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09.01.2019 | 660 Aufrufe | 0 Kommentare | 0 Bewertungen Ø 0.0
Fußball-Transfers laufen aus dem Ruder
Der Wahnsinn im Kleinen
Die Absurdität der Fußball-Transfers steckt nicht in den dreistelligen Millonenwechseln

Zweihundertzweiundzwanzig. Eine Zahl, die den Fußball auf lange Sicht verändern würde, so viel schien klar. Erschütternd und durchschüttelnd. Im August 2017 wechselt Neymar für die Ablösesumme von 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain. Rekord, mit Abstand. Ein Erdbeben, ein Millionenrutsch. Gamechanger würde man in England sagen, Spielverderber würde es hierzulande gut treffen.

Denn der Neymar-Transfer war und ist für viele nur die Kirsche auf einer Torte, die man zwar immer noch gegessen hat, auch wenn sie einem schon länger nicht mehr geschmeckt hatte. Zweihundertzweiundzwanzig. Spätestens da stand fest: Die Torte ist schlecht, abgelaufen, verdorben.

Neymars Erben

Nun, eineinhalb Jahre später, hat sich viel getan. Immerhin: Neymar ist immer noch der teuerste Spieler der Welt. Mehr als 200 Millionen wurden nicht noch einmal ausgegeben. Klar, die Katalanen haben das Geld nicht unter dem Kopfkissen verstaut, sondern es in feuchte Fußball-Manager-Träume angelegt: Philippe Coutinho und Ousmane Dembélé. Zwei Top-Jungstars, Versprechen an die Zukunft. Teure Beine, goldene Zukunft das kostet. Im Fall von Barcelona sogar insgesamt über 250 Millionen Euro.

Doch es sind beileibe nicht die einzigen Erben Neymars und schon gar nicht die bedeutsamsten. Die Wechsel von Coutinho und Dembélé nach Spanien sind nur der Beweis, was man schon wusste: Qualität kostet, mittlerweile eben mehr. Das alles ist ein Geschäft geworden, das solche Summen eben hervorbringt. Angebot und Nachfrage, eine einfache Rechnung. Neben der Qualität sind es bei Coutinho und Dembélé auch das Alter und die jeweils lange Vertragslaufzeit. Variablen, die den Preis genauso in die Höhe treiben, wie der prallgefüllte katalanische Geldbeutel. Coutinho und Dembélé gehören aber trotz ihres jungen Alters schon zur Internationalen Spitze, haben den Fuß in der Tür zur Weltklasse. Überzogene Preise? Ja, aber auch nachvollziehbar.

Der Fisch stinkt von unten her

Das Gegenteil dazu passiert aber aktuell in der Bundesliga. Und das sind eben nicht die Transfers mit dreistelligen Millionenbeträgen, sondern andere. Uli Hoeneß meinte einst, der FC Bayern würde den Wahnsinn nicht mitmachen. Jahrelang rühmte man sich bei den Bayern, dass man international mithalten kann, ohne die ganz hohen Summen auf den Tisch zu legen. Das ist nicht falsch, es ist aber auch nur ein Teil der Wahrheit. Mit dem Transfer von Renato Sanches wähnten sich die Bayern als Schnäppchenjäger.

Der damals 18-jährige Portugiese, frischer Europameister, Hoffnungsträger, ein weltweit gejagtes Talent - für die ach so geringe Summe von 35 Millionen. Zum Vergleich: Corentin Tolisso, der ein Jahr später zu den Bayern wechseln sollte, kostete als Rekordtransfer keine zehn Millionen mehr. Sanches entpuppte sich bis jetzt als Fehlkauf, 35 Millionen in den Wind geschossen. Klar, die Anzeichen waren gut, Sanches war ein Versprechen für eine große Zukunft. Eines, dass nicht eingehalten wurde. Bisher.

Nun sind die Bayern wieder bereit, eine ähnliche Summe auf den Tisch zu legen. Zwischen 35 und 39 Millionen sind die Münchner bereit für Callum Hudson-Odoi zu zahlen. Callum wer? Das möchte man fragen. Hudson-Odoi ist ein 18-jährige Flügelspieler von Chelsea London. Bilanz in der aktuellen Saison: 42 Minuten Spielzeit in der Premier League. Zweiundvierzig! Klar, in der Europa League spielte er in vier Partien, traf einmal, legte einen Treffer vor. Trotzdem ist Hudson-Odoi kein Stammspieler, nicht mehr als ein vielversprechendes Talent. Noch nicht. Außerdem hat er nur noch eineinhalb Jahre Vertragslaufzeit, eine Variable, die Kostensenkend wirken müsste. Eigentlich. Die Bayern wollen ihn unbedingt, so Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Klar, die Bayern brauchen den Umbruch, jetzt. Besser als nie, denn spät ist es schon. Die Verpflichtung von Benjamin Pavard (ebenfalls für 35 Millionen) und das Interesse an Lucas Hernandez, für den man wohl bereit ist die Ausstiegsklasusel von über 80 Millionen zu bedienen, bezeugen das. Aber Hudson-Odoi ist wie Neymar, die Kirsche auf der Torte. Und man geht fast in Richtung Rekordtransfer. Das Transfergebahren wirkt ein wenig panisch, wurde von einigen Seiten aber schon seit Jahren so gefordert.

Sicher ist aber: Der Wahnsinn ist real.

Das belegt auch ein weiterer Transfer. Wieder sind die Zutaten einfach: Ein Bundesligist, der FC Chelsea, ein junger Flügelspieler, ein Versprechen. Die Engländer zahlen für Christian Pulisic von Borrusia Dortmund 62 Millionen Euro, leihen den US-Amerikaner zudem noch ein halbes Jahr aus. Pulisic, gerade 20 und in den USA als the next big thing gehyped, wechselt also erst ein Jahr vor Vertragsende nach England. Man möchte nicht hochrechnen, wie viel er gekostet hätte bei längerer Vertragslaufzeit.

Pulisic hat große Anlagen, und vor allem einen großen Vermarktungswert. 62 Millionen sind dennoch eine Hausnummer, die für Kopfschütteln sorgen muss. BVB-Sportdirektor Michael Zorc wird den Vertrag mit einem innerlichen Freudentanz unterzeichnet haben. Bei aller Trauer über den Verlust eines Talents, denn mehr ist Pulisic aktuell nicht. Keine 500 Minuten kam Pulisic in der aktuellen Spielzeit zum Einsatz, nur zweimal über die vollen 90 Minuten. Und dennoch streicht der BVB 62 Millionen ein.

Pulisic und Hudson-Odoi sind keine Ausnahmefälle, es sind nur die aktuellsten Beispiele einer ungesunden Entwicklung. Die Liste kann weitergeführt werden, gefühlt endlos. Dass es anders geht, zeigte der BVB. Jadon Sancho war ebenfalls ein Versprechen, mit acht Millionen zwar teuer aber eben nicht fernab jeglicher Relation.

Die Absurdität liegt wie die Schönheit meist in den kleinen Dingen. So ist es auch im Fußball. An dreistellige Millionensummen hat man sich bei großen Wechseln schon gewöhnt. Der Wahnsinn sind aber die Preise für Spieler, die sich noch nicht einmal bewiesen haben. Für Spieler, die Wertanlagen sind. Anlagestücke, bei denen noch nicht klar ist, ob es sich auszahlt. Es gibt keine kleinen Transfers mehr.

Aber das ist wohl der Preis.

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