14.06.2010 um 13:19 Uhr
Die größten WM-Überraschungen -3
Nachdem ich bereits in zwei Teilen (zu 1, zu 2) sehr frühe und meist unbekannte WM-Geschichten beleuchtet habe, komme ich jetzt zu einer WM, bei der das Ergebnis allen bekannt ist. Das Wunder von Bern 1954 gilt nicht nur sportlich sondern auch politisch als Aufbruch in eine neue Zeit. In Deutschland wird diesem Sieg sehr viel Symbolkraft nach dem verlorenen Weltkrieg und den Entbehrungen in der Nachkriegszeit zugesprochen. Das ist alles bekannt. Ich fokussiere mich auf unbekanntere Seiten des Turniers, den Finalgegner Ungarn, den ungewöhnlichen Modus, der so nie wieder angewendet wurde und ein Rekordspiel im Viertelfinale.

Beginnen möchte ich mit der Quali. Das Turnier fand mit 16 Mannschaften statt, Gastgeber Schweiz und Titelverteidiger Uruguay waren automatisch qualifiziert, somit blieben 14 Plätze für 32 an der Qualifikation teilnehmenden Mannschaften übrig. In Europa wurden, auf Grund geografischer Gesichtspunkte, Kleingruppen eingeteilt, die BRD spielte gegen das Saarland (unter Trainer Helmut Schön) und Norwegen. Die Quali wurde sicher geschafft aber es gab auch einige Überraschungen. Spanien scheiterte wortwörtlich sehr "unglücklich" am späteren deutschen Gruppengegner, der Türkei. Sportlich gewann Spanien in Madrid 4:1, in Istanbul verlor man 1:0. Da das Torverhältnis damals noch nicht ausschlaggebend war, musste ein Entscheidungsspiel ausgetragen werden, das in Rom stattfand. Das Spiel endete 2:2 nach Verlängerung, und da auch das Elfmeterschießen noch nicht erfunden war, wurde die Türkei per Losentscheid zum Sieger ernannt.
Kurios auch: Holland meldete sich zu spät für die Qualifikation an, deshalb wurde man von der FIFA nicht zur Qualifikation zugelassen.
Ungarn brauchte kein einziges Quali-Spiel austragen, da Polen zurückzog und beide Mannschaften eine Zweiergruppe bildeten.

Da sich die FIFA dazu hinreißen ließ, noch vor Ende der Qualifikation eine Setzliste für die Auslosung der vier WM-Gruppen vorzunehmen, ergab sich, dass sich gesetzte Mannschaften gar nicht für die WM qualifizierten (darunter Spanien). Die dafür qualifizierten Mannschaften nahmen deren Platz in der Setzliste ein (hier die Türkei).
Es gab vier Gruppen a vier Mannschaften, wobei es pro Gruppe zwei gesetzte Teams gab. Also im Falle der deutschen Gruppe waren Ungarn und die Türkei gesetzt, Deutschland und Südkorea ungesetzt. Jedoch spielten nur gesetzte gegen ungesetzte Teams. Deutschland spielte also nur gegen die Türkei (17. Juni 1954) und gegen Ungarn (20. Juni 1954). Jedoch wurde bei Punktgleichheit zwischen dem Gruppenzweiten und dem Gruppendritten ein Entscheidungsspiel ausgetragen, das Torverhältnis war ohne belang für den Tabellenplatz. Deutschland musste das erste Spiel gegen die Türkei also unbedingt gewinnen, denn gegen Ungarn schien ein Sieg unmöglich. Deutschland gewann 4:1. Somit war ein mögliches Entscheidungsspiel gegen die Türkei bereits gesichert, denn Südkorea galt als Kanonenfutter der Gruppe (0:9 gegen Ungarn und später 0:7 gegen die Türkei). Trainer Herberger schonte im Spiel gegen die Ungarn also einige Spieler. Das Spiel endete 3:8 und ein Entscheidungsspiel, abermals gegen die Türkei musste her. Deutschland gewann souverän mit 7:2 und zog ins Viertelfinale ein. Dieser Modus wurde nie wieder angewandt, da die Übervorteilung der gesetzten Teams zu groß erschien.

In den Viertelfinals kam es dann zum bisher torreichsten Spiel der WM-Historie. Es war die "Hitzeschlacht von Lausanne", bei der sich Gastgeber Schweiz und die favorisierten Österreicher bei 40 Grad im Schatten gegenüberstanden. Der österreichische Torwart Kurt Schmied (siehe Foto) erlitt einen Sonnenstich und irrte wie in Trance im Tor herum. Die Schweiz nutzte dies und führte bereits nach 23 Minuten mit 3:0. Der österreichische Masseur stellte sich hinter das eigene Tor, um Schmied zu dirigieren und ständig mit Schwämmen und kaltem Wasser zu versorgen. Österreich steckte nicht auf und erzielte 5 Tore in zehn Minuten!!! Nach 35 Minuten stand es also 5:3 für Österreich und sie gaben das Spiel nicht mehr aus der Hand. Der Endstand lautete 7:5, Tormann Schmied konnte sich im Nachhinein nicht mehr an das Spiel erinnern und sagte: "Alle anderen haben mir später immer in höchsten Tönen vorgeschwärmt, was das für ein großartiges Match war. Und ich habe halt immer drauf gesagt: 'Ihr könnt's mir eh alles erzählen, ich weiß ja nichts mehr'". Schmied gewann bei dieser WM alle seine Spiele, denn im Halbfinale wurde er nicht eingesetzt obwohl er sich fit gemeldet hatte. Sein Trainer Frühwirth wollte ihm Ruhe gönnen und prompt verlor Österreich mit 1:6 gegen Deutschland im Halbfinale. Im Spiel um Platz Drei durfte Schmied wieder zwischen die Pfosten und man gewann 3:1.



Zum Abschluss komme ich noch zu Ungarn und einigen Fakten, warum sie das Finale eigentlich hätten gewinnen müssen.
Die Mannschaft Ungarns wurde bereits zu damaliger Zeit als "Goldene Elf" bezeichnet. Seit Mai 1950 hatte die Mannschaft nicht mehr verloren. Bis zum WM-Finale 1954 hatten sie eine Serie von 27 Siegen und 4 Unentschieden vorzuweisen.
1952 wurde Ungarn mit einem Turnier-Torverhältnis von 20:2 Toren souverän Olympiasieger im Fußball, 1953 gewannen sie den Europapokal der Fußball-Nationalmannschaften; einen Vorläufer der Fußball-Europameisterschaft. Ebenfalls 1953 wurde England in Wembley im sog. Jahrhundertspiel 6:3 vom Platz gefegt. Es war die erste Heimniederlage Englands gegen eine Mannschaft vom europäischen Festland. Das Rückspiel in Budapest wurde 7:1 gewonnen, was bis heute die höchste Neiderlage einer Englischen Fußball-Nationalmannschaft bedeutet.
Das Vorrundenspiel gegen Deutschland hatte Ungarn noch 8:3 gewonnen, was die höchste deutsche Niederlage bei einer WM- oder EM-Endrunde bis heute bedeutet.
Einer der zahlreichen Starspieler Ungarns, Sándor Kocsis, der mit elf Turniertreffern Torschützenkönig wurde, erzielte in jedem Spiel der Ungarn bei der WM mindestens zwei Tore, nur im Finale traf er nicht. In 68 Nationalmannschaftsspielen erzielte er 75 Treffer und hat damit eine bessere Trefferquote als z.B. Gerd Müller.
Im Finale führte Ungarn früh mit 2:0. Es war das erste und einzige Mal, dass in einem WM-Finale eine zwei-Tore-Führung nicht zum Sieg reichte! Denn Deutschland konnte schnell antworten und so stand es nach 18 Minuten bereits 2:2. In der Folge rannen die Ungarn wild an, aber Hidegkuti traf nur den Pfosten, Kocsis die Querlatte, Kohlmeyer rettete auf der Linie und der deutsche Torhüter Toni Turek zeigte einige überragende Paraden. Am Ende traf Rahn, so dass der deutsche Sieg auch nach dem Spielverlauf her als glücklich angesehen wird. zu Teil 4
Aufrufe: 1549 | Kommentare: 4 | Bewertungen: 9 | Erstellt:14.06.2010
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KOMMENTARE
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Famos
14.06.2010 | 14:21 Uhr
+1
-3
Famos : 
14.06.2010 | 14:21 Uhr
+1
-3
Famos : 
Leider wenig neues oder Informatives in deinem Blog. Ganz schwere Kost.
Für deine Mühe aber 2 Points!
Persie_123
14.06.2010 | 15:13 Uhr
+1
-3
Persie_123 : 
14.06.2010 | 15:13 Uhr
+1
-3
Persie_123 : 
Nichts neues bringender Blog

Aber für deine Mühe 5 Punkte

Ninis
21.06.2010 | 23:30 Uhr
+3
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Ninis : 
21.06.2010 | 23:30 Uhr
+3
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Ninis : 
@Famos und Persie_123

Idioten, wa?

Er versucht alles durchzuarbeiten, von 1930 bis Heute in verschiedenen Teilen (ich denke jedenfalls dass er bis heute macht) und dann kommt von euch "nichts neues"? Nur weil ihr vielleicht 900 mal "Das Wunder von Bern" gesehen habt und jeden Scheiss zu diesem Thema durchgelesen habt muss der Verfasser büßen? Wahrscheinlich habt ihr beide euch nicht mal die Mühe gemacht Teil 1,2 und 4 Durchzulesen.


10 Pkt.!
Persie_123
04.07.2010 | 20:30 Uhr
0
0
Persie_123 : 
04.07.2010 | 20:30 Uhr
0
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Persie_123 : 
@Ninis

Pehw

Also wenn man nciht mehr seine Meinung auf einem Sport-Forum posten darf dann hast du denn Sinn dieser website nicht verstanden
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