gar Dreifachbelastung ganze Bücher entstehen. Die wenigen Auszüge, die bisher zu lesen waren, lassen jedenfalls nichts Gutes für Louis van Gaal und Co. erahnen. Aber um ein Buch zu verkaufen, muss man es ja auch mit einem Knall ankündigen.
Fraglich bleibt aber, ob es nötig ist, mit 27 und ein paar nationalen Meisterschaften plus Pokalsiegen eine Biografie zu schreiben, die scheinbar nicht zu schwach mit Kritik an früheren, teilweise recht erfolgreichen, Vorgesetzten gewürzt ist. Die Sinn- und Glaubhaftigkeit lässt sich, aufgrund der doch noch erweiterbaren Lebens- und Fußballerfahrung schwer nachvollziehen. Der bittere Beigeschmack der bereits genannten Maschinerie gewinnt zunehmend an Intensität.
Trotz allen Bedenken bleibt nur abzuwarten, zur Not Tee zu trinken, und dem Ganzen eine Chance zu geben, denn: Ungelegte Eier kann man nicht braten!
Das schon fast komplett heruntergefahrene, auf Fußball programmierte Gehirn beginnt schlagartig sich von emotional auf rational zurück zu schalten. Die Synapsen empfangen wieder. Ob positiv oder negativ kann noch nicht eingeordnet werden. Karteikartenartig durchsucht der Denkapparat die ihm bekannten Autoren von Biografien. Bohlen, Schmidt, Kohl, und viele mehr flimmern am inneren Auge vorbei.
Die Biografie an sich.
Am Ende solcher Werke angekommen, legt man immer für sich fest, ob die besagte Person dem Leben seinen Stempel aufdrücken konnte oder eher umgekehrt. Ist letzteres der Fall, beschleicht einen immer der ekelhafte Gedanke, man ist drauf reingefallen, auf diese Maschinerie, gemeinhin bekannt als Geldmacherei, und stellt den Wälzer zurück ins Regal oder befördert ihn lieber gleich in die Tonne. Doch in manchen Fällen hat der Verfasser auch etwas wirklich Sinnvolles zu erzählen. Mag aber sicherlich auch von persönlichen Sympathien abhängen.
Der Lahm an sich.
Allen Nicht-Bayern-Sympathisanten fiel Philip Lahm im zweiten Halbjahr 2003 auf. Er spielte eine fantastische Saison mit dem VfB Stuttgart unter Felix Magath. Als erfrischendes Element im manchmal statischen Fußballspiel wirbelte er auf der linken Außenseite Gegenspieler an den Rand des Zumutbaren. Ein paar Jahre später der Wechsel zurück Richtung Osten nach München.
Zeitsprung. Spieler Lahm ist "gereift" bzw. älter geworden und mittlerweile in all seinen Mannschaften Führungsspieler oder Kapitän oder wie man es dieser Tage nennen will. Und als solcher sind Medienauftritte selbstverständlich. Manche Leute guckt man sich gern an, bei anderen fällt einem der Kopf von ganz alleine in den Nacken. Jeder so, wie er es mag.
Befürchtungen aber müssen erlaubt sein, das Buch könne ebenso statisch und emotionsfrei sein, ähnlich der Interviews unseres Protagonisten, wie es sie nach jedem Bayernspiel zu hören gibt. Fast roboterartig wird das Mikrofon des Reporters, je nach Spielausgang mit einem Text für Sieg oder Niederlage gespeist. Bei Unentschieden wird geschickt gemixt. Aber auch hier gilt: Jeder, wie er es mag!
Der Zeitpunkt der Veröffentlichung könnte passender nicht sein. Grade erst abgeklungen ist die Farce um das Kapitänsamt der Nationalmannschaft, da folgt umgehend die Debatte über Führungsspieler im Allgemeinen. Lahm polarisiert, und das nicht zuletzt durch seine zumindest diskussionswürdigen Aussagen in diversen Blättern. Treu dem Motto "Auch schlechte PR ist PR" taucht der kleine Außenverteidiger häufiger als andere Kollegen in der Medienlandschaft auf.
Offen bleibt daher, wie ernst man die Hilfeschreie der Spieler nach mehr Urlaub und Freizeit nehmen kann, wenn trotz Doppel- oder gar Dreifachbelastung ganze Bücher entstehen. Die wenigen Auszüge, die bisher zu lesen waren, lassen jedenfalls nichts Gutes für Louis van Gaal und Co. erahnen. Aber um ein Buch zu verkaufen, muss man es ja auch mit einem Knall ankündigen.
Fraglich bleibt aber, ob es nötig ist, mit 27 und ein paar nationalen Meisterschaften plus Pokalsiegen eine Biografie zu schreiben, die scheinbar nicht zu schwach mit Kritik an früheren, teilweise recht erfolgreichen, Vorgesetzten gewürzt ist. Die Sinn- und Glaubhaftigkeit lässt sich, aufgrund der doch noch erweiterbaren Lebens- und Fußballerfahrung schwer nachvollziehen. Der bittere Beigeschmack der bereits genannten Maschinerie gewinnt zunehmend an Intensität.
Trotz allen Bedenken bleibt nur abzuwarten, zur Not Tee zu trinken, und dem Ganzen eine Chance zu geben, denn: Ungelegte Eier kann man nicht braten!
Aufrufe: 8261 | Kommentare: 20 | Bewertungen: 24 | Erstellt:24.08.2011
ø 6.9
KOMMENTARE
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24.08.2011 | 17:03 Uhr
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Jacks_Rabbit :
gern natürlich kritik und anregungen
24.08.2011 | 17:30 Uhr
+4
-1
das wäre mMn nach dem karrierende sinnvoller. lahm könnte sich jetzt schon gedanke um die biographie machen und sie dann nach der karriere vervollstädnigen, bzw.überarbeiten.
aber gerade jetzt, mit 27, in einer phase in der bayern nach einer verkorksten saison wieder titel braucht kommt er mit einer biographie an. er sollte sich mehr aufs sportliche konzentrieren, auch wenn sein leben natürlich nicht nur aus fussball besteht.
zum inhalt kann ich anhand der auszüge nur sagen: schwach!
so nachtreten zu müssen ist lächerlich. dass klinsmann taktisch nicht der top-trainer ist, weiß jeder, dass van gaal keiner ist der die spieler knuddelt, weiß auch jeder, aber so mit ihnen abzurechnen, wenn sie nicht mehr da sind ist wirklich schwach.
das könnte sich für lahms rolle als kapitän und führungsspieler sehr negativ auswirken. robben bspw. hat sich ja schon dazu geäußert und war da auf der seite von van gaal.
lahm verliert mMn immer mehr von seinem guten image, was er früher, besonders um 2006 herum hatte.
und dazu kann man nur sagen: selbst schuld!
24.08.2011 | 17:40 Uhr
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Jacks_Rabbit : zeitpunkt
war auch eher ironisch gemeint. den zeitpunkt hätte er um 25 jahre verschieben sollen
25.08.2011 | 10:44 Uhr
+1
-2
Jazz :
Die Einführung ist recht interessant, aber dann wenns ans Thema geht, kommt eigentlich kaum mehr als ein paar Floskeln.Vielleicht stellt sich am Ende ja auch die Frage, ob man einen Blog von jemandem lesen muss, der das Buch selbst nicht gelesen hat.
Leider kann ich hier keiner Geldmaschinerie die Schuld geben. ^^
Aber nichsdestotrotz wars gut zu lesen unds gab hier schon weit schlechteres Material. Der Stil gefällt mir jedenfalls.
25.08.2011 | 10:48 Uhr
+1
0
25.08.2011 | 10:48 Uhr
+2
0
sinister :
Auch wenn ich es schon in manchen Kommentaren gesagt habe, wiederhole ich mich noch einmal. Da bin ich Klugscheißer ;)Das Buch ist KEINE Biografie!
Es erhebt auch nicht den Anspruch, eine Biografie zu sein, weder vom Verlag noch von Philipp Lahm selbst noch von vielen Onlineshops wird es so bezeichnet.
Lediglich die Medien nennen es so - dabei erwarte ich von einem Journalisten schon, dass er weiß, was eine Biografie ist.
In diesem Buch geht es um Lahms Aufstieg zum Profifußballer und nicht um seine Mutter, seine Freunde, Schulzeit, Familie, fußballfremde Erlebnisse oder sonstigen Schmus, was zu einer Beschreibung einer Lebensgeschichte dazugehört.
Es geht nur um Fußball und um das, was nach Ansicht Lahms zum absoluten Spitzenfußballer dazugehört.
Möchte das nur mal Richtigstellen, weil eben eine Kritik daran, dass er eine Biografie mit 27 schreibt, vollkommen daneben ist, weil es ja einfach nicht stimmt.
Man kann über den Inhalt geteilter Meinung sein, sollte ihm aber nichts vorwerfen, was so gar nicht stimmt.
So, das musste ich mal loswerden :)
25.08.2011 | 11:00 Uhr
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0
taneu :
Lahm ist doch eigentlich ein "netter Junge". Das beschreibst du sehr gut. In Interviews eckt er kaum an. Immer wenn sein Berater (oder wer auch immer dahintersteht) einbezogen ist, fängt es an zu rauchen. Dahinter steckt Strategie. Ich bin gespannt was noch so alles kommt. Der Philip ist nicht der Typ so ein Buch zu schreiben. Das ist gemacht worden. Aber das ist auch gut so.
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