"Lass uns unseren eigenen Verein gründen und ganz unten in der Kreisliga anfangen!" Was nach einer Idee klingt, die man mal nach dem sechsten oder siebten Pils hat, war ein paar Männern aus Frankfurt vor einigen Monaten ein ernstes Anliegen. Das Ergebnis: Der FC Gudesding Frankfurt, aktuell Tabellendritter in Gruppe 1 der Frankfurter Kreisliga B. Warum es unbedingt ein eigener Verein sein musste, welche Hürden man heutzutage bei der Gründung eines Sportvereins zu überwinden hat und wofür der FC Gudesding zukünftig stehen möchte, hat mir Luis Engelhardt im Interview verraten. Luis ist Mitgründer, Vorstandsmitglied und Spielleiter von Deutschlands jüngstem Fußballverein.

Jens: Hallo Luis, schön, dass du Zeit gefunden hast! Stell doch zu Beginn bitte kurz deinen Club, den FC Gudesding Frankfurt, vor.
Luis: Hallo Jens. Dein Interesse am neu gegründeten FC Gudesding Frankfurt ehrt uns sehr und ich freue mich dir von unserem Verein erzählen zu dürfen. Wir sind ein Verein, ausgedacht von einer Reihe junger Studenten und gegründet, sowie betrieben von eben jener jungen Generation, gemeinsam mit unserer Elterngeneration. Wir sind alle sehr gute und enge Freunde, die größtenteils aus dem Fußball stammen, zum Teil aber auch in anderen Sportarten aktiv waren und wir haben bereits seit mehreren Jahren davon geträumt, einmal gemeinsam in einem Team zu spielen, anstatt nur hin und wieder gegeneinander anzutreten. Wir haben das Potential dieser Idee schon früh erkannt. Wir sind alle waschechte Frankfurter und haben die Absicht, mit unserem Verein eine neue Anlaufstelle für unser Frankfurter Umfeld zu erschaffen – wir wollen aus unseren Spielen Events machen. Und das klappt ganz gut. Die Leute haben Spaß bei uns.
Jens:Weshalb habt ihr euch damals dazu entschieden, einen eigenen Verein zu gründen, statt euch einfach einem bestehenden Club anzuschließen?
Luis: Wir haben damals größtenteils in den unterschiedlichsten Vereinen gespielt. Wir kennen uns alle aus der Jugend, haben zum Teil miteinander und zum Teil gegeneinander gespielt und mit dem Übergang in den Herrenfußball haben sich auch die Vereinszugehörigkeiten verändert. Es ergab sich jedoch nie die Gelegenheit, dass wir alle bei einem Verein spielen konnten, oder besser gesagt wollten. Der eine will dort nicht hin wechseln, der andere hierhin nicht. Die einzige Möglichkeit war es unser eigenes Ding zu machen und komplett von neu anzufangen.
Jens: Was waren denn für euch die größten Hindernisse im Vorfeld eurer Vereinsgründung?
Luis: Es gab einige Hürden die wir nehmen mussten, bis wir das erste mal zusammen auf dem Platz stehen konnten. Auf der einen Seite war da der bürokratische Gründungsakt, der den ein oder anderen beinahe in die Verzweiflung gestürzt hätte. Es musste eine Satzung her, ein Gründungsprotokoll, Gründungsversammlungen, Termine mit Notaren und dem Amtsgericht, Mitgliederversammlungen, Satzungsänderungen, weitere Versammlungen und erneute Satzungsänderungen. Wir müssen uns bis heute mit dem Finanzamt auseinandersetzen, um endgültig unsere Gemeinnützigkeit zu erlangen. Das ist schon ein ganz schöner Brocken. Auf der anderen Seite mussten wir Mitglieder in den Sportverbänden werden, um als Verein anerkannt und für den Ligabetrieb spielberechtigt zu sein. Dabei gab es diverse Fristen und Auflagen, die dringend eingehalten werden mussten. Eine wichtige Etappe auf unserem Weg war es auch, eine geeignete Sportanlage zu finden, auf der wir trainieren und spielen können. Allein die Suche nach einem Platz, bei ca. 100 Fußballvereinen in Frankfurt, verteilt auf ungefähr 50 Sportanlagen, kostete uns ein halbes Jahr. Seit der Vereinsgründung am 5. Januar 2012 waren wir konsequent auf der Suche, haben mit über 50 Vereinen gesprochen und mit einigen auch verhandelt. Zum Glück hat letzten Endes alles geklappt. Die letzte Herausforderung war das Zusammenstellen der Mannschaft, was sich im Grunde genommen von alleine ergab. Wir sagen ja nicht: „Der kann gut kicken. Der ist jetzt ein Freund von uns und macht bei Gudesding mit." Es war von vornherein klar, wer bei uns mitspielen würde. Klar, war es dem ein oder anderen nicht möglich, seinen Verein sofort zu verlassen und für andere Spieler wiederum wurden hohe Ablösesummen gefordert.
Teil 2 des Interviews
Das ganze Interview am Stück gibt es auf direkt-verwandelt.de
