25.11.2011 um 20:30 Uhr
Island: Sportmacht im Norden
Es war der Sonntagmorgen des 24. August 2008, als ein ganzes Land nicht nur stiller stand als es ohnehin schon ist, sondern kollektiv den kalten Atem anhielt. Die Handball-Nationalmannschaft Islands war im Begriff, die erst vierte olympische Medaille in der Geschichte überhaupt für Island zu gewinnen. Bis zu diesem Zeitpunkt war es ausschließlich isländischen Einzelkämpfern gelungen, Medaillen im Dreisprung 1956, im Judo 1984 und zuletzt im Stabhochsprung im Jahr 2000 zu erringen. Aber was macht diesen Erfolg der isländischen Männer von 2008 so besonders und warum lassen Isländer auch im Fussball immer wieder die Sportwelt aufhorchen?
Um diese Leistung richtig einschätzen zu können, hilft es, einen genaueren Blick auf dieses sportverrückte Land und dessen Einwohner zu werfen. Rund 320.000 Menschen leben auf einer Fläche, die so groß ist wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen. Anders formuliert: Die Bevölkerungsdichte in Deutschland ist 76 mal höher als die des Inselstaates. Jedoch lebt mehr als ein Drittel der Einwohner in Reykjavik, der nördlichsten Hauptstadt der Welt, in der auch fast alle bedeutenden Sportstätten und Vereine des Landes anzutreffen sind.
Einer der erfolgreichsten Vereine, dessen blau-rotes Wappen von einem Falken geziert wird und weltweit bekannte Sportgrößen wie Eiður Guðjohnsen und Ólafur Stefánsson hervorgebracht hat, nennt sich Knattspyrnufélagið Valur (Valur = Falke). In den bestens ausgestatteten Anlagen trainieren täglich Nachwuchssportler Basketball, Fussball und natürlich Handball mit dem Traum, eines Tages ein Angebot aus einer der europäischen Top-Ligen zu bekommen. Schon die jüngsten Kinder zwischen sechs und sieben Jahren trainieren, im Unterschied zu Deutschland, bereits drei Mal pro Woche. Zudem ist es Isländern nur erlaubt die Tätigkeit eines Trainers auszuüben, nachdem sie diesen Beruf über Jahre studiert oder erlernt haben. Dieser hohe Trainingsstandard ist natürlich sehr kostspielig, da Trainer einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft haben und dementsprechend zu vergüten sind. Jedoch schließt es aus, dass mehr oder weniger motivierte Elternteile nach Feierabend einmal die Woche ein wenig professionelles Training leiten. Zu der vielfältigen sportlichen Ausbildung und dem Ziel, Kinder möglichst spät auf nur eine Sportart zu spezialisieren, gehört neben den vier bis fünf wöchentlichen Trainingseinheiten der 14-jährigen, auch vier mal pro Woche Schulsport.
Allein die Trainingsfrequenz kann aber nicht ausschlaggebend sein für hohes sportliches Niveau. Neben der professionellen Ausbildung der Trainer ist festzustellen, dass fast jeder Isländer eine gewisse Zeit seines Lebens im Ausland verbringt oder verbrachte. Dadurch haben sich Isländer sport- und trainingswissenschaftliches Wissen aus Ländern wie Dänemark, Norwegen und Deutschland angesammelt und erfolgreich im Heimatland implementiert. Dies spiegelt sich besonders im Handball wieder, in dem Island einen Stil entwickelt hat, der versucht, die Stärken verschiedener Nationen zu vereinen.
Es scheint also kein Zufall zu sein, dass die Handball-Nationalmannschaft der Männer die guten Ergebnisse Jahr für Jahr bestätigt und bei der letzten Europameisterschaft 2010 den dritten Platz errang. Es scheint auch kein Zufall zu sein, dass drei der derzeitigen 18 Mannschaften der Handball Bundesliga von isländischen Trainern erfolgreich betreut werden. Wobei es sich mit dem THW Kiel (Alfreð Gíslason), den Füchsen Berlin (Dagur Sigurðsson) und den Rhein-Neckar-Löwen (Guðmundur Þórður Guðmundsson) um das Beste handelt, das Deutschland auf nationaler sowie auf internationaler Ebene zu bieten hat. Jedoch ist der Erfolg isländischer Sportler nicht nur auf den Nationalsport Handball zu begrenzen. Während die Herren im Fussball höchstens durch Siege gegen Zypern auf sich aufmerksam machen, sind die Frauen im FIFA-Ranking auf einem beeindruckenden 15. Platz und lassen zahlenmäßig „kaum" überlegenere Nationen wie China oder Russland hinter sich. Aber auch aus den männlichen Reihen treten überdurchschnittlich viele gute Fußballer hervor. Von den im Jahr 2010 registrierten 19.000 Spielern schafften immerhin 66 den Sprung in ausländische Profiligen. Überflüssig zu erwähnen, dass Guðjohnsen nach Stationen in Chelsea und beim FC Barcelona bereits als lebende Legende gefeiert wird. Aber es wächst auch eine neue Generation heran. Dem Stürmer Kolbeinn Sigþórsson, der erst 21 Jahre alt ist und bei Ajax Amsterdam unter Vertrag steht, wird dabei die erfolgreichste Zukunft vorausgesagt. Unerwähnt sollte auch nicht Gylfi Þór Sigurðsson von der TSG Hoffenheim bleiben, der schließlich erst 22 Jahre alt ist und unverletzt das Potential zum überdurchschnittlichen Bundesligaspieler hat.
Eines haben dabei alle Sportler, die ihr Glück im Ausland versuchen, gemeinsam. Ein jeder kann sich sicher sein, dass seine Landsleute den Lebensweg verfolgen, als wäre es der eines mehr oder weniger engen Verwandten (was nicht unwahrscheinlich ist) und jeder erreichte Erfolg wird dabei mit höchster gesellschaftlicher Anerkennung zurückgezahlt.
Stellte man sich also vor, dass alle deutschen Handballnationalspieler aus Mannheim (313.000 Einwohner) stammten und bei olympischen Spielen den zweiten Platz belegten, wäre dies mehr als beeindruckend und es ist dieser sympathischen Nation zu gönnen, noch einmal bei einem großen Finale den kalten Atem anhalten zu dürfen.
Um diese Leistung richtig einschätzen zu können, hilft es, einen genaueren Blick auf dieses sportverrückte Land und dessen Einwohner zu werfen. Rund 320.000 Menschen leben auf einer Fläche, die so groß ist wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen. Anders formuliert: Die Bevölkerungsdichte in Deutschland ist 76 mal höher als die des Inselstaates. Jedoch lebt mehr als ein Drittel der Einwohner in Reykjavik, der nördlichsten Hauptstadt der Welt, in der auch fast alle bedeutenden Sportstätten und Vereine des Landes anzutreffen sind.
Einer der erfolgreichsten Vereine, dessen blau-rotes Wappen von einem Falken geziert wird und weltweit bekannte Sportgrößen wie Eiður Guðjohnsen und Ólafur Stefánsson hervorgebracht hat, nennt sich Knattspyrnufélagið Valur (Valur = Falke). In den bestens ausgestatteten Anlagen trainieren täglich Nachwuchssportler Basketball, Fussball und natürlich Handball mit dem Traum, eines Tages ein Angebot aus einer der europäischen Top-Ligen zu bekommen. Schon die jüngsten Kinder zwischen sechs und sieben Jahren trainieren, im Unterschied zu Deutschland, bereits drei Mal pro Woche. Zudem ist es Isländern nur erlaubt die Tätigkeit eines Trainers auszuüben, nachdem sie diesen Beruf über Jahre studiert oder erlernt haben. Dieser hohe Trainingsstandard ist natürlich sehr kostspielig, da Trainer einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft haben und dementsprechend zu vergüten sind. Jedoch schließt es aus, dass mehr oder weniger motivierte Elternteile nach Feierabend einmal die Woche ein wenig professionelles Training leiten. Zu der vielfältigen sportlichen Ausbildung und dem Ziel, Kinder möglichst spät auf nur eine Sportart zu spezialisieren, gehört neben den vier bis fünf wöchentlichen Trainingseinheiten der 14-jährigen, auch vier mal pro Woche Schulsport.
Allein die Trainingsfrequenz kann aber nicht ausschlaggebend sein für hohes sportliches Niveau. Neben der professionellen Ausbildung der Trainer ist festzustellen, dass fast jeder Isländer eine gewisse Zeit seines Lebens im Ausland verbringt oder verbrachte. Dadurch haben sich Isländer sport- und trainingswissenschaftliches Wissen aus Ländern wie Dänemark, Norwegen und Deutschland angesammelt und erfolgreich im Heimatland implementiert. Dies spiegelt sich besonders im Handball wieder, in dem Island einen Stil entwickelt hat, der versucht, die Stärken verschiedener Nationen zu vereinen.
Es scheint also kein Zufall zu sein, dass die Handball-Nationalmannschaft der Männer die guten Ergebnisse Jahr für Jahr bestätigt und bei der letzten Europameisterschaft 2010 den dritten Platz errang. Es scheint auch kein Zufall zu sein, dass drei der derzeitigen 18 Mannschaften der Handball Bundesliga von isländischen Trainern erfolgreich betreut werden. Wobei es sich mit dem THW Kiel (Alfreð Gíslason), den Füchsen Berlin (Dagur Sigurðsson) und den Rhein-Neckar-Löwen (Guðmundur Þórður Guðmundsson) um das Beste handelt, das Deutschland auf nationaler sowie auf internationaler Ebene zu bieten hat. Jedoch ist der Erfolg isländischer Sportler nicht nur auf den Nationalsport Handball zu begrenzen. Während die Herren im Fussball höchstens durch Siege gegen Zypern auf sich aufmerksam machen, sind die Frauen im FIFA-Ranking auf einem beeindruckenden 15. Platz und lassen zahlenmäßig „kaum" überlegenere Nationen wie China oder Russland hinter sich. Aber auch aus den männlichen Reihen treten überdurchschnittlich viele gute Fußballer hervor. Von den im Jahr 2010 registrierten 19.000 Spielern schafften immerhin 66 den Sprung in ausländische Profiligen. Überflüssig zu erwähnen, dass Guðjohnsen nach Stationen in Chelsea und beim FC Barcelona bereits als lebende Legende gefeiert wird. Aber es wächst auch eine neue Generation heran. Dem Stürmer Kolbeinn Sigþórsson, der erst 21 Jahre alt ist und bei Ajax Amsterdam unter Vertrag steht, wird dabei die erfolgreichste Zukunft vorausgesagt. Unerwähnt sollte auch nicht Gylfi Þór Sigurðsson von der TSG Hoffenheim bleiben, der schließlich erst 22 Jahre alt ist und unverletzt das Potential zum überdurchschnittlichen Bundesligaspieler hat.
Eines haben dabei alle Sportler, die ihr Glück im Ausland versuchen, gemeinsam. Ein jeder kann sich sicher sein, dass seine Landsleute den Lebensweg verfolgen, als wäre es der eines mehr oder weniger engen Verwandten (was nicht unwahrscheinlich ist) und jeder erreichte Erfolg wird dabei mit höchster gesellschaftlicher Anerkennung zurückgezahlt.
Stellte man sich also vor, dass alle deutschen Handballnationalspieler aus Mannheim (313.000 Einwohner) stammten und bei olympischen Spielen den zweiten Platz belegten, wäre dies mehr als beeindruckend und es ist dieser sympathischen Nation zu gönnen, noch einmal bei einem großen Finale den kalten Atem anhalten zu dürfen.
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gerade was die trainerstandards betrifft, sicherlich ein vorbild für andere nationen.
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