16.06.2008 um 15:25 Uhr
Fußballfieber in Österreich
Wenn man Fieber hat, sollte man möglichst zum Arzt gehen. Österreich dagegen richtet eine Fußball-EM aus.
„Wir haben Fieber", singt Christl Stürmer im inoffiziellen EM-Song. Die fiebrige Stimmung in Österreich ist aber keinesfalls im positiven Sinn zu sehen.
Das Fieber, dass in Österreich im Bezug auf die EURO um sich greift, gleicht für die Bewohner der Alpenrepublik mehr einer Seuche, die sich verbreitet.
Und dieser Seuche versuchen sie alles in ihrer Macht stehende entgegenzusetzen. Für eine Impfung ist mit dem heutigen Tag und dem Beginn der EURO davor jedoch zu spät. Hier eine kleine Übersicht der Vorsichtsmaßnahmen, die bisher unternommen wurden, sich vor der EM und einer gesteigerten Euphorie im eigenen Land zu schützen.
Impfschutz 1
Das eigene Nationalteam unter Josef – Peppi – Hickersberger hat seinen Teil eigentlich erfüllt. Es hat in der Vorbereitung auf das Turnier so schlecht gespielt, dass schon mal gar keine Euphorie aufkommen konnte. Es gab darauf aus der Bevölkerung sogar eine Initiative zum Verzicht auf den eigenen Startplatz, da man mit solchen Leistungen nichts bei der EM zu suchen habe.
Nur ein Sieg in 15 Länderspielen seit Anfang 2007 (7 Unentschieden, 7 Niederlagen, 1 Sieg) und das Abrutschen auf Platz 122 in der Weltrangliste belegen die (nicht vorhandene) Qualität des Teams. Kein Polster, kein Prohaska und schon gar kein „I wird narrisch – Krankl" sind im aktuellen Team (noch) in Sicht. Abgesehen vom 6:0 Sieg gegen eine Ortsauswahl von Spittal an der Drau (einem Ort in Kärnten mit 16.045 Einwohnern) gelang der Auswahl nur ein Sieg Ende 2007 gegen den damaligen Afrikameister Elfenbeinküste. Der darauf gestellte Antrag, den Afrika-Cup statt der Europameisterschaft auszurichten zu wollen, wurde aber abgelehnt.
Diagnose: Impfschutz fast wirksam. Aber weder Initiative noch die schlechten Leistungen halfen. Das Team muss bei der Euro starten.
Impfschutz 2
Anwohner und Stadtverwaltung tun alles gegen die, ohnehin nur langsam aufkommende, Atmosphäre. Damit sich bloß keine Euphorie in den Städten und bei den Österreichern entwickelt, bleibt nichts unversucht. Noch vor wenigen Tagen wollte die Stadt Salzburg durchsetzen, dass Straßencafes und Kneipen, die die Spiele im Freien übertragen, ohne Ton senden. Die Ruhe in der provinziellen „Weltstadt" (außer Mozart nix gewesen) solle durch den „Lärm" der Fußballübertragung nicht gestört werden. Der Vorschlag wurde glücklicherweise revidiert. Nicht nur durch aufgebrachte Bar- und Lokalbesitzer.
Diagnose: Impfschutz fehlgeschlagen: Es darf sogar bei Toren gejubelt werden. Dazu müsste Österreich aber erstmal eins schießen. (Trifft dies tatsächlich ein, wurde bereits vorgeschlagen im Stadion nicht den Song „Fieber" von Christina Stürmer, sondern „I hab immer dran geglaubt…" einzuspielen…)
Impfschutz 3
Von der WM 06 in Deutschland blieben einem vor allem die Autos in Erinnerung, die mit gehissten Fähnchen Patriotismus und Euphorie in den Städten und Dörfern verbreiteten. Um dieser Möglichkeit der aufkommenden Identifikation mit dem eigenen Team schon im Keim zu ersticken, erinnerte die Österreichische Regierung schnell noch einmal an die Straßenverkehrsordnung. Die besagt, dass das Anbringen von Fähnchen an Autos in Österreich nicht erlaubt ist. Dieses Verbot wurde mittlerweile jedoch gekippt. Die großen Boulevardblätter hatten schon ordentlich Fähnchen vorproduziert, die mit den Zeitungen verkauft werden, auf denen sie sonst sitzen geblieben wären.
Diagnose: Impfschutz fehlgeschlagen. Die Österreich-Fahnen wehen nun nicht nur auf den Gipfeln der Berge, sondern nun vereinzelt auch schon auf den österreichischen Autos.
Wenn alle Impfschütze der Österreichischen Regierung und Bevölkerung weiterhin so fehlschlagen, könnte es doch noch ein Fußballfest werden – wenn auch nicht für das österreichische Nationalteam. Aber das ist für uns Deutsche dann eh umso schöner.
Dazu und zu anderen Themen der EURO 08 mehr in der nächsten Ausgabe des "Vor Ort Report aus Salzburg"
„Wir haben Fieber", singt Christl Stürmer im inoffiziellen EM-Song. Die fiebrige Stimmung in Österreich ist aber keinesfalls im positiven Sinn zu sehen.
Das Fieber, dass in Österreich im Bezug auf die EURO um sich greift, gleicht für die Bewohner der Alpenrepublik mehr einer Seuche, die sich verbreitet.
Und dieser Seuche versuchen sie alles in ihrer Macht stehende entgegenzusetzen. Für eine Impfung ist mit dem heutigen Tag und dem Beginn der EURO davor jedoch zu spät. Hier eine kleine Übersicht der Vorsichtsmaßnahmen, die bisher unternommen wurden, sich vor der EM und einer gesteigerten Euphorie im eigenen Land zu schützen.
Impfschutz 1
Das eigene Nationalteam unter Josef – Peppi – Hickersberger hat seinen Teil eigentlich erfüllt. Es hat in der Vorbereitung auf das Turnier so schlecht gespielt, dass schon mal gar keine Euphorie aufkommen konnte. Es gab darauf aus der Bevölkerung sogar eine Initiative zum Verzicht auf den eigenen Startplatz, da man mit solchen Leistungen nichts bei der EM zu suchen habe.
Nur ein Sieg in 15 Länderspielen seit Anfang 2007 (7 Unentschieden, 7 Niederlagen, 1 Sieg) und das Abrutschen auf Platz 122 in der Weltrangliste belegen die (nicht vorhandene) Qualität des Teams. Kein Polster, kein Prohaska und schon gar kein „I wird narrisch – Krankl" sind im aktuellen Team (noch) in Sicht. Abgesehen vom 6:0 Sieg gegen eine Ortsauswahl von Spittal an der Drau (einem Ort in Kärnten mit 16.045 Einwohnern) gelang der Auswahl nur ein Sieg Ende 2007 gegen den damaligen Afrikameister Elfenbeinküste. Der darauf gestellte Antrag, den Afrika-Cup statt der Europameisterschaft auszurichten zu wollen, wurde aber abgelehnt.
Diagnose: Impfschutz fast wirksam. Aber weder Initiative noch die schlechten Leistungen halfen. Das Team muss bei der Euro starten.
Impfschutz 2
Anwohner und Stadtverwaltung tun alles gegen die, ohnehin nur langsam aufkommende, Atmosphäre. Damit sich bloß keine Euphorie in den Städten und bei den Österreichern entwickelt, bleibt nichts unversucht. Noch vor wenigen Tagen wollte die Stadt Salzburg durchsetzen, dass Straßencafes und Kneipen, die die Spiele im Freien übertragen, ohne Ton senden. Die Ruhe in der provinziellen „Weltstadt" (außer Mozart nix gewesen) solle durch den „Lärm" der Fußballübertragung nicht gestört werden. Der Vorschlag wurde glücklicherweise revidiert. Nicht nur durch aufgebrachte Bar- und Lokalbesitzer.
Diagnose: Impfschutz fehlgeschlagen: Es darf sogar bei Toren gejubelt werden. Dazu müsste Österreich aber erstmal eins schießen. (Trifft dies tatsächlich ein, wurde bereits vorgeschlagen im Stadion nicht den Song „Fieber" von Christina Stürmer, sondern „I hab immer dran geglaubt…" einzuspielen…)
Impfschutz 3
Von der WM 06 in Deutschland blieben einem vor allem die Autos in Erinnerung, die mit gehissten Fähnchen Patriotismus und Euphorie in den Städten und Dörfern verbreiteten. Um dieser Möglichkeit der aufkommenden Identifikation mit dem eigenen Team schon im Keim zu ersticken, erinnerte die Österreichische Regierung schnell noch einmal an die Straßenverkehrsordnung. Die besagt, dass das Anbringen von Fähnchen an Autos in Österreich nicht erlaubt ist. Dieses Verbot wurde mittlerweile jedoch gekippt. Die großen Boulevardblätter hatten schon ordentlich Fähnchen vorproduziert, die mit den Zeitungen verkauft werden, auf denen sie sonst sitzen geblieben wären.
Diagnose: Impfschutz fehlgeschlagen. Die Österreich-Fahnen wehen nun nicht nur auf den Gipfeln der Berge, sondern nun vereinzelt auch schon auf den österreichischen Autos.
Wenn alle Impfschütze der Österreichischen Regierung und Bevölkerung weiterhin so fehlschlagen, könnte es doch noch ein Fußballfest werden – wenn auch nicht für das österreichische Nationalteam. Aber das ist für uns Deutsche dann eh umso schöner.
Dazu und zu anderen Themen der EURO 08 mehr in der nächsten Ausgabe des "Vor Ort Report aus Salzburg"
Aufrufe: 277 | Kommentare: 0 | Bewertungen: 0 | Erstellt:16.06.2008
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