16.07.2011 um 11:01 Uhr
Der deutsche Weg II
"Wir wollten ihn schon anscheißen"
Denkt man an die Übermannschaft des FC Bayern Anfang der siebziger Jahre, fallen oft dieselben Namen. Bomber Gerd sagt der Eine, Torwart Sepp der Andere und die ganz Gewitzten sagen Beckenbauer. Noch heute sind sie auf diversen "Promievents" gerngesehene Gäste. Doch das der erste "Cup mit den großen Ohren" den Weg nach Deutschland finden konnte, haben die Münchner einem Schreibwarenhändler zu verdanken. Georg, bei den Bayernfans einfach nur "Katsche", Schwarzenbeck ist anders als seine Mitspieler.
Wenn ein Beckenbauer anruft und ihn fragt ob er zum 70. Geburtstag von Helmut Schön kommen kann, winkt er ab: "Woaßt, Franz, i kann ned weg, s'is Schulanfang, do muaß i in mei'm Laden sein. Und dass er anders ist, zeigt er nicht nur mit seinem Laden, sondern auch auf dem Fußballplatz. Es ist der 15.Mai 1974 im Heysel-Stadion zu Brüssel, Finale des Europapokals. Atlético Madrid gegen den FC Bayern München. Nach dem Luis Aragonés die Madrilenen in der Verlängerung per Freistoß in Führung gebracht hatte und die Niederlage bedrohlich nahe kam, fasste sich "Katsche" in der 119.Minute ein Herz und donnerte die Pille aus gut 30 Metern ins Tor. Beckenbauer sagt bis heute, dass er ihn mit den Worten "Schieß einfach!" dazu aufgefordert habe. Einem Gerd Müller wird bis heute komisch, wenn er daran denkt, dass es wohlmöglich die letzte Aktion im ganzen Spiel war: "Und wir dachten jetzt, er flankt den Ball, dabei haut er drauf. Wir wollten ihn schon anscheißen und da haut er das Ding rein!"
Es blieb beim 1:1 und die Münchner konnten im Wiederholungsspiel 2 Tage später mit einem klaren 4:0 Triumph den ersten Europapokal der Landesmeister mit nach Hause nehmen.
Der Weg des FC Bayern und der deutschen Triumphe schien in der Zeit Anfang und Mitte der Siebziger kein Ende zu nehmen. Die Münchner konnten ihren Titel auf europäischer Ebene zweimal verteidigen und sich somit den Cup in die Säbener Straße stellen, wo er bis heute jeden Tag von Fans bewundert wird. Doch der FC Bayern musste eine lange Durststrecke überstehen, in der andere deutsche Topmannschaften sich zu europäischen Marken formen konnten.
Der HSV auf dem Thron Europas
25. Mai 1983. Michel Platini stieg aus dem Mannschaftsbus. Edle, italienische Slippers zierten seine so begabten Füße, ein Maßanzug mit dem Logo der "Alten Dame" Juventus Turin schmiegte sich um seinen Körper. Gekonnt lässig betrat er das Athener Stadion und führte seine obligatorische Rasenbegehung durch. Auf der anderen Seite des Spielfeldes stand Felix Magath. Nickelbrille, Trainingsanzug mit Hamburger Raute, weiße Sportschuhe. Es waren die puren Gegensätze.
Auf der einen Seite die so glorreiche Glitzerwelt des Fußballs, gespickt mit vielen italienischen Weltmeistern aus dem Vorjahr, auf der anderen Seite die Hamburger Jungs um die Vizeweltmeister Hrubesch und Magath. Die Fronten waren klar verteilt. Doch wie so oft in der Geschichte des Fußballs kommt es anders, und meistens als man denkt. Wir schreiben die achte Minute und besser als Lotto King Karl kann man dieses glorreiche Tor einfach nicht beschreiben: "Ja, man sieht das "Manni" Kaltz rechts seine Bahn zieht, in der ihm eigenen Geschwindigkeit der Wanderdüne. Dann mit "Joschi" Groh fast kollidiert, ihn glaube ich noch anpöbelt. Er spielt Felix Magath an, weil irgendwie kein Italiener das ernst nimmt, was der HSV so macht und dann ist das Ding drin. Es war wirklich so, wir saßen vor dem Fernseher und konnten es nicht glauben!" Die "Alte Dame" konnte nicht mehr zurückschlagen und so sprang neben dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft auch noch der Titel in der Europäischen Eliteliga für den Hamburger Sportverein dabei raus. Bis heute die erfolgreichste Saison in der Geschichte des Bundesligadinos.
Es sollte der letzte Titel einer deutschen Mannschaft im Europapokal der Landesmeister bleiben. Die Bilanz nach knapp 40 Jahren: 4 Triumphe, 9 Finalteilnahmen und jede Menge Geschichte. Erst im Jahre 1997 schaffte es wieder eine Truppe aus Deutschland in das Finale, jetzt in der neuen Champions League. Es sollte wieder historisch werden.
Der Kronprinz
Es sind diese Märchengeschichten, die der Fußball immer wieder schreibt und die ihn so besonders machen. Was sich allerdings vor der 71.Minute am 28.Mai 1997 im Münchner Olympiastadion abspielte, war kein Märchen, sondern harte und ehrliche Arbeit.
Die Mannschaft um General Ottmar Hitzfeld und die Europameister Matthias Sammer und Andreas Möller räumten auf dem Weg zum ersten Sieg einer deutschen Mannschaft in der neu aufgestellten Champions League so richtig auf und stießen den AJ Auxerre und den englischen Meister Manchester United aus dem Wettbewerb. Im Finale sollte dann wieder eine alte Bekannte der Deutschen warten.
Wie schon Jahre zuvor beim HSV, prallten im Finale zwei Welten aufeinander. Das große Juventus aus dem Piemont gegen die Dortmunder aus dem Ruhrpott. Beste Voraussetzungen für ein Märchen.
Da wird ein 20-jähriger beim Stande eines wackligen Ergebnisses von 2:1 in der 70.Minute eingewechselt, hebt die Hand, bekommt einen wunderschönen Pass in Tiefe des Raumes und lupft die Kugel einfach über den Torhüter in die Maschen. 3:1, das Spiel war entschieden. Wie von allen Geistern verlassen, springt der junge Mann über Werbebanden in die Arme seiner Mitspieler. Lars Ricken hatte in diesem Moment sein ganz eigenes Märchen geschrieben.
Borussia Dortmund setze sich an diesem Abend die europäische Krone auf, Lars Ricken war wohl ihr Kronprinz. Dass Kronprinzen es nicht immer einfach haben, ist bekannt. Viele Verletzungen, das nicht immer gleiche Niveau und nicht zuletzt der Weggang seines Förderers Ottmar Hitzfeld, warfen Lars Ricken aus der Bahn. In den Niederrungen der Regionalliga beendete er seine Karriere und widmet sich von nun an der Jugend beim BVB. Doch auch als reifer Mann wird er bei den Fans der Borussia immer der junge Kronprinz bleiben, der ihr Tor des Jahrhunderts geschossen hat.
Weiter geht´s zum 3.Teil!
Denkt man an die Übermannschaft des FC Bayern Anfang der siebziger Jahre, fallen oft dieselben Namen. Bomber Gerd sagt der Eine, Torwart Sepp der Andere und die ganz Gewitzten sagen Beckenbauer. Noch heute sind sie auf diversen "Promievents" gerngesehene Gäste. Doch das der erste "Cup mit den großen Ohren" den Weg nach Deutschland finden konnte, haben die Münchner einem Schreibwarenhändler zu verdanken. Georg, bei den Bayernfans einfach nur "Katsche", Schwarzenbeck ist anders als seine Mitspieler.
Wenn ein Beckenbauer anruft und ihn fragt ob er zum 70. Geburtstag von Helmut Schön kommen kann, winkt er ab: "Woaßt, Franz, i kann ned weg, s'is Schulanfang, do muaß i in mei'm Laden sein. Und dass er anders ist, zeigt er nicht nur mit seinem Laden, sondern auch auf dem Fußballplatz. Es ist der 15.Mai 1974 im Heysel-Stadion zu Brüssel, Finale des Europapokals. Atlético Madrid gegen den FC Bayern München. Nach dem Luis Aragonés die Madrilenen in der Verlängerung per Freistoß in Führung gebracht hatte und die Niederlage bedrohlich nahe kam, fasste sich "Katsche" in der 119.Minute ein Herz und donnerte die Pille aus gut 30 Metern ins Tor. Beckenbauer sagt bis heute, dass er ihn mit den Worten "Schieß einfach!" dazu aufgefordert habe. Einem Gerd Müller wird bis heute komisch, wenn er daran denkt, dass es wohlmöglich die letzte Aktion im ganzen Spiel war: "Und wir dachten jetzt, er flankt den Ball, dabei haut er drauf. Wir wollten ihn schon anscheißen und da haut er das Ding rein!"
Es blieb beim 1:1 und die Münchner konnten im Wiederholungsspiel 2 Tage später mit einem klaren 4:0 Triumph den ersten Europapokal der Landesmeister mit nach Hause nehmen.
Der Weg des FC Bayern und der deutschen Triumphe schien in der Zeit Anfang und Mitte der Siebziger kein Ende zu nehmen. Die Münchner konnten ihren Titel auf europäischer Ebene zweimal verteidigen und sich somit den Cup in die Säbener Straße stellen, wo er bis heute jeden Tag von Fans bewundert wird. Doch der FC Bayern musste eine lange Durststrecke überstehen, in der andere deutsche Topmannschaften sich zu europäischen Marken formen konnten.
Der HSV auf dem Thron Europas
25. Mai 1983. Michel Platini stieg aus dem Mannschaftsbus. Edle, italienische Slippers zierten seine so begabten Füße, ein Maßanzug mit dem Logo der "Alten Dame" Juventus Turin schmiegte sich um seinen Körper. Gekonnt lässig betrat er das Athener Stadion und führte seine obligatorische Rasenbegehung durch. Auf der anderen Seite des Spielfeldes stand Felix Magath. Nickelbrille, Trainingsanzug mit Hamburger Raute, weiße Sportschuhe. Es waren die puren Gegensätze.
Auf der einen Seite die so glorreiche Glitzerwelt des Fußballs, gespickt mit vielen italienischen Weltmeistern aus dem Vorjahr, auf der anderen Seite die Hamburger Jungs um die Vizeweltmeister Hrubesch und Magath. Die Fronten waren klar verteilt. Doch wie so oft in der Geschichte des Fußballs kommt es anders, und meistens als man denkt. Wir schreiben die achte Minute und besser als Lotto King Karl kann man dieses glorreiche Tor einfach nicht beschreiben: "Ja, man sieht das "Manni" Kaltz rechts seine Bahn zieht, in der ihm eigenen Geschwindigkeit der Wanderdüne. Dann mit "Joschi" Groh fast kollidiert, ihn glaube ich noch anpöbelt. Er spielt Felix Magath an, weil irgendwie kein Italiener das ernst nimmt, was der HSV so macht und dann ist das Ding drin. Es war wirklich so, wir saßen vor dem Fernseher und konnten es nicht glauben!" Die "Alte Dame" konnte nicht mehr zurückschlagen und so sprang neben dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft auch noch der Titel in der Europäischen Eliteliga für den Hamburger Sportverein dabei raus. Bis heute die erfolgreichste Saison in der Geschichte des Bundesligadinos.
Es sollte der letzte Titel einer deutschen Mannschaft im Europapokal der Landesmeister bleiben. Die Bilanz nach knapp 40 Jahren: 4 Triumphe, 9 Finalteilnahmen und jede Menge Geschichte. Erst im Jahre 1997 schaffte es wieder eine Truppe aus Deutschland in das Finale, jetzt in der neuen Champions League. Es sollte wieder historisch werden.
Der Kronprinz
Es sind diese Märchengeschichten, die der Fußball immer wieder schreibt und die ihn so besonders machen. Was sich allerdings vor der 71.Minute am 28.Mai 1997 im Münchner Olympiastadion abspielte, war kein Märchen, sondern harte und ehrliche Arbeit.
Die Mannschaft um General Ottmar Hitzfeld und die Europameister Matthias Sammer und Andreas Möller räumten auf dem Weg zum ersten Sieg einer deutschen Mannschaft in der neu aufgestellten Champions League so richtig auf und stießen den AJ Auxerre und den englischen Meister Manchester United aus dem Wettbewerb. Im Finale sollte dann wieder eine alte Bekannte der Deutschen warten.
Wie schon Jahre zuvor beim HSV, prallten im Finale zwei Welten aufeinander. Das große Juventus aus dem Piemont gegen die Dortmunder aus dem Ruhrpott. Beste Voraussetzungen für ein Märchen.
Da wird ein 20-jähriger beim Stande eines wackligen Ergebnisses von 2:1 in der 70.Minute eingewechselt, hebt die Hand, bekommt einen wunderschönen Pass in Tiefe des Raumes und lupft die Kugel einfach über den Torhüter in die Maschen. 3:1, das Spiel war entschieden. Wie von allen Geistern verlassen, springt der junge Mann über Werbebanden in die Arme seiner Mitspieler. Lars Ricken hatte in diesem Moment sein ganz eigenes Märchen geschrieben.
Borussia Dortmund setze sich an diesem Abend die europäische Krone auf, Lars Ricken war wohl ihr Kronprinz. Dass Kronprinzen es nicht immer einfach haben, ist bekannt. Viele Verletzungen, das nicht immer gleiche Niveau und nicht zuletzt der Weggang seines Förderers Ottmar Hitzfeld, warfen Lars Ricken aus der Bahn. In den Niederrungen der Regionalliga beendete er seine Karriere und widmet sich von nun an der Jugend beim BVB. Doch auch als reifer Mann wird er bei den Fans der Borussia immer der junge Kronprinz bleiben, der ihr Tor des Jahrhunderts geschossen hat.
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Aufrufe: 1644 | Kommentare: 0 | Bewertungen: 2 | Erstellt:16.07.2011
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