02.Dezember 2008
01.01.2008 um 15:04 Uhr
Ganz großes Tennis
Dem Russen - das wissen Sie natürlich, liebe Film- und Fernsehseher - dem Russen also, dem ist alles zuzutrauen.
Jeder handelsübliche Spezial- und Geheimagent kann das bezeugen. Schon James Bond fand seine Nemesis zu Zeiten des Kalten Krieges in Fieslingen aus der Sowjetunion. Und würde Jack Bauer bei "24" nicht immer wieder Kopf, Kragen und sämtliche Menschenrechtskonventionen riskieren, russische Separatisten hätten die USA vermutlich schon längst unter ihre Kontrolle gebracht.
Was läge also näher, als Russland auch für weniger leinwandtaugliche Fehlleistungen verantwortlich zu machen? Für das Aus des deutschen Teams im Halbfinale des Davis Cups zum Beispiel?
Viel läge da näher, werden Sie jetzt vermutlich denken. Und Sie hätten damit auch zweifellos recht. Doch Doppel-Spezialist Alexander Waske schlug nach einem Gespräch in geheimer Mission Alarm und sorgte damit für einen Aufreger in der an Aufregern nicht armen - Insider-Wetten! Kokain! - abgelaufenen Tennis-Saison.
"Ich habe mit einem Russen aus Moskau über den Davis Cup gesprochen. Er sagte dann ganz beiläufig, dass es ja bitter gewesen sei, dass man Tommy Haas vergiftet habe. Ich habe dann gesagt: Der hatte doch eine Magen-Darm-Grippe. Er sagte mir darauf: Nein, die haben ihn vergiftet!"
Bitte? Die deutsche Nummer eins niederträchtig außer Gefecht gesetzt, um das Vorrücken der Generation Kohlschreiber ins Finale zu verhindern? Das konnte nicht sein, das durfte nicht sein! Was würde Tommy Haas selbst zu solch ungeheuerlichen Vorgängen sagen?
"Ich bin immer der einzige von uns, der nach dem Essen einen Nachtisch oder einen Latte Macchiato bestellt. Da es keinen anderen von uns erwischt hat, müssen die es, wenn es stimmen sollte, dort gemacht haben."
Im Latte Macchiato! Sollte ein aus Milch und Espresso bestehendes italienisches Heißgetränk zur Chemiewaffe umfunktioniert worden sein?
Hier lief inzwischen ein Thriller, der jeden Tiebreak von Boris Becker mühelos in den Schatten stellte.
"Haas von Russen vergiftet?", fragte die "Bild","Eine speiüble Affäre" , fand die "FAZ", Teamchef Patrik Kühnen erstattete live im Fernsehen Bericht über die Lage der Dinge. Hier hätte sich eigentlich nur noch Frank-Walter Steinmeier einschalten müssen. Oder wenigstens Antonia Rados.
Auch wenn sich die Angelegenheit schnell in Wohgefallen auflöste und der Weltverband ITF die Ermittlungen ergebnislos einstellte, bildete sie einen ebenso spannenden wie unerwarteten zweiten Akt zum größten Erfolg des deutschen Davis-Cup-Teams seit 1995.
Haas, Kohlschreiber, Waske und Petzschner waren im September drauf und dran, ins Finale des prestigeträchtigen Länderbewerbs einzuziehen. Nach dem Doppel fehlte nur noch ein einziger Zähler. Da war es für kurze Zeit wieder, so etwas wie Tennis-Euphorie, Live-Übertragung, Daumendrücken. Ein paar Nummern kleiner zwar als damals, aber egal! Davis-Cup-Halbfinale - das klang nach Becker, Agassi, Lendl, Edberg! Am Ende stand dann doch Russland im Endspiel und verlor - na klar! - gegen die USA.
Und was sagte eigentlich der russsische Verband zu den Vorwürfen? "Die Deutschen haben zu viele Agentenfilme gesehen."
Ne, aber ganz großes Tennis. Endlich mal wieder.
Jeder handelsübliche Spezial- und Geheimagent kann das bezeugen. Schon James Bond fand seine Nemesis zu Zeiten des Kalten Krieges in Fieslingen aus der Sowjetunion. Und würde Jack Bauer bei "24" nicht immer wieder Kopf, Kragen und sämtliche Menschenrechtskonventionen riskieren, russische Separatisten hätten die USA vermutlich schon längst unter ihre Kontrolle gebracht.
Was läge also näher, als Russland auch für weniger leinwandtaugliche Fehlleistungen verantwortlich zu machen? Für das Aus des deutschen Teams im Halbfinale des Davis Cups zum Beispiel?
Viel läge da näher, werden Sie jetzt vermutlich denken. Und Sie hätten damit auch zweifellos recht. Doch Doppel-Spezialist Alexander Waske schlug nach einem Gespräch in geheimer Mission Alarm und sorgte damit für einen Aufreger in der an Aufregern nicht armen - Insider-Wetten! Kokain! - abgelaufenen Tennis-Saison.
"Ich habe mit einem Russen aus Moskau über den Davis Cup gesprochen. Er sagte dann ganz beiläufig, dass es ja bitter gewesen sei, dass man Tommy Haas vergiftet habe. Ich habe dann gesagt: Der hatte doch eine Magen-Darm-Grippe. Er sagte mir darauf: Nein, die haben ihn vergiftet!"
Bitte? Die deutsche Nummer eins niederträchtig außer Gefecht gesetzt, um das Vorrücken der Generation Kohlschreiber ins Finale zu verhindern? Das konnte nicht sein, das durfte nicht sein! Was würde Tommy Haas selbst zu solch ungeheuerlichen Vorgängen sagen?
"Ich bin immer der einzige von uns, der nach dem Essen einen Nachtisch oder einen Latte Macchiato bestellt. Da es keinen anderen von uns erwischt hat, müssen die es, wenn es stimmen sollte, dort gemacht haben."
Im Latte Macchiato! Sollte ein aus Milch und Espresso bestehendes italienisches Heißgetränk zur Chemiewaffe umfunktioniert worden sein?
Hier lief inzwischen ein Thriller, der jeden Tiebreak von Boris Becker mühelos in den Schatten stellte.
"Haas von Russen vergiftet?", fragte die "Bild","Eine speiüble Affäre" , fand die "FAZ", Teamchef Patrik Kühnen erstattete live im Fernsehen Bericht über die Lage der Dinge. Hier hätte sich eigentlich nur noch Frank-Walter Steinmeier einschalten müssen. Oder wenigstens Antonia Rados.
Auch wenn sich die Angelegenheit schnell in Wohgefallen auflöste und der Weltverband ITF die Ermittlungen ergebnislos einstellte, bildete sie einen ebenso spannenden wie unerwarteten zweiten Akt zum größten Erfolg des deutschen Davis-Cup-Teams seit 1995.
Haas, Kohlschreiber, Waske und Petzschner waren im September drauf und dran, ins Finale des prestigeträchtigen Länderbewerbs einzuziehen. Nach dem Doppel fehlte nur noch ein einziger Zähler. Da war es für kurze Zeit wieder, so etwas wie Tennis-Euphorie, Live-Übertragung, Daumendrücken. Ein paar Nummern kleiner zwar als damals, aber egal! Davis-Cup-Halbfinale - das klang nach Becker, Agassi, Lendl, Edberg! Am Ende stand dann doch Russland im Endspiel und verlor - na klar! - gegen die USA.
Und was sagte eigentlich der russsische Verband zu den Vorwürfen? "Die Deutschen haben zu viele Agentenfilme gesehen."
Ne, aber ganz großes Tennis. Endlich mal wieder.
Aufrufe: 472 | Kommentare: 0 | Bewertungen: 6 | Erstellt:01.01.2008
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