07.12.2011 um 19:25 Uhr
Eine Liebe, die nie zu Ende geht
...sangen vor einigen Jahren die Sportis auf ihrem sensationellen Fußball-Tribut-Album "We have to win Zweikampf". Wäre ich auch nur im Ansatz musikalisch begabt, ich hätte exakt diese Platte veröffentlicht, aber dies nur am Rande.
Vor einigen Wochen erreichte mich die Email eines Freundes, in der er anregte, eine alte und, ja, völlig in Vergessenheit geratene Leidenschaft aus Kindertagen wieder aufleben zu lassen. Es sollte – nach über 14 Jahren – wieder damit begonnen werden, das offizielle Bundesliga-Stickeralbum der aktuellen Spielzeit seiner Bestimmung zuzuführen: es mit möglichst allen 418 Stickern vollzukleben. Die in Kopie gesetzten fünf Mitstreiter zeigten sich allesamt von dieser Idee begeistert und eh man sich versah, hielt man im hiesigen Bahnhofs-Buchhandel das Starterpaket, bestehend aus Sammelalbum und den ersten fünf Stickertüten (à fünf Sticker), in seinen Händen.
Nun muss gerade der nicht informierte Leser zunächst verstehen, welche Bedeutung das Sammeln und vor allem(!) das Tauschen für den fußballbegeisterten Zehnjährigen hatte: Man stelle sich vor, das aktuelle Heiligtum liegt, wohlbehütet vor eventuellen Seitenknicken oder anderen Katastrophen, auf dem heimischen Schreibtisch. In die Schule nahm man das gute Teil maximal einmal im Monat mit, um seine neuesten Errungenschaften zu präsentieren und den Freunden/Konkurrenten unter die Nase zu reiben, welche Hochkaräter man in den zurückliegenden Tagen aus den Sammeltüten, die man am immer gut sortierten Kiosk unweit des Schulgebäudes erstehen konnte, gezogen hatte. Es ging hier glasklar nur um Eines: Das verdammte Heft als Erster vollständig zu haben. Sich den Respekt der anderen zu sichern. Der König des Jahrgangs zu sein. Eine harte Schule, in der jahrelang gewachsene Freundschaften auf eine noch härtere Probe gestellt wurden, die zuvor nicht einmal das Werben um das selbe Mädchen (selbstverständlich das schönste der Stufe!) erschüttern konnte. Es war ein knallharter Wettbewerb, der seinen täglichen Höhepunkt um kurz nach Neun auf dem Schulhof fand:
Wo andere Schüler in ihrer Brotdose das tägliche Schulbrot transportierten, fanden sich in den unseren – die doppelten Sticker. Und diese wollten in noch nicht Vorhandene eingetauscht werden. Nun war es natürlich bereits damals so, dass es Spieler gab, die einfach einen "höheren" Wert besaßen als andere. Dieses Prinzip übertrug sich, na klar, Eins zu Eins auf die Abbilder der angebeteten Kicker. So kam es, dass man für einen Andy Möller schon mal sechs bis acht andere Sticker auf den Tisch packen musste, um die Konkurrenz auszustechen. Angebot und Nachfrage, ganz klare Sache – schon damals.
Und nun also das. Ich bin 25 Jahre alt und sammle, nach über zehn Jahren Pause, wieder Bundesliga-Sticker. Was zunächst just for fun als kleines Revival begann, zog mich und den Rest der Bande mittlerweile vollends in seinen Bann. Es existieren Excel-Tabellen, auf denen die Doppelten jedes Mitspielers fortlaufend nachgetragen werden. Telefonisch sowie per Mail, SMS und MMS informiert man sich beinahe täglich über die neuesten Errungenschaften. Die letzte Initialzündung erfolgte, als ich vor zwei Wochen das mittlerweile völlig zerlederte Sammelalbum der Saison 1994/95 in den Händen hielt: Wladimir Bestschastnich, Ralf Falkenmayer, Sergej Gorlukowitsch – nahezu jeder Name ist noch heute irgendwo in meinem kranken Fußball-Köpfchen abgespeichert. Der Flashback zurück in diese unschuldige Zeit, damals auf dem Schulhof, war einfach unglaublich und für mich persönlich der wohl schönste Aspekt dieser Sammelorgie.
Ganz nebenbei will ich natürlich mein Album auch als Erster voll bekommen. Im Moment sieht es aufgrund der Kaufwut einiger potenter Mitstreiter dahingehend zwar nicht allzu gut aus, ich habe vor Wochenfrist allerdings eine ganze Batterie Stickertüten im Kiosk meines Vertrauens geordert. Die Verkäuferin lacht mittlerweile schon, wenn ich den Laden betrete. Ich auch, allerdings aus Glückseligkeit, bald die neuen Tüten aufreißen zu können.
Vor einigen Wochen erreichte mich die Email eines Freundes, in der er anregte, eine alte und, ja, völlig in Vergessenheit geratene Leidenschaft aus Kindertagen wieder aufleben zu lassen. Es sollte – nach über 14 Jahren – wieder damit begonnen werden, das offizielle Bundesliga-Stickeralbum der aktuellen Spielzeit seiner Bestimmung zuzuführen: es mit möglichst allen 418 Stickern vollzukleben. Die in Kopie gesetzten fünf Mitstreiter zeigten sich allesamt von dieser Idee begeistert und eh man sich versah, hielt man im hiesigen Bahnhofs-Buchhandel das Starterpaket, bestehend aus Sammelalbum und den ersten fünf Stickertüten (à fünf Sticker), in seinen Händen.
Nun muss gerade der nicht informierte Leser zunächst verstehen, welche Bedeutung das Sammeln und vor allem(!) das Tauschen für den fußballbegeisterten Zehnjährigen hatte: Man stelle sich vor, das aktuelle Heiligtum liegt, wohlbehütet vor eventuellen Seitenknicken oder anderen Katastrophen, auf dem heimischen Schreibtisch. In die Schule nahm man das gute Teil maximal einmal im Monat mit, um seine neuesten Errungenschaften zu präsentieren und den Freunden/Konkurrenten unter die Nase zu reiben, welche Hochkaräter man in den zurückliegenden Tagen aus den Sammeltüten, die man am immer gut sortierten Kiosk unweit des Schulgebäudes erstehen konnte, gezogen hatte. Es ging hier glasklar nur um Eines: Das verdammte Heft als Erster vollständig zu haben. Sich den Respekt der anderen zu sichern. Der König des Jahrgangs zu sein. Eine harte Schule, in der jahrelang gewachsene Freundschaften auf eine noch härtere Probe gestellt wurden, die zuvor nicht einmal das Werben um das selbe Mädchen (selbstverständlich das schönste der Stufe!) erschüttern konnte. Es war ein knallharter Wettbewerb, der seinen täglichen Höhepunkt um kurz nach Neun auf dem Schulhof fand:
Wo andere Schüler in ihrer Brotdose das tägliche Schulbrot transportierten, fanden sich in den unseren – die doppelten Sticker. Und diese wollten in noch nicht Vorhandene eingetauscht werden. Nun war es natürlich bereits damals so, dass es Spieler gab, die einfach einen "höheren" Wert besaßen als andere. Dieses Prinzip übertrug sich, na klar, Eins zu Eins auf die Abbilder der angebeteten Kicker. So kam es, dass man für einen Andy Möller schon mal sechs bis acht andere Sticker auf den Tisch packen musste, um die Konkurrenz auszustechen. Angebot und Nachfrage, ganz klare Sache – schon damals.
Und nun also das. Ich bin 25 Jahre alt und sammle, nach über zehn Jahren Pause, wieder Bundesliga-Sticker. Was zunächst just for fun als kleines Revival begann, zog mich und den Rest der Bande mittlerweile vollends in seinen Bann. Es existieren Excel-Tabellen, auf denen die Doppelten jedes Mitspielers fortlaufend nachgetragen werden. Telefonisch sowie per Mail, SMS und MMS informiert man sich beinahe täglich über die neuesten Errungenschaften. Die letzte Initialzündung erfolgte, als ich vor zwei Wochen das mittlerweile völlig zerlederte Sammelalbum der Saison 1994/95 in den Händen hielt: Wladimir Bestschastnich, Ralf Falkenmayer, Sergej Gorlukowitsch – nahezu jeder Name ist noch heute irgendwo in meinem kranken Fußball-Köpfchen abgespeichert. Der Flashback zurück in diese unschuldige Zeit, damals auf dem Schulhof, war einfach unglaublich und für mich persönlich der wohl schönste Aspekt dieser Sammelorgie.
Ganz nebenbei will ich natürlich mein Album auch als Erster voll bekommen. Im Moment sieht es aufgrund der Kaufwut einiger potenter Mitstreiter dahingehend zwar nicht allzu gut aus, ich habe vor Wochenfrist allerdings eine ganze Batterie Stickertüten im Kiosk meines Vertrauens geordert. Die Verkäuferin lacht mittlerweile schon, wenn ich den Laden betrete. Ich auch, allerdings aus Glückseligkeit, bald die neuen Tüten aufreißen zu können.
Aufrufe: 1919 | Kommentare: 8 | Bewertungen: 12 | Erstellt:07.12.2011
ø 9.3
KOMMENTARE
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16.12.2011 | 19:58 Uhr
+3
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16.12.2011 | 21:02 Uhr
+3
0
17.12.2011 | 09:43 Uhr
+4
-1
Meike32 :
Schöner Blog!Flashback trifft es, allerdings ist der bei mir nicht positiv. Ich wollte früher auch so gern sammeln. Ich habe es mir wirklich gewünscht!
Und was sagen zehnjährige Jungs, wenn da plötzlich ein Mädchen ankommt, das mittauschen möchte?
"Ihh, du bist ein Mädchen, geh weg, mit dir tauschen wir nicht!"
Zumindest war das bei mir so. Also habe ich zwar gesammelt, aber kein Album vollbekommen, weil ich ja niemanden zum tauschen hatte...
Und wie räche ich mich heute? Ich sammle bei EM und WM. Und dann gehe ich in den Kiosk meines Vertrauens. Ich gehe grinsend an den kleinen zehnjährigen Jungen vorbei, die ihre 3 EUR Taschengeld stolz auf den Tresen legen.
Ich zu dem Verkäufer:
"Ich kaufe kein Tütchen. Gib mir gleich eine ganze Packung!"
Und dann gehe ich mit meiner Packung mit mehr als 500 Stickern grinsend an den kleinen, doofen und neidischen Jungs vorbei...
17.12.2011 | 10:41 Uhr
+2
0
Und dann gehe ich mit meiner Packung mit mehr als 500 Stickern grinsend an den kleinen, doofen und neidischen Jungs vorbei...
von SPOX editiert
17.12.2011 | 12:16 Uhr
0
-1
ausLE :
@spox: solche Aussagen gehören nicht editiert, sondern fordern die Löschung des Users! Ach ja, schöner Blog, ich hatte damals nur mit Vitamin B ein Chance an so etwas ran zu kommen
17.12.2011 | 23:59 Uhr
+1
0
deuce631 :
Ich bin 42 und habe damals in der Grundschule ebenfalls gesammelt. Wir haben um die Bilder mitunter Wettbewerbe ausgetragen (Bilder möglichst nahe an eine Wand werfen; wer näher an der Wand lag, gewann das Bild des anderen Schülers).Heute würde ich - schon alleine aus finanziellen Gründen - zwar nicht mehr sammeln, aber für den Blog und damit verbundenen Erinnerungen bedanke ich mich herzlich und wünsche euch noch viel Spaß mit euren Bildern und Alben.
Und noch eine Anmerkung an Meike32:
Nur weil die Jungs in deiner Schulzeit so blöd waren, brauchst du das doch heute nicht an den Kleinen auslassen. Wär es nicht schön, wenn du mit denen Bilder tauschen könntest und vielleicht somit denen und dir das eine oder andere Lächeln ins Gesicht zaubern könntest?
10 Punkte für all die schönen Erinnerungen!
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