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27.11.2018 | 1034 Aufrufe | 0 Kommentare | 1 Bewertungen Ø 10.0
FC Bayern und Real Madrid
Endlich auf Augenhöhe
Der Fußball verläuft an der Spitze Europas in Zyklen - zwei Giganten erfahren das gerade am eigenen Leib.

Nach Jahren des Hinterherhechelns hat der FC Bayern München geschafft man ist gleichauf mit Real Madrid. Blöd nur: In der Saison 2018/2019 hecheln beide Teams gemeinsam der Spitze hinterher.

La bestia naja

Es gab Zeiten, da war der FC Bayern München ein gefürchteter Gegner. So lange ist das noch nicht her, in deutschen Stadien. Aber la bestia negra ist seit Jahren ein zahmes Kätzchen. Zumindest auf der ganz großen Bühne.

Die Fans von Real Madrid hatten den Bayern eins diesen Spitznamen gegeben. Ehrfürchtig, die schwarze Bestie. Respektvoll, der Angstgegner. Und bei den Königlichen muss das ein besonderer Verein sein. Zuletzt trat diese Bestie, dieser ebenbürtige Gegner 2012 auf, April, Halbfinale der Champions League. Die Bestie biss sich im Elfmeterschießen durch, das weiße Ballett musste abtanzen.

Seitdem ist La bestia negra verschwunden.

2014, 2017, 2018. Dreimal kam Real Madrid weiter. Man hätte schon fast eine Vermisstenanzeige aufgeben können.

Und doch ist das Selbstverständnis der Bayern groß genug, um zu wissen: Wir hätten sie schlagen können. Hätten. Haben sie aber nicht. Stattdessen gewann Real anschließend immer den Titel, dazu 2016. Die Madrilenen haben die Champions League zu einem königlichen Wettbewerb gemacht. Alle wollten da sein, wo Real ist. Champions League-Sieger, dreimal in Folge. Alle wollten so sein, wie Real ist. Ein nimmersatter Riese, der selten Fehler macht und genau dann da ist, wenn es drauf ankommt. Niemand wollte so sehr wie dieses Real sein, wie der FC Bayern. La bestia naja.

Der Fußball lebt in Zyklen

In der aktuellen Saison hat es der FC Bayern geschafft den Vergleich mit den Königlichen muss der FCB nicht mehr scheuen. Immerhin, die Bayern stehen auf Rang fünf, haben am Wochenende einen Punkt gegen Düsseldorf geholt. Real dagegen ist in der heimischen LaLiga nur Sechster, unterlag jüngst mit 0:3 beim SD Eibar. In der Champions League werden beide Teams wohl weiterkommen. Bayern ließ gegen Ajax Punkte liegen, Real verlor in Moskau. Und dennoch sind sie zu gut, um in dieser Phase schon auszuscheiden. Im Achtelfinale könnte das schon anders aussehen.

Auch auf dem Platz könnten Beobachter auf die Idee kommen, dass da die eine Mannschaft in zwei verschiedenen Ligen spielt: Ideenlos, unmotiviert, ohne Konzept im Spiel nach vorne, zu langsam auf dem Weg nach hinten.

Zwei Vereine, zu höherem verpflichtet, stehen derzeit vor einem Scherbenhaufen. Bei Real hängt viel mit dem Weggang von Cristiano Ronaldo zusammen. Nicht vorrangig wegen seiner Tore, sondern vor allem wegen seiner Gier, seinem unstillbaren Hunger. Der ihn eben nach Italien geführt hat.

Beide Teams sind alt, satt, haben den Gipfel scheinbar schon lange erklommen. Die Verantwortlichen in Madrid und München haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt, und auf frisches Personal verzichtet. Dabei war das schon in den Jahren zuvor zu erkennen: Die Bayern bestimmten die Bundesliga, wenn auch nicht mehr so locker und doch so dominant wie Jahre zuvor. In den entscheidenden Phasen der Champions League zeigte sich aber: Es fehlen ein paar Prozent. Und es war nicht immer nur das oft besungene Schlachtenglück.

Bei den Spaniern lief es umgekehrt: Die Königsklasse dominiert, zuletzt zwar weniger souverän, zum Titel reichte es aber. In der Liga dagegen reichte es nur zur Zuschauerrolle hinter Barcelona 2017 einmal ausgenommen.

Im europäischen Fußball herrschen Zyklen vor. Immer wieder gibt es Mannschaften, die über mehrere Jahre hinweg ein Gerüst haben, das nicht auseinanderbricht, Erfolge feiert, aber dann eben gemeinsam altert und rostet. Mannschaften werden aber irgendwann nicht mehr nur älter, sondern auch schlechter.

Der AC Milan musste das schmerzlich erfahren. Nach 2003 krönte sich die Generation um Maldini, Gattuso, Nesta, Inzaghi und Pirlo 2007 ein letztes Mal zum CL-Sieger. Der bitter nötige Umbruch blieb es, es folgte der Einbruch. Seit 2014 sucht man die Rossoneri vergeblich in der Champions League. Manchester United, unter Sir Alex Ferguson gefühlt immer ein Titelkandidat, hat seit der Finalteilnahme 2011 ebenfalls seine Probleme. Es sind nur zwei von unzähligen Beispielen.

Die Bayern selbst mussten das 2007 am eigenen Leib erfahren, als es nach jahrelanger internationaler Duststrecke plötzlich auch national nicht mal mehr für die Top 3 reichte. Es folgte eine Transferoffensive. Luca Toni, Franck Ribéry, Miroslav Klose. Ohne dies Transferoffensive und die dringend nötige Auffrischungsk- und Qualitätskur des Kaders wäre die Hochphase der Bayern ein paar Jahre später wohl ausgeblieben.

Never change a running system es ist ein Motto derer, die den Erfolg aus Ruhekissen verstehen. Oft scheuen sich die Verantwortlichen davor, Umbrüche zu vollziehen oder die Altstars mit jungen, hungrigen Spielern zu kitzeln.

Die Bayern und Real Madrid hatten ihre Hochphase von 2010 bis 2018, Bayern holte einen, Real gleich drei CL-Titel. Auch wenn beiden immer und gerade in K.O.-Spielen alles zuzutrauen ist in diesem Jahr beginnt der Zyklus von vorne.

Jetzt begegnet sich die Teams endlich wieder auf Augenhöhe. Für die Bayern kommt das zu spät.

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