09.01.2011 um 12:14 Uhr
FA-Cup: Wirklich wichtig?
"Das soll der wichtigste englische Klub-Wettbewerb sein? Das kann nicht sein." So hat mit Sicherheit die Mehrheit der Fußball-Fans gedacht, als sie die Samstag-Ergebnisse der 3. FA-Cup-Runde zu Gesicht bekamen. West Bromwich Albion und Newcastle, vor dieser Saison Aufsteiger in die Premier-League, schieden gegen unterklassige Gegner aus (gegen Notts County, bzw. Stevenage Borough). Besonders ärgerlich, da beide Vereine in der älteren Vergangenheit große Erfolge in diesem Bewerb verbuchen konnten. West Bromwich gewann den Cup fünfmal, Newcastle einmal öfter, doch diese Triumphe liegen nun schon über ein halbes Jahrhundert zurück. Neben den beiden Neulingen in der Premier League, musste auch der FC Sunderland früh im Bewerb die Segel streichen, die "Black Cats" unterlagen dem FC Reading mit 0:1. Stoke City und Arsenal London erledigten ihre eigentliche Pflichtaufgabe auch nur geringfügig besser, kamen zu Hause nicht über ein Unentschieden hinaus. Wieder stellten zwei unterklassige Vereine den Großen erfolgreich ein Bein – wobei die Premier-League-Klubs jeweils Heimrecht genossen. Nun müssen Stoke und Arsenal auswärts ran, denn bei Gleichstand nach der regulären Spielzeit gibt es – anders als in Deutschland – keine Verlängerung, sondern die Partie wird wiederholt, das Heimrecht umgekehrt. Die nächsten Überraschungen bahnen sich an. Bei diesem Favoritensterben stellt sich allerdings die Frage, warum der FA-Cup als so bedeutsam erachtet wird.
Ältester Klub-Bewerb der Welt
Die Hauptursache für diese hohe Bedeutsamkeit liegt zweifelsohne in der langjährigen Tradition des Turniers begründet. Der FA-Cup wurde erstmals 1871/72 ausgetragen, somit ist es der älteste Fußball-Wettbewerb überhaupt. Erst im letzten Jahr, der Saison 2009/2010, wurde ein neuer Teilnehmer-Rekord aufgestellt: 762 Mannschaften (Amateure und Profis) kämpften um die begehrte Trophäe, so viele Teams wie nie zuvor. Am Ende triumphierte im ausverkauften Wembley-Stadion der FC Chelsea. "Chelski", wie der Klub seit der Übernahme des russischen Oligarchen, Roman Abramowitsch, genannt wird, gewann mit 1:0 gegen den FC Portsmouth. Es gibt also ab und an doch Favoriten, die sich nicht schon vorzeitig aus dem Wettbewerb verabschieden müssen. "Der Pokal hat seine eigenen Gesetze." Diese Phrase hat vor allem auch in England seine Berechtigung, ein weiterer Grund für die Popularität des Cups. Es liegt bei Sensationen im Turnierverlauf allerdings nicht immer daran, dass die Außenseiter einen großen Tag erwischen und die Superstars an die Wand spielen. Viele Top-Klubs nehmen ein frühes Ausscheiden aus dem Wettbewerb durchaus billigend in Kauf, indem sie ihre Superstars schonen.
Young Gunners
Zwei namhafte Vertreter, die für ein nahezu alljährliches frühes Scheitern im FA-Cup stehen, sind der FC Arsenal London und FC Liverpool. Arsenal gewann den Titel zuletzt 2005, die "Reds" folgten den Londonern als Titelträger nach, doch beide Klubs haben bzw. hatten bei ihrem Streben nach FA-Cup-Erfolgen ein Problem – ihre jeweiligen Trainer. Auf der einen Seite, in Liverpool, war dies zwischen 2004 und 2010 der Spanier Rafael Benitez. In der englischen Hauptstadt, wo der FC Arsenal beheimatet ist, prägt der französische Gentleman, Arsene Wenger, seit 1996 eine Ära, beeindruckt die Zuschauer mit attraktivem, technisch anspruchsvollem Fußball. In den Jahren 2002, 2003 und 2005 gewann er mit den "Gunners" den FA-Cup. Danach wurden aus den "Kanonieren" allerdings die "Young Gunners". Im FA-Cup und im Liga-Pokal, der in England als dritter nationaler Bewerb ausgespielt wird, stellte Wenger fortan eine bessere Nachwuchstruppe auf. Der Trainer wollte mit dieser Maßnahme seinen zahlreichen Talenten aus der zweiten Reihe eine Bewährungschance geben, sie über Einsätze in Ligapokal und FA-Cup an die Herausforderung Premier League heranführen. Meistens führte Wengers Vorhaben allerdings nur zu einem – dem frühen Aus in den nationalen Pokalwettbewerben.
Champions-League-Benitez
Anders gestaltete sich die Grundsituation unter Rafael Benitez in Liverpool, das frühe Ausscheiden im Pokalbewerb hatten die "Reds" aber zumeist gemein mit den "Gunners". Der Spanier, ein ausgewiesener Taktikfuchs, kam als Meistertrainer aus Valencia in die Beatles-Stadt. Dort wartete er sogleich mit der Überzeugung auf, dass der Pokal für ihn nur als beiläufiger Wettbewerb gilt, in dem sich kleinere Mannschaften einen internationalen Startplatz ergattern können, die Großen – und darunter zählte im Sommer 2004 auch noch unabänderlich der FC Liverpool - schaffen die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb ohnehin über die Liga. Diese Annahme gilt vielleicht für die spanische Primera Division, auf der Insel machte sich der Ex-Real-Spieler Benitez damit keine Freunde. Er brachte die Anhänger des Traditionsklubs allerdings mit dem Champions-League- Sieg 2005 vorübergehend auf seine Seite, erst recht, als sein Kapitän Steven Gerrard im Folgejahr, nach einem Sieg im Elfmeterschießen gegen West Ham United, doch den FA-Pokal in die Höhe stemmen konnte. Es sollte bis heute der letzte Titel für den FC Liverpool bleiben. Für Trainer Benitez stand nämlich ein Wettbewerb von Beginn an über allem – die Champions League. 2007 kam es zur Neuauflage des Finals von 2005. AC Mailand war erneut der Gegner, diesmal jubelten die Italiener in Athen. Diese Niederlage nahm Benitez zum Anlass, um vermehrt die nationalen Herausforderungen, allem voran die Meisterschaft, anzunehmen. Der Erfolg blieb Liverpool jedoch verwehrt, zu dominant waren die Konkurrenten aus London und Manchester. Im Sommer 2010 ging die Ära Benitez in Liverpool zu Ende. Zu Buche standen ein Champions-League Titel und – welche Ironie – ein FA-Pokal. Jenem Bewerb, dem Benitez von Beginn an wenig Bedeutung beimaß.
Während die "Gastarbeiter" Arsene Wenger und Rafael Benitez sich mit ihren sportlichen Entscheidungen bewusst über die Bedeutsamkeit des FA-Cups hinwegsetzten, zeigt Sir Alex Ferguson, dass er genau um die Wichtigkeit der englischen Klub-Bewerbe weiß. Zehn Meistertitel, fünf FA-Cups und drei Triumphe im Liga-Pokal stehen auf der Visitenkarte des Schotten. Und doch würde Ferguson seine FA-Cup-Bilanz aus der jüngeren Vergangenheit gerne verbessern, der letzte von insgesamt elf Titeln, die Manchester United zum Rekord-Sieger im FA-Cup machten, liegt nunmehr bereits sieben Jahre zurück. Selbst das große Manchester United musste sich in den vergangen Jahren also mit einer unangenehmen Form der Niederlage auseinandersetzen – dem Favoritensterben im FA-Cup.
Ältester Klub-Bewerb der Welt
Die Hauptursache für diese hohe Bedeutsamkeit liegt zweifelsohne in der langjährigen Tradition des Turniers begründet. Der FA-Cup wurde erstmals 1871/72 ausgetragen, somit ist es der älteste Fußball-Wettbewerb überhaupt. Erst im letzten Jahr, der Saison 2009/2010, wurde ein neuer Teilnehmer-Rekord aufgestellt: 762 Mannschaften (Amateure und Profis) kämpften um die begehrte Trophäe, so viele Teams wie nie zuvor. Am Ende triumphierte im ausverkauften Wembley-Stadion der FC Chelsea. "Chelski", wie der Klub seit der Übernahme des russischen Oligarchen, Roman Abramowitsch, genannt wird, gewann mit 1:0 gegen den FC Portsmouth. Es gibt also ab und an doch Favoriten, die sich nicht schon vorzeitig aus dem Wettbewerb verabschieden müssen. "Der Pokal hat seine eigenen Gesetze." Diese Phrase hat vor allem auch in England seine Berechtigung, ein weiterer Grund für die Popularität des Cups. Es liegt bei Sensationen im Turnierverlauf allerdings nicht immer daran, dass die Außenseiter einen großen Tag erwischen und die Superstars an die Wand spielen. Viele Top-Klubs nehmen ein frühes Ausscheiden aus dem Wettbewerb durchaus billigend in Kauf, indem sie ihre Superstars schonen.
Young Gunners
Zwei namhafte Vertreter, die für ein nahezu alljährliches frühes Scheitern im FA-Cup stehen, sind der FC Arsenal London und FC Liverpool. Arsenal gewann den Titel zuletzt 2005, die "Reds" folgten den Londonern als Titelträger nach, doch beide Klubs haben bzw. hatten bei ihrem Streben nach FA-Cup-Erfolgen ein Problem – ihre jeweiligen Trainer. Auf der einen Seite, in Liverpool, war dies zwischen 2004 und 2010 der Spanier Rafael Benitez. In der englischen Hauptstadt, wo der FC Arsenal beheimatet ist, prägt der französische Gentleman, Arsene Wenger, seit 1996 eine Ära, beeindruckt die Zuschauer mit attraktivem, technisch anspruchsvollem Fußball. In den Jahren 2002, 2003 und 2005 gewann er mit den "Gunners" den FA-Cup. Danach wurden aus den "Kanonieren" allerdings die "Young Gunners". Im FA-Cup und im Liga-Pokal, der in England als dritter nationaler Bewerb ausgespielt wird, stellte Wenger fortan eine bessere Nachwuchstruppe auf. Der Trainer wollte mit dieser Maßnahme seinen zahlreichen Talenten aus der zweiten Reihe eine Bewährungschance geben, sie über Einsätze in Ligapokal und FA-Cup an die Herausforderung Premier League heranführen. Meistens führte Wengers Vorhaben allerdings nur zu einem – dem frühen Aus in den nationalen Pokalwettbewerben.
Champions-League-Benitez
Anders gestaltete sich die Grundsituation unter Rafael Benitez in Liverpool, das frühe Ausscheiden im Pokalbewerb hatten die "Reds" aber zumeist gemein mit den "Gunners". Der Spanier, ein ausgewiesener Taktikfuchs, kam als Meistertrainer aus Valencia in die Beatles-Stadt. Dort wartete er sogleich mit der Überzeugung auf, dass der Pokal für ihn nur als beiläufiger Wettbewerb gilt, in dem sich kleinere Mannschaften einen internationalen Startplatz ergattern können, die Großen – und darunter zählte im Sommer 2004 auch noch unabänderlich der FC Liverpool - schaffen die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb ohnehin über die Liga. Diese Annahme gilt vielleicht für die spanische Primera Division, auf der Insel machte sich der Ex-Real-Spieler Benitez damit keine Freunde. Er brachte die Anhänger des Traditionsklubs allerdings mit dem Champions-League- Sieg 2005 vorübergehend auf seine Seite, erst recht, als sein Kapitän Steven Gerrard im Folgejahr, nach einem Sieg im Elfmeterschießen gegen West Ham United, doch den FA-Pokal in die Höhe stemmen konnte. Es sollte bis heute der letzte Titel für den FC Liverpool bleiben. Für Trainer Benitez stand nämlich ein Wettbewerb von Beginn an über allem – die Champions League. 2007 kam es zur Neuauflage des Finals von 2005. AC Mailand war erneut der Gegner, diesmal jubelten die Italiener in Athen. Diese Niederlage nahm Benitez zum Anlass, um vermehrt die nationalen Herausforderungen, allem voran die Meisterschaft, anzunehmen. Der Erfolg blieb Liverpool jedoch verwehrt, zu dominant waren die Konkurrenten aus London und Manchester. Im Sommer 2010 ging die Ära Benitez in Liverpool zu Ende. Zu Buche standen ein Champions-League Titel und – welche Ironie – ein FA-Pokal. Jenem Bewerb, dem Benitez von Beginn an wenig Bedeutung beimaß.
Während die "Gastarbeiter" Arsene Wenger und Rafael Benitez sich mit ihren sportlichen Entscheidungen bewusst über die Bedeutsamkeit des FA-Cups hinwegsetzten, zeigt Sir Alex Ferguson, dass er genau um die Wichtigkeit der englischen Klub-Bewerbe weiß. Zehn Meistertitel, fünf FA-Cups und drei Triumphe im Liga-Pokal stehen auf der Visitenkarte des Schotten. Und doch würde Ferguson seine FA-Cup-Bilanz aus der jüngeren Vergangenheit gerne verbessern, der letzte von insgesamt elf Titeln, die Manchester United zum Rekord-Sieger im FA-Cup machten, liegt nunmehr bereits sieben Jahre zurück. Selbst das große Manchester United musste sich in den vergangen Jahren also mit einer unangenehmen Form der Niederlage auseinandersetzen – dem Favoritensterben im FA-Cup.
Aufrufe: 4112 | Kommentare: 10 | Bewertungen: 16 | Erstellt:09.01.2011
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KOMMENTARE
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09.01.2011 | 13:41 Uhr
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Scotty_United : Guter Blog!
Gut geschrieben! Viele in Deutschland wissen zu wenig über den FA-Cup! Völlig überschätzt und dazu ein völlig suboptimaler Modus... Die Großen haben ohnehin massenweise englische Wochen, und dann denk ich mal, nimmt man ein Aus in Kauf, anstelle eines Wiederholungsspiels! ^^
09.01.2011 | 13:47 Uhr
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7/10 von mir
09.01.2011 | 13:47 Uhr
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koerbchen74 : Kleiner Faktencheck ;-)
West Brom verlor in Reading 0:1, nicht Sunderland, die zu Hause gegen Notts County unterlegen waren.Auffallend war gestern, dass der gesamte Nordosten England mit Newcastle, Sunderland und Middlesborough (gegen den Burton Albion aus der 4. Liga) komplett die Segel streichen mussten.
Übrigens wurde auch in Schottland gestern der FA-Cup gespielt. Und da waren einige Teams aus der Premier League nicht besser: Dundee United (gegen Zweitligist Ross County) , St Mirren (gegen Drittligist Peterhead) und auch die Hibs aus Edinburgh (gegen Ayr United aus Liga 3) spielten alle zu Hause nur Remis und dürfen in ein Wiederholungsspiel.
09.01.2011 | 14:06 Uhr
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@Monaldinho: Dass ich solange auf Benitez und Wenger eingehe, war geplant, an den beiden wird ja die gesamte Geschichte aufgehängt.
09.01.2011 | 16:30 Uhr
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schorny :
liverpool ist langsam dabei sich aus den big four zu verabschieden. mancity ist da jetzt mit sicherheit dabei. naja, meine spurs sind im mom auch auf einem guten weg.
gegen manu ist es für livpool keine schande, vor allem wenn man lange in unterzahl spielt.
aber pokal ist eben pokal, wie auch in deutschland
09.01.2011 | 17:13 Uhr
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Zyrock :
Sehr schöner Blog!Die Big Three stehen im Moment alle unter Druck, so viele Titel wie möglich zu holen. Gerade meine Gunners brauchen ganz dringend einen Pokal, um endlich wieder in Ruhe arbeiten zu können und das internationale Standing nicht zu verlieren. Im Moment wird nämlich mehr über die fehlenden Titel gesprochen und viel zu wenig über den wunderschönen Fußball. Der vermeintlich leichteste Weg zu einem Titel sind die beiden Pokalwettbewerbe, das wissen auch die Trainer. Auch Arsene Wenger weiß das. Gestern hat man zwar auch nicht mit dem A-Team gespielt, aber das lag mehr daran, dass man die Schwierigkeiten, die man mit dem Gegner haben würde, unterschätzt hat.
09.01.2011 | 17:17 Uhr
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Friccs :
- Liverpool ist vielleicht gerade kein erfolgreicher Club, aber immer noch ein großer Club und wird es auch immer bleiben. Das ist ein Unterschied.- FC Arsenal London - allein dafür müsste es einen Punkt Abzug geben.

- Benitez hat außerdem noch den UEFA Super Cup und den FA Community Shield gewonnen. Dazu noch weitere 2. Plätze wie bspw. im verlorenen CL-Final geholt.
09.01.2011 | 18:46 Uhr
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09.01.2011 | 21:52 Uhr
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Völlig richtig, Arsene Wenger sah in den vergangenen Jahren die beiden Pokalwettbewerbe mehr als Talent Showcases, aber ich denke, dass er vor der jetzigen Saison den Schalter umgelegt hat, denn Arsenal spielt im Halbfinale des Carling Cups und ist haushoher Favorit auf den Titel und gestern schickte er gegen Leeds im FA Cup auch viele Stammkräfte ein. Aber wie man beobachten konnte, hat der Pokal eben gerade in England seine eigenen Gesetze!