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01.11.2017 | 206 Aufrufe | 0 Kommentare | 1 Bewertungen Ø 10.0
Warum es unter Bosz keinen Turnaround geben wird.
Der fliegende Holländer
Bosz hat sein Pulver verschossen, sein System hat schlicht den Anschluß an den modernen Fußball verloren.

"Wir sind mit langen Bällen hinter die Abwehr gekommen, da sind sie anfällig. Sie sind extrem stark in der Offensive, aber wenn sie hoch stehen, dann kann man mit schnellen Leuten agieren, nannte Hannovers Manager Horst Heldt das Rezept."

Real-Coach Zinedine Zidane bestätigte, dass der BVB für ihn ein offenes Buch war. "Wir haben die Borussia sehr genau beobachtet. Sie haben gespielt wie üblich zu Hause: Sehr offen, berichtete er: Sie haben gedacht, dass wir damit Schwierigkeiten bekommen könnten. Aber wir haben uns sehr gut darauf eingestellt."

Nein Madrid und Hannover hatten damit keine Schwierigkeiten, warum auch? Das "System" von Bosz sieht derzeit so aus: Offensiv wird früher oder später ein schlampiger Pass im gegnerischen Drittel gespielt, nachdem man den Ball (auffällig ungefährlich) 3-4 mal von Seite zu Seite zu gespielt hat. Sobald der Ball dann weg ist wird die Bosz Vorgabe umgesetzt sofort mit 2-3 oder auch 4 Mann auf den Ballführenden und den unmittelbaren Raum in dem er sich befindet zu gehen und den Gegner dabei möglichst in Zweikämpfe zu verwickeln. Das wars, mehr defensive Taktik ist da nicht, man kanns kaum glauben aber DAS ist wirklich alles. Eine (noch) Top 10 Mannschaft hat allen Ernstes genau diese EINE Abwehrmaßnahme und die funktionierte leider nur solange bis die Gegner das analysiert hatten bzw. der BVB gegen Mannschaften spielen musste deren Spieler die Qualität haben sich dem ganzen zu entziehen.

Problematisch ist dabei folgendes: Sobald der BVB im Ballbesitz ist wird mit der gesamten Mannschaft nach vorne geschoben, das war schon unter Tuchel so, aber derzeit wirkt es im Offensivspiel statisch, pomadig und unsicher. Es sind die Gegner die es schaffen die Verteidiger des BVB so anzulaufen bis diese keinen Spielaufbau mehr hinkriegen und so lange zu Bürki zurückspielen bis dieser (auf Bosz-Vorgabe) einen geholzten Weidenfällergedenk-Befreiungsschlag spielt, der in der gesamten Saison gefühlt keinmal einen Mitspieler erreicht hat. Im Gegenteil sobald Dortmund merkt, dass ihr Offensivspiel durch gegnerisches Pressing oder 1gegen1 behindert wird, versuchen sich die Spieler mit langen Bällen zu behelfen und diese kommen zwar bei Seitenverlagerungen an, aber selten ergibt sich bei tiefgestaffelten Abwehreihen daraus wirklicher Raumgewinn. Spielen sie die Bälle von der Abwehr aus hoch ins Mittelfeld ist es derzeit symptomatisch, dass die "zweiten Bälle" verloren gehen, maximal verlängert mal jemand blind mit dem Kopf irgendwohin und oft genug fängt der Gegner genau diese Bälle ab und geht in den Konter und diese haben es in sich. Gefühlt jedes mal wenn der BVB im Angriff einen Fehlpass im gegnerischen Drittel spielt oder eine verjockelte Flanke von hinten im MF abgefangen wird brennt der Baum, wird es brandgefährlich weil der Gegner ins Tempo kommt.

Dortmunds Abwehr wird oft kritisiert, den Spielern die Qualität abgesprochen, doch das geht am eigentlichen Problem vorbei.

Dortmund hat langsamere Verteidiger die vom Stellungsspiel und ihrer überragenden Technik beim Zweikampf leben, dann wenn sie den Gegner stellen und ins 1gegen1 verwickeln können.

Ihre Schwäche hingegen ist offenkundig schnellen Stürmern auf den Flügeln hinterherlaufen, dabei das Abseits aufzuheben und mit Unterzahl/Gleichzahl im Rückwärtsgang im Strafraum die Flanke/Hereingabe zu verteidigen, die von der Grundlinie gespielt wird.

Wenn dies geschieht weil a) ein zweiter Ball verloren wird oder

b) ein schlampiger Pass im eigenen Angriff gespielt wird...

dann ist es mitnichten die Schuld der Verteidiger, dass sie innerhalb eines Spiels zu häufig in diese Situation verwickelt werden, als das sich damit dauerhaft ein Gegentor verhindern ließe. Dafür passiert dies strukturell zu oft, statistisch zu häufig, dass sie in genau diese Situationen geraten die der BVB vermeiden sollte und dies ist nunmal eine Folge des Systems von Bosz, der kein defensives Konzept zur Absicherung von Angriffen hat, außer sinnlos mit allen auf den Ballführenden zu rennen und dabei alle Räume im Rücken preiszugeben.

Nein der Holländer ist stur und erschreckend naiv, so ist er wirklich der Überzeugung sein "System" wäre genial, obwohl es nur funktionieren kann wenn im Angriff und beim Spielaufbau alles reibungslos von statten geht. Sobald das nicht der Fall ist sind es die Spieler, die nicht richtig umgesetzt haben was er wollte, erbärmlich.

Zumal er eklatante Aufstellungsfehler macht wie etwa Bartra den einzig spielstarken Innenverteidiger nicht in die Innenverteidigung zu stellen, oder die langsamsten Spieler im zentralen Mittelfeld zusammenspielen zu lassen, immer wieder auf one-hit wonder Maximilian Phillip zu setzen der ein Talent ist, aber einfach noch nicht die Klasse hat um das Spiel in schweren Zeiten an sich zu reißen und seit seiner Torgala, nach der er direkt in die Nationalelf geredet wurde, nur noch ein Schatten eines Schattens ist.

Nein nichts stimmt derzeit und anders als unter Tuchel hat man es nicht mit einem sturköpfigen aber reflektierten Trainer zu tun sondern einem Sturkopf mit System, dem alternativlosen System.

Sicher Dortmunds spielerische Klasse reicht noch für Bremen, Mainz oder Köln und somit wird man nicht komplett versagen aber für die Ansprüche von Dortmund ist das zu wenig und wenn man ehrlich ist auch viel zu peinlich von wirklichen Trainern wie Zidane solche verbalen Ohrfeigen verpasst zu bekommen, weil man dadurch wie ein Provinzidiot dasteht der versucht hat sich mit den großen anzulegen. Dabei sein ist alles... irgendwie nicht.

Watzke hat dem Verein einen Bärendienst erwiesen, denn wenn man Tuchel feuert, was man tun kann, dann braucht man eine erstklassige Lösung und keine Experimente.

Meine Prognose: Gegen Nikosia wird gewonnen in der EL überwintert, im Pokal verloren und in der Liga wird man den Anschluß verlieren.

Watzke redet Bayern ja schonmal stark und Zorc relativiert mögliche Schrammen vorsorglich, so dass niemand etwa auf die Idee kommt unzufrieden zu sein.

Nein der Übergang in die post Tuchel Ära ist ein Schuss in den Ofen, die Vereinsführung hat zwar eine "...geradlinige und kontinuierliche Entwicklung..." allerdings ist diese Entwicklung ein gnadenloser Abwärtstrend. Was man Bosz zu gute halten muss ist, dass er nicht Tuchel ist und ihn die Vereinsführung als Erfolg verkauft hat, daher müssen sie die Augen vor dem verschließen was eigentlich nicht zu übersehen ist.

Dortmund muss sich von Holzschuhpete und seinem eindimensionalen Amateursystem trennen oder man blockiert die sportliche Entwicklung.

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