01.02.2011 um 22:21 Uhr
Gracias por todo, Fernando
Eine Meldung und ihre Geschichte
In den späten Abendstunden des 31. Januar 2011, wurde endlich bestätigt, was alle Liverpool-Fans die letzten 24 Stunden beschäftigt hatte: Fernando Torres wechselt mit sofortiger Wirkung zum Chelsea FC.
Zu diesem Zeitpunkt hatten die meisten Fans bereits einige Etappen des Kübler-Ross-Modells durchlaufen. Zuerst kam das Nicht-Wahrhabenwollen ("Als ob der jetzt gehen würde" "Was für ein Bullshit"). Dann kamen die ersten traurigen und ärgerlichen emotionalen (Über)Reaktionen ("So geschockt war ich lange nicht mehr" "einfach nur ohne Worte") und fast zeitgleich die in diesem Fall sehr treffend titulierte Verhandlungsphase. Vielleicht könnte man ihn ja überzeugen, noch ein halbes Jahr zu bleiben, hofften viele. Wenn er nur noch diese Saison bleiben könnte und sich anschauen würde, wieviel besser alles unter der Dalglish/NESV-"Regierung" laufen werde.
Als sich die Gerüchte verdichteten, äußerten immer mehr ihr Unverständnis, sprachen von Leere, aber je später es wurde, desto pragmatischer wurde die Stimmung, die schließlich in Optimismus umschwung (dank eines extrem riskanten Einkaufs)
We could feel it in the air that night, the stars were bright...Fernando!
Keine Frage, mit Fernando Torres hat der LFC eine Gallionsfigur verloren. Einen dieser seltenen Weltstars, der sich die Premier League zum Jagdgrund machte und die Werte, Tradition und Mentalität seines Vereines besser verkörperte als mancher geborene Scouser. Torres darf man in einem Satz mit Fremdenlegionär-Legenden wie Gianfranco Zola und Thierry Henry nennen.
Ich selber erinnere mich, wie ich 2007 bei einem Freund in Deutschland Torres erstes Heimspiel gegen Chelsea anschaute. Dieser Antritt, dieses Selbstbewusstsein, diese Leichtigkeit im Abschluss!
Dass dieses Tor von Gerrard eingeleitet wurde, wies auf die Partnerschaft zwischen - sagten viele - Liverpools einzigen echten Weltklassespielern hin. Die beiden entwickelten ein Verständnis, wie es bei Ausnahmespielern, die sich gegenseitig schätzen und ergänzen, oft entsteht. Für Gerrard war Torres ein Beweis, dass sich der Verein langsam aber sicher weiter in Richtung Titelkandidat entwickelte. Dass Torres in seinen dreieinhalb Spielzeiten bei den Reds trotzdem keine einzige Trophäe gewann, liegt an mehreren Faktoren.
Kein Back-up - Während seiner Zeit in Anfield wurde Torres von Spielern wie N'Gog, Nabil El Zhar, Ryan Babel, Robbie Keane und Andrei Voronin vertreten bzw. im Sturm "unterstützt". Von diesen hatte nur Robbie Keane einen vertretbaren Ruf in der Premier League, aber Rafas Unfähigkeit im Transfermarket (20M für einen kopflosen over-the-hill-Stürmer zahlen und ihn dann Linksaußen spielen lassen? Echt jetzt?) bedeutete, dass Torres nie Teil einer gut besetzten Offensive wurde, sondern ein alleingelassener Hoffnungsträger, auf dem jedes Spiel 50% aller Hoffnungen ruhten. Damit, dachten sich manche damals schon, hatte er bei Atletico schon genug Erfahrung gemacht.
Pech - 2008/2009 war die beste Saison, die der LFC seit Jahren in der Premier League hingelegt hat. Für den Meistertitel reichte es trotzdem nicht, und auch in der Champions League war nach einem unerträglich spannenden und hart umkämpften Viertelfinale gegen Chelsea Schluss.
Die Dominanz der neuen Liga-Herrscher - In den letzten drei Jahren hat keiner der drei anderen Top Four (zu denen der LFC nicht mehr gehört) genug abgebaut, um Liverpool einen klaren Lauf an die Spitze zu erlauben. Klar - Ronaldo ging, Chelsea wurde älter, und auch Arsenal gewann keine einzige Trophäe. Aber bei Man U sprang Rooney, unterstützt von einer unkaputtbaren Siegesmentalität bei seinen weniger begabten Mannschaftskollegen, mit einer einzigartigen Jahresleistung in die Bresche, und Chelsea zehrte weiter von Mourinhos Arbeit und konnte sich auf ein eingespieltes Skelett an Weltklassespielern verlassen, während Arsenal trotz Titelflaute unbestreitbar den besten Fußball und die vielversprechendste Entwicklung aufweisen konnte.
2008/2009 zeigte sich die andere Seite des Fernando Torres - seine Verletzungsanfälligkeit. In der gesamten Ligasaison spielten Gerrard und Torres gerade mal 12 mal von Anfang an zusammen - und erzielten 17 Tore.
Dafür bescherte uns diese Spielzeit unvergessliche Momente. Das 4:1 im Old Trafford war eines der großartigsten Ergebnisse aller Zeiten, und zu sehen, wie Torres die Aasgeier aus Madrid abschoss war fast zu zuckersüß, um es ohne Gesundheitswarnung zu genießen.
Während all dieser Zeit stritt sich Torres mit Reina um den Titel des Ehren-Scousers, betonte seine Liebe zum Verein und ließ sich nach dem WM-Finale mit einem LFC-Schal ablichten. All diese Nächte, in denen er sich in Blackburn oder Bolton die Hacken wund gerannt hatte, würden sich auszahlen - dachten wir.
Schade drum
Stattdessen ging Hodgsons Versuch, Liverpool zurück auf die Spitze zu führen, in uninspirierenden Einkäufen und unansehnlichem Gebolze unter, und H&G trollten sich nach ein paar finanziell desaströsen Jahren unter barschem Drohgebahren.
Torres verabscheute es offensichtlich, unter Hodgson zu spielen, und auch sein Draht zu Gerrard & Co schien nicht mehr der Alte zu sein. Das unter Benitez zum Weltklassemittelfeld avancierte Duo Alonso/Mascherano war langsam zerbröselt, und seine Verletzungen schienen in von diesem unwiderstehlichen Antritt beraubt zu haben. Dalglishs Einstellung schien ihm neuen Wind zu geben, aber seine Entscheidung war wohl schon im Sommer gefallen, als er zum ersten Mal an einen Wechsel dachte.
Um die Art seines Abgangs wird man sich wohl noch Jahre lang streiten. Ich persönlich kann es ihm kaum verübeln, hätte mir aber nichts sehnlicher gewünscht, ihn im Reds-Trikot einen Pokal in die Höhe heben zu sehen. Wie weise es ist, zu dem ältesten und nominell schwächsten Chelsea-Team seit Jahren zu wechseln, wird man sehen. Aus der Episode kann man lernen, dass kein Fußballer immun ist gegen die Reize russischer/arabischer/US Millionäre. Nicht mal ein schüchterner, gutaussehender Stürmerstar, der mehr Liverpool-Trikots verkaufte als irgendjemand sonst. Bleiben nur die Erinnerungen an die Hoffnungen, die man für ihn und diese Mannschaft hatte, an seine Tore, und, ja doch, an dieses unwiderstehliche Grinsen. Er wird schwer zu ersetzen sein.
Das heißt natürlich nicht, dass ich ihn nicht herzhaft gegen Carragher auf die Fresse fallen sehen will. Am Sonntag walkst du ganz allein, Fernando. Aber danke trotzdem.
In den späten Abendstunden des 31. Januar 2011, wurde endlich bestätigt, was alle Liverpool-Fans die letzten 24 Stunden beschäftigt hatte: Fernando Torres wechselt mit sofortiger Wirkung zum Chelsea FC.
Zu diesem Zeitpunkt hatten die meisten Fans bereits einige Etappen des Kübler-Ross-Modells durchlaufen. Zuerst kam das Nicht-Wahrhabenwollen ("Als ob der jetzt gehen würde" "Was für ein Bullshit"). Dann kamen die ersten traurigen und ärgerlichen emotionalen (Über)Reaktionen ("So geschockt war ich lange nicht mehr" "einfach nur ohne Worte") und fast zeitgleich die in diesem Fall sehr treffend titulierte Verhandlungsphase. Vielleicht könnte man ihn ja überzeugen, noch ein halbes Jahr zu bleiben, hofften viele. Wenn er nur noch diese Saison bleiben könnte und sich anschauen würde, wieviel besser alles unter der Dalglish/NESV-"Regierung" laufen werde.
Als sich die Gerüchte verdichteten, äußerten immer mehr ihr Unverständnis, sprachen von Leere, aber je später es wurde, desto pragmatischer wurde die Stimmung, die schließlich in Optimismus umschwung (dank eines extrem riskanten Einkaufs)
We could feel it in the air that night, the stars were bright...Fernando!
Keine Frage, mit Fernando Torres hat der LFC eine Gallionsfigur verloren. Einen dieser seltenen Weltstars, der sich die Premier League zum Jagdgrund machte und die Werte, Tradition und Mentalität seines Vereines besser verkörperte als mancher geborene Scouser. Torres darf man in einem Satz mit Fremdenlegionär-Legenden wie Gianfranco Zola und Thierry Henry nennen.
Ich selber erinnere mich, wie ich 2007 bei einem Freund in Deutschland Torres erstes Heimspiel gegen Chelsea anschaute. Dieser Antritt, dieses Selbstbewusstsein, diese Leichtigkeit im Abschluss!
Dass dieses Tor von Gerrard eingeleitet wurde, wies auf die Partnerschaft zwischen - sagten viele - Liverpools einzigen echten Weltklassespielern hin. Die beiden entwickelten ein Verständnis, wie es bei Ausnahmespielern, die sich gegenseitig schätzen und ergänzen, oft entsteht. Für Gerrard war Torres ein Beweis, dass sich der Verein langsam aber sicher weiter in Richtung Titelkandidat entwickelte. Dass Torres in seinen dreieinhalb Spielzeiten bei den Reds trotzdem keine einzige Trophäe gewann, liegt an mehreren Faktoren.
Kein Back-up - Während seiner Zeit in Anfield wurde Torres von Spielern wie N'Gog, Nabil El Zhar, Ryan Babel, Robbie Keane und Andrei Voronin vertreten bzw. im Sturm "unterstützt". Von diesen hatte nur Robbie Keane einen vertretbaren Ruf in der Premier League, aber Rafas Unfähigkeit im Transfermarket (20M für einen kopflosen over-the-hill-Stürmer zahlen und ihn dann Linksaußen spielen lassen? Echt jetzt?) bedeutete, dass Torres nie Teil einer gut besetzten Offensive wurde, sondern ein alleingelassener Hoffnungsträger, auf dem jedes Spiel 50% aller Hoffnungen ruhten. Damit, dachten sich manche damals schon, hatte er bei Atletico schon genug Erfahrung gemacht.
Pech - 2008/2009 war die beste Saison, die der LFC seit Jahren in der Premier League hingelegt hat. Für den Meistertitel reichte es trotzdem nicht, und auch in der Champions League war nach einem unerträglich spannenden und hart umkämpften Viertelfinale gegen Chelsea Schluss.
Die Dominanz der neuen Liga-Herrscher - In den letzten drei Jahren hat keiner der drei anderen Top Four (zu denen der LFC nicht mehr gehört) genug abgebaut, um Liverpool einen klaren Lauf an die Spitze zu erlauben. Klar - Ronaldo ging, Chelsea wurde älter, und auch Arsenal gewann keine einzige Trophäe. Aber bei Man U sprang Rooney, unterstützt von einer unkaputtbaren Siegesmentalität bei seinen weniger begabten Mannschaftskollegen, mit einer einzigartigen Jahresleistung in die Bresche, und Chelsea zehrte weiter von Mourinhos Arbeit und konnte sich auf ein eingespieltes Skelett an Weltklassespielern verlassen, während Arsenal trotz Titelflaute unbestreitbar den besten Fußball und die vielversprechendste Entwicklung aufweisen konnte.
2008/2009 zeigte sich die andere Seite des Fernando Torres - seine Verletzungsanfälligkeit. In der gesamten Ligasaison spielten Gerrard und Torres gerade mal 12 mal von Anfang an zusammen - und erzielten 17 Tore.
Dafür bescherte uns diese Spielzeit unvergessliche Momente. Das 4:1 im Old Trafford war eines der großartigsten Ergebnisse aller Zeiten, und zu sehen, wie Torres die Aasgeier aus Madrid abschoss war fast zu zuckersüß, um es ohne Gesundheitswarnung zu genießen.
Während all dieser Zeit stritt sich Torres mit Reina um den Titel des Ehren-Scousers, betonte seine Liebe zum Verein und ließ sich nach dem WM-Finale mit einem LFC-Schal ablichten. All diese Nächte, in denen er sich in Blackburn oder Bolton die Hacken wund gerannt hatte, würden sich auszahlen - dachten wir.
Schade drum
Stattdessen ging Hodgsons Versuch, Liverpool zurück auf die Spitze zu führen, in uninspirierenden Einkäufen und unansehnlichem Gebolze unter, und H&G trollten sich nach ein paar finanziell desaströsen Jahren unter barschem Drohgebahren.
Torres verabscheute es offensichtlich, unter Hodgson zu spielen, und auch sein Draht zu Gerrard & Co schien nicht mehr der Alte zu sein. Das unter Benitez zum Weltklassemittelfeld avancierte Duo Alonso/Mascherano war langsam zerbröselt, und seine Verletzungen schienen in von diesem unwiderstehlichen Antritt beraubt zu haben. Dalglishs Einstellung schien ihm neuen Wind zu geben, aber seine Entscheidung war wohl schon im Sommer gefallen, als er zum ersten Mal an einen Wechsel dachte.
Um die Art seines Abgangs wird man sich wohl noch Jahre lang streiten. Ich persönlich kann es ihm kaum verübeln, hätte mir aber nichts sehnlicher gewünscht, ihn im Reds-Trikot einen Pokal in die Höhe heben zu sehen. Wie weise es ist, zu dem ältesten und nominell schwächsten Chelsea-Team seit Jahren zu wechseln, wird man sehen. Aus der Episode kann man lernen, dass kein Fußballer immun ist gegen die Reize russischer/arabischer/US Millionäre. Nicht mal ein schüchterner, gutaussehender Stürmerstar, der mehr Liverpool-Trikots verkaufte als irgendjemand sonst. Bleiben nur die Erinnerungen an die Hoffnungen, die man für ihn und diese Mannschaft hatte, an seine Tore, und, ja doch, an dieses unwiderstehliche Grinsen. Er wird schwer zu ersetzen sein.
Das heißt natürlich nicht, dass ich ihn nicht herzhaft gegen Carragher auf die Fresse fallen sehen will. Am Sonntag walkst du ganz allein, Fernando. Aber danke trotzdem.
Aufrufe: 14997 | Kommentare: 64 | Bewertungen: 61 | Erstellt:01.02.2011
ø 9.3
KOMMENTARE
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02.02.2011 | 11:35 Uhr
+3
0
Phil_LFC : triffts genau
besser hätt ichs nicht sagen können100% agree
10/10
02.02.2011 | 11:36 Uhr
+3
0
02.02.2011 | 11:39 Uhr
+8
-1
02.02.2011 | 11:41 Uhr
+2
0
Alles dabei was die LFC -Fans an diesem Tag durchgemacht haben, der Rückblick, die Wehmut die einen befällt und irgendwie auch die Hoffnung das es mit Chelski nix wird am besten schon am So..
Come on Reds.
02.02.2011 | 11:46 Uhr
+4
-16
Skeered : .......
Der Blog ist jetzt nicht zwingend schlecht........er ist grundsätzlich OK. Jedoch gibt es einen Vergleich, der eine Mischung aus Hochverrat und respektloser Majestätsbeleidigung ist.
"Torres darf man in einem Satz mit Fremdenlegionär-Legenden wie Gianfranco Zola und Thierry Henry nennen."
Also Bitte....komm mal runter von Deiner Looserpool-Rosaroten-Welt. Torres hat nicht mal im ANSATZ das geleistet was ein Henry geleistet hat..!!!
02.02.2011 | 11:46 Uhr
+5
-1
Torres9 :
Super Blog toller Schreibstil. Lies sich gut lesen!Nando hat sich denke ich nichts vorzuwerfen...er war immer loyal, würde nie nachtreten und hat dem Verein viel gegeben.
Der Verein hat es verpasst um ihn herum ein Topteam aufzubauen, was um Titel mitspielen kann. Man hat sich eher abgeschafft...
Ich kann den Wechsel nachvollziehen, auch wenn es sicherlich "schönere" Adressen als Chelsea hätten sein dürfen...
Alles gute, mein Junge!
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