16.09.2009 um 19:11 Uhr
0-Punkte-Blog
Vor nicht einmal zwei Jahren schafften es die Charlotte Bobcats noch mit Raymond Felton, Stephen Jackson, Gerald Wallace, Tyson Chandler und dem zukünftigen Hall of Fame Coach Larry Brown in die Playoffs. Das Team war jung und schien einer soliden Zukunft entgegenzublicken.
Die Folgesaison artete in einem Chaos aus. Nach katastrophaler Offseason und schlechtem Saisonstart kollidierten die eigenwilligen Charaktere einiger Bobcats und Coach Browns. Kritik an Brown und seinem stirktem Spielsystem kamen auf, die Stimmung im Team wurde explosiv. Brown trat zurück und das Fundament der Franchise fing plötzlich an zu bröckeln.
Auf einmal steht das Team von Mit-Besitzer Michael Jordan vor dem Nichts.
Ohne Erwartungen und mit Spaß-Basketball wollen sie das Feld von hinten aufrollen.
Was ist neu?
Der Abschied von Gerald Wallace Mitte der letzten Saison sorgte ligaweit für Stirnrunzeln. Einer der besten Verteidiger und variabelsten Spieler der NBA verließ die Franchise für nur zwei Erstrundenpicks und auslaufende Verträge nach Portland. Die Zeichen stehen seitdem auf Rebuild, was vor allem dem neuen Leader Stephen Jackson übel aufstoß. Er forderte einen Trade und wurde noch vor dem Draft zusammen mit Shaun Livingston nach Milwaukee getradet.
Am Ende des Draftes standen die Bobcats mit College-Champion Kemba Walker, Center-Projekt Bismack Biyombo und dem Veteran Corey Maggette da.
In der Free Agency ging das Stühlerücken in North Carolina weiter. Zu Saisonbeginn stehen mit Reggie Williams, Byron Mullens und dem Sohn des Vize-Präsidenten, Cory Higgins, noch drei weitere Neuzugänge im Kader.
Umfeld
Die Halle ist leer, der Fernsehvertrag nicht hoch dotiert und im überregionalen TV spielen ganz andere Teams. Hinzu kommt, dass sich Mit-Besitzer Michael Jordan während der Tarifverhandlungen als einer der hartnäckigsten Besitzer gezeigt hat und den Spielern die Rechte nehmen wollte, für die er als Spieler selbst noch gekämpft hatte. Die Lobby, die die sonst so grauen Bobcats durch Jordan erhielten, ist Geschichte.
Den Posten des Head Coaches hat seit Dezember 2010 Paul Silas inne. Silas hat als Nachfolger von Larry Brown seinen Spielern offensiv viele Freiheiten eingeräumt und ist daher sehr beliebt bei seinen Spielern, konnte aber in seiner Trainier-Karriere nur knapp 45% der Spiele gewinnen. Unter seinen Assistenten befinden sich sein Sohn Stephen Silas und Big-Men Legende Charles Oakley, der Kwame Brown in der letzten Saison in Form brachte.
Die Geschicke im Font Office werden vom noch recht unbekannten Rich Cho geleitet. Cho gehörte zu den Verantwortlichen des Rebuilds in Seattle/Oklahoma City und soll seine Erfahrungen nun in Charlotte einbringen.
Stärken
Das Team, mit dem Silas diese Saison arbeitet, ist relativ klein gewachsen. DeSagana Diop, der völlig außer Form aus dem Urlaub gekommen ist, ist der einzige traditionelle Center im Kader. Ansonsten gibt es viele Spieler, die mehrere Positionen spielen können und ihrem Coach somit viele Möglichkeiten bieten. Die Ernennung von Boris Diaw als Starting Center ist nicht nur gewagt, sondern zeigt auch, dass die Bobcats diese Saison auf schnellen Small Ball setzen wollen. Augustin, Henderson, Thomas und auch Maggette sind alles Spieler, die Dank ihrer Schnelligkeit und Athletik viele Gegner einfach überlaufen und somit zu leichten Punkten kommen können.
Außerdem sind die Bobcats für ihre Gegner schwer zu berechnen. Die Starter, sowie Ersatzmann Kemba Walker, können an jedem beliebigen Abend Topscorer des Teams werden.
Schwächen
Boris Diaw kann als Center für besondere Momente sorgen, gleichzeitig stellt sich aber die Frage, wen der Franzose effektiv verteidigen soll. Hinter den Alternativen auf der Fünf, Byron Mullens, DeSagana Diop und Bismack Biyombo, stehen ebenfalls dicke Fragezeichen. Der Kongolese Biyombo kann sich im besten Fall in einigen Jahren zu einem solidem Big Men entwickeln, wird diese Saison aber wohl eher wenig zum Teamerfolg beitragen.
So variabel die ungeschliffenen Diamanten im Team auch sind, so wenig Angst und Schrecken verbreiten die ineffektiven Augustin, Henderson und Co. in der Liga.
Des Weiteren fehlen dem Kader die Spezialisten. Abgesehen von einem Kettenhund, der gegnerische Scorer kaltstellen soll, fehlt ein reiner Schütze, für den man in kritischen Phasen offene Würfe kreieren kann.
Distanzwürfe sind allgemein ein großes Problem des Teams. Diaw und Maggette drohen sich an manchen Abenden zu sehr in ihren Wurf zu verlieben. Die einzigen Spieler, die halbwegs verlässlich das Feld in die Breite ziehen können, sind Point Guard D.J. Augustin, der zu Saisonbeginn verletzte Neuzugang Reggie Williams und Veteran Matt Carroll.
Spieler im Fokus: Kemba Walker
Der zweitbeste Spieler der abgelaufenen College-Saison startet die Saison zwar nicht als erster Point Guard eines NBA Teams und wird es vielleicht das ganze Jahr nicht tun, trotzdem ist er ein wichtiger Anker für die Bobcats. Nach dem personellen Umbruch steht die Franchise ohne Gesicht da. Wer passt besser in das Anforderungsprofil, als ein Guard, der nicht größer ist als der Durchschnittsfan, aber dafür mit viel Herz kämpft? So war es kein Zufall, dass der erst an Position 9 gedraftete Guard einer der wenigen Spieler war, die schon vor ihrem ersten NBA Spiel ein Ausrüster-Vertrag unterschreiben durften.
Beim Schwärmen über die Kämpfermentalität und Führungsqualitäten scheint aber oft in den Hintergrund zu geraten, dass Walker ein hervorragender Basketballspieler ist. Sein Ballhandling, kombiniert mit einer Schnelligkeit und Toughness machen ihn zu einem Guard, der immer den Weg zum Korb suchen kann. Ausgeglichen und gefährlich wird sein Spiel dadurch, dass er auch vor einem Distanzwurf nicht zurückscheut.
Nicht von ungefähr ließ der große Michael Jordan vor kurzem verlauten, dass er einen jungen Jordan in Walker sieht. Ob dies nur ein verzweifelter Schrei nach Aufmerksamkeit für seine graue Franchise oder Walker wirklich so besonders ist, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
Fazit und Prognose
Die Fans wissen es. Die Spieler wissen es. Ja, selbst die Funktionäre wissen es. Für die Bobcats geht es in dieser Saison nur darum, die jungen Spieler weiterzuentwickeln und mit symapthischem Basketball ihre eigenen Fans in die sonst so spärlich besuchte Halle zu locken.
Dabei geht es darum, die Eckpfeiler der Zukunft zu finden und mit einer sicherlich guten Draftposition im Sommer den nächsten Schritt in Richtung Wettbewerbsfähigkeit zu machen. Eine Saison mit 15-20 Siegen, dem ein oder anderem Team hinter sich und ein paar Achtungserfolgen gegen namhafte Gegner wäre für dieses unbeschriebene Blatt ein respektables Ergebnis.
Aufrufe: 714 | Kommentare: 2 | Bewertungen: 9 | Erstellt:16.09.2009
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