16.07.2011 um 10:57 Uhr
Der deutsche Weg
Themenwoche mySPOX: Die Königsklasse des Fußballs. Teil 2,
Der deutsche Weg
Mittwoch. 20.45 Uhr. Ausverkaufte Stadien. Millionen Fans vor den Bildschirmen. Die besten Spieler ihrer Generation betreten die heiligen Fußballstätten dieser Welt. Sie lauschen einer klassischen Melodie, die die Augen eines jeden Fans zum Leuchten bringt.
Der prestigeträchtigste Wettbewerb auf Vereinsebene zieht jeden in seinen Bann, der sich auch nur ansatzweise für den Fußball interessiert. Doch um diese Strahlkraft zu erreichen, musste die Champions-League einen langen und steinigen Weg gehen. Um diesen Weg ein wenig mehr zu beleuchten, habe ich versucht, den Dingen auf den Grund zu gehen: Die mySpox-Thementage: Die Königsklasse des Fußballs.
"Interessanteste Mannschaft Europas"
Im Jahr 2011 gilt die Position des FIFA-Präsidenten unter Fußballfunktionären sicherlich nicht mehr als der ultimative Traumjob. Zum einen muss man unpopuläre Entscheidungen treffen, zum anderen erschüttern Korruptionsskandale das Manifest des Hauptsitzes in Zürich. Kommt dann noch dazu, dass man als amtierender Präsident eher auf einer Welle der Anti-als Sympathie reitet, scheint das Glück perfekt.
Jedoch gab es auch Zeiten, wo einem Präsidenten alleine durch seine Anwesenheit oder gewissen Äußerungen die Herzen der Menschen reihenweise zuflogen. Jules Rimet, Begründer der heutigen Fußballweltmeisterschaft, machte durch seine Aussagen die Saarländer glücklich. In den fünfziger Jahren bezeichnete er den 1. FC Saarbrücken als "interessanteste Mannschaft in ganz Europa." Doch warum?
Durch das autonome Saarland und dem damit verbunden eigenen Fußballverband, konnte die Truppe aus dem Saartal in keiner großen Liga starten. Stattdessen veranstalte man internationale Freundschaftspiele und war die erste deutsche Mannschaft, die Real Madrid besiegen konnte und das recht eindeutig mit 4:0.
Trotz alledem klaffte zwischen den professionalisierten Vereinen in Europa und dem deutschen Fußball eine gewaltige Lücke. Dennoch war es nicht der große FC Bayern oder ein Traditionsverein wie Schalke 04, die den ersten Sieg einer deutschen Mannschaft in der Königsklasse verzeichneten, es war der 1.FC Saarbrücken.
Saarbrücken macht den Schalker
In der Premierensaison des Europokals der Landesmeister 1955/56 hielten, eigentlich gegen die Gesetze, (nur der jeweilige Meister durfte das Land vertreten) zwei deutsche Vertreter die Fahnen in den europäischen Fußballhimmel. Als Deutscher Meister nahm Rot-Weiß Essen an dem Wettbewerb teil, ging aber in der Gesamtheit rech deutlich mit 5:1 gegen Hibernian Edinburgh unter.
Der zweite deutsche Verein, der 1.FC Saarbrücken, startete für den Fußballverband des Saarlandes und sorgte im ersten Spiel für einen Paukenschlag im San Siro, den eigentlich nur die Schalker im Jahre 2011 wiederholen konnten. In der erste Runde (Achtelfinale) des Europapokals gewannen die Saarländer völlig überraschend gegen den haushohen Favoriten AC Mailand mit 4:3 und konnten damit den ersten Sieg einer deutschen Mannschaft in diesem heute so prestigeträchtigen Wettbewerb einfahren. Jedoch wurde Saarbrücken, anders als dem FC Schalke 04, im Rückspiel mit einer deutlichen 1:4 Heimniederlage die Grenzen aufgezeigt.
Die Eintracht bekehrt einen ganz Großen
Es sollte bis 1960 dauern, dass ein deutscher Verein erstmals das Endspiel des höchsten europäischen Wettbewerbs erreichen konnte. Die Eintracht aus Frankfurt zog nach teilweise beeindruckenden Siegen über den Wiener Sportclub und im Halbfinale über die Glasgow Rangers in das Finale ein. Dort wartete dann keine geringere Mannschaft als die Königlichen aus Madrid, die mit ihren Superstars Ferenc Puskás und Alfredo di Stéfano bisher alle 4 Spielzeiten des Europapokals der Landesmeister für sich entscheiden konnten.
In einem völlig verrückten Spiel vor 113.000 Zuschauern im ausverkauften Hampden Park von Glasgow gewann Real Madrid mit 7:3. Sir Bobby Charlton zeigt sich auch noch Jahre später beeindruckt und hält das Spiel für eines der besten aller Zeiten: "Mein erster Gedanke war, dieses Spiel ist ein Schwindel, geschnitten, ein Film, weil diese Spieler Dinge taten, die nicht möglich sind, nicht real, nicht menschlich!"
Ebenfalls vor Ort und in irgendeinem Block gut versteckt: ein 18-jähriger junger Mann. Das Spiel hatte ihn so aus den schottischen Socken gehauen, dass er sich schwor, sich von nun an vollends dem Fußball zu widmen und Kaugummis zu kauen. Mit Erfolg, der junge Mann war Sir Alex Ferguson.
"Isch bin ein Bearleener"
1963 ist in vielerlei Hinsicht ein historisches Jahr. Auf dem Rathausplatz von Berlin-Schöneberg sprach der Präsident der Vereinigten Staaten, John F. Kennedy, seine wohl berühmtesten Worte:" Isch bin ein Bearleener". Das die Rede hohe Wellen schlug, ist hinlänglich bekannt, wahrscheinlich landeten Ausläufer dieser Welle beim Deutschen Fußball-Bund, die daraufhin die Bundesliga starten ließ, 2 Monate später und vielleicht einstimmig nach dem Motto: "Wir sind Bundesliga."
Die Gründung der Bundesliga ist für den deutschen Weg im Europapokal der Landesmeister geradezu elementar. Die Deutschen profitierten ungemein von der immer weiter fortschreitenden eigenen Professionalisierung des Fußballs, sowie durch die Einführung des neuen Ligensystems. Selbst der FC Bayern München musste sich beschwerlich durch die Regionalliga kämpfen, um in der höchsten deutschen Klasse spielen zu können und sich damit für den großen Pokal qualifizieren dürfen. Und das sehr erfolgreich.
Hier geht´s weiter zu Teil 2!
Der deutsche Weg
Mittwoch. 20.45 Uhr. Ausverkaufte Stadien. Millionen Fans vor den Bildschirmen. Die besten Spieler ihrer Generation betreten die heiligen Fußballstätten dieser Welt. Sie lauschen einer klassischen Melodie, die die Augen eines jeden Fans zum Leuchten bringt.
Der prestigeträchtigste Wettbewerb auf Vereinsebene zieht jeden in seinen Bann, der sich auch nur ansatzweise für den Fußball interessiert. Doch um diese Strahlkraft zu erreichen, musste die Champions-League einen langen und steinigen Weg gehen. Um diesen Weg ein wenig mehr zu beleuchten, habe ich versucht, den Dingen auf den Grund zu gehen: Die mySpox-Thementage: Die Königsklasse des Fußballs.
"Interessanteste Mannschaft Europas"
Im Jahr 2011 gilt die Position des FIFA-Präsidenten unter Fußballfunktionären sicherlich nicht mehr als der ultimative Traumjob. Zum einen muss man unpopuläre Entscheidungen treffen, zum anderen erschüttern Korruptionsskandale das Manifest des Hauptsitzes in Zürich. Kommt dann noch dazu, dass man als amtierender Präsident eher auf einer Welle der Anti-als Sympathie reitet, scheint das Glück perfekt.
Jedoch gab es auch Zeiten, wo einem Präsidenten alleine durch seine Anwesenheit oder gewissen Äußerungen die Herzen der Menschen reihenweise zuflogen. Jules Rimet, Begründer der heutigen Fußballweltmeisterschaft, machte durch seine Aussagen die Saarländer glücklich. In den fünfziger Jahren bezeichnete er den 1. FC Saarbrücken als "interessanteste Mannschaft in ganz Europa." Doch warum?
Durch das autonome Saarland und dem damit verbunden eigenen Fußballverband, konnte die Truppe aus dem Saartal in keiner großen Liga starten. Stattdessen veranstalte man internationale Freundschaftspiele und war die erste deutsche Mannschaft, die Real Madrid besiegen konnte und das recht eindeutig mit 4:0.
Trotz alledem klaffte zwischen den professionalisierten Vereinen in Europa und dem deutschen Fußball eine gewaltige Lücke. Dennoch war es nicht der große FC Bayern oder ein Traditionsverein wie Schalke 04, die den ersten Sieg einer deutschen Mannschaft in der Königsklasse verzeichneten, es war der 1.FC Saarbrücken.
Saarbrücken macht den Schalker
In der Premierensaison des Europokals der Landesmeister 1955/56 hielten, eigentlich gegen die Gesetze, (nur der jeweilige Meister durfte das Land vertreten) zwei deutsche Vertreter die Fahnen in den europäischen Fußballhimmel. Als Deutscher Meister nahm Rot-Weiß Essen an dem Wettbewerb teil, ging aber in der Gesamtheit rech deutlich mit 5:1 gegen Hibernian Edinburgh unter.
Der zweite deutsche Verein, der 1.FC Saarbrücken, startete für den Fußballverband des Saarlandes und sorgte im ersten Spiel für einen Paukenschlag im San Siro, den eigentlich nur die Schalker im Jahre 2011 wiederholen konnten. In der erste Runde (Achtelfinale) des Europapokals gewannen die Saarländer völlig überraschend gegen den haushohen Favoriten AC Mailand mit 4:3 und konnten damit den ersten Sieg einer deutschen Mannschaft in diesem heute so prestigeträchtigen Wettbewerb einfahren. Jedoch wurde Saarbrücken, anders als dem FC Schalke 04, im Rückspiel mit einer deutlichen 1:4 Heimniederlage die Grenzen aufgezeigt.
Die Eintracht bekehrt einen ganz Großen
Es sollte bis 1960 dauern, dass ein deutscher Verein erstmals das Endspiel des höchsten europäischen Wettbewerbs erreichen konnte. Die Eintracht aus Frankfurt zog nach teilweise beeindruckenden Siegen über den Wiener Sportclub und im Halbfinale über die Glasgow Rangers in das Finale ein. Dort wartete dann keine geringere Mannschaft als die Königlichen aus Madrid, die mit ihren Superstars Ferenc Puskás und Alfredo di Stéfano bisher alle 4 Spielzeiten des Europapokals der Landesmeister für sich entscheiden konnten.
In einem völlig verrückten Spiel vor 113.000 Zuschauern im ausverkauften Hampden Park von Glasgow gewann Real Madrid mit 7:3. Sir Bobby Charlton zeigt sich auch noch Jahre später beeindruckt und hält das Spiel für eines der besten aller Zeiten: "Mein erster Gedanke war, dieses Spiel ist ein Schwindel, geschnitten, ein Film, weil diese Spieler Dinge taten, die nicht möglich sind, nicht real, nicht menschlich!"
Ebenfalls vor Ort und in irgendeinem Block gut versteckt: ein 18-jähriger junger Mann. Das Spiel hatte ihn so aus den schottischen Socken gehauen, dass er sich schwor, sich von nun an vollends dem Fußball zu widmen und Kaugummis zu kauen. Mit Erfolg, der junge Mann war Sir Alex Ferguson.
"Isch bin ein Bearleener"
1963 ist in vielerlei Hinsicht ein historisches Jahr. Auf dem Rathausplatz von Berlin-Schöneberg sprach der Präsident der Vereinigten Staaten, John F. Kennedy, seine wohl berühmtesten Worte:" Isch bin ein Bearleener". Das die Rede hohe Wellen schlug, ist hinlänglich bekannt, wahrscheinlich landeten Ausläufer dieser Welle beim Deutschen Fußball-Bund, die daraufhin die Bundesliga starten ließ, 2 Monate später und vielleicht einstimmig nach dem Motto: "Wir sind Bundesliga."
Die Gründung der Bundesliga ist für den deutschen Weg im Europapokal der Landesmeister geradezu elementar. Die Deutschen profitierten ungemein von der immer weiter fortschreitenden eigenen Professionalisierung des Fußballs, sowie durch die Einführung des neuen Ligensystems. Selbst der FC Bayern München musste sich beschwerlich durch die Regionalliga kämpfen, um in der höchsten deutschen Klasse spielen zu können und sich damit für den großen Pokal qualifizieren dürfen. Und das sehr erfolgreich.
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Aufrufe: 4764 | Kommentare: 3 | Bewertungen: 2 | Erstellt:16.07.2011
ø 10.0
KOMMENTARE
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16.07.2011 | 15:23 Uhr
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Poohdini :
Ich wusste gar nicht, dass wir Saarländer so eine Bedeutung für deutschen CL-Fußball haben^^
16.07.2011 | 18:55 Uhr
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