27.04.2009 um 13:18 Uhr
Ist Klinsmann wirklich schuld?
Der FC Bayern hat soeben Jürgen Klinsmann entlassen. Die meisten Bayern-Fans halten diese Entscheidung für richtig. Doch wieso eigentlich? Ist Klinsmann wirklich verantwortlich für die sogenannten "schlechten" Ergebnisse dieser Saison?
Gehen wir zurück an den Anfang der Saison. Meiner Meinung nach kann man eine Saison unter anderem an der Formel
Mannschaft aus der Vorsaison PLUS Zugänge MINUS Abgänge
berechnen. Was waren die Veränderungen zur Vorsaison?
Oliver Kahn beendete seine Karriere. Michael Rensing hatte in den letzten Jahren vielversprechende Einsätze als Ersatztorwart. Doch an einen Kahn kann er in seiner ersten Saison als Stammkeeper nicht rankommen. Doch nicht nur in Sachen Leistung erlitt der FCB auf der Torwartposition einen Verlust, es entstand ein Mangel an Führerschaft. Kahn war unumstrittener Anführer der Mannschaft. Durch sein Karriereende entstand einMachtvakuum.
Philip Lahm, Lucio, Ze Roberto aber auch Mark Van Bommel können nicht ad hoc die Autorität annehmen, die Kahn hatte. Egal, wer von diesen Kandidaten Kapitän geworden wäre, er hätte nie diesen unumstrittenen Status gehabt wie Kahn. Van Bommel ist vielleicht annähernd so wahnsinnig, aber nicht so autoritär.
In derAbwehr ließ man Marcel Jansen gehen, der nun beim HSV wieder auftrumpft. Willy Sagnol musste seine Karriere verletzungsbedingt beenden. Dazu kam, dass Van Buyten verletzungsbedingt viele Spiele pausieren musste. Was blieb Klinsmann also anderes übrig, als den schon letzte Saison (zurecht) stark kritisierten Christian Lell aufzustellen?
Eine nahezu gleiche Situation bietet sich imSturm. Jan Schlaudraff ließ man ziehen, genauso wie den jungen Sandro Wagner, der letzte Saison einige vielversprechende Auftritte hatte. Podolski wurde sein Selbstvertrauen von der Führungsetage des FCB noch kleiner geredet, als es nach der letzten Saison ohnehin schon war. Eigentlich sollte es naheliegend sein, dass dies nicht zu einer Leistungsexplosion führen kann.
Man setzte also auf die "alten Hasen" Luca Toni und Miroslav Klose. Doch genau darin liegt - wie auch in der Abwehr das Problem. Die beiden sind eben nicht mehr die jüngsten, und so fehlten Klose und Toni verletzungsbedingt über zusammengerechnet 15 Spiele. Dass man im Alter zunehmend verletzungsanfällig wird, ist kein Geheimnis in der Fußballwelt. Außer bei Bremen, wo das Alter im Vergleich zum Mannschaftsarzt Dr. Dimanski eine untergeordnete Rolle für Verletzungsanfälligkeit spielt. Dazu kommt, dass Klose schon vor Klinsmanns Trainerschaft immer wieder für eine Serie von "Setzen, Sechs!"-Leistungen gut war. Das wissen der 1. FCK und Werder Bremen, und auch der FCB hätte es wissen sollen. Bei Luca Toni liegt der Fall eben so, dass er grundsätzlich überschätzt wird. Ja, er hat einen Killerinstinkt. Bekommt er den Ball innerhalb des Strafraums, dann macht er in der Regel sein Tor. Aber er wartet auf den Ball. Er versucht zu selten aktiv, den Ball zu bekommen. Es gab Spiele des FCB, nach denen ich mich fragen musste, ob Luca Toni überhaupt einen einzigen Ballkontakt hatte (z.b. gegen Barcelona).
Klinsmann hat diese Sturmsituation erkannt, und um Hilfe gerufen. Doch Landon Donovans guter Einstand in den Testspielen der Winterpause war den Verantwortlichen nicht genug. So beschlossen Rummennigge und Hoeneß, ihn wieder gehen zu lassen und mit 3 1/2 Stürmern in die restliche Rückrunde zu gehen.
Und so war es einzig dasMittelfeld des FCB, das überzeugen konnte. Hier stimmt das Spielermaterial. Neuzugang Tim Borowski hat mit seinen 5 Toren auch einen passablen Eindruck hinterlassen, wo er doch bei Werder in der letzten Saison immer schlechter wurde und ins Abseits geriet.
Dass man so - und mit den Ausfällen von Lahm, Van Buyten und Klose - gegen den allgemein von der Fußballfachwelt als "besten Verien der Welt" bezeichneten FC Barcelona mit 0:4 im Camp Nou verliert ist keine Schande, sondern naheliegend. Schliesslich ist sich die Fußballfachwelt nicht erst seit gestern einig, dass der FC Barcelona die Champions League gewinnt.
Die Schuld für diese Sachverhalte auf Klinsmann abzuwälzen ist meiner Meinung nach schwer heuchlerisch. Die Verantwortung für die kaderreduzierende Transferpolitik trägt die Vereinsführung, nicht Klinsmann. Mit Ausnahme des Falles Massimo Oddo. Der wurde geholt und war einfach schlecht. Wie viel Klinsmann und wie viel Hoeneß/Rummennigge in diesem Transfer steckte, mag wohl niemand außer den Beteiligten sagen.
So gibt es seit heute beim FC Bayern wieder aufgewärmte Suppe. Mit Jupp Heynckes ist nach Hitzfeld und Trappatoni (aus der jüngeren Vergangenheit) wiedermal ein Ex-Trainer zum Neu-Trainer bei den Bayern geworden. Ob er auch in der neuen Saison noch im Trainersattel sitzt, steht nicht fest. Fest steht jedoch, dass der neue Trainer - wer auch immer das sein wird außer Peter Neururer - die Saison Klinsmann zwangsläufig in ein schlechtes Licht rücken wird. Während nämlich zur aktuellen Saison kein einziger wirklich guter Spieler geholt, sondern der Kader dezimiert wurde, so stehen bereits jetzt mit
Anatoly Tymoschuk
Ivica Olic
Andreas Görlitz
Alexander Baumjohann
zwei absolut hochkarätige und zwei vielversprechende Neuzugänge fest. Dem stehen die Abgänge von Lukas Podolski, Massimo Oddo und (formal gesehen) Mats Hummels gegenüber.
Einer erfolgreicheren Saison 2009/2010 steht also höchstens eine erneute Kaderdezimierung oder Peter Neururer im Weg. Und so wird in der Führungsetage des FC Bayern München niemand Jürgen Klinsmann eine Träne nachweinen. Wie bei Hitzfeld. Und Trappatoni. Und Heynckes.
Gehen wir zurück an den Anfang der Saison. Meiner Meinung nach kann man eine Saison unter anderem an der Formel
Mannschaft aus der Vorsaison PLUS Zugänge MINUS Abgänge
berechnen. Was waren die Veränderungen zur Vorsaison?
Oliver Kahn beendete seine Karriere. Michael Rensing hatte in den letzten Jahren vielversprechende Einsätze als Ersatztorwart. Doch an einen Kahn kann er in seiner ersten Saison als Stammkeeper nicht rankommen. Doch nicht nur in Sachen Leistung erlitt der FCB auf der Torwartposition einen Verlust, es entstand ein Mangel an Führerschaft. Kahn war unumstrittener Anführer der Mannschaft. Durch sein Karriereende entstand ein
Philip Lahm, Lucio, Ze Roberto aber auch Mark Van Bommel können nicht ad hoc die Autorität annehmen, die Kahn hatte. Egal, wer von diesen Kandidaten Kapitän geworden wäre, er hätte nie diesen unumstrittenen Status gehabt wie Kahn. Van Bommel ist vielleicht annähernd so wahnsinnig, aber nicht so autoritär.
In der
Eine nahezu gleiche Situation bietet sich im
Man setzte also auf die "alten Hasen" Luca Toni und Miroslav Klose. Doch genau darin liegt - wie auch in der Abwehr das Problem. Die beiden sind eben nicht mehr die jüngsten, und so fehlten Klose und Toni verletzungsbedingt über zusammengerechnet 15 Spiele. Dass man im Alter zunehmend verletzungsanfällig wird, ist kein Geheimnis in der Fußballwelt. Außer bei Bremen, wo das Alter im Vergleich zum Mannschaftsarzt Dr. Dimanski eine untergeordnete Rolle für Verletzungsanfälligkeit spielt. Dazu kommt, dass Klose schon vor Klinsmanns Trainerschaft immer wieder für eine Serie von "Setzen, Sechs!"-Leistungen gut war. Das wissen der 1. FCK und Werder Bremen, und auch der FCB hätte es wissen sollen. Bei Luca Toni liegt der Fall eben so, dass er grundsätzlich überschätzt wird. Ja, er hat einen Killerinstinkt. Bekommt er den Ball innerhalb des Strafraums, dann macht er in der Regel sein Tor. Aber er wartet auf den Ball. Er versucht zu selten aktiv, den Ball zu bekommen. Es gab Spiele des FCB, nach denen ich mich fragen musste, ob Luca Toni überhaupt einen einzigen Ballkontakt hatte (z.b. gegen Barcelona).
Klinsmann hat diese Sturmsituation erkannt, und um Hilfe gerufen. Doch Landon Donovans guter Einstand in den Testspielen der Winterpause war den Verantwortlichen nicht genug. So beschlossen Rummennigge und Hoeneß, ihn wieder gehen zu lassen und mit 3 1/2 Stürmern in die restliche Rückrunde zu gehen.
Und so war es einzig das
Dass man so - und mit den Ausfällen von Lahm, Van Buyten und Klose - gegen den allgemein von der Fußballfachwelt als "besten Verien der Welt" bezeichneten FC Barcelona mit 0:4 im Camp Nou verliert ist keine Schande, sondern naheliegend. Schliesslich ist sich die Fußballfachwelt nicht erst seit gestern einig, dass der FC Barcelona die Champions League gewinnt.
Die Schuld für diese Sachverhalte auf Klinsmann abzuwälzen ist meiner Meinung nach schwer heuchlerisch. Die Verantwortung für die kaderreduzierende Transferpolitik trägt die Vereinsführung, nicht Klinsmann. Mit Ausnahme des Falles Massimo Oddo. Der wurde geholt und war einfach schlecht. Wie viel Klinsmann und wie viel Hoeneß/Rummennigge in diesem Transfer steckte, mag wohl niemand außer den Beteiligten sagen.
So gibt es seit heute beim FC Bayern wieder aufgewärmte Suppe. Mit Jupp Heynckes ist nach Hitzfeld und Trappatoni (aus der jüngeren Vergangenheit) wiedermal ein Ex-Trainer zum Neu-Trainer bei den Bayern geworden. Ob er auch in der neuen Saison noch im Trainersattel sitzt, steht nicht fest. Fest steht jedoch, dass der neue Trainer - wer auch immer das sein wird außer Peter Neururer - die Saison Klinsmann zwangsläufig in ein schlechtes Licht rücken wird. Während nämlich zur aktuellen Saison kein einziger wirklich guter Spieler geholt, sondern der Kader dezimiert wurde, so stehen bereits jetzt mit
Anatoly Tymoschuk
Ivica Olic
Andreas Görlitz
Alexander Baumjohann
zwei absolut hochkarätige und zwei vielversprechende Neuzugänge fest. Dem stehen die Abgänge von Lukas Podolski, Massimo Oddo und (formal gesehen) Mats Hummels gegenüber.
Einer erfolgreicheren Saison 2009/2010 steht also höchstens eine erneute Kaderdezimierung oder Peter Neururer im Weg. Und so wird in der Führungsetage des FC Bayern München niemand Jürgen Klinsmann eine Träne nachweinen. Wie bei Hitzfeld. Und Trappatoni. Und Heynckes.

Aufrufe: 9724 | Kommentare: 72 | Bewertungen: 54 | Erstellt:27.04.2009
ø 8.1
KOMMENTARE
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27.04.2009 | 14:10 Uhr
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xredfredx : 10/10
sehr, sehr gutes blog. endlich jemand, der das theater mit sachverstand einschätzt. danke dafür!
ABER - ich kann mich täuschen (also eigentlich nicht) aber der magath war kein ex-trainer.
ansonsten stimme ich dir in nahezu allen punkten absolut zu!
27.04.2009 | 14:25 Uhr
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MrWest :
Danke, dass jemand endlich mal das alles hier aufgegriffen hat. Dazu muss ich auch sagen, dass die Mannschaft meiner Meinung nach die ganze Saison über nicht "gebrannt" hat. Z.B. im BArcelona Spiel. Nach dem 2:0 oder 3:0 wurde v. Bommel eingeblendet, wie er die Mannschaft nochmal angefeuert hat. Der Rest ließ sich einfach hängen. AUch ein Ribery, der auch starke Spile gemacht hat, aber trotzdem viel öfter bei Interviews rumhing, neue Spieler gefordert hat oder einfach gemütlich übers Spielfeld tlief, ohne i-wie nach hinten zu Arbeiten.Wenn aber zu viele neue Spieler kommen, muss sich das Team erst wieder finden und das dauert. Dieses JAhr war ein Übergangsjahr und wir sind immerhin 3. und haben noch alle Chancen. Klinsmann hätte das nächste Jahr noch verdient gehabt und wenn es dann nich gelaufen wäre, hätte er immer noch gehen können.
27.04.2009 | 14:34 Uhr
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Trentemoeller : 9 Punkte!
Guter Blog, ich bin auch nicht der Meinung das Klinsmann "schuld" ist, wenn man das so sagen kann.Seine Entlassung war einen Bankrotterklärung der Vereinsführung, nicht mehr und nicht weniger, wenn man nicht damit klar kommt, mal ein Jahr keinen Erfolg zu haben, dann hat man was verpasst. Ein Trainer braucht Zeit um etwas aufzubauen, siehe Fergie, sie Wenger (auch wenn ich beide nicht mag
)...Ich hoffe die Bayern Verantwortlichen machen nun das richtige und holen einen Trainer mit wirklich internationalem Format. ICh hoffe es wird Mancini, auch wenn jetzt wieder viele möchtegern Experten kommen werden und etwas von wegen "Mancini ist scheiße in der Champions League" erzählen werden.
Der Typ will Bayern trainieren und ist darüber hinaus der wohl beste und allen Free-Agent Trainern...
27.04.2009 | 14:39 Uhr
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MrWest :
@TrentemoellerWofür haben wir Klinsi denn geholt? Alle wollten schöneren und moderneren Fußball sehen. Ich denke aber nicht, dass Mancini dafür der richtige ist.
27.04.2009 | 15:03 Uhr
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Salty : ...
Du triffst den Nagel auf den Kopf. Klar hat Klinsmann auch einige Fehler gemacht, jedoch liegt die Hauptverantwortung bei den Bossen. Man kann in dieser Saison ja nichtmal von einem Stillstand reden, wenn man den Kader zur Vorsaison betrachtet. Es war ein klarer Rückschritt durch die ganzen Abgänge.
Wäre Klinsmann nächste Saison noch Trainer, dann würde auch sein Konzept aufgehen, da bin ich mir sicher.
27.04.2009 | 15:12 Uhr
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MarvinGio : Sehr schön!
Ganz wunderbar geschrieben. Endlich mal nicht nur dieser Unsinn! Natpürlich ist er nicht schuld! und Schuld woran überhaupt? Dass die Bayern Champions League und Pokal verkacken? Das die Meisterschaft noch möglich ist?
Naja.. Man wollte Obama-mäßig change und alles neu und so weiter. Da war man sich doch hoffentlich im Klaren, dass das ne Zeit dauert bevor das richtig funktioniert. Und jetzt macht man n Rückzieher? Dann hätte man das doch gar nicht machen müssen. Einfach das alte Bayern Konzept weiter verfahren. Hinten sicher und vorne macht Luca Toni oder sonst ein verwöhnter Schnöselstar das Ding schon rein. Ging doch jahrelang gut. Auch wenn ich die Bayern nicht mag, so war das doch immer zu 99,9% sicher. Bayern holt uns irgendeinen Titel. Spielt manchmal furchtbar und zum Wegschauen schlecht, aber gewinnt notfalls in der 98 Minute (angezeigte Nachspielzeit) mit 1:0 oder 2:1. Daran könnte ich mich wieder gewöhnen. Obwohl es so immer was zu Lachen gibt. Nicht nur über Hoffenheim sondern nun eben auch über die Bayern..
27.04.2009 | 15:27 Uhr
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TucaLoni1302 : schönst Stelle:
"Van Bommel ist vielleicht annähernd so wahnsinnig, aber nicht so autoritär."
27.04.2009 | 15:35 Uhr
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Klerafukan : ...
Also teilweise muss ich dir natürlich Recht geben. Klinsmann wird da einfach nur zum Sündenbock gemacht. Aber andererseits finde ich die Spiele der Bayern sehr oft unklug. Meistens sind sie die bessere Mannschaft, damit meine ich vor allem den Ballbesitz, und verlieren die Spiele trotzdem. Beisielsweise gegen Schalke. Natürlich auch wegen zu weniger Torchancen.Ich denke schon dass Klinsmann nicht genug Taktik Erfahrung hat.
Die Kaderplanung war natürlich auch katastrophal.
Auch wenn Bayern fast alles Uli Hoeness zu verdanken hat, so sind viele Transfers schlecht gelaufen. Das hat ja schon fast Tradition dass man schlechte Transfers tätigt.
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