02.Dezember 2008
17.06.2008 um 17:51 Uhr
EM-Fieber wird zu Schüttelfrust
Statt "Wunder in Wien" hieß es am Montagabend "Weinen in Wien" und in anderen österreichischen Städten und Gemeinden. Das endlich um sich greifende EM-Fieber schlug schlagartig in einen Schüttelfrust um.
Alles war angerichtet
Dabei war alles angerichtet. In seiner niederösterreichischen Heimatgemeinde Amstetten wurde schon das Hickersberger-Geburtshaus mit goldenem Schriftzug verziert. Nach Mozarts Vorbild sollten sich auch an seiner Geburtstätte von nun an und auch in 250 Jahren scharenweise Japaner – oder zumindest ein paar Europäer - vorbeischlängeln. Nach dem Elfmeter-Tor von Mittwoch begann schon eine Schokoladenfabrik mit der Produktion von Vastic-Kugeln. Nach Stürmer Linz sollte gar eine ganze Stadt benannt werden. Ach nein, die gibt es ja schon.
Piefke statt Party
Die Rahmenbedingungen hätten fast gepasst für eine große Party. Auf dem überfüllten, aber dennoch nur zeitweise stimmungsvollen Salzburger-Residenzplatz (Stimmung kam immer nur auf Kommando auf Zuruf von den Moderatoren und meist nur vor dem Spiel und in der Pause auf), drohte die große rot-weiß-rote Party durch heftig einsetzenden Regen sprichwörtlich ins Wasser zu fallen. Der Regen stoppte jedoch glücklicherweise noch rechtzeitig vor Beginn der Partie.
So war es nicht der Regen, der die Party beendete, sondern die Deutschen.
Das Erwartete trat ein
Dabei war das keine Überraschung. Nun ist nur genau das eingetreten, was vorher eh schon jeder wusste. Österreich scheitert nach der Gruppenphase und kann nach der ersten EM-Teilnahme (für die man sich übrigens auch nicht qualifizierte, da man Gastgeber war) weiterhin keine Erfolge vorweisen. Nein, ein 1:1 gegen Polen ist keine herausragende Leistung und den Roger Milla (mit Vastic also den ältesten Torschützen) einer EM zu haben, muss einem nicht unbedingt Tränen vor Glück in die Augen treiben.
Österreich stellt Rekord auf
Einen Rekord hat man aber dennoch aufgestellt. Nein, keinen Titel! Aber Österreich darf sich jetzt "schlechteste Heimmannschaft einer EM-Hauptrunde" auf den Briefkopf schreiben.
So schlecht, wie die rot-weiß-rote Nation hat nämlich bisher noch kein Gastgeberland abgeschnitten. Nicht einmal die Schweiz und auch Belgien. Diese beiden Kandidaten, die ebenfalls als einzige Ausrichter schon in der Vorrunde scheiterten, hatten beide jeweils drei Punkte.
Deutschland passte sich Österreich an
Im entscheidenden Spiel selbst gelang es dem deutschen Team hervorragend, sich der schlechten Spielweise der Österreicher fast ausnahmslos anzugleichen. Klose und Gomez passten sich in der Chancenauswertung Harnik & Co. an. Vermutlich sparten sie sich ihre Kräfte und Tore für die nun folgenden drei Partien auf.
Capitanoâ019s Mozartkugel schlug im Kreuzeck ein
Nur Lahm gefiel mit einigen Aktionen und für den Höhepunkt sorgte "Capitano" Ballack. Der glänzte mit seinem Freistosstor einmal richtig, als er den Österreichern eine Mozartkugel in die Maschen ballerte, die das endgültige K.O. für die Alpenrepublik bedeutete. Mit ordentlichem Schmackes – oder in dem Fall Marzipan – schlug die Kugel unhaltbar im Gehäuse fast im Kreuzeck (Winkel) über dem Ex-Lauterer-Keeper Macho ein.
Harnik, der vor dem Spiel noch getönt hatte, dass die Deutschen die Hosen voll haben, bekam von seinem Bremer Teamkollegen Frings (wobei Frings ja bei den Profis und Harnik bei den Amateueren spielt) zu Beginn der Partie erstmal richtig eine mitgegeben – und somit aufgezeigt, wer hier jedenfalls nicht die Hosen voll hatte. Die Österreicher, die ansonsten auf einen "Eiergoalie" (Gurkentorwart) gehofft hatten, trafen diesmal auf einen soliden Lehmann.
Taktik wäre fast aufgegangen
Grundsätzlich wäre die EM-Taktik der Österreicher fast aufgegangen. Sie haben zwei Jahre in der Vorbereitung einfach so schlecht gespielt, dass man sie erstens nur unterschätzen konnte und sie sich zweitens mit der Leistung von Montag (trotz des vorzeitigen Ausscheidens) für die Steigerung fast noch feiern lassen konnten.
Insgesamt ist man bei unserem kleinen Nachbarn jetzt wieder stolz, dass man bei so einem großen Fußballfest dabei sein durfte – und mit den Großen sogar (fast) mithalten konnte (Das war ohnehin nur die Zielausgabe von Hickersberger im Vorfeld der Euro).
Bitte kein 40-Jahre nach Cordoba
Diese Tatsache sollte man in Österreich aber tatsächlich gut im Gedächtnis behalten. Wer weiß, wann sich das nächste Mal die Chance bietet, sich bei einem großen Turnier wieder einmal mit großen Mannschaften zu messen (und nicht vergessen: Da man wahrscheinlich in den nächsten Jahren nicht mehr Ausrichter sein wird, muss man sich qualifizieren). Vielleicht gelingt dies ja schon 2018 mal wieder und man trifft erneut auf die Deitschen. Aber lasst uns bitte mit dem dann 40-jährigen Jubiläum von Cordoba in Ruhe. Das hat schon jetzt mächtig genervt.
Pannini-Bilder der Österreicher mit größerem Wert als erwartet
Die allseits beliebten Pannini-Tausch-Bilder von Österreichern, auf die die Beliebtheit eigentlich nicht unbedingt zutrifft, könnten im Nachhinein (zumindest) in Österreich doch noch großen Wert erlangen. Schließlich werden es wahrscheinlich die einzigen Österreicher sein, die je bei einer EM gespielt haben.
Ausscheiden das Beste für die Alpenrepublik
Am Ende ist das Ausscheiden für Österreich aber eigentlich doch das Beste, was passieren konnte. Endlich kann man sich wieder mit gleichstarken Gegnern und Weltranglistennachbarn wie Mosambik, Thailand, Gabun oder Gambia messen.
Da könnte es unter Umständen auch eine echte Siegchance geben und nicht nur eine von den Boulevardmedien hochstilisierte.
Um Bälle kümmern, mit denen man sich auskennt
Oder man lässt das mit dem Fußballspielen am Besten gleich ganz. Erstens beginnt bald wieder die Winter- und Skisaison. Wenn man die Finger dann aber doch nicht von den Bällen lassen kann oder will, sollte man sich zumindest um die Bälle kümmern, mit denen man sich auskennt: Zum Beispiel den Opernball.
Immer wieder verliert Österreich…
www.fussballwahnsinn-oesterreich.at
Alles war angerichtet
Dabei war alles angerichtet. In seiner niederösterreichischen Heimatgemeinde Amstetten wurde schon das Hickersberger-Geburtshaus mit goldenem Schriftzug verziert. Nach Mozarts Vorbild sollten sich auch an seiner Geburtstätte von nun an und auch in 250 Jahren scharenweise Japaner – oder zumindest ein paar Europäer - vorbeischlängeln. Nach dem Elfmeter-Tor von Mittwoch begann schon eine Schokoladenfabrik mit der Produktion von Vastic-Kugeln. Nach Stürmer Linz sollte gar eine ganze Stadt benannt werden. Ach nein, die gibt es ja schon.
Piefke statt Party
Die Rahmenbedingungen hätten fast gepasst für eine große Party. Auf dem überfüllten, aber dennoch nur zeitweise stimmungsvollen Salzburger-Residenzplatz (Stimmung kam immer nur auf Kommando auf Zuruf von den Moderatoren und meist nur vor dem Spiel und in der Pause auf), drohte die große rot-weiß-rote Party durch heftig einsetzenden Regen sprichwörtlich ins Wasser zu fallen. Der Regen stoppte jedoch glücklicherweise noch rechtzeitig vor Beginn der Partie.
So war es nicht der Regen, der die Party beendete, sondern die Deutschen.
Das Erwartete trat ein
Dabei war das keine Überraschung. Nun ist nur genau das eingetreten, was vorher eh schon jeder wusste. Österreich scheitert nach der Gruppenphase und kann nach der ersten EM-Teilnahme (für die man sich übrigens auch nicht qualifizierte, da man Gastgeber war) weiterhin keine Erfolge vorweisen. Nein, ein 1:1 gegen Polen ist keine herausragende Leistung und den Roger Milla (mit Vastic also den ältesten Torschützen) einer EM zu haben, muss einem nicht unbedingt Tränen vor Glück in die Augen treiben.
Österreich stellt Rekord auf
Einen Rekord hat man aber dennoch aufgestellt. Nein, keinen Titel! Aber Österreich darf sich jetzt "schlechteste Heimmannschaft einer EM-Hauptrunde" auf den Briefkopf schreiben.
So schlecht, wie die rot-weiß-rote Nation hat nämlich bisher noch kein Gastgeberland abgeschnitten. Nicht einmal die Schweiz und auch Belgien. Diese beiden Kandidaten, die ebenfalls als einzige Ausrichter schon in der Vorrunde scheiterten, hatten beide jeweils drei Punkte.
Deutschland passte sich Österreich an
Im entscheidenden Spiel selbst gelang es dem deutschen Team hervorragend, sich der schlechten Spielweise der Österreicher fast ausnahmslos anzugleichen. Klose und Gomez passten sich in der Chancenauswertung Harnik & Co. an. Vermutlich sparten sie sich ihre Kräfte und Tore für die nun folgenden drei Partien auf.
Capitanoâ019s Mozartkugel schlug im Kreuzeck ein
Nur Lahm gefiel mit einigen Aktionen und für den Höhepunkt sorgte "Capitano" Ballack. Der glänzte mit seinem Freistosstor einmal richtig, als er den Österreichern eine Mozartkugel in die Maschen ballerte, die das endgültige K.O. für die Alpenrepublik bedeutete. Mit ordentlichem Schmackes – oder in dem Fall Marzipan – schlug die Kugel unhaltbar im Gehäuse fast im Kreuzeck (Winkel) über dem Ex-Lauterer-Keeper Macho ein.
Harnik, der vor dem Spiel noch getönt hatte, dass die Deutschen die Hosen voll haben, bekam von seinem Bremer Teamkollegen Frings (wobei Frings ja bei den Profis und Harnik bei den Amateueren spielt) zu Beginn der Partie erstmal richtig eine mitgegeben – und somit aufgezeigt, wer hier jedenfalls nicht die Hosen voll hatte. Die Österreicher, die ansonsten auf einen "Eiergoalie" (Gurkentorwart) gehofft hatten, trafen diesmal auf einen soliden Lehmann.
Taktik wäre fast aufgegangen
Grundsätzlich wäre die EM-Taktik der Österreicher fast aufgegangen. Sie haben zwei Jahre in der Vorbereitung einfach so schlecht gespielt, dass man sie erstens nur unterschätzen konnte und sie sich zweitens mit der Leistung von Montag (trotz des vorzeitigen Ausscheidens) für die Steigerung fast noch feiern lassen konnten.
Insgesamt ist man bei unserem kleinen Nachbarn jetzt wieder stolz, dass man bei so einem großen Fußballfest dabei sein durfte – und mit den Großen sogar (fast) mithalten konnte (Das war ohnehin nur die Zielausgabe von Hickersberger im Vorfeld der Euro).
Bitte kein 40-Jahre nach Cordoba
Diese Tatsache sollte man in Österreich aber tatsächlich gut im Gedächtnis behalten. Wer weiß, wann sich das nächste Mal die Chance bietet, sich bei einem großen Turnier wieder einmal mit großen Mannschaften zu messen (und nicht vergessen: Da man wahrscheinlich in den nächsten Jahren nicht mehr Ausrichter sein wird, muss man sich qualifizieren). Vielleicht gelingt dies ja schon 2018 mal wieder und man trifft erneut auf die Deitschen. Aber lasst uns bitte mit dem dann 40-jährigen Jubiläum von Cordoba in Ruhe. Das hat schon jetzt mächtig genervt.
Pannini-Bilder der Österreicher mit größerem Wert als erwartet
Die allseits beliebten Pannini-Tausch-Bilder von Österreichern, auf die die Beliebtheit eigentlich nicht unbedingt zutrifft, könnten im Nachhinein (zumindest) in Österreich doch noch großen Wert erlangen. Schließlich werden es wahrscheinlich die einzigen Österreicher sein, die je bei einer EM gespielt haben.
Ausscheiden das Beste für die Alpenrepublik
Am Ende ist das Ausscheiden für Österreich aber eigentlich doch das Beste, was passieren konnte. Endlich kann man sich wieder mit gleichstarken Gegnern und Weltranglistennachbarn wie Mosambik, Thailand, Gabun oder Gambia messen.
Da könnte es unter Umständen auch eine echte Siegchance geben und nicht nur eine von den Boulevardmedien hochstilisierte.
Um Bälle kümmern, mit denen man sich auskennt
Oder man lässt das mit dem Fußballspielen am Besten gleich ganz. Erstens beginnt bald wieder die Winter- und Skisaison. Wenn man die Finger dann aber doch nicht von den Bällen lassen kann oder will, sollte man sich zumindest um die Bälle kümmern, mit denen man sich auskennt: Zum Beispiel den Opernball.
Immer wieder verliert Österreich…
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